Kinderwunsch schon als Jugendlicher

Kinderwunsch schon als Jugendlicher

Wertschätzung, Selbstbestimmtheit und Beziehung sind wichtige Werte in meinem Leben. Klingt wahrscheinlich erst mal merkwürdig und ist sicherlich irritierend. Denn ich mache mir und habe mir nichts aus Karriere, Autos oder Partys gemacht. Ich war schon immer anders. Ich wollte schon immer Kinder haben.

Groß geworden bin ich in einem familiären Umfeld mit zwei Eltern, drei Geschwistern, zwei Omas und ganz vielen Cousinen und Cousins. Das ist so, weil meine Eltern zusammengerechnet neun Geschwister haben, die durchschnittlich 3,9 Kinder bekommen haben. Ja, ich habe irgendwas mit 35 Cousinen und Cousins. Habe irgendwann aufgehört zu zählen. Dass ich immer schon anders war, als alle anderen in meinem Alter, habe ich vor allem bei den Familienbesuchen gemerkt. Raufen, Fußball spielen, Kräfte messen und Blödsinn machen wollte ich nicht. Lieber Ruhe und quatschen, tiefergehende Gespräche führen und „sein“ anstatt „haben“. Ich war das komische Kind in der Familie, der Seltsame, der Unangepasste.

Aufgewachsen in einem Dorf war ich keiner, der sich den typischen Cliquen anschloss oder sich abends zum Saufen traf. Dabei wurde ich gerne von anderen als Schwul tituliert, wahrscheinlich, um in deren Weltbild zu passen. „Der ist anders, der ist bestimmt schwul!“. Vielmehr haben mich Fragen interessiert über das Leben und was das Leben lebenswert macht. Warum bin ich hier auf der Erde und was ist meine Aufgabe? Die Unangepasstheit an das dörfliche Leben hat mich daher immer weggezogen, am liebsten ganz weit weg. Neue Horizonte erkunden, mein Ding machen und das Unangepasste leben.

Gleichzeitig war da der unendliche Wunsch, eigene Kinder zu haben. Ich wollte früh Vater sein und diese Rolle anders ausleben. Denn immer, wenn ich Kindern begegnet bin, war sofort eine besondere Ebene vorhanden. Ok, nicht immer, aber gerade mit den sensiblen Kindern, die viel Aufmerksamkeit benötigt haben, konnte ich gut. Vielleicht, weil ich mir Zeit genommen habe oder weil ich mich einfach mit ihnen beschäftigt habe. Vielleicht aber auch, weil ich als Hochsensibler feine Antennen für Gefühle und Emotionen habe. Ich weiß es nicht. Meine Schwester hat jedenfalls damals schon zu mir gesagt „Du wirst bestimmt mal Erzieher“ und „Mach auf jeden Fall etwas mit Kindern!“.

Dass ich also jetzt in einem sozialen Beruf gelandet bin und nur in Teilzeit arbeite, war irgendwie schon damals klar. Nur musste ich erst meinen Platz in dieser »Ich-mache-Karriere-und-werde-reich-Welt« finden. Jetzt bin ich Familienvater und stehe mit beiden Beinen fest im Leben. Die besondere Ebene zu Kindern ist geblieben und ich vergesse auch schon mal die Zeit, wenn ich mit ihnen spiele. Alles in allem steht Familie für mich im Mittelpunkt und mein Tochter – und ganz bald auch Kind 2 – sind zusammen mit meiner Frau die wichtigsten Menschen!

Cytomegalie in der Schwangerschaft – Die erste Infusion

Cytomegalie in der Schwangerschaft – Die erste Infusion

Vor ein paar Tagen habe ich über die Cytomegalie-Infektion meiner Frau in der aktuellen Schwangerschaft geschrieben. Ein großer Schock für uns. Um zu verhindern, dass das Virus auf den Fetus überspringt, hoffen wir auf eine Immunglobulintherapie im Pränatalzentrum.

