Das erste Mal Papa werden – wie Fliegen (nur anders)

das erste Mal

Damals war ich erst 13 Jahre alt, im Sommerlager 1997 auf dem Flugplatz in Stadtlohn-Vreden. Mein Fluglehrer stieg nach einem Checkflug nicht wieder ein. „So Heiner, das machst du dann jetzt allein. Keine Sorge, du kannst das. Einfach dran denken, oben geblieben ist noch keiner,“ grinste er mich an. Viele Jahre später nehme ich an einem Geburtsvorbereitungskurs teil und fühle mich irgendwie an das erste Mal zurück erinnert. Ich bin jetzt 32 Jahre alt und werde bald das erste Mal Papa. Liebevoll gibt uns die Hebamme die warmen Worte mit auf den Weg: „Keine Angst liebe Männer. Egal, was passiert. Es ist noch kein Baby drin geblieben.“

Das erste Mal im Flugzeug

Endlich, ja endlich ist es soweit. Was für ein großartiger Moment. Doch jetzt heißt es Konzentration. So viel habe ich in den letzten Tagen gelernt und immer wieder geübt. Es beginnt beim Startcheck, alle Ruder werden überprüft und die Instrumente gecheckt. Die Wetterverhältnisse, der Luftraum und natürlich meine körperliche Verfassung. Alle Sicherheitsgeräte dabei? Fallschirm angezogen und fest angeschnallt. Die Verfahren bei einer Startunterbrechung sind mir bekannt. Abhängig von der Höhe und den Wetterverhältnissen geradeaus landen oder eine verkürzte Platzrunde fliegen. Ich gebe dem Starthelfer das Kommando: „Startklar, es kann eingeklingt werden!“ Mein Puls steigt.

Das Seil wird eingeklingt und im nächten Moment von der Winde angezogen, bis es stramm ist. „Seil straff, fertig“ teilt die Person am Telefon dem Windenfahrer auf der gegenüberliegenden Flugplatzseite mit. Kurze Stille. Doch plötzlich reißt mich das dünne Stahlseil ruckartig in den Himmel. Wow, was für ein Gefühl. Das Flugzeug hebt wie ein Ballon vom Boden ab und steigt auf 400 m Höhe. Nach etwa einigen Sekunden löst sich das Seil automatisch. Die Verbindung zum sicheren Boden ist gelöst. Jetzt bin ich wirklich frei.

Das erste Mal im Kreissaal

Februar 2016 um 4 Uhr nachts. Unsere Kleine hat entschieden, dass ich an diesem Montag nicht zur Arbeit fahren muss. Schnell sind die Sachen gepackt, wie wir es im Vorbereitungskurs gelernt haben. Alles dabei? Im Kopf gehe ich noch einmal die wichtigsten Punkte des Geburtsvorberitungskurses durch. Klamotten: check. Wickeltasche: check. Frau: check. Mit dem Auto fahren wir die kurze Strecke zur Klinik. Wir gehen noch mal alles durch. Nach kurzem Überlegen stelle ich fest, dass nicht viel vom Geburtsvorbereitungskurs hängen geblieben ist. Wir Männer haben uns damals hauptsächlich über unsere Frauen unterhalten. Thema: „Gegenwärtige Herausforderungen beim Netzbau-Trieb und was das mit der Beziehung macht.“ Egal, wird schon. Klingeln am Eingang zum Kreissaal, Aufnahme, Wehenschreiber, Pressen, Kind da. Ganz einfach.

Die Startvorbereitungen sind soweit abgeschlossen. Wenn etwas schief gehen sollte, wissen wir, dass direkt nebenan die Kinderambulanz ist mit Vollversorgung. Das beruhigt. Es fehlt nur noch das Kommando vom Baby. Das lässt aber einige Stunden auf sich warten. Erst kurz nach 20 Uhr ist es dann endlich soweit, „Seil straff, fertig.“ Die Fruchtblase platzt, es geht los. Für einen kurzen Moment schießen mir Freudentränen in die Augen. Doch meine Frau spürt die Wehen jetzt noch schmerzhafter. Schlechter Zeitpunkt für Emotionen, jetzt muss ich supporten. Unter der liebevollen Anleitung der Hebamme kommt unsere Kleine schließlich nach einigen Stunden zur Welt. Ich trenne die sichere Verbindung zwischen Baby und Mutter. Jetzt bist du wirklich da. Willkommen Kleine Maus.

Alle Male sind besondere Male

Das erste Mal Sex, das erste Mal Autofahren, das erste Mal einen Job beginnen oder das erste Mal Papa werden. Jedes dieser ersten Male war und ist etwas besonderes. Bisher habe ich auf die Frage, was mich emotional am stärksten berührt hat, geantwortet: Das erste Mal alleine Fliegen. Seit der Geburt meiner Tochter hat sich das geändert. Und dabei ist es doch egal, ob es die erste Geburt oder die zweite Geburt ist. Es ist immer irgendwie das erste Mal.

Ein Ritual, das zusammen führt

Es ist eine lang gehegte Tradition im Luftsport, dass die „Freiflieger“ nach der dritten Landung einen Blumenstrauß überreicht bekommen. Bei uns am Flugplatz werden die Flugschüler noch zusätzlich in die Niers geworfen. Wie das aussieht und warum das so ist, steht hier im Blog des Vereins. Die Blumen beim so genannten „Freiflug“ pieksen und zwicken, denn er besteht hauptsächlich aus Disteln. Das soll Symbol für eine feinfühlige Hand am Steuerknüppel sein. Zur Geburt kamen auch viele Menschen und überreichten uns Blumen, allerdings ohne Disteln. Das ist auch Tradition. Als Ritual wurde das Baby herumgereicht. Oma, Opas, Onkeln und Tanten. Herzlich willkommen in deiner Familie.

Wie war dein erstes Mal als Papa? Wie siehst du das? Nicht immer geht alles glatt, auch das ist ein erstes Mal. Hat sich deine Perspektive verändert? Ich bin gespannt auf deine Erfahrungen.

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Hi. Ich bin als Vater, Ehemann, Sozialarbeiter und Luftsportler in verschiedenen Welten unterwegs. Am liebsten sause ich mit meiner Familie im Fiete Bus durch die Natur, auf der Suche nach Abenteuern. Als Sozialpädagoge sehe ich vieles kritisch. Manchmal schreibe ich auch darüber. Hin und wieder trifft man mich auch am Flugplatz in Grefrath.

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  1. Pingback: Ein Tag am Segelflugplatz - vaterwelten.de

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