Das Singen ist des Vaters Lust

Als Papa stoße ich immer wieder in neue Welten vor. Das hörte auch einige Wochen nach der Geburt unserer Tochter nicht auf, als meine Frau meinte „So, du Papa, hier ist ein Kinderliederbuch. Dann sing mal deiner Tochter ein Lied vor!“ – What? Ich? Niemals! Singen musste ich damals immer in der Kirche. Da wurden Lieder geträllert, die so schwermütig, traurig und deprimierend klangen, dass ich für’s Leben geprägt bin. No way!

Wobei ich sehr gerne singe. Wenn es mir richtig gut geht, dann pfeife ich ein Liedchen oder summe auch mal vor mich hin. Mmh, oke, das ist kein Singen. Bei Robbie Williams singe ich immer mit… ah, nein, nicht für Kinder geeignet. Aber damals, als ich mich von meiner Ex getrennt hatte, da habe ich gesungen… Oje, ich bin gezeichnet für’s Leben. Singen ist nicht mein Ding. Und jetzt soll ich also für dieses kleine Wesen singen? Was gibt es denn für Lieder? Meine Eltern haben mit mir früher nie gesungen. Oke, außer in der Kirche.

Die Herausforderung

„Hier, da hast du ein Kinderliederbuch, probier’s einfach mal, wenn keiner zuhört.“ Toller Vorschlag. Es vergehen einige Tage, dass Buch liegt provokant und sichtbar auf dem Wohnzimmertisch. Naja, ein Blick hinein kann ja nicht schaden. Oh, das sind ja Lieder, die ich überhaupt nicht kenne. Kein Hänschen Klein, der alleine irgendwo hingeht oder Bruder Jakob, der immer noch schläft. Da scheint sich ja einiges an der Kinderliederfront getan zu haben.

Weil ich so ein Ass im Singen bin und früher in Musik lieber gemalt als aufgepasst habe, suchte ich mir bei Amazon Prime erst mal die Lieder raus. Siehe da, die schönsten Kinderlieder Vol 1-3. Meine Frau geht seit Dezember wieder arbeiten, Zeit genug also, die Lieder zu lernen. Von „Hallo, schön, dass du da bist“ über „Die Hupe vom Bus die macht tut tut tut…“ bis zu hin „Ein großer, ein runder, ein blauer Luftballon“. Bei letzterem können übrigens die Farben ausgetauscht werden. Großartig!

Jetzt, wo ich weiß, wie die Melodien klingen, schnappe ich mir meine Tochter, nehme sie auf den Schoß und beginne mit ihr die Lieder aus dem Kinderliederbuch zu singen. Dabei klopft und klatscht sie in die Hände, ist voller Freude und versucht teilweise schon mitzusingen. Hört sich allerdings sehr komisch an, eher wie ein „löde löde lö“. Tolle Momente sind das.

Was dann geschah

Durch das Liederbuch ergeben sich immer wieder schöne Momente, die sehr bereichernd sind. Mittlerweile wackelt die Kleine mit ihrem Po, klatscht und freut sich. Auch ich habe keine Angst mehr zu singen. Neulich habe ich mich beim Einkaufen ertappt, als ich Lalelu sang, die Kleine vorm Bauch hatte und mich vor allem Frauen strahlend angrinsten. Erinnert sich noch jemand an die Kondomwerbung mit Hella von Sinnen an der Kasse? Das ist nichts gegen Singen!

Mittlerweile kommt sogar meine Frau zu mir und fragt leicht verwirrt, wie denn noch mal dieses Lied mit dem Händewaschen geht. Sie steht dann vor mir und macht irgendwelche Gesten und gibt Fetzen eines Liedes wieder. Ein schönes Bild. Bald ist ihr Geburtstag, anscheinend bereitet sie sich auf den Besuch vor. Es werden einige Eltern mit ihren kleinen Kindern erwartet. Ich werde mit ihr mal einen Nachmittag Kinderlieder üben. Dann setze ich mich mit ihr ins Wohnzimmer, schalte die Anlage an und singe ihr aus dem Kinderliederbuch vor.

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