Equal Care Day 2017

Equal Care Day 2017

Wir leben Equal Care! Zusammen mit unserer einjährigen Tochter wohnen wir in einer gemütlichen 60qm Wohnung in Krefeld. Schon bevor sie auf die Welt kam war uns klar, dass wir nicht das klassische Rollenmodell leben werden. Die ersten 14 Monate der Elternzeit haben wir daher gerecht aufgeteilt, um eine gute Beziehung zu unserer Tochter aufzubauen. Gleichzeitig sind wir Familienmenschen und setzen alles daran, dass wir auch in Zukunft die gemeinsame Qualitätszeit über die berufliche Karriere stellen.

Im Rahmen des Equal Care Day 2017 haben wir den Fragebogen von Almut Schnerring und Sascha Verlan beantwortet.

equalcareday.de: Wie ist die CareArbeit bei euch zuhause auf die Erwachsenen verteilt? Gibt es feste Zuständigkeiten?

Heiner: „Corinna verlässt um kurz vor 8 Uhr das Haus, dann beginnt meine Papazeit. Neben den täglichen Care Pflichten nutzen wir die freie Zeit und besuchen den Zoo oder gehen spazieren. Wird die Kleine müde, bringe ich sie ins Bett. Kurz bevor Corinna nach Hause kommt, bleibt noch Zeit zum Kochen.“

Corinna: „Ab 14 Uhr beginnen meine Momente mit der Kleinen. Gleichzeitg versuche ich Heiner etwas zu entlasten. Es wird erledigt, was anfällt, doch einer von uns ist stets für unsere Tochter eingeplant. Wenn mittwochs die Oma und donnerstags der Opa für ein paar Stunden kommen, können wir auch schon mal etwas zusammen unternehmen. Letzte Woche haben wir es zum Beispiel endlich geschafft den Keller aufzuräumen.“

Heiner: „Gegen 19 Uhr, wenn die Kleine schläft, haben wir den Abend für uns. Jeden Dienstag gehen wir mit Freunden Bowling spielen. In dieser Zeit übernimmt der Opa die CareArbeit. Gleichzeitig gestehen wir uns jeweils einen Nachmittag freie Zeit pro Woche zu, damit die eigenen Bedürfnisse nicht auf der Strecke bleiben.“

equalcareday.de: Warum teilt ihr euch anfallende CareArbeit untereinander auf? Welche Vorteile habt ihr dadurch?

Corinna: „Es ist abwechslungsreicher und jeder kann ausreichend Zeit mit unserem Baby verbringen. Eigentlich ist es doch das Normalste von der Welt. Für mich gibt es kein anderes Modell und ehrlich gesagt sehe ich diese Gendergeschichte gar nicht. Wir sind alle Menschen und ich finde, das Geschlecht ist egal für die Aufteilung. Es gibt keine Grundlage, warum eine Frau etwas besser oder schlechter im Haushalt macht als ein Mann.“

Heiner: „Gegenfrage: Warum sollten wir uns die CareArbeit nicht aufteilen? Mit welcher Berechtigung steht es mir als Mann denn zu, mich aus den CareAufgaben herauszuziehen oder warum sollte meine Frau sich aus der Erziehung raushalten? Wieso soll es mir als Mann generell zustehen, Karriere zu machen und meiner Frau nicht?“

Corinna: „Na, es fühlt sich gut an, es ist fair und wir stehen uns näher. Ich kann ein besseres Verständnis für meinen Mann aufbringen, wenn wir die gleichen Aufgaben zu erledigen haben. Zum Beispiel fühle ich erst jetzt seine Gewissenskonflikte aufgrund der Arbeit zu wenig Zeit zu haben für das eigene Kind.“

Heiner: „Außerdem stehen wir immer in Kontakt miteinander und sind uns sehr nahe. Sobald etwas nicht richtig läuft oder wir unsere Bedürfnisse nicht äußern, bekommen wir ein Feedback vom anderen. Das ist nicht immer schön und angenehm, doch hält uns stets zusammen. Wir behalten den Bezug zu unseren eigenen Gefühlen und denen des anderen. Das schafft ein tiefes Vertrauen und eine enge Verbundenheit, auch zu unserer Tochter.“

equalcareday.de: Welche Nachteile und Schwierigkeiten gibt es, welche Hürden?

Corinna: „Es ist aufwändiger alles abzusprechen, wer wann welche Aufgabe übernimmt und wie es gemacht wird. Wenn ich allein für die Erziehung oder für das Baby zuständig wäre, müsste ich mich nicht erklären. Andererseits gibt uns die gemeinsame Aufteilung die Möglichkeit der regelmäßigen Reflexion. Das machen wir meistens am Abend, wenn wir den Tag besprechen.“

Heiner: „Eine Schwierigkeit war die Vereinbarkeit mit meinem bisherigen Job. Ich habe viel am Wochenende und nach Feierabend gearbeitet und habe meine Familie in den ersten 6 Monaten nach der Geburt unserer Kleinen kaum gesehen. Daher haben wir uns entschieden, dass ich kündige und mir einen Teilzeitjob suche, der möglichst hier in der Umgebung liegt. Aber erst einmal bleibe ich zu Hause.“

equalcareday.de: Wäre es nicht praktischer, eine Person würde sich alleine darum kümmern und so auch den Überblick und die Verantwortung behalten?

Corinna: „Es wäre einfacher, ja. Jeder würde sein Ding durchziehen ohne miteinander in Kommunikation treten zu müssen. Wenn etwas falsch laufen würde, wäre der Verantwortliche schnell gefunden. Bei Equal Care ist eine gewisse Toleranz Voraussetzung, denn jeder macht die Dinge anders im Haushalt.“

Heiner: „Stimmt! Mir ist beispielsweise das sorgfältige Aufhängen der Wäsche super wichtig. Daher übernehme ich auch gerne diese Aufgabe und bin Corinna nicht böse, wenn sie es auf ihre Art macht. Wichtig ist letztendlich, dass die Wäsche trocknet.“

Corinna: „Andererseits stört es mich nicht, wenn ich abends die Spielsachen vom Tag wegräume, bevor wir es uns gemütlich machen, da bin ich dann ordentlicher. Die Toleranz besteht darin, nicht die eigenen Gefühle und Bedürfnisse in den anderen hinein zu interpretieren und den eigenen Ordnungssinn als selbstverständlich anzunehmen. Man entwickelt eine Haltung und trägt sie auch nach außen in die Welt.“

Heiner: „Daher sprechen wir sämtliche Themen des täglichen Lebens an und überprüfen unsere Erwartungen dem anderen gegenüber. Das ist nicht immer leicht, ergibt aber für uns einen tiefen Sinn.“

Corinna: „Bei uns ist nicht eine Person für die Erziehung und die andere Person für das Gehalt zuständig, sondern durch die Aufteilung der Aufgaben sind wir alle für unser gemeinsames Glück verantwortlich.“

equalcareday.de: Wann stoßt ihr an Grenzen der fairen Aufteilung?

Corinna: „Die größte Herausforderung ist das Stillen: Nachts stille ich die Kleine und muss dennoch früh morgens zur Arbeit raus. Da ist die Biologie nicht auszutricksen. Das geht im Normalfall gut, doch wenn die Kleine wach bleibt, muss Heiner ran. Wenn wir in unserem Familienbett mehrere schlaflose Nächte hatten und es darum geht, sich zum Kraft auftanken zurückzuziehen, müssen wir uns absprechen, wer wann wie viel Schlaf nachholen kann.“

Heiner: „Die eigene Freizeit ist nicht immer fair verteilt. Wie kann man ein wöchentliches Volleyballtraining von zwei Stunden mit einem kompletten Tag am Flugplatz fürs Segelfliegen aufwiegen? Wir zählen nicht Stunden sondern Bedürfnisse, damit wir ein Gefühl von Gerechtigkeit haben. Immerhin können wir eine gemeinsame Fahrradtour zum Flugplatz machen, wenn ich Fluglehrerdienst habe. So wird das eigene Bedürfnis dann doch zur Familienzeit.“

Corinna: „Meine Eltern passen zwar auch gerne auf unsere Tochter auf, wir wollen sie aber auch nicht zu sehr in Beschlag nehmen. So haben wir auch schon mal eine Feier im Freundeskreis nacheinander besucht: Ich bin bis 23 Uhr auf die Party geblieben und war pünktlich zum ersten nächtlichen Stillen wieder zu Hause. Heiner konnte ab dann Zeit mit den Freunden verbringen.“

equalcareday.de: Hat sich die Verteilung der CareArbeit verändert im Vergleich zur Zeit ohne Kinder?

Corinna: „Durch die Betreuung unserer Tochter sind deutlich mehr Aufgaben hinzugekommen. Wir haben aber auch vorher schon die CareArbeit aufgeteilt. Jeder darf mal kochen, jeder musste mal sauber machen. Wir zählen nicht mit, wer wie oft was macht, es muss eine gefühlte Gerechtigkeit geben.“

Heiner: „Ja, es ist mehr geworden aber auch hier geht nichts ohne Absprachen und Kommunikation. Schon in der Schwangerschaft sind wir beide zu den Vorsorgeuntersuchungen beim Frauenarzt gegangen. Mitlerweile ist es der Kinderarzt, zu dem wir als Familie gehen. Die gemeinsamen Termine sind mehr geworden. Unsere Einstellung hat sich nicht geändert.“

equalcareday.de: Welche Reaktionen bekommst du von anderen?

Corinna: „Jede erdenkliche Reaktion ist schon vorgekommen. Von Zuspruch über Neugierde bishin zu Unverständnis. Die wenigsten machen es so wie wir.“

Heiner: „Wenn ich vormittags mit der Kleinen im Tragetuch durch die Straßen gehe, dann lächeln mich vor allem die älteren Frauen an, was ich schon sehr schön finde. Mit anderen Müttern komme ich schwer ins Gespräch, keine Ahnung warum, vielleicht sollte ich mal die Initiative ergreifen und nachfragen. Im Familien- und Freundeskreis gibt es unterschiedliche Modelle von Care. Wir sprechen uns die Rollen nicht ab und leben unser Ding. Was ich persönlich stark finde, ist der positive Zuspruch von meinen Schwiegereltern, die damals auch eine verteilte CareArbeit hatten. Damals gab es noch eine Omi im Haushalt, die ebenfalls unterstützt hat. Das kenne ich so nicht.“

equalcareday.de: Erzähle von einer Situation oder einem Gespräch, wo du eine positive und eine negative Reaktion erfahren hast.

Heiner: „Die negative Situation halte ich lieber anonym. Neid und Mißgunst sind mir ein paar Mal begegnet. Solche Situationen wühlen mich für einen kurzen Moment innerlich auf und irritieren mich. Dabei offenbaren diese Menschen ihr eigentliches Denken und ihre Haltung gegenüber den neuen Rollen- und Familienmodellen. Sie geben sich modern und offen, doch sind weiterhin auf Karriere aus und beschweren sich, wenn ihre Frau aus dem goldenen Käfig ausbrechen will. Dann denke ich mir oft, dass diese Männer es sicherlich auch anders machen würden, aber letztendlich immer einen vorgeschobenen Grund finden, es doch nicht zu tun. Positiv sind mir vor allem andere moderne Eltern begegnet, die sich riesig über meine Entscheidung freuen. Richtig bestärkt hat mich eine Sprachnachricht eines Freundes, die ich per WhatsApp erhalte habe. Das war eine richtig schöne Überraschung!“

Corinna: „Mir sind andere Mütter begegnet, die mich erstaunt angeschaut haben und meinten »Wie, du möchtest schon nach 7 Monaten wieder arbeiten? Und dann direkt 30 Stunden? Das schaffst du nie!« Die dachten wohl, dass es da keinen Mann im Hintergrund gibt und ich das Baby in die Kita geben muss. Zu wissen, dass Heiner mit der Kleinen zu Hause ist, macht es mir leicht, die 6 Stunden täglich auf der Arbeit zu sein. Die Nachmittage und die gemeinsamen Nächte im Familienbett sowie die Wochenenden erlebe ich nun bewusster als intensive Zeit, auch mit meiner Tochter.“

equalcareday.de: Was würdest du deinem jüngeren Ich mit auf den Weg geben, das weder Kinder hat noch in einer Partnerschaft lebt, wie es mit dazu beitragen kann, dass Equal Care gelingen kann?

