Konsumkritik – Level 1: Plastik vermeiden

Es ist Anfang November. Meine Tochter im Fahrradsitz hinter mir. Mit dem Hollandrad geht es die Straße entlang zum Discounter. Der Regen fällt uns ins Gesicht, es ist kalt. „Scheiße, ist das kalt“ murmle ich. Wahrscheinlich denkt meine Tochter das auch, sagt aber nichts. Tapferes Mädchen.

Es ist wieder einer der Tage, an denen wir zusammen mit dem Rad zum nahegelegenen Discounter fahren. ,Täglich grüßt das Murmeltier‘, denke ich mir und schiebe den Chip in den Einkaufswagen. „Eintaufwan, haben!“ Der neue Markt hat irgendwie vergessen, Einkaufswagen für Kinder zu bestellen, weswegen ein lauter Protestsong erklingt. ,Kleine Rebellin‘ grinse ich! Auf die Alternative mit der Trage angesprochen, dreht sie sich zum Eingang und signalisiert, dass ich doch endlich kommen soll. ,Das zieht immer‘, denke ich mir und wir laufen los.

Es geht vorbei am Müsli, Brot, Marmeladen, Schokoaufstrichen, Gebäck und Spirituosen hin zum Obst und Gemüse. Noch gibt es keine Verhandlungen über Süßigkeiten. Die bunten Farben und Bilder auf den Verpackungen haben aber ihren Reiz. ,Hier liegen aber auch viele Süßigkeiten.‘ denke ich mir. Zucker und Plastik. Warum mache ich mir eigentlich Gedanken über Süßigkeiten? Weil mir wichtig ist, was meine Tochter zu essen bekommt? Eine Chipstüte landet im Wagen. Ich denke nach. Wir schieben den Wagen weiter zum Obst und Gemüse. Ich lasse den Blick über die Auslage schweifen und stelle mit Erschrecken fest, dass die meisten Lebensmittel in Plastik eingepackt sind. ,War das eigentlich schon immer so?‘ frage ich mich und greife nach einem dünnen Blastikbeutel, die überall ausliegen. Stopp. Moment, kurz inne halten. Das geht doch auch anders, oder?

Gemeinsam mit der Tochter suche ich nach Lebensmitteln, die nicht in Plastikfolie verpackt sind. Pflaumen mag sie gerne. Nur leider liegen die fünf Stück in einer Plastikschale und sind auch noch mit Plastikfolie eingeschweißt. Die lassen wir also liegen. Äpfel und Birnen gibt es sowohl eingetütet als auch offen. Ein Blick auf das Preisschild verrät die Herkunft: Südafrika, Neuseeland, Frankreich. Deutschland! Ah verdammt, sind eingeschweißt. ,Mist‘ denke ich, das kann doch nicht so schwer sein. Regionale Lebensmittel sind in Plastik eingeschweißt und die ohne Plastikverpackung haben einen weiten Weg hinter sich? Irgendetwas läuft hier doch falsch! Versuche meiner Tochter zu erklären, was mich gerade beschäftigt. Versuche Kraftausdrücke zu vermeiden. Gelingt mir fast. Tochter neben mir ruft „Was ein Blödsinn“. Eine Oma schaut irritiert.

Auf dem Weg zur Kasse blicke ich in den Einkaufswagen. Stelle fest, dass scheinbar alles in Plastik verpackt ist. Das deprimiert mich. Trotzdem packe ich alles aufs Band und zahle. „Wir müssen etwas ändern!“ rede ich auf meine Tochter ein. „Wir werden etwas ändern!“ lege ich nach. Mit dem Fahrrad geht es zurück durch den Regen. Wie war das im Studium mit Motivation und Volition? Motivation ist die Handlungsbereitschaft zu einem Ziel. Volition ist die Umsetzung von Zielen und Motiven. ,Mh, kann ja nicht so schwer sein‘, denke ich. Immerhin waren wir schon mal auf dem Wochenmarkt. Werde das Thema zu Hause mal im Familienrat besprechen. Es muss doch möglich sein, auf Plastik zu verzichten. „Ist das talt“ ertönt es von hinten. „Wir sind gleich zu Hause,“ grinse ich, „noch fünf Minuten!“

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