Wenn-Dann-Beziehung zwischen Vätern und Kindern

Wenn-Dann-Beziehung

Als hochsensibler Mann und Vater ist mir Beziehung sehr wichtig. Gleichzeitig achte ich sehr auf Kommunikation. Also nicht nur auf das, was gesagt wird, sondern auch auf das, wie es gesagt wird. Die Kommunikation in der Kommunikation, die Meta-Ebene. Dabei bleibe ich oft an Wörtern hängen, kombiniere und analysiere die Gestik und Mimik und seziere sämtliche Information aus diesem Stück Kommunikation. Warum ich das mache, weiß ich nicht, aber ich tue es. Zum Leidwesen meiner Mitmenschen. Das passiert ständig, doch nicht immer lasse ich es mir anmerken. Das fällt mir allerdings sehr sehr schwer.

Wenn mich ein Wort dazu noch richtig an triggert, dann bleibe ich buchstäblich daran kleben und studiere alles: Was will derjenige damit sagen, welche Selbstoffenbarung versteckt sich hinter dem gesagten, was hat das Ganze mit mir zu tun, habe ich etwas falsch gesagt oder getan, und so weiter. Wenn jetzt allerdings noch jemand drittes hinzukommt und ich nur Beobachter einer Situation bin, dann schwingen gleich ganze Emotionen der beiden Protagonisten mit. Ich sauge quasi die Stimmung der beiden auf, gute und schlechte Stimmung. Letzteres ist schwer auszuhalten.

Nehmen wir als Beispiel den Zoobesuch vom Samstag. Vater und Sohn spazieren vor uns her und plötzlich sieht der etwa anderthalb jährige Junge eine kleine Pfütze, geht hin und bleibt neugierig vor ihr stehen. Ich grinse meine Frau an und wir beide wissen, was in dem Knirps vor sich geht. Er reibt sich die Hände und am liebsten würde er sofort hineinspringen. Plötzlich dringen mahnende Worte laut durch die Luft. „Jakob, wenn du da reinspringst, dann fahren wir sofort nach Hause!“ ruft der Vater dem kleinen Mann zu.

Da sind sie wieder, diese bösen Worte. „Wenn du das machst, passiert etwas, was dir nicht gefällt!“ Oje, eine Strafe liegt in der Luft. Als Selbstoffenbahrung des Vaters hake ich auf meinem inneren Zettel die Kategorie „Wenn-Dann-Beziehung“ ab. Solche Worte machen mich traurig und sorgen für ein komisches Gefühl im Bauch. Wenn-Dann-Beziehungen bedeuten für mich, dass es nur Liebe gibt, wenn Kinder funktionieren. Neugierde hin, Entdeckerdrang her, es zählt das, was die Eltern sagen. Kein Platz für Aushandeln und Diskutieren.

Ja, niemand ist perfekt und sicherlich ist das nur eine Momentaufnahme. Doch mir tut der kleine Mann leid, der um seine tolle Erfahrung gebracht wird. Nicht in die Pfütze springen zu können, sondern vielmehr die Erfahrung mit dem Vater auszuhandeln, was passiert und was nicht passiert. Im Grunde tut mir der Vater auch leid, weil er sich um eine Erfahrung gebracht hat, die sicherlich beiden gutgetan hätte. Wenn-Dann-Beziehung haben immer etwas von Macht zu tun, also eine stärkere Instanz (Eltern) üben ihre Situation über eine schwächere Instanz (Kinder) aus. Auf Augenhöhe wäre eine Diskussion möglich, ein Aushandlungsprozess, dass auch Kindern ermöglicht daran zu wachsen.

Kinder bauen Spannung auf und müssen diese Spannung abbauen. Das passiert entweder, indem sie in die Pfütze springen, oder wie in diesem Falle über die Bestrafung weinen und schreien. Ein dritter Weg ist oft undenkbar, liegt aber so nah. Ablenkung von der eigentlichen Situation, indem der Vater mit dem Sohn ein Rennen zum Zebra-Gehege macht oder plötzlich ganz laut „Nein, was ist das denn hier, Wahnsinn, Jakob, schau mal, was ich gefunden habe“, ruft. Zumindest bei unserer Tochter klappt das ganz gut und sorgt für witzige Situationen, weil sich dann noch mehr Spannung aufbaut. Da muss also wirklich etwas Tolles sein, sonst rennt sie zurück zur Pfütze.

Ja, ich bin ehrlich, das klappt bei mir auch nicht immer. Erst letztens habe ich meiner Tochter gesagt, sie solle das Lätzchen anziehen, dann bekommt sie das Essen. Zack, der Ärger war vorprogrammiert. Warum wollte ich es? Ganz einfach, weil ich wusste, dass sie sich bekleckert. So what, wo ist das Problem? Dann zieht sie den Schlabberlatz eben nicht an und bekleckert sich. Wir sind hier nicht auf Intensivstation, wo es um Leben und Tod geht. Im selben Moment habe ich mich tierisch über mich selbst geärgert, denn ich mag diese „Wenn-Dann-Drohungen“ nicht, sie sind Gift für die Beziehung zwischen Menschen.

Ich wünsche mir daher weniger „Wenn-Dann-Beziehungen“ und mehr Spaß und Neugierde im Aushandlungsprozess zwischen Eltern und Kindern. Das ist spannend und lehrreich zugleich. Ganz ehrlich, es ist Samstag, das Wetter ist schön und ich unterstelle dem Vater jetzt einfach, dass er den Kleinen unter der Woche wenig siehst, weil er viel arbeitet. Also, liebe Väter, habt den Mut euch auf eure Kinder einzulassen und vertraut ihnen. Sie sind wie ihr im Lernprozess und jede Erfahrung, um die ihr sie beraubt, ist eine tolle Erfahrung weniger. Auch für euch!

Unsere Tochter ist dann übrigens in die Pfütze gesprungen und war an den Füßen klitsch nass. Gut, dass wir mittlerweile Wechselsachen dabeihaben! Hat auch ein wenig gedauert, bis ich entspannter wurde, es lohnt sich!

2 Kommentare » Schreibe einen Kommentar

  1. Ja du hast Recht. Ich mag dieses Wenn Dann Getue auch nicht. Und trotzdem rutscht mit ab und zu ein solcher Satz raus. Ich ärgere mich. Und doch passiert es sicher noch einmal. Je mehr Kinder desto entspannter wird man bei sowas aber auch. Vielleicht hatte der Papa auch eben gerade keine Wechselsachen dabei oder oder oder….
    Ich weiß absolut was du meinst und gebe dir Recht. Aber es stimmt auch dass es nur eine Momentaufnahme war…
    Liebe Grüße

  2. ….oh ja, eine fiese und wahrscheinlich anerzogene “Geschichte”. Hätte der Vater gesagt:” Jakob, wenn du jetzt in die Pfütze springst, werden deine Schuhe und Füße nass.” Wäre es erstens die Wahrheit gewesen und ggf. wäre Zeit zum Verhandeln entstanden. Denn ich würde behaupten das Ablenkungs-Spiel funktioniert nicht ewig und vielleicht auch nicht immer. In jedem Fall ein wichtiges Thema!
    LG Lina

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