Geschlechterstereotypen im Kopf – Gender aktiv

Meine Tochter nennt mich seit ein paar Wochen „Ma“. Zunächst war ich irritiert, denn schließlich bin ich „Papa“ und nicht „Ma“. „Ma“ hört sich wie die Kurzform von Mama an. Das hat mich, typisch HSP, zum Nachdenken gebracht.

Geschlechterstereotypen

Wir sagen Papa zum Vater und Mama zur Mutter und haben direkt ein Stereotyp im Kopf. Mama ist die stillende Mutter, die einfühlsam und mit viel Liebe ihr Kind beschützend in den Armen hält. Mamas tauschen eher ihre Karriere gegen Kindererziehung als Papas. Die wiederum sind aktiver und raufen sich mit ihren Kindern, schimpfen eher als Mamas und sind leistungsorientierter. Papas Karriere geht weiter, Kindererziehung findet nach Feierabend oder am Wochenende statt. Vielleicht sind da noch weitere Merkmale, die zu den Stereotypen passen. Ganz sicher sogar.

Ich gebe zu, die Geschlechterstereotypen von Mann und Frau sind auch in meinem Kopf verankert! Meine Tochter schwert das gar nicht, schließlich kennt sie die klassischen Rollenbilder (noch) nicht. Die wird sie noch früh genug kennenlernen. Dass die Kleine mich Ma nennt, finde ich großartig. Sie hinterfragt doch automatisch das statische Denken über Geschlechterrollen in unseren Köpfen. Viele würden reflexartig antworten: „Nein! Papa. Pa-pa.“ Stattdessen krame ich noch mal den tollen Blog von Jochen König heraus und suche Bestätigung für das, was meine Tochter da sagt. Seine Texte über Familie und Geschlechterrollen sind so aufklärend und wahr, dass ich mich wieder in die Gender-Seminare meines Studiums zurück versetzt fühle. Ja, das Denken über diese Klischees und Stereotypen entsteht zwischen den Ohren. Bitte mehr davon!

Ein Mann ist ein Vater ist ein(e) Ma

Wenn sich also zwei Personen, Mutter und Vater, liebevoll um den Nachwuchs kümmern, dann ist es doch egal, wer Mama und wer Papa ist, oder? Sind da nicht Feinfühligkeit, Achtsamkeit, Nähe und Liebe die wichtigsten Merkmale? Und: können nicht auch Väter die Mutterrolle ausfüllen. Wenn ja, dann ist doch nichts dabei, wenn das Kind den Vater „Mama“ oder „Ma“ nennt, oder? Ist es nicht Lob und Anerkennung des Kindes für die Nähe, Vertrauen und Bindung zum Vater?

Oje, das passt natürlich nicht in das Rollenbild der Gesellschaft. Nur gut, dass wir anders sind. Meine Frau witzelt eh schon immer rum, dass sie der Mann in unserer Beziehung ist und ich eher die Frau. Jedenfalls provozieren wir so nicht nur Stirnrunzeln, sondern irritieren auch. Wenn mich also unsere Kleine „Ma“ nennt, dann ist das vielmehr Zeichen dafür, dass sie ebenso viel Liebe, Zuneigung und Achtsamkeit erfährt, wie von ihrer Mama. Das macht mich vor allem stolz. Und, ganz ehrlich, „Ma“ passt doch viel besser zu meiner Attitüde. Jeder Pa sollte ein Ma sein!

Ich freue mich schon auf die irritierenden Blicke, wenn meine Kleine auf dem Spielplatz ruft „Ma, ich will Rutschen!“ und ich ihr Hilfestellung gebe. Großartig!

2 Kommentare » Schreibe einen Kommentar

  1. Pingback: Blogparade: Was begeistert mich an meiner Vaterschaft? #WasDuDrausMachst - vaterwelten.devaterwelten.de

  2. Wir haben alle beide Teile ins uns. Der Mann hat weibliche Aspekte in sich, die Frau männliche. Die Kunst ist, beide zu leben. Dennoch sind wir nicht gleich und werden es nie sein. Eine Frau ist eine Frau. Ein Mann bleibt ein Mann. Dualität. Ohne Dualität existiert kein Leben. Ohne Tag keine Nacht, ohne groß kein klein, ohne Hass keine Liebe. Ohne Plus kein Minus. Alles bedingt einander.
    Ein Vater kann nicht die Muterrolle erfüllen, genausowenig wie eine Mutter den Vater ersetzen kann. Zum Schöpfungsakt werden beide benötigt.
    Unabhängig von gesellschaftlichen Rollenbildern, sind Frauen Venus, Männer Mars.
    Frauen sind weich, sanftmütig, sie halten die Familie zusammen und behüten das traute Heim. Eine Frau harmonisiert, sie fühlt. Was nicht heißen soll, dass ein Mann das nicht kann. Er hat ja auch weibliche Anteile in sich. Diese sind, ist er im Gleichgewicht, aber nicht vorrangig.
    Ein Mann sollte der Frau und seiner Familie Stabilität und Sicherheit geben können. Er ist der lebensspendende Teil, er ist der Beschützer und der Kopf.
    Frau: Implosion (der Orgasmus zum Beispiel basiert auf Kontraktion, Zusammenziehen) Beim Mann: Explosion (SamenERguss) und das schöne … Bei einer Geburt gehen beide Teile Hand in Hand 🙂 die Wehen: Kontrakion, das Pressen dann eine Explosion. Ohne das eine oder das andere läuft es nicht.

    Vielleicht konnten dich meine Worte inspirieren.
    Denn betrachten wir die heutige Gesellschaft, ist das meiste auf dem männlichen Prinzip aufgebaut … Autos fahren, weil das Benzin entzündet wird und quasi explodiert, immer und immer wieder … Strom; Kernspaltung … im Schulsystem wird alles auf Intellekt und Logik aufgebaut (vielleicht ist es mittlerweile eeetwas anders, ich bin 27, kann also nur über meine Zeit sprechen), selbst in der Medizin: Was du nicht prüfen und messen kannst, ist nicht erwiesen und somit nicht wirksam. Was du fühlst ist also eigentlich nicht wichtig. Placeboeffekt wird belächelt.
    Leistungsgesellschaft, machen machen machen, aber nicht fühlen … Wäre hier alles nach dem wahren dualen Prinzip aufgebaut, in dem das männliche mit dem weiblichen Hand in Hand geht, würde es Harmonie und Frieden geben. Aber aus dem Grund wurde auch die Emanzipation geschaffen. Die Frauen wollen wir Männer „gleichberechtigt“ sein. Frauen sind aber nicht wie Männer. Uns fehlen Frauen, die ihre Urweiblichkeit leben, weil sie sie abtrainiert bekommen haben. Die weiblichen Aspekte werden als schwach und weinerlich abgestempelt, dabei liegt genau in ihnen die Kraft. Soll nicht heißen dass auch ein Mann mal weinen darf. Das wiederhole ich stets. Ich distanziere mich von blau und rosa, Auto und Puppe. Aber Pillermann und Mumu sind nicht gleich. Das innere ist nicht gleich. Das äußere ist nicht gleich und das soll es auch nicht. Die Schöpfung hat Mann und Frau geschaffen, weil Mann und Frau einander ergänzen. Wären sie gleich, wäre dies nicht mehr möglich.

    Alles Liebe für eure Familie!

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