Corinna: „Equal Care lebt genauso wie eine ausgeglichene, wertschätzende Beziehung: Kommunikation ist alles, Zeit ist die Voraussetzung.“

Heiner: „Es geht vor allem um Rollenbilder im Kopf. Die bestehenden Klischees setzen sich zwischen den Ohren fest, dabei muss mit dem Herzen gehört und gelebt werden. Niemand möchte in einem goldenen Käfig sitzen und sein Leben nur träumen. Daher ist es doch auch eine Haltung, die viel mit Wertschätzung zu tun hat. Also würde ich dem jungen Heiner sagen, sei wertschätzend, kritisch und mach es anders.“

equalcareday.de: Was wünschst du dir von Politiker*innen?

Heiner: „Führt das Bedingungslose Grundeinkommen ein und setzt damit den Menschen wieder in den Mittelpunkt des Lebens. Wir leben nur das eine Leben und wollen glücklich und selbstbestimmt sein. Besteuert endlich die hohen Einkommen der Reichen und entlastet die Mitte. Beschließt die Finanztransaktionssteuer! Und wenn ihr schon dabei seid, dann nicht mit 0,01-0,05% sondern mit 1-5%!“

Corinna: „Eine 30 Stundenwoche würde es vielen Familien erleichtern, Equal Care zu leben und die typische Rollenverteilung aufzuweichen. Dazu müssten die Löhne und Renten angepasst werden. Außerdem würde es dann, wenn beide arbeiten gehen könnten, ein gleiches Lohnniveau bei Frauen und Männern geben. Die Ausrede, dass die Frau schwanger wird und wegen Kindererziehung ausfällt, zählt nicht.“

equalcareday.de: Was wünschst du dir konkret für deinen Alltag anlässlich des Equal Care Day 2017?

Corinna: „Die Bestärkung, dass sich dieses alternative Familienmodell richtig anfühlt und vielleicht auch andere Paare ermutigt, die klassischen Rollenbilder zu überdenken.“

Heiner: „Wenn die Omi für ein paar Stunden unsere Kleine aufpasst, dann werde ich sicherlich für einen kurzen Moment Zeit haben und an die Entscheidung denken, den Job gekündigt zu haben. Es fühlt sich nach wie vor richtig an. Und wer weiß, vielleicht wird dieses alternative Familienmodell ja ein verbreitetes und gesellschaftlich anerkanntes Familienmodell.“

Über den Equal Care Day 2017

Almut Schnerring und Sascha Verlan haben den Equal Care Day 2016 ins Leben gerufen. Die beiden arbeiten als freiberufliches Journalist_innen- und Autor_innen-Team mit Wort und Klang, für Presse und Hörfunk, geben Seminare und Fortbildungen und versuchen immer wieder neu, sich die Arbeiten rund um ihre drei Kinder, um Küche, Krankheit und Kloputz genauso fair aufzuteilen wie ihre Erwerbsarbeit.

Blogparade: Was begeistert mich an meiner Vaterschaft? #WasDuDrausMachst

Blogparade: Was begeistert mich an meiner Vaterschaft? #WasDuDrausMachst

Wir sind aufgestanden, haben gefrühstückt, gebadet und zwischendurch immer mal wieder gespielt, gelesen und herumgetobt. Es ist 9 Uhr und die Kleine ist bereits seit vier Stunden hellwach. Guten Morgen Welt.

Eigentlich sitze ich morgens um diese Uhrzeit bereits auf der Arbeit, schalte den Rechner an und mache mir einen Kaffee. Statt Papierkram am Schreibtisch wechsle ich nun Windeln am Wickeltisch. Aber, ich habe es ja so gewollt!

Wir suchen genau Sie!

Hätte es eine Stellenausschreibung gegeben, ich hätte mich wahrscheinlich nicht beworben! Die sähe wahrscheinlich so aus: Ihre Aufgaben umfassen das Wickeln, Füttern, Spielen, Trösten, Geschichten erzählen, Aufheitern und einfach-so-da-sein-auch-wenn-nichts-ist. Ihr Arbeitsort ist dort, wo das Kind ist. Sie arbeiten 24 Stunden am Tag, 7 Tage die Woche und 365 Tage im Jahr! Kein Urlaub (doch, mit Kind) und die Wochenenden und Feiertage sind ganz gewöhnliche Arbeitstage für Sie! Natürlich können Sie auch mal mit Ihren Freunden feiern gehen, seien Sie aber um 22 Uhr wieder zu Hause oder sprechen sich mit Ihrem Partner ab. Wenn wir Ihr Interesse wecken konnten, freuen wir uns auf Ihre Bewerbung. Ach so, noch etwas: Teilen Sie uns bitte nicht ihre Gehaltsvorstellungen mit, denn Kohle bekommen Sie nicht!

Vaterschaft ist Changemanagement

Die Vaterschaft hat einiges bei mir bewirkt und losgetreten. Als hochsensibler Mensch muss ich viel und intensiv über mich und meine Umwelt nachdenken. Das dauert sehr lange und kostet unheimlich viel Energie. Der Abstand vom Job hat mir gezeigt, was wirklich zählt im Leben: Qualitätszeit mit der Familie. Mein Job hat aber genau dort nicht mitgespielt. Als ich noch Single war, hat mir die Arbeit an Wochenenden, Feiertagen und spät abends nichts ausgemacht. Doch die Zeiten ändern sich dich. Selbst neue Arbeitszeitmodelle wären nach der Geburt nicht realisierbar gewesen, denn nichts desto trotz hätte ich weiterhin an Wochenenden, Feiertagen und abends arbeiten müssen. Die Zeit also, an denen die Familie zusammen ist. Nach unserer Reise habe ich meinem Arbeitgeber schließlich die Kündigung überreicht.
Wenn ich mit meiner Tochter den Tag verbringe, dann bin ich ganz bei ihr. Meine Gedanken kreisen nicht mehr um die Arbeit und wie ich das alles schaffen kann. Ich muss nicht mehr allem und jedem gerecht werden und kann mich ganz auf meine Tochter und unsere Familie konzentrieren. Ja, wir haben die Rollen vertauscht – und es fühlt sich gut an! Meine Frau geht arbeiten und ich bin zuständig für Care. Ich bin zuständig für Putzen, Wäsche waschen, Kochen, Einkaufen und den ganzen Kram, der da so anfällt, inklusive die Erziehung Beziehung zu unserer Tochter.

Vaterschaft ist Umparken im Kopf

Vaterschaft hat das Rollenmodell bei mir hinterfragt. Warum muss die Frau auf ihre Karriere verzichten? Warum muss der Mann arbeiten gehen und die Frau zu Hause bleiben? Wo bitteschön ist das fair und gerecht? Glücklicherweise tickt meine Frau genau wie ich, sodass uns die Entscheidung leichtfiel. Wobei ich ehrlicherweise sagen muss, dass es ihr leichter fiel als mir. Hin und wieder ertappe ich mich in alten Mustern und zögere. Dann muss ich wieder lange nachdenken, bis die Entscheidung gefällt wird. Aber ist die Entscheidung gefällt, wird nicht mehr dran gerüttelt.
Natürlich habe ich gut Reden, denn ich bin erst seit 12 Monaten Papa und bis Ende März in Elternzeit. „Merk du erst mal, was dir fehlt. Wovon willst du denn Leben?“ höre ich hin und wieder von kritischen Stimmen, die noch in alten Rollenmustern denken. Nun, die Rechnung ist einfach. Gib niemals mehr aus, als du einnimmst. Wir leben sehr sparsam und drehen jeden Cent mehrmals um, bevor wir ihn ausgeben. Außerdem haben wir ein paar Rücklagen. Aber darauf kommt es gar nicht an. Mir ist die Bindung zu meinen Kindern und zu meiner Frau wichtig. Wenn ich alt und gebrechlich bin, dann will ich auf mein Leben zurückschauen und sagen: „Ja, ich habe meine Kinder groß werden sehen. Das hat mich sehr glücklich gemacht!“
Aber es stimmt. Keine Ahnung, was da noch kommen wird. Die Vaterschaft hat jedenfalls ein ganz enges Band zwischen meiner Tochter und mir geschaffen. Meiner Frau bin ich wieder so nahe, wie seit Monaten nicht mehr! Das möchte ich so nicht mehr missen. Jetzt bin ich erst einmal Vollzeitpapa und freue mich auf die Zeit, die noch kommen wird!

#WasDuDrausMachst

Dieser Artikel ist im Rahmen der Blogparade von VaeterNRW entstanden.

Meine Hochsensibilität, Teil 1 – Heute: Selbstwahrnehmung von hochsensiblen Menschen

Meine Hochsensibilität, Teil 1 – Heute: Selbstwahrnehmung von hochsensiblen Menschen

Viele von euch haben schon von hochsensiblen Personen (HSP) gehört, aber sicherlich wissen die wenigsten von euch, was das „Besondere“ oder das „Ungewöhnliche“ an ihnen ist. Mit dieser Serie möchte ich dich einladen, einen tieferen Blick in mein Inneres zu werfen, das Innere eines HSPs. Die Serie nennt sich „Meine Hochsensibilität“. Einen kurzen Einblick habe ich bereits an anderer Stelle gewährt und sicherlich wird sich einiges auch überschneiden.

Heute: Selbstwahrnehmung

Die Selbstwahrnehmug ist bei Hochsensiblen anders, als bei Nichthochsensiblen. Das kann man gar nicht in einem Satz beschreiben, denn wir (HSPs) nehmen auf vielen Kanälen verstärkter wahr: Sehen, Hören, Fühlen, Schmecken und Riechen. Und weil das so ist, haben HSPs oft eine verzerrte Selbst- und Fremdwahrnehmung. Bei mir hat es lange gedauert, bis ich verstanden habe, was es braucht, um die innere Mitte zu finden. Doch nun die 3 Punkte, um die es heute gehen wird. Wahrnehmung, Gefühlsleben und Gesellschaft.

1. Wahrnehmung

Als ich in unsere gemeinsame Wohnung gezoge bin, sind mir gleich ein paar akustische Dinge aufgefallen, die mich teilweise nerven, weil mein Wahrnehmungsfilter gestört ist. Eigentlich rechnet das Gehirn nicht relevante Geräusche aus unserer Wahrnehmung heraus, eben weil sie nicht relevant sind. Das ist bei mir allerdings anders, da wird wenig rausgerechnet. So kommt es, dass ich bei uns in der Küche stets das Ticken der Uhr wahrnehme oder das Piepen der Fußgängerampel einige hundert Meter entfernt. Bei geschlossenem Fenster versteht sich. In der Natur lausche ich eher den Geräuschen der Vögel als den Gesprächen (es sei denn, die Gespräche haben Tiefgang). Lärm im Allgemeinen tut meinen Ohren weh. Wenn der zu lange andauert, dann höre ich ein Pulsieren und Rauschen in meinem Ohr… bobob bobob bobob… aaaaah…
Stimmungen und Probleme nehme ich nicht nur schneller wahr als andere, sie belasten mich auch. Meine Grundhaltung anderen Menschen gegenüber ist stets positiv und wertschätzend, sodass ich unterbewusst davon ausgehe, dass die Stimmung in einem Raum auch positiv ist. Wahrscheinlich nehme ich daher auch negative Stimmungen stärker wahr, als andere. Mein Wahrnehmungskanal ist so feinfühlig eingestellt, dass ich bisher seltenst enttäuscht wurde. HSPs, die diese Eigenschaften haben, besitzen eine so genannte Scanner-Persönlichkeit.
Sehr schön finde ich auch den Gedanken an das Kind im eigenen Körper. Ich kann von mir behaupten, dass ich ein kleines Kind, gefangen im Körper eines Erwachsenen bin. Tatsächlich gibt es wenig Situationen, in denen ich mein inneres Kind herauslassen kann. Das Umfeld ist dann immer irritiert, wenn so ein großer erwachsener Mann skurrile Dinge tut, die eigentlich Kinder machen. Ich gebe es zu! Ja, ich springe gerne in Pfützen, lache unheimlich laut und bin ganz ungehalten, wenn tolle Ereignisse stattfinden. Wenn ich mich freue, dann drehen die Pferde teilweise mit mir durch.
Zusammenfassend stelle ich fest, dass ich beim Thema Wahrnehmung wie ein Seismograph funktioniere. Kleinste Stimmungsschwankungen bekomme ich mit und schwingen innerlich mit. Je gezwungener und intensiver die Begegnung ist, umso mehr schlägt das Pendel aus. Ich fühle mich in die Situation ein und spiegel die Gefühlswelt nach innen. Das bringt mich immer total durcheinander und wühlt mich innerlich auf. Dann denke ich, dass die Gefühle, die im Raum sind, durch mich verursacht wurden. Anders sieht es mit der professionellen Brille aus. Hier kann ich sehr wohl die Gefühle verbalisieren, spiegeln und eine Distanz zum Inhalt aufbauen. Als systemischer Berater musste ich das auch erst lernen.

2. Gefühlsleben

Wobei wir auch schon beim Gefühlsleben wären. Meine innere Stimme ist sehr stark ausgeprägt und ruft immer wieder neue Charaktere auf die Bühne. Ich stehe so eng in Kontakt zu mir selbst, dass ich keine Langeweile spüre. Meine innere Stimme warnt mich vor Dingen und stellt den Kontakt zu meinem Körper her. Bin ich aufgeregt, dann sagt sie mir, dass etwas nicht stimmt und ich die Situation verändern sollte. Meine innere Stimme sorgt also dafür, dass ich im Reinen bin, also Körper, Geist und Seele zusammen eins ergeben. Das klappt nicht immer, denn bei Folgendem bin ich nach wie vor gehemmt.
Gefühle vereinnahmen mich. Gefühle vereinnahmen mich so sehr, dass sie mich zuerst überwältigen, dann vereinnahmen und dann Kraft rauben. Beispiel: Wir schauen einen Film, in dem der Protagonist stirbt. In herzzerreißenden Szenen wird die Tragödie dargestellt, untermalt mit passender Musik. Wenn du bei der Szene weinst, dann heule ich wie ein Schloßhund, mein Magen verkrampft sich so derbe, dass ich starke Bauchschmerzen haben. Ich bin von dem Gefühl so sehr vereinnahmt, dass es mir nicht mal mehr gelingt, das Gefühl richtig zu beschreiben. Anschließend brauche ich nich nur einige Taschentücher, sondern auch viel Zeit, um mich zu erholen.

3. Gesellschaft

Ich bin eine Rampensau und stehe gerne vor Gruppen, vor vielen Menschen und unterrichte auch gerne. Wenn allerdings das Seminar vorüber ist, dann brauche ich Rückzug und zwar von jetzt auf gleich. Da kann kommen, was will, ich brauche Ruhe. Bei HSPs gibt es introvertierte und extravertierte Personen. Ich gehöre zu den wenigen extravertierten HSP, die aber sofort Rückzug brauchen. Kennt ihr die Leute, die auf Partys sagen „Ey, ich bin nur eben auf’m Klo!“ und dann abzischen? That’s me! Ehrlich jetzt! Ich habe in einem Wohnheim gewohnt und brauchte Ruhe! Wenn ich aber mal mit auf Party war, dann war ich voll dabei! Allerdings auch nur so lange, bis es mir zu viel wurde!
In meiner Jugend war ich immer in der Außenseiterrolle. Ich war anders und verhielt mich komisch. Das führte soweit, dass es mir schwer fiel, eine peer group zu finden. In meiner Schulklasse wurde ich gemobbt und als schwul bezeichnet. Typisch HSP habe ich lange nachgedacht, ob das stimmen könne. Nein, ich war nicht schwul, nur anders. Heute weiß ich, dass ich autistische Züge habe und hin und wieder in meine Gedankenwelt abdrifte. Dann fühle ich mich wohl, bin im flow und irritiere meine Umwelt. Ich war der klassische Außenseiter, der nicht in die gesellschaftlichen Normen passte. Damals wollte ich passen. Heute will ich unangepasst sein und spiele mit Klischees und Schubladendenken.
Denn Anpassung ist kraftraubend und nervig zugleich. Immer diese oberflächlichen Gespräche und das Lächeln, die Missgunst und Heuchlerei. Boah, das geht mir so derbe auf die Nerven. Sorry, aber für mich müssen Gespräche Tiefgang haben und sind gerne auch mal philosophisch angehaucht. Ja, das mag vielleicht überheblich wirken und arrogant, aber was soll ich machen? Gespräche, die keinen Tiefgang haben und nicht in der Meta-Ebene stattfinden, langweilen mich. Mir ist Qualitätszeit wichtig!

Was will ich ändern?

Das erste Stichwort heißt: Fokussieren. Ich muss mich auf bestimmte Dinge fokussieren. Eigentlich würde man sagen „konzentrieren“, aber das geht bei HSP nicht, weil die Dinge unterbewusst stattfinden. Man kann aber den Fokus verändern. Zum Beispiel durch Achtsamkeitsübungen oder Meditation.
Das zweite Stichwort heißt: Kanalisieren.Vor allem bei den Gefühlen muss ich lernen, sie raus zu lassen und sie nicht in das Korsett der Gesellschaft zu zwängen. Wenn ich heulen muss, dann heule ich! Und wenn ich mich freue, dann freue ich mich. Auch wenn die Leute dann mein Lachen nachmachen oder sich über mich lustig machen. Das ist bestimmt nur der Neid. Gleiches gilt für die Gefühle, die in mir aufkommen, wenn schlechte Stimmung herrscht. Ich muss lernen, die Gefühle zu kanalisieren, bzw. die Stimmung zu kanalisieren.
Das sind meine persönlichen Einblicke in die Welt eines HSP. Wie sieht es bei dir aus? Was denkst du darüber? Findest du dich darin wieder, oder kannst du mit den Gedanken gar nichts anfangen. Ich bin gespannt auf deine Kommentare!

Top 10 auf unserer Reise während der Elternzeit mit dem VW Bus

Top 10 auf unserer Reise während der Elternzeit mit dem VW Bus

Wir werden oft nach den Highlights unserer Reise während der Elternzeit gefragt. Gar nicht so einfach zu beantworten, denn die gesamte Reise war ein einziges Highlight. Wir haben sie liebevoll Elternzeitreise genannt, da sie für uns eben in der Elternzeit stattgefunden hat. Gestartet sind wir im September 2016 mit unserem Fiete in Krefeld. In diesem Beitrag stelle ich unsere Top 10 der besten und schönsten Orte und Sehenswürdigkeiten vor.

1. Plateau d’Emparis 🇫🇷

Eine Landschaft, wie wir sie in Nordschweden oder Neuseeland erwartet hätten, begegnet uns auf dem Plateau d’Emparis in den Alpen. Zu erreichen ist das Plateau übrigens über eine kurvige Serpentinenstraße. Unser Fiete muss ganz schön arbeiten, schafft die Strecke aber in 30 Minuten. Oben haben wir erst mal gefrühstückt und uns von der Anfahrt erholt. Wir sehen Schafe, die auf großen Weideflächen frei herumlaufen. Und das vor einer wunderschönen Kulisse. Eine kleine Wanderung zum Lac Noir, die uns auf 1.200m ganz schön Energie kostet, müssen wir abbrechen. Unsere Tochter fordert Kontakt und findet Wandern im Tragetuch vor dem Bauch grad richtig blöd. Außerdem kommen wir körperlich an unsere Grenzen. Die letzten Monate haben wir ganz schön abgebaut. Dennoch ein wunderschöner Tag und ein atemberaubender Start in unsere Elternzeitreise!

2. Lac de Sainte-Croix 🇫🇷

Im Norden der Provence liegt der Lac de Sainte-Croix. Dieser große Stausee liegt im Naturpark Verdon, der durch seine Schlucht bekannt ist. Das klare Wasser lädt ein zum Kitesurfen, Windsurfen, Schwimmen oder zum Wandern ein. Kanufahrten in die nahegelegene Schlucht sind ein Highlight. Auf unserer Reise konnten wir allerdings den See nur vom Ufer aus bestaunen. Im Sommer werden wir wiederkommen und die Gegend zu Fuß und sicherlich auch per Kanu erkunden.

3. Ockerfelsen von Rustrel 🇫🇷

Die Ockerfelsen von Rustrel erstrahlen bei schönem Wetter in einem besonderen Farbspiel. Hier findet man eine Landschaft in den unterschiedlichsten Ockertönen vor. Von strahlendem Gelb bis hin zu einem leuchtenden Rot. Zahlreiche Nuancen des Ockertons sowie das Spiel von Licht und Schatten bringen uns zum Staunen. Was für eine großartige Farbenvielfalt und unglaubliche Farbintensität. Das Gelände ist vom kostenpflichtigen Parkplatz nach einigen Minuten sehr gut zu Fuß zu erreichen.

4. Val de Laguar 🇪🇸

Nach langer Fahrt an der Mittelmeerküste entlang brauchen wir eine Abwechslung zum Wasser. Im Norden der Costa Blanca zwischen Alicante und Valencia zieht es uns ins Landesinnere. Im Val de Laguar befindet sich eine in Terrassen angelegte Landschaft, die eine Besondere Anlage beherbergt. Hier befindet sich die letzte Leprastation in Europa, in der noch ca. 60 Patienten leben. Das Sanatorium in Fontilles ist umgeben von einer dreieinhalb Kilometer langen Mauer, die zum Schutze der Bevölkerung angelegt wurde. Früher haben hier bis zu 400 Menschen gelebt. Einen interessanten Einblick in die Geschichte der Station und die Vorurteile über die Krankheit gibt es hier.

5. Níjar, Cabo de Gata Nationalpark 🇪🇸

Wer einmal in alte Piratenbuchten schauen möchte, der sollte sich den Cabo de Gata Nationalpark ansehen. Auf den schroffen Küstenlandschaften stehen noch alte Festungsanlagen zur Verteidigung und die Lagunen laden zum Verweilen ein. In einer Lagune bei Níjar gibt es einen Campingplatz, von dem sich kleinere Wanderungen unternehmen lassen. Der gesamte Nationalpark ist übrigens bekannt aus über 500 Wild West Filmen. Unter anderem wurde hier der Schuh des Manitu gedreht. Heute stehen bis an den Rand des Nationalparks riesige Tomatenplantagen.

6. Sierra Nevada Nationalpark 🇪🇸

Die Sierra Nevada liegt im Süden der iberischen Halbinsel und umfasst eine Fläche von 86.208 Hektar. Seine größte Erhebung ist der 3.482 m hohe Mulhacén. Wir haben zusammen mit Andrea, Matze und ihrer Tochter eine Wanderung durch eine Schlucht bei Monachil gemacht. Uns begegnete hier eine wunderschöne und abwechslungsreiche Berglandschaft. Die befestigten Wege führten über eine Hängebrücke hinein in die Schlucht. Die historische Altstadt von Granada mit der Alhambra liegt nicht weit vom Fuße der Sierra Nevada entfernt und ist ebenfalls einen Ausflug wert.

7. El Torcal, Antequera 🇪🇸

Weiter im Süden Spaniens liegt ein kleines Gebirge, das sich El Torcal nennt. Wind und Wetter haben hier über Jahrtausende skurrile Feldformationen geschliffen. Hohe Säulen aus Steinplatten unterschiedlicher Größe sehen aus, als wären sie künstlich aufeinandergestapelt worden. El Torcal liegt in einer Höhe zwischen 1100 und 1400 m und ist vom Parkplatz aus mit einem Shuttlebus (1 EUR pro Person) oder zu Fuß über verschiedene Strecken zu erreichen. Bis zu 100.000 Besucher kommen jährlich hierher.

8. Sevilla 🇪🇸

Nach einigen Wochen haben wir uns entschieden, mit Kind und Fiete in eine Großstadt zu fahren. Sevilla bietet sich hierfür besonders an, da wir zentrale Parkhäuser mit einer Einfahrthöhe von 2m gefunden haben. Als begeisterte Game of Thrones Seriengucker mussten wir uns die Stadt einfach ansehen. Der Königspalast Alcázar de Sevilla war vor etwa fünf Jahrhunderten von katholischen Monarchen bewohnt und davor von Kalifen, die ihn erbaut haben. Heute wird sie als offizielle Residenz der spanischen Königsfamilie in Sevilla genutzt. In Game of Thrones sind hier die Wassergärten von Dorne zu sehen. Natürlich hat Sevilla noch viel mehr zu bieten, doch mit Kind und VW Bus haben wir uns nur ein paar Stunden gegönnt, ehe es zum nahegelegenen Campingplatz am Stadtrand zurückging.

9. Stausee bei Villagordo del Cabriel 🇪🇸

Dieses Juwel von Natur haben wir zufällig in der ADAC Camping App gefunden. Vom Campingplatz aus führt ein kleiner Weg am Stausee entlang zu einem richtig schönen Aussichtspunkt. In dieser Abgeschiedenheit ist nichts außer Wasser, Berge und der blaue Himmel mit seinen tollen Cumuli – herrlich. Hier blieben wir zwei Nächte, ehe es uns wieder zurück nach Hause gezogen hat. Den Ort haben wir zum Auftanken für die weite Fahrt genutzt. Auf dem Campingplatz waren wir mit einer Ausnahme die einzigen Gäste. Hier lässt es sich aushalten.

10. Albarracin 🇪🇸

Der Ort Albarracín ist eine auf 1171 m Höhe gelegene Kleinstadt in Nordspanien und bekannt für seinen historischen Altstadtkern. Gleichzeitig wird der Ort unter Boulderern auch als Boulder City genannt. An den nahegelegenen Felsen und in den Höhlen lässt es sich wunderbar klettern. Dort finden sich auch Höhlenmalereien aus der Steinzeit, die wir uns allerdings nicht angesehen haben. Am Fuße des Ortes haben wir in einem Restaurant die bis dahin beste Pizza auf der Reise gegessen. Kaum zu glauben, dass wir erst bis hierhin fahren mussten.

7 Wochen und mehr als 6000 km

Das waren also unsere Highlights aus 7 Wochen Rundreise durch Frankreich und Spanien. Mit unserem Fiete haben wir mehr als 6000 km absolviert, ohne technische Probleme. Dabei haben wir atemberaubende Landschaften und historische Städte gesehen. Vor allem die Geschichte der iberischen Halbinsel hat uns fasziniert. Die Reise hat uns als Familie noch enger zusammengebracht und die nächsten Reisen sind schon geplant! Wohin es geht? Das bleibt erst einmal geheim. Nur so viel, wir erkunden weiterhin schöne Highlights in Europa!

A Summer's Tale – Ein Festival mit Kind

A Summer's Tale – Ein Festival mit Kind

Wir lieben Musik. Unser CD-Regal ist in den letzten Monaten um einige cm gewachsen und mehrmals im Jahr sind wir auf Konzerte. Naja, vielmehr waren wir auf Konzerten. Seit unsere Tochter auf der Welt ist, müssen wir anders planen. Ein Festival mit Kind wäre perfekt. Wie wäre es also mit dem A Summer’s Tale?

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Ein Festival in der Lüneburger Heide

Im August 2016 haben wir uns auf den Weg in die Lündeburger Heide gemacht, um ein tolles Festival kennenzulernen. Das Aftermovie von 2015 versprach ein alternatives Familienfestival mit Sonne, Spaß, Bühnenprogrammen, Mitmachaktionen, Vorträgen, Poetry Slams und noch so vieles mehr. Vor allem Kanufahren hat mich interessiert. Daneben gab es auch noch eine Nachtwanderung durch die Heidelandschaft oder geführte Fahrradtouren. Wir haben das 4 Tage Deluxe Festival Ticket mit VIP Camping gebucht. Kostenpunkt: 450 EUR. Uff, das ist ’ne Ansage. Wie sich jedoch herausstellte, war sollte es die richtige Entscheidung gewesen sein.

Musikgenuss

Das Festival hatte musikalisch einiges zu bieten. Vor allem auf Sigur Rós und Noel Gallagher’s High Flying Birds haben wir uns gefreut. Aber auch Parov Stelar, Garbage, Amy Macdonald und Glen Hansard standen auf der „must see“ Liste ganz weit oben. Doch das alles ist nichts gegen José González! Ganz ehrlich, das war so ein tolles, stimmiges Konzert auf der Hauptbühne. Wir saßen in den hinteren Reihen auf dem Rasen und haben auf der Picknickdecke den Klängen gelauscht. Es war so entspannt und herzlich, die Musik ging ganz tief und berührte die Seele. Bei Thees Uhlmann & Band sowie Olli Schulz war dann mehr Action, was eine tolle Mischung darstellte. Meine Frau kannte Olli Schulz noch aus der Zeit, als er mit „Olli Schulz und der Hund Marie“ tourte. Thees Uhlmann kannte ich noch aus meiner Hamburger Zeit. Richtig tolle Stimmung und tolle Konzerte. Nada Surf und Heather Nova haben wir nur am Rande mitbekommen, doch die Stimmung war ebenfalls großartig.

Eine weitere Überraschung waren die Pierce Brothers, die uns sehr an Mumford & Sons erinnert haben. Ein tolles Highlight auf einer der Nebenbühnen. Die werden wir im Auge und im Ohr behalten!

Rahmenprogramm

Ein buntes und vielfältiges Rahmenprogramm hat das Festival untermalt. Da sind zum Beispiel die vielen Workshops zu nennen, die es auf den kleinen Bühnen etwas abseits auf dem Festibalgelände gibt. Es gab auch Sessions, die man vorher buchen musste. Yoga zum Beispiel. Mir hat vor allem der Capoeira Workshop gefallen.

Wenn man die Augen und vor allem die Ohren offen hält, dann findet man auf dem Festivalgelände kleinere und größere Schätze. Der Hamburger Kneipenchor hat warme Sonnenstrahlen durch den regnerischen Tag gebracht und zumindest unsere Herzen mit musikalischen Darbietungen herhellt.

Erstaunlich viele Kinder waren auf dem Festivalgelände zu sehen. Kein Wunder also, dass das Spieleparadies sehr gut besucht war. Hier gab es Klötze, Seile, Leitern, Schaukeln, Hängematten, Clown Show und so viel mehr. In einem Zirkuszelt waren noch mehr Spielgeräte aufgebaut, mit denen die Kidz sich bei schlechtem Wetter beschäftigen konnten. Und schlechtes Wetter gab es reichlich. Es liefen, soweit ich das beurteilen kann, auch Animateure oder Kinderbetreuer herum. Und es gab ein Zelt in dem Theater gespielt wurde, richtig stark!

Eingerahmt wurden die verschiedenen Shows, Lesungen, Diavorträge und Theaterstücke von Foot-Trucks, die überall auf dem Gelände standen. Es gab hauptsächlich Bio-Produkte aus der Region und viel vegetarische und vegane Küche. Lecker lecker lecker.

Ein Festival für Hipster(-Eltern)

Das A Summer’s Tale will ein Gegenkonzept zu den großen Festivals sein und füllt eine Niesche. Vor allem junge Familien und jung gebliebene Menschen haben wir getroffen. Als Anfang Dreißigjährige sind wir genau diese Zielgruppe. Jung, dynamisch, im Leben, mit Kind und vor allem alternativ. Wir haben uns im übrigen einen Spaß gemacht und verschiedene Merkmale überprüft, die zu der Zielgruppe passen. Wer eine Person mit den meisten der folgenden Merkmalen trifft oder sieht, hat das Spiel gewonnen:
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  • Hut
  • Schal
  • Naketano Pulli
  • Jutebeutel oder Stoffrucksack
  • Hornbrille
  • Club-Mate
  • Chino-Hose oder Röhrenjeans
  • Bart

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Ergebnis: Unentschieden. Es waren einfach zu viele!

Lautstärke und Wetter

Den Bedürfnissen der Kleinen gerecht zu werden ist auf so einem Festival echt schwer bis unmöglich. Als bedürfnisorientierte Eltern müssen wir uns in erster Linie nach unserem Baby orientieren. Essens- und Schlafzeiten sind einzuhalten, bzw. dann zu nehmen, wenn sie eingefordert werden. Bei lauter Musik ist das gar nicht so einfach. Bei dem regnerischen Wetter und der Kälte ebenfalls nicht. Um Milchstau und Brustentzündungen zu vermeiden, sollte es warm sein. Stillen ist bei den Verhältnissen eine Herausforderung! Es war so kalt, dass die Veranstalter kurzerhand Feuerkörbe aufstellten und Klühwein ins Angebot nahmen. Gleichzeitg hätten wir einen Chariot/Croozer oder einen Kinderwagen mitnehmen sollen, um über den Tag etwas Entlastung für den Rücken zu haben.
Als frisch gebackene Eltern war das Festival eine Herausforderung. Wir würden jetzt einiges anders machen und das Festival erst besuchen, wenn die Kleine laufen kann. Das ideale Alter schätze ich mal mit 3-4 Jahren. Auf jeden Fall sollte man Ohrenschützer für die Kinder mitnehmen. Wir hatten welche von 3M, bei denen der Andruck auf die Ohren eingestellt werden konnte. Speziell bei Babys darf der nicht zu stark sein, damit die Fontanelle nicht beeinträchtigt wird. Wir haben uns daher immer bei den Konzerten nach ganz hinten gestellt und darauf geachtet, dass uns der Druck aus den Lautsprechern nicht direkt trifft. Hat gut geklappt.

Schlafen auf einem Festival

Unsere Tochter war erst 5 Monate alt und die Herausforderung bestand im abendlichen Einschlafen. Es war ihr einfach zu laut. Gleichzeitig war unser Timing nicht ideal. Wir haben das Ritual zu lange hinausgezögert und den langen Fußweg vom Gelände zum Campingplatz unterschätzt. Ergo konnten wir die Headliner ab 20 Uhr nur aus der Ferne anhören und auch bei keinem Workshop mitmachen. Wir haben auch im Bus unser Familienbett, sodass es schwierig bis unmöglich war, dass einer von uns auf dem Gelände ist während der andere beim Baby bleibt. Beim nächsten Mal nehmen wir einen Babysitter mit… naja, oder besuchen die Festivals erst wieder, sobald die Kinder größer sind.

Für wen ist das Festival geeignet?

Man kann also sagen, dass Festival ist vor allem etwas für Hipster-Eltern mit Kindern ab 3 Jahren gedacht. Das hat Thees Uhlmann auch während seines Konzertes gesagt und Lacher geerntet. Ja, so ist das. Es hat Spaß gemacht, obwohl das Wetter richtig fies war. Norddeutsches Schietwetter eben. Wie gut, dass wir unser Vorzelt dabei hatten und somit unseren Wohnbereich erweitern konnten. Es hat ekelig lange und viel geregnet. Im Grunde hat es das ganze Festival über geregnet. So konnten wir uns im Bus aufwärmen und unsere Kleine auch mal im Vorzelt spielen lassen. Sommerliche Temperaturen hätten uns und dem Event gut getan.
Noch ein Wort zum Camping und den Sanitäranlagen. Toiletten gab es auf dem Festivalgelände im Bereich der Pferdesportanlage (normale WCs) sowie Komposttoiletten auf dem restlichen Festivalgelände. Im Bereich des Campings, jedenfalls in unserem Bereich, gab es Duschen und normale Toiletten. In den anderen Bereichen Dixis oder Komposttoiletten.

Früher waren wir cool

Ich kann euch das Festival ans Herz legen. Für alternativ denkende Menschen mit Kind ist es ein tolles Festival. Einweg-Plastikflaschen sind übrigens verboten auf dem Gelände, also lieber Glasflaschen (Soul Bottles) oder Mehrwegflaschen mitnehmen. Wir werden 2017 noch nicht wiederkommen, denn unsere Kleine soll erst älter werden. Musik werden wir dennoch hören und sehen. Vielleicht tritt ja eine tolle Kapelle auf dem nächsten Stadtteilfest auf? Und in ein paar Jahren sehen wir uns dann alle auf dem A Summer’s Tale wieder. Ich hätt‘ Bock drauf, aber nur bei gutem Wetter!
Oje, da fällt mir nur noch ein: Früher waren wir cool, heute sind wir Spießer! In diesem Sinne.

Das A Summer’s Tale 2017 findet vom 2.-5. August in Luhmülen statt. Infos gibt’s hier.

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