Liebster Award – Details über mich

Liebster Award – Details über mich

Nach einer kleinen Pause von zwei Wochen folge ich der Einladung von Rüdiger vom Blog mannpluskind.de und beantworte seine Fragen im Rahmen des #liebsteraward.

1. Gab es schon einmal eine Situation, in der du dein Kind verschenken wolltest?

What? Rüdiger, ich bin Sozialarbeiter, so ein Gedanke kam mir bisher nie in den Sinn. Im Ernst, selbst wenn die Kleine wie am Spieß geschrien hat, ich mir die Nächte um die Ohren geschlagen habe oder sie mega quengelig war, weil sich ein neuer Zahn ankündigte: niemals habe ich im Entferntesten daran gedacht, sie zu verschenken. Uiui, so eine Frage direkt zu Beginn, jetzt bin ich mal gespannt, was noch folgt.

2. Wofür entscheidest du dich: Einen Nachmittag mit Kind auf einem Kindergeburtstag oder Wohnungsgroßputzt inklusive Wäsche.

Ganz ehrlich, Wohnung putzen! Nichts gegen Kindergeburtstage an sich, nur sind die mir zu stressig. Das hat weniger mit mangelndem Interesse oder Empathie zu tun, als viel mehr mit meiner Hochsensibilität. Mein Wahrnehmungsfilter ist ständig an, sodass ich permanent auf allen Kanälen Reize empfange. Jetzt noch neue Leute kennenlernen und ein Auge auf die Kleine werfen, das fällt mir schwer und sorgt für Schweißausbrüche. Sieht man mir nach außen nicht an, aber innerlich bin ich irritiert und aufgewühlt. Piepen auf den Ohren sind die Folge und stotternder Smalltalk mit anderen Eltern. Also lieber mit der Kleinen auf dem Rücken die Wohnung putzen, bei schöner Musik und immer wieder Pausen zum Spielen und Schmusen. Trotzdem werde ich noch zu Kindergeburtstagen gehen (wenn ich denn noch eingeladen werde, nach dieser Aussage…).

3. Wenn Zeit, Energie und Geld keine Rolle spielen würde, wie viele Kinder hättest du dann?

Da ich selber in einer Großfamilie mit 3 Geschwistern aufgewachsen bin und das Großwerden als unheimlich bereichernd empfunden habe, müssen schon mindestens 4 Kinder drinsitzen. Bei solchen Fragen antworte ich auch gerne mit »Fußballmannschaft«. Meine Frau kennt das schon und rollt dann immer mit den Augen, streicht mir liebevoll durchs Haar und lässt mich wissen, dass sie immer noch ein Wörtchen mitzureden habe. Großartig, ich liebe sie dafür. Volleyballmannschaft geht auch!

4. Dein Kind möchte vorgelesen bekommen, welches Bilderbuch wählst du aus?

Mir ist wichtig, dass die Kleine selber entscheiden darf, was sie lesen möchte und was nicht. Wir machen ihr Angebote, indem wir ihr einige Bücher vorschlagen, die sich gut eignen. Je nachdem, wie sie gerade drauf ist, hat sie unterschiedliche Favoriten. Vor dem Einschlafen lesen wir die Gute Nacht Geschichte »Wie kleine Tiere Schlafen gehen«. Seit fast einem Jahr lesen wir dieses Buch nun schon. Ist also schon ein festes Ritual. Wenn sie darauf keine Lust hat, dann nimmt sie sich ein anderes, auch ohne Bezug zum Einschlafen. Über den Tag stöbert sie gerne im Wimmelbuch von Hagenbecks Tierpark. Das Buch hatte sie sich in der Buchhandlung ausgesucht und kann sich damit schon recht lange selber beschäftigen. Von einer Freundin haben wir das Buch »Superwurm, der alles schafft« geschenkt bekommen. Die Texte und Illustrationen sind so witzig, dass wir es ihr gerne vorlesen. Ok, das ist jetzt unser Favorit zurzeit, aber wie gesagt, sie darf entscheiden, ob’s gelesen wird, oder nicht.

5. Stadt oder Land? Wo möchtest du leben?

Als Landei zog es mich früher immer in die Stadt. Nach meiner Ausbildung zum Medienberater im tiefsten Münsterland bin ich für das selbe Unternehmen nach Hamburg gezogen. Dort hat es mich allerdings nicht lange gehalten, sodass ich in die nächste Landeshauptstadt gezogen bin. Kiel war die perfekte Mischung aus Großstadt und Dorf. Keine 20 Minuten Fahrtzeit mit dem Bus und du bist von der City auf dem Land, großartig! Zurück im Ruhrgebiet wurde das Wetter besser, aber die Stadt auch größer. Von Duisburg ging es über den Rhein nach Krefeld. Hier mag ich die Nähe zum Umland, wohin wir gerne mit dem Fahrrad fahren oder lange Spaziergänge machen. Viel lieber würde ich aber, wie wahrscheinlich sehr viele Sozialarbeiter, auf einem alten Kotten wohnen. Allerdings darf die Fahrt in die Stadt gerne kurz sein. Leider sind die Kaufpreise hier in der Gegend exorbitant teuer, sodass wir zunächst mit der Wohnung in Krefeld vorliebnehmen werden.

6. Wenn du die ganze Nacht kein Auge zumachen konntest, womit hält du dich wach?

Zum Glück ist die Zeit vorbei, in der ich nachts kein Auge zumachen konnte. Es gab diese Nächte und sie waren grausam zu mir. Denn blöderweise bin ich eine Nachteule, die zwar bis spät in die Nacht wach sein kann, aber tagsüber dann richtig gerädert ist, wenn sie gar keinen Schlaf bekommt. Tagsüber habe ich dann versucht mit Musik, Spielen und natürlich Kaffee wach zu bleiben. Auch bin ich mit der Kleinen vorm Bauch spazieren gegangen. Die frische Luft und Bewegung taten sehr gut. Es ist aber auch schon einmal vorgekommen, dass ich beim Spielen mit der Kleinen auf dem Teppich eingeschlafen bin, so müde war ich. Zum Glück war meine Frau anwesend, sodass nichts weiter passiert ist… also der Kleinen, nicht mir.

7. Lieblingsort mit Kind und Kegel?

Einen speziellen Lieblingsort gibt es so nicht. Ich bin neugierig auf die Welt, egal ob vor der Haustür oder tausende Kilometer weit weg. Hauptsache unkonventionell mit Zelt oder jetzt mit unserem Fiete. So heißt unser VW T4 Bus, den wir vor der Geburt gekauft haben, um mit Kind und Kegel zu verreisen. Uns sog es schon nach Dänemark, Italien, Frankreich und Spanien. Die nächsten Reisen stehen auch schon fest. Wichtig dabei: möglichst an keinem Ort zweimal zu sein. Ok, wenn wir Freunde in Kiel oder Thüringen besuchen, zählt das nicht. Wir lieben die Natur und haben mit Fiete einen tollen Reisepartner gefunden, der uns das Erlebnis Natur weiterhin ermöglicht.

8. Was ist deine Lieblingsseite bzw. dein Lieblingsblog im Internet?

Zurzeit beschäftigt mich die politische Entwicklung in Deutschland sehr. YouTube ist mein Medium, um mich kritisch über die derzeitigen Verhältnisse zu informieren. Dabei schaue ich gerne Interviews mit Richard David Precht und liebe die jung&naiven Fragen von Tilo Jung auf der Bundespressekonferenz. Gleichzeitig bin ich großer Fan seiner Interviewreihe Jung&Naiv. Daneben informiere ich mich bei den Nachdenkseiten, die Albrecht Müller, früherer Wegbegleiter von Willy Brandt und Helmut Schmidt, betreibt. Er berichtet kritisch über die politischen Verhältnisse in Deutschland und der Welt. Als Mac-affiner Technik Nerd (ungefähr so bezeichnet mich meine Frau) stöbere ich gerne bei ifun.de rum und halte mich auf dem Laufenden aus der PC und IT-Welt. Und ja, seitdem ich einen eigenen Vaterblog betreibe, lese ich sehr gerne die Artikel von dir, lieber Rüdiger und den anderen Bloggern bzw. stöbere bei Instagram im Leben der anderen Väter. Darüber hinaus höre ich sehr gerne beim Kochen oder auf dem Fahrrad den Podcast von Leitmedium und den Aufwachen Podcast.

9. Wenn deine Stimmung mal richtig mies ist, welche Musik macht dich wieder glücklich?

Da Gefühlsschwankungen bei hochsensiblen Menschen sehr stark ausgeprägt sind, hilft mir Musik, wieder unter zu kommen. Meine Frau hat in die Ehe eine riesige CD-Sammlung an hervorragender Musik gebracht, sodass ich für jede Stimmung die passende Musik parat habe. Dazu gehören so tolle Künstler wie Jack Johnson, José Gonzales, Sia, Junip, Iron and Wine und so viele andere. Das muss auch nicht immer so ruhige Musik sein. Dank Amazon Prime höre ich auch gerne Themen-Playlisten. Beim Putzen, beim Autofahren, im Winter, im Sommer und so weiter. Glücklicherweise haben meine Frau und ich einen ähnlichen Musikgeschmack. Durch sie habe ich großartige Indie-Künstler kennengelernt und dank mir weiß sie jetzt, dass deutsche Musik nicht immer Ohrenschmerzen bedeutet, obwohl das Konzert von Kraftklub in Münster vor zwei Jahren schon sehr laut war.

10. Gibt es in deiner Familie / deinem Freundeskreis Personen die kein Verständnis für dein Bloggen haben?

Nein, bisher fanden das alle gut, wobei viele auch keinen Bezug zu meinem Blog haben. Es gab auch schon mal kritische Fragen nach dem Motto „Gibst du nicht zu viel Preis von dir?“ Ja, vielleicht, aber genau dafür ist ein Blog doch gedacht. Ich möchte anderen Männern Mut machen, eine Auszeit für die Familie zu nehmen und das Leben zu leben. Viele Männer leben in den klassischen Rollenbildern: er arbeitet und sie bleibt zu Hause bei den Kindern. Mit dem Blog möchte ich vielmehr die Männer erreichen, die unsicher sind, ob sie das Leben (mit oder ohne Kind) so weiterleben wollen. Es gibt viele Männer da draußen, die aus den vorgelebten Rollenbildern ausbrechen wollen. Die möchte ich ansprechen. Und ja, dafür muss ich mich öffnen, um sie zu erreichen und ihnen zu sagen: Hej, du schaffst das und du kannst das, habe den Mut und gehe den ersten Schritt. Schau in meine Welt und wenn nimm das mit, was dir weiterhilft. Bisher war das Feedback eher positiv als negativ.
So, nun bin ich gespannt auf deine Antworten, lieber Holli aka @holger5347 lieber @papa.mag.lila lieber Björn von @papaerklaert und Bernard aka @brocklanders ! Hier sind eure Fragen:

  1. Welchen Rat würdest du dir als jungen Vater rückblickend mit auf den Weg geben?
  2. Stell dir vor, du könntest die Zeit anhalten. Was würdest du den ganzen Tag machen?
  3. Erzähle von deinem schönsten Moment als Papa!
  4. In welchen Momenten stößt du als Vater an deine Grenzen?
  5. Was vermisst du aus deinem alten Leben am meisten, als du noch nicht Papa warst?
  6. Gibt es ein bestimmtes Erziehungsmodell (z.B. Attachment Parenting), das du/ihr verfolgt?
  7. Smartphone, Tablet, TV und Co. – Ab wann sollte dein Kind Zugang zur digitalen Welt haben?
  8. Vervollständige diesen Satz: Vater sein bedeutet für mich…
  9. Warum bist du bei Instagram, facebook, twitter oder betreibst einen eigenen Blog?
  10. Stell dir vor, du würdest ein bedingungsloses Grundeinkommen von 1.600 € pro Monat bekommen: Wie würde sich dein Leben ändern? Welche Träume/Wünsche würdest du verfolgen?

Ich bin gespannt auf deine Antworten und freue mich jetzt schon wie Bolle drauf!

Blogparade: Fünf gute Gründe für Papa-Elternzeit

Blogparade: Fünf gute Gründe für Papa-Elternzeit

Elternzeit ist eine besondere Zeit für die Familie. Rüdiger von mannpluskindgleichvater.de hat daher die Blogparade: »Fünf gute Gründe für Papa-Elternzeit« gestartet. Warum also sollten Väter Elternzeit nehmen und warum in alles in der Welt können sie nicht weiterhin Karriere machen? Hier also meine Antworten…

1. Was habe ich nur mit der ganzen Zeit gemacht?

Vor der Geburt unserer Tochter haben wir Abende oder sogar Tage im Bett oder auf der Couch verbracht und Serien geguckt. Besonders in der Schwangerschaft war das ein sehr schöner, weil gemeinsamer Zeitvertreib. Oder Freunde spontan treffen und ins Kino gehen, alles kein Problem – wir haben ja Zeit satt. Doch mit der Geburt hat sich das schlagartig geändert. Alles eine Sache von Angebot und Nachfrage, denn mit einem Kind ist Zeit ein knappes Gut geworden. Die Nachfrage aber ist nach wie vor hoch. Wir wollen sie daher mit Qualität füllen und treffen uns daher seit der Geburt des Kindes viel bewusster mit der Familie und den Freunden. Zwar gehen wir auch mal ins Kino, doch muss der FIlm schon richtig gute Kritiken haben und natürlich muss ein Babysitter vorhanden sein. Wahnsinn wie sehr ich Zeit zu schätzen gelernt habe und wie sehr ich bis zur Geburt Zeit (und Geld) verschwendet habe.

Grund eins: Du lernst deine Zeit mit Qualität zu füllen!

2. Tiefes Verständnis für Care-Arbeit

Seitdem ich also zuhause bin, begreife ich im wahrsten Sinne des Wortes was es beudetet, 24/7 über 7 Monate im Jahr für dieses kleine Würmchen verantwortlich zu sein. Weint die Tochter oder will sie spielen, bin ich für sie da. Hat sie Hunger, mache ich ihr etwas zu essen und füttere sie. Hat sie in die Windeln gemacht… und so weiter! Gleichzeitig wird der Haushalt geschmissen und irgendwie bleibt noch etwas Zeit für meine Frau und mich übrig. Care-Zeit bedeutet also nicht nur Babysitten für einen Tag oder übers verlängerte Wochenende, sondern es geht um J E D E N Tag. Wir haben uns die Care-Arbeit (was ein doofes Wort) in unerer Beziehung schon immer paritätisch aufgeteilt und ziehen den Stiefel jetzt auch bei unserer Tochter durch. Warum auch nicht? Erst jetzt verstehe ich so richtig, was meine Mutter damals als Hausfrau und Mutter von vier Kindern geleistet hat. Nun darf ich meinen Teil an unsere Tochter zurückgeben. Und das aus vollster Überzeugung!

Grund zwei: Du begreifst, was es heißt, für andere verantwortlich zu sein!

3. Reisen

Es gibt Väter, die nur 2 Monate Elternzeit nehmen und lieber den Gartenzaun streichen oder das Haus umbauen. So ein Papa bin ich nicht. Elternzeit ist Familienzeit für eine gemeinsame Auszeit, jedenfalls für ein paar Wochen. Wie viele andere Familien haben wir auch eine Reise unternommen, die uns als Familie erst richtig nahe gebracht hat. Für 2 Monate waren wir mit Fiete in Frankreich und Spanien unterwegs. Anschließend habe ich weitere 4 Monate zu Hause verbracht, um meiner Frau den Wiedereinstieg in den Job zu ermöglichen. An dieser Stelle der Hinweis auf die Kritik auf sueddeutsche.de »Elterngeld ist kein staatlich gesponsertes Urlaubsgeld«. Ich bin mir bewusst, dass nicht jede Familie eine Reise machen kann. Doch wenn es irgendwie möglich ist, tut es. Und sei es nur für zwei oder drei Wochen innerhab von Deutschland. Es lohnt sich und macht den Kopf frei für Familienzeit!

Grund drei: Tue dir und euch etwas Gutes und genießt die Auszeit!

4. Die pure Entschleunigung

Obschon die beiden oberen Punkte sehr viel Kraft kosten, fühle ich eine pure Entschleunigung. Zeitweise war ich sogar so entschleunigt gewesen, dass ich auf dem Spielteppich neben meiner Tochter eingeschlafen bin (während sie Klötzchen stapelte). Ups! Irgendwann ist mir dann auch die Decke auf den Kopf gefallen, sodass ich mir eine Auszeit von der Elternzeit genommen habe. Es gibt nun einen halben Papa- und einen Mama-Tag frei in der Woche. Seit ein paar Wochen ist meine Elternzeit zu Ende und trotz Umstellung zehre ich immer noch von den schönen Erkenntnissen und Erfahrungen. Das entschleunigt mich im Job und Alltag, denn ich muss keine überzogenen Erwartungen erfüllen und kann mir selber treu bleiben. Folgerichtig habe ich meinen High-Strain-Job auch gekündigt und arbeite nun halbtags bei einem neuen Arbeitgeber.

Grund vier: Dank der Elternzeit weiß ich jetzt, was ich beruflich will: Entschleunigung!

5. Konfrontation mit dem inneren Kind

Kinder kommen normalerweise ohne Beipackzettel auf die Welt. Sie sind von Natur aus freundliche Wesen und machen nichts aus böser Absicht oder Willkür. Sie lernen modellhaft von ihrer Umwelt, Erwachsene sind ihr Vorbilder. Mir helfen die Begegnungen mit meiner Tochter sehr, um zu verstehen, was sie braucht und wie sie tickt, ja sogar wie ich ticke. Denn ich hinterfrage mich selbst: Was macht ihr Trotzverhalten jetzt mit mir? Warum bin ich beim Füttern so ungeduldig? Warum bin ich gerade wütend? Was mache ich falsch, dass sie jetzt weint? Sehe ich sie und ihre Bedürfnisse gerade nicht? Alles, was meine Tochter macht, ist auch eine Konfrontation mit meiner Vergangenheit. Das innere Kind ist im Grunde das Abbild der eigenen Kindheit. Doch nun bin ich erwachsen und die Erfahrungen und Erlebnisse aus meiner Kindheit kommen immer dann hervor, wenn meine Tochter mich damit konfrontiert. Dank meiner Tochter habe ich nicht nur sie besser kennengelernt, sondern auch mein inneres Kind.

Grund fünf: Nimm dir Zeit und lerne von deinen Kindern!

Das sind meine fünf guten Gründe für Papa-Elternzeit! Jetzt bin ich gespannt auf deinen Beitrag zur Blogparade. Vielleicht hast du keinen Blog oder bist nicht bei Instagram oder Twitter? Dann schreib doch einfach in die Kommentare! Ich bin gespannt auf deine fünf gute Gründe für Papa-Elternzeit!

Ein Tag am Segelflugplatz

Ein Tag am Segelflugplatz

Heute möchte ich dich virtuell mit auf den Segelflugplatz nehmen und dir meine Welt als Segelflieger zeigen. Wie ich zum Fliegen gekommen bin und was das Ganze mit Vatersein zu tun hat,  habe ich bereits in einem anderen Beitrag geschrieben. Oft werde ich gefragt, wie so ein Tag aussieht und was wir den ganzen lieben langen Tag so machen. Nun, schauen wir uns das doch mal genauer an.

Die Flugzeuge werden ausgeräumt

Morgens gegen 9 Uhr treffen sich alle vor der Flugzeughalle und räumen die Segel- und die Motorflugzeuge, den Lepo und die Winde aus. Hier sagt man sich „Hallo“, kommt ins Gespräch und bereitet die Flugzeuge vor. Wir brauchen Batterien, Bordbücher mit allen wichtigen Unterlagen und natürlich die Fallschirme. Denn jeder Pilot muss im Segelflugzeug einen tragen. Da wir Piloten und die Flugzeuge in der Hobbyfliegerei von den Behörden ebenso penibel kontrolliert werden wie ein A340 der Lufthansa, überprüfe ich, ob alle Dokumente aktuell und vorhanden sind.

Wenn alle Maschinen ausgehallt sind und gechekt wurden, werden sie mit dem Lepo zum Start gezogen. Der Lepo ist ein ganz normaler PKW, der so heißt, weil früher Fahrzeuge von OPEL benutzt wurden. Lest OPEL einfach mal rückwärts. Die Seilwinde wird auf die gegenüberliegende Seite des Flugplatzes gefahren, von wo aus anschließend zwei fast 1.000m lange Seile ausgelegt werden. Damit werden die Segelflugzeuge später katapultartig in die Höhe gezogen.

Der Startvorgang

Doch bevor es soweit ist, findet am Start ein Feldbriefing statt. Zusammen mit meinem Fluglehrerkollegen und dem Startleiter verteilen wir zusammen die Aufgaben und lassen von den Flugschülern eine Reihenfolge festlegen. Da der Wind heute mit fast 30kt (ca. 55 km/h) seitlich über den Platz fegt und an den Bäumen für starke Verwirbelungen sorgt, haben wir uns gegen die einsitzigen Flugzeuge entschieden und starten nur doppelsitzig, also mit Fluglehrer.
Es sitzen also in der Schulmaschine zwei Personen. Ein_e Flugschüler_in auf dem vorderen Sitzplatz und ich auf dem hinteren. Alle wichtigen Instrumente und Steuerelemente befinden sich auch auf dem hinteren Platz. Kurz vorm Start gehen wir im Cockpit noch alle Eventualitäten durch und überprüfen, ob wir wirklich startklar sind. Das Windenseil wird von einem/einer Helfer_in eingeklinkt, eine Person am Flächenende hält das Segelflugzeug waagerecht, bis es aufgrund der Auftriebsverhätnisse am Flügel abhebt.

Mit dem Kommando „Seil straff, fertig!“, dass der Startleiter dem Windenfahrer per Telefon durchgibt, schießen wir von 0 auf 100 km/h in weniger als 5 Sekunden in den Himmel. Zunächst in einem flachen Bogen, ehe wir uns in 50m Höhe steil „ans Seil hängen“, um über der Winde wieder waagerecht auszuklinken.

Der eigentliche Flug

Nun sind wir vogelfrei, ohne Verbindung zum Boden. Mit 110 km/h gleiten wir durch die Luft. Wir drehen zwei Vollkreise und sind erstaunt über die Versetzung. Der starke Wind hat uns weit hinter die Flugplatzgrenze versetzt. Wir müssen uns aber gegen den Wind in den Übungsraum vorkämpfen und verlieren dabei wertvolle Höhe. Wer jetzt denkt, dass dieses Wetter doch super sei, irrt sich. Denn der Wind ist uns am Niederrhein vielmehr ein Hindernis, als Unterstützung. Wir Segelflieger nutzen die warmen aufsteigenden Aufwinde (die Thermik), die sich vom Boden ablösen und am Himmel als Schönwetterwolken sichtbar werden. Der starke Wind macht uns einen Strich durch die Rechnung, denn die Versetzung ist zurzeit noch stärker, als die Thermik.
Erst zum Spätnachmittag beruhigt sich der starke Wind und die Thermik kann ihr Potenzial entfalten. Mit 2 bis 3 m/s steigen wir in den Himmel und erreichen schon nach wenigen Minuten 1.600m Höhe. Wir bleiben in einem 10km-Radius um den Flugplatz und genießen die Aussicht und sind uns über dieses Privileg bewusst. Auch wenn ich als Fluglehrer auf dem hinteren Sitz schule und nicht alleine fliege, spüre ich wunderbare Momente des Glücks hier oben.

Jetzt wird gelandet

Glücklicherweise hat der Wind nachgelassen, sodass die Turbolenzen an der Baumreihe nicht so stark sind. Denn überall dort, wo Wind gegen ein Hindernis strömt, will er um dieses Hindernis herum. Der Effekt ist vergleichbar mit einem Bachlauf, in dem das Wasser um die Steine fließt. Hinter den Steinen entstehen Wasserwirbel. Durch diese Wirbel müssen wir „eintauchen“. Bei der Landung benutzen wir Bremsklappen zur Unterstützung. Sie werden manuell aus den Flächen herausgefahren. Mit ihnen steuern wir den Gleitweg. Also ganz raus = wir landen vorm Flugplatz, ganz rein, wir landen hinterm Flugplatz. Die Flugschüler_innen müssen also das genaue Maß erlernen. Kurz vor dem Boden reduzieren wir den Anflugwinkel und gleiten bei vollausgezogenen Bremsklappen in wenigen cm über der Grasnarbe. Die Geschwindigkeit reduziert sich, bis das Flugzeug sanft aufsetzt.

Mit dem Lepo werden die Segelflugzeuge wieder zurück an den Start gezogen. Bei uns am Flugplatz gibt es noch zusätzlich einen alten Trecker, den wir u.a. auch fürs Mähen benutzen. Denn so ein Flugplatz muss schön kurzgehalten sein, damit sich bei Start oder Landung das Flächenende nicht im Gras verfängt. Andernfalls kann das Flugzeug Schaden nehmen. Die Flugschüler_innen begleiten das Segelflugzeug am Flächenende zurück zum Start. Anders als die meisten anderen Flugzeuge haben Segelflugzeuge meist nur ein Hauptfahrwerk, auf dem stehen. Der Luftwiderstand und das Gewicht wären sonst zu hoch.

Ende des Flugbetriebes

Gegen 18 Uhr neigt sich der Flugbetrieb dem Ende entgegen. In den Sommermonaten fliegen wir meist länger, hängt aber auch vom Wetter ab. Die Flugzeuge werden gewaschen, ausgeräumt und bekommen ihre Schlafanzüge an. Die empfindliche Oberfläche wird mit Flächenbezügen vor Staub und Vogelkacke geschützt. Die Batterien kommen wieder ans Ladegerät und die Fallschirme in den Spind zurück. Nach etwa einer Stunde sitzen vielen von uns noch auf der Terrasse des Vereinsheims und quatschen über den Tag. Wir tauschen Eindrücke und Erfahrungen aus oder berichten von interessanten Begegnungen während der Flüge.
Wer jetzt weiter reinschnuppern möchte, kann sich beim LSV Grenzland e.V. informieren oder mal auf den Blog von Torsten Beyer schauen. Ansonsten schreibt gerne Fragen, Wünsche und Anregungen in die Kommentare. Warum Segelfliegen eine sinnvolle Freizeit ist und wie die Menschen dahinter ticken, zeige ich euch in einer der nächsten Beiträge.

 
 

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