Insgesamt ist bisher viel Zeit vergangen, was ungewöhnlich ist bei der Diagnose. Eine Woche nach unserem Urlaub kam endlich von der Krankenkasse der Hinweis, dass der Medizinische Dienst der Krankenkassen (MDK) eine Therapie ablehnt. Im Gespräch mit der zuständigen Mitarbeiterin der Krankenkasse hat sie uns zugesagt, dass die Kosten trotzdem übernommen werden. Wir sind erleichtert. Alternativ hätten wir auch ohne Zusage starten können und bei Absage Widerspruch einlegen können. Wir sind froh, dass es nicht soweit gekommen ist.

Das gesamte MDK Gutachten (343 Downloads) kannst du übrigens hier herunterladen.

Bis kurz vor dem nächsten Termin im Pränatalzentrum haben wir weiter recherchiert. Es gibt eine Meta-Studie, die sagt, dass es knapp nichtsignifikante Ergebnisse gibt, jedoch eher davon auszugehen ist, dass die Gabe von Cytotect hilft. Ende Mai 2018 endet zudem eine große Studie, die weitere Ergebnisse liefern wird. So lange können wir aber nicht warten. Wir haben uns nach langem Hin und Her für eine Cytotect-Therapie entschieden. Im Pränatalzentrum hat sich meine Frau schließlich ambulant die Infusion geben lassen. Die Ultraschall-Untersuchung vor der Gabe war übrigens unauffällig. Dem Baby geht es gut. Die Infusion dauerte ca. eine Dreiviertelstunde und wurde gut vertragen.

Die Tage nach der Infusion verstärkte sich bei mir immer mehr das Gefühl: „Wir bekommen ein gesundes Kind!“ Die Aussagen über mögliche Folgen der Diagnose haben mich schon irritiert. Doch viele Gespräche, eine gemeinsame Haltung und die innere Zuversicht schieben alle Irritationen und Grübeleien beiseite. Sie sind nahezu ganz verschwunden. Diese positive Energie wird sich auch auf das Würmchen übertragen. Hier wartet eine tolle Familie auf dich, die dich lieben und annehmen wird, so wie du bist und so wie du sein magst. Ich freue mich auf dich!

Wir halten nicht hinterm Berg mit der Infektion und gehen offen damit um. Genau so, wie wir auch die Schwangerschaft ganz offen angesprochen haben, als sie gerade erst bekannt war. Jedes Leben ist es wert, erzählt zu werden. Egal, ob 6 Wochen alt im Bauch der Mama oder frisch geschlüpft. Dazu gehört für uns auch die Wahrscheinlichkeit einer Behinderung. Wir gehen davon
aus, dass alles gut wird. Wir denken positiv!

5 Dinge mit denen ich bei anderen anecke

5 Dinge mit denen ich bei anderen anecke

In meinen Seminaren zum Thema Burnout geht es sehr häufig um Lebensziele, Lebenseinstellungen und Denkweisen. Zwischen gesunden und krankmachenden Verhaltensweisen liegen sehr oft große Distanzen. „Mach das, was dich glücklich macht“, hat meine Mutter immer gesagt. Aber wie geht das? Das zu tun, was mich glücklich macht, ist gerade in meiner Vaterrolle nicht immer einfach. Anscheinend mache ich viele Dinge anders, als sie von mir erwartet werden.

1. Sieben Monate Elternzeit nehmen

Von Anfang an war mir klar, dass ich Zeit mit meiner Familie verbringen möchte. Ich möchte ein Daddy sein, der mehr als 2 Monate Elternzeit nimmt. Aus meinem 50 Stunden Job raus und rein in die Elternzeit. Einen Monat nehmen wir uns gemeinsam Zeit fürs Kennenlernen nach der Geburt, anschließend nimmt meine Frau sechs weitere Monate, ehe ich die restlichen sechs Monate nehme. Für uns die perfekte Kombination. Neun Monate nach der Geburt (meine Frau hat ihren Jahresurlaub und Überstunden hinten dran gehängt) ist sie wieder 30 Stunden arbeiten gegangen. Konnten auch viele Menschen nicht verstehen. „Was, du arbeitest wieder? Und wo lässt du dein Kind?“ – „Die Kleine ist bei meinem Mann zu Hause, er hat Elternzeit.“ – „WAS? Bei deinem Mann? Naja, muss ja jeder selber wissen.“ Das war so das Krasseste, was wir zu hören bekommen haben. Die 60er haben angerufen, sie wollen ihre konservativen Werte zurück. Oh man.

Ja, es gibt Väter, die sich liebevoll um ihr Baby kümmern. Die Mama geht 30 Stunden pro Woche arbeiten und Papa wickelt, gibt die Flasche und spielt mit dem Wurm. Du baust eine enge Bindung zu deinem Kind auf und deine Frau kann zurück in ihren Job, perfekt. Ok, das klingt jetzt nicht für jeden Vater verlockend. Mann verzichtet auf Einkommen und natürlich Karriere. „WHAAAAAT“, bekomme ich dann zu hören oder „naja, wenn ihr es euch leisten könnt“. Womit wir beim nächsten Punkt angelangt wären.

2. Teilzeit statt Vollzeit

Der neue Job ist ganz bewusst nur eine Teilzeitstelle. Karriere im Job? Das dürfen gerne andere machen, wenn ich dafür Zeit mit meiner Familie verbringen darf! Vormittags arbeitet ich und nachmittags betreue ich die Kleine. Meine Frau betreut vormittags die Kleine und arbeitet nachmittags. Zusammen kommen wir so auf ganz viel gemeinsame Care-Arbeit, 50 Stunden Wochenarbeit und bringen ein Gehalt nach Hause, von dem wir gut leben können. Ok, große Sprünge sind da jetzt nicht drin, aber wir sehen beide unser Kind, verbringen viel Zeit miteinander und kennen jeden Entwicklungsschritt – und sei er noch so klein.

Kinder bekommen, damit ich sie mit einem Jahr in die KiTa gebe und wieder beide arbeiten gehen, das ist nicht mein Bild von Familie. Auch nicht, dass die Frau zu Hause bei den Kindern bleibt. Es gibt Konstellationen, da geht es nicht anders. Allerdings bin ich fest davon überzeugt, dass viele Männer nicht reduzieren wollen. Ok, ich hatte auch Sorge um meine berufliche Laufbahn. Aber der Stress und die Unzufriedenheit auf der Arbeit haben mir gezeigt, wie wichtig die Familie ist. Dann hat meine Karriere als Sozialarbeiter gerne einen Knick. Na und? Ich lebe nur einmal und möchte mitbekommen, wie meine Kinder groß werden. Ach, eins noch: Ja, wir können uns das leisten, weil wir es uns leisten wollen!

3. Familienbett

Wir schlafen mit der ganzen Familie in einem Bett. Vorweg sei gesagt: Nein, unser Liebesleben leidet nicht darunter. Jedenfalls nicht mehr als bei anderen Eltern auch. Keine Ahnung wie es dazu kam, dass wir entschieden haben, ein Familienbett zu bauen. Es war jedenfalls eine gemeinsame Entscheidung und ist ein schönes Gefühl. Einfach zu wissen, dass meine Frau genau den selben Impuls verspürte, als es um die „Bett-Frage“ ging und wir beiden sagten „Na dann ein Familienbett“. Mittlerweile schlafen wir im Familienbett 2.0. Es misst 3x2m und besteht aus einer 1,40m und 1,60m breiten Matratze.

„Boah krass, dann werden ja immer alle wach, wenn einer schreit“. Ja, das kommt vor und nein, das ist nicht die Regel. Unser Kind ist immer bei uns, wir können kuscheln und müssen nicht aufstehen, um das Kind aus seinem Bett zu holen. Wir können lange schlafen, weil das Kind schon da ist und wenn doch mal jemand schreit, dann wechseln wir uns eben ab. Wenn es gar nicht geht, gibt es noch die Schlafcouch. Das ist so selten, dass wir die Nächte an einer Hand abzählen können. Wie die Nächte allerdings mit einem Säugling und einem Kleinkind sein werden, wissen wir noch nicht. Wir sehen aber nur die Vorteile. Enge Bindung und ein starkes Familiengefühl.

Eine Sorge hatte ich nie. Dass die Kinder immer in unserem Bett bleiben wollen und nicht in ihr eigenes Bett gehen. Wir haben nicht das Ziel, unsere Kinder schnell in ihr eigenes Bett zu „verlegen“. Für uns stellt sich die Frage erst gar nicht. Es ist doch schließlich ein Familienbett. Und wenn die Kinder irgendwann in einem eigenen Bett schlafen wollen, dann ist das auch in Ordnung. Es wird trotzdem ein Familienbett bleiben.

4. Attachment Parenting

Ok, jetzt kommt ein Hammer Begriff, der immer wieder für Streit und Shitstorms sorgt. Ich halte mich auch nicht an dem Begriff fest und definiere ihn teilweise anders. Das versteht nicht jede_r und will vielleicht auch nicht jede_r verstehen. Shitstorm eben. Mir ist die Beziehung und die Bindung zu meinem Kind und zu meiner Frau einfach wichtiger, als zu allem anderen. Wir schlafen im Familienbett, verbringen viel Zeit zusammen und begleiten unser Kind in der Entwicklung. Am Körper tragen anstatt im Kinderwagen schieben. Nähe statt Distanz. Wärme statt Kälte. Hinzu kommt, dass ich mich aufgrund meiner Hochsensibilität anders in die Gefühlslage meiner Tochter hineinversetzen kann.

Jetzt mögen andere sagen, dass die Kinder uns auf der Nase herumtanzen. Das bedeutet Attachment Parenting nicht. Vielmehr ist es der Grundstein für eine sichere Bindung und einem liebevollem Aufwachsen, in einem geborgenen Umfeld. An dieser Stelle sei der Blog von Susanne Mierau empfohlen. Eine Welt voller liebevollen Momenten ab der Schwangerschaft. Auch für Männer lesenswert!

5. Vaterrolle

Hin und wieder bekomme ich einen Spruch gedrückt. „Ach guck an, der Super Papa.“ Oder „Ah. Ganz toll. Ich arbeite auch Teilzeit. Von acht bis acht!“. Meine Vaterrolle wird von Frauen gelobt und dem Großteil der Vätern belächelt. Ich weiß nicht, was genau hinter den Sprüchen steckt. Es ist komisch und manchmal auch anstrengend, sich gegenüber den gesellschaftlichen Verhältnissen zu behaupten, denn unser Familienmodel ist äußerst selten. Janni Orfanidis von ichbindeinvater.de hat in der Deutschlandfunk Sendung „Lebenszeit“ vom 24.03.2017 die Ergebnisse aus dem Sozialbericht für Deutschland dargestellt.

Paarfamilien nach Vollzeit-/Teilzeittätigkeit der Partner 2014 — in Prozent. Quelle: Datenreport 2016: Sozialbericht für Deutschland, Kapitel 2: Familie, Lebensformen und Kinder

Demnach gehören wir zu den wenigen 3% der Paarfamilien, in denen beide Elternteile in Teilzeit arbeiten. Soziologisch zählen wir also zur Randgruppe der Familien-Gesellschaft. Mehrheitlich geht der Vater in Vollzeit arbeiten und die Mutter in Teilzeit (75%). Die anderen Werte könnt ihr aus der Grafik oben ablesen.

Mein Fazit

Ich fühle mich wohl in dieser Nische und kann mir kein besseres Familienmodell vorstellen. Auch wenn hin und wieder die Kommentare nerven, so bleiben wir uns treu und ziehen unser Ding durch. „Ich möchte Zeit mit meiner Familie verbringen“ antworte ich dann. Doch das wird leider oft falsch verstanden. Spiegel vorhalten und so. Dabei ist das nicht meine Absicht. Ich erzähle aus meiner Perspektive. Jede Familie muss ihren eigenen „richtigen“ und sinnvollen Weg finden. Die Frage ist doch, gehe ich wertschätzend mit den Entscheidungen anderer Menschen um. Bleibe ich bei mir und erzähle ich aus der Ich-Perspektive ohne zu verurteilen und anzugreifen.

Das versuche ich und es gelingt mir auch nicht immer. Also, das sind meine Gedanken und meine Sichtweisen. Vielleicht hast du eine andere, vielleicht aber auch eine ähnliche. Ich bin gespannt und freue mich auf Kommentare. Letztendlich aber haben Mamas doch immer recht. „Mach das, was dich glücklich macht“, hat sie immer gesagt. Das werde ich. Ich denke an dich und winke dir zu, wie du auf deiner Wolke sitzt und uns von oben beobachtest. Hab dich lieb und danke!

Diagnose: Cytomegalie in der Schwangerschaft

Diagnose: Cytomegalie in der Schwangerschaft

Normalerweise freut man sich, wenn jemand schwanger ist und Nachwuchs erwartet. Wir erkundigen uns nach dem Wohlbefinden der Frau und wünschen alles Gute. Natürlich fragen wir, wann es soweit ist und ob schon klar ist, ob es ein Mädchen oder ein Junge wird. Es wird ein Kind. In den meisten Fällen, ein gesundes Kind.

Seit einigen Wochen wissen wir, dass wir schwanger sind. Wir sind schwanger, weil die Schwangerschaft meiner Frau uns als Familie betrifft. Wir gehen gemeinsam zum Frauenarzt, sprechen gemeinsam zum Fetus und kuscheln oft zusammen. Wenn Mama schlechte Laune hat, geben wir ihr Zeit und wenn sie Ruhe braucht, kann sie sich zurückziehen und K1 und ich unternehmen etwas. Unsere Kleine freut sich schon riesig und ist sehr einfühlsam. Sie spricht mit dem Bauch und streichelt das Baby liebevoll. Und natürlich wird auch mein Bauch dicker, aber das ist eine andere Geschichte.

Meine Frau ist Rehabilitationspädagogin und ich bin Sozialarbeiter. Für uns steht fest, dass uns das Leben wichtiger ist als eine mögliche Abtreibung. Seit der ersten Schwangerschaft sind wir uns einig, dass wir keine Untersuchungen machen wollen, die ein Risiko für den Fetus bedeuten. Dazu gehören Fruchtwasseruntersuchungen oder andere Eingriffe. Sollte das Kind eine Behinderung haben, dann wird es in eine liebevolle Umgebung geboren. Andere Untersuchungen, die kein Risiko für den Fetus bedeuten, sind z.B. die Untersuchung des Blutes auf Cytomegalie-Viren. Diese haben wir schon in der Schwangerschaft mit K1 gemacht.

Cytomegalie-Viren gehören zu den Hepatitis Herpes Viren und sind normalerweise nicht gefährlich. Etwa 60% der westlichen Bevölkerung trägt diesen Virus in sich. In Entwicklungsländern haben fast 100% der Menschen den Virus. Solange keine Erstinfektion mit dem Virus bei der Schwangeren bekannt ist, sollte sie keinen direkten Kontakt zu Kleinkindern haben. Denn der Virus wird unter anderem über den Speichel und Urin übertragen. Das ist übrigens einer der Gründe, warum Erzieherinnen und Sozialarbeiter im Kinder- und Jugendbereich ins Beschäftigungsverbot gehen. Denn wenn die Erstinfektion in den ersten Wochen der Schwangerschaft auftritt, ist die Wahrscheinlichkeit sehr hoch, dass sich beim Fetus Fehlbildungen, wie ein zu kleiner Kopf, Darmschlingen oder Missbildungen ausbilden. Eine spätere Infektion ist weniger gefährlich. Ein paar Fakten:

  • CMV ist weltweit die häufigste erworbene Infektion ungeborener Kinder in der Schwangerschaft.
  • Bei ca. 1% der CMV negativen Schwangeren in Europa kommt es zu einer Erstinfektion. Eine Übertragung auf das ungeborene Kind erfolgt in ca. 50% der Fälle.
  • Die häufigste Spätfolge ist die Hörminderung bis zur Taubheit.
  • Für Deutschland gibt es nur Schätzungen. Im Jahr 2004 wurden ca. 3670 Kinder mit einer in der Schwangerschaft erworbenen CMV-Infektion geboren.

Quelle: http://www.cmv-selbsthilfegruppe.de/schwangerschaft.pdf

Dreimal dürft ihr raten, warum ich diese Zeilen schreibe. Genau, wir sind nicht nur schwanger, sondern haben auch den Humanen Cytomegalie-Virus (HCMV). Das Blut meiner Frau wurde kurz nach Bekanntwerden der Schwangerschaft abgenommen – übrigens eine IgL-Leistung (zahlen wir selber, ca. 35 EUR) – und in ein Labor geschickt. Nachdem der Befund zunächst fraglich positiv war, wurde eine zweite aufwändigere Untersuchung gemacht, die dann jedoch negativ ausfiel – das hat die Krankenkasse gezahlt. Wir hatten Hoffnung. Doch bei der nächsten Probe wurde dann festgestellt, dass meine Frau den Virus hat. Anscheinend war die Infektion ganz frisch, sodass ein früher Nachweis fehlerbehaftet war. Unser Frauenarzt hat uns dann direkt in ein Pränatalzentrum überwiesen. Der Termin war am nächsten Tag. Meine Frau war da in der 13. SSW.

Dort angekommen berichtete der Frauenarzt über die Diagnose HCMV sowie die Symptome der Erkrankung beim Fetus. Es gibt eine Möglichkeit der Behandlung während der Schwangerschaft, doch gerade bei Infektionen in den ersten SSW ist Schnelligkeit geboten. Es gibt ein Medikament, das noch nicht zugelassen ist, aber sofort gegeben werden muss, um Schäden durch eine Übertragung auf das Baby im besten Fall zu vermeiden. Es handelt sich dabei um ein Hyperimmunglobulin der Firma Biotest AG. Es kostet ca. 10.000 EUR und es muss ein Antrag an die Krankenkassen gestellt werden zur Kostenübernahme. Bei Ablehnung, müssen wir den Betrag aus der eigenen Tasche zahlen. Über die Studienlage kann er nur soviel sagen, dass es nur eine Studie gebe, die signifikante Ergebnisse vorweist. Eine andere Studie mit Kontrollgruppe weist dagegen keine signifikanten Ergebnisse vor. Das hat uns irritiert und auch ein wenig Angst bereitet. Was sollen wir jetzt glauben?

Der Ultraschall war übrigens ohne Auffälligkeiten, alle Organe, die Schäden davontragen könnten, waren zu sehen und auch gut ausgeprägt. Beim nächsten Mal wird sich zeigen, ob alle Werte noch im Rahmen sind, oder ob z.B. der Kopfumfang zu groß ist. Wir sollen auf jeden Fall den Antrag an die Krankenkasse stellen und so schnell wie möglich mit der Behandlung beginnen. Nebenwirkungen für die Frau gebe es keine. Totgeburten aufgrund der Gabe des Medikamentes auch nicht und überhaupt ginge es den Frauen nicht schlechter damit.

Zu Hause haben wir erst mal alles sacken lassen und gequatscht. Sind wir noch auf einem Stand? Wollen wir das Selbe für das Baby? Sprechen wir mit einer Sprache? Wir brauchen zunächst mehr Infos! Im Internet sind wir schlauer geworden. Grundsätzlich stimmt alles, was der Arzt gesagt hat. Es gibt allerdings mehrere Studien, die leider viel zu kleine Kohorten untersucht haben. Teilweise gibt es Kontrollgruppen, oft auch nicht. Eine PowerPoint Präsentation von einem Kongress zeigt die Verläufe der Schwangerschaften unter Gabe des Medikamentes. Es gibt auch nur ein Medikament, das auf dem Markt ist, sich aber noch in Phase 2 (von 3) der Zulassung befindet. Also es ist keine Wirkung nachgewiesen, aber es kann ohne Nebenwirkungen verabreicht werden und die Kosten können von den Krankenkassen übernommen werden.

Sollen wir die Behandlung machen? Was ist überhaupt mit den Studien? Wo sind die zu finden? Was sagen die genau? Gibt es vielleicht Selbsthilfegruppen oder Ansprechpartner oder Foren, wo wir uns unabhängig erkundigen können?

Wir sind erst Mal für eine Woche in den Urlaub gefahren und haben uns nicht weiter damit beschäftigt. Nach dem Urlaub recherchierten wir weiter. Es gibt eine Anlaufstelle für Schwangere mit HCMV im Internet. Dorthin hat meine Frau eine Mail geschickt mit der Bitte um Kontaktaufnahme für eine unabhängige Beratung. Die kam auch prompt mit dem Hinweis, dass jetzt schnell reagiert werden muss und keine Zeit verstreichen darf. Diese Aussage hat uns sehr verunsichert. Der weitere Inhalt der Mail ähnelte sehr der Werbung für das Medikament. Wir sollten die Beratungsstelle sofort anrufen, für 12,4 Cent/Minute. Meine Frau war irritiert und wir schauten uns die Seite genauer an. Im Impressum war dann auch klar, warum. Die Betreiberin ist PR Beraterin und arbeitet für die Initiative mit einem Beirat aus Ärzten zusammen, die zu dem Thema forschen. Muss nichts negatives heißen, hat für uns aber einen „Beigeschmack“. Danke, wir suchen weiter.

Wir warten noch auf die Entscheidung der Krankenkasse und das Gutachten des MDK (Medizinischer Dienst der Krankenkasse). In den nächsten Tagen hat meine Frau die nächste Untersuchung im Pränatalzentrum und wir überlegen, ob es eine Infusion geben wird, oder nicht. Sollte der Ultraschall unauffällig sein, sind wir schon mal sehr erleichtert. Alles wird gut und wir sind zuversichtlich. Und wenn es nicht gut geht, dann wissen wir es und stellen uns auf die neue Situation ein. Letztendlich sind wir bereit und freuen uns auf unseren Nachwuchs, ob mit oder ohne Infektion. K2 wird es gut haben bei uns.

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Wie wir zu unserem neuen, riesigen 6qm Familienbett gekommen sind

Wie wir zu unserem neuen, riesigen 6qm Familienbett gekommen sind

Anfang Januar hatte ich eine Woche frei. Zeit also, für einen kleinen Urlaub oder einen Ausflug zur Familie. Nach kurzer Überlegung entschieden wir uns für die Verwandtschaft in Sachsen. Doch was hat das mit dem Familienbett zu tun?

Wir sammeln vor der Abreise unsere Bettwäsche ein. Mit Fiete werden wir ein oder zwei Zwischenstopps auf einem Camping- oder Stellplatz einlegen. K1 schafft am Tag ca. 250km im Autositz. Nanu, warum ist denn die Matratze am Kopfteil so nass? Und warum ist die Tapete verfärbt? Schimmel! Oh nein, nicht jetzt, bitte nicht jetzt, verdammt, das ist Schimmel an der Wand. Vor meinem inneren Auge sehe ich mich schon Tapeten abziehen und Streichen. Ich ziehe die Matratze von der Wand weg und begutachte das Debakel. Ein heller, schwarzer Fleck. Genau da, wo die Matratze an der Wand liegt. Verdammt. Warum? Ich Idiot!

Wir wohnen seit kurzem in einer Altbauwohnung im 2. Stock. Unser Bett hat keinen Bettkasten und liegt mit der Matratze direkt an der Außenwand. Und die ist Richtung Norden ausgerichtet. Na und jetzt kann man eins und eins zusammenrechnen. Dazu kommt noch Januar-Winter-Schmuddel-Wetter. Oh man, ich weiß es eigentlich besser, denn ich habe schon öfter in Altbauwohnungen gelebt. Nun gut, das kriegen wir doch hin. Also erst Mal den Vermieter informieren. Sonderlich erfreut ist er natürlich nicht, verständlich. Als nächstes die Tapete von der Wand ziehen und alle Laken und Bettzeug in Müllsäcke packen. Die werden noch am selben Tag zum Wertstoffhof gebracht, zusammen mit den Matratzen.
Als nächstes die beiden Frauen eingepackt und ab mit ihnen zum schwedischen Möbelhaus. Wir brauchen Matratzen. Im Hochlager überlegen wir noch, wie breit das Zimmer eigentlich ist und ob wir nicht über die komplette Breite ein Familienbett machen wollen. In einer App hatte ich vor dem Einzug die Maße des Zimmers notiert. 325 cm Breite – passt! Also 160 cm und 140 cm Weichschaum-Matratze gekauft, die passenden Lattenroste dazu und natürlich zwei Garnituren Spannbettlaken. Was man halt so braucht. Wir entscheiden uns ebenfalls für ein komplett neues Bettzeug – sicher ist sicher.

Am nächsten Tag wird also erst mal die Wand behandelt – mehrmals. Dafür haben mir die Schwiegereltern Spiritus und eine Sprühflasche gegeben. Vorsichtshalber habe ich mich noch mal bei den Nachbarn erkundigt, ob die das ähnlich machen. Kann ja nicht sein, dass wir die einzigen mit Schimmel sind. Die Geschichte würde länger dauern, daher schreibe ich einfach die Antwort hin: „Ja, ja und ich versteh die Frage nicht.“ Okay, dann sind wir nicht die Einzigen. Doof ist es trotzdem. Nun gut, es geht weiter.

Nach zwei bis drei Behandlungen überlege ich, ob nicht doch ein Bettkasten sinnvoll ist. Denn schließlich fehlt die Begrenzung zum Kopfteil. Noch mal an die Wand stellen möchte ich das Bett nicht. Also Skizzenblock raus und los gezeichnet. Das Internet sagt, dass die Möbelbauplatten 300 cm Länge haben und wahlweise 60 cm oder 40 cm Tiefe haben. Mit 2 x 300 x 60 cm und 2 x 300 x 40 cm schaffe ich die Umrandung des 300 x 200 cm breiten Bettes mühelos. Also wenig Material und wenig Verschnitt. Mit der Stichsäge säge ich noch eine Abrundung in den Übergang von 60 cm auf 40 cm und schraube alles mit Winkeln zusammen. Muss halten und hält.
Insgesamt haben wir für das Bett bei IKEA 740 EUR und im Baumarkt für die Möbelbauplatten 125 EUR ausgegeben. Viel Geld für viel Bett. Geht auch günstiger, aber auf Federkernmatratzen können wir einfach nicht liegen. Immer liegt jemand in einer Kuhle und die Federn drücken unangenehm. Wenn ich mich abends schwungvoll ins Bett lege, fliegt unsere Tochter auch immer in die Luft. Haben wir ausprobiert, kam nicht so gut an.

Seit Mitte Januar also schlafen wir wieder gemeinsam im Schlafzimmer. Unser Familienbett ist von 180 cm auf stolze 300 cm gewachsen und füllt die komplette Breite des Schlafzimmers aus. Der Schimmel ist weg, jedenfalls nicht mehr sichtbar. Die Tapete werden wir beim Auszug wieder anbringen – also die neue dann.

Fazit

Wir lieben unser Familienbett. Seit der Geburt unserer Kleinen schlafen wir zusammen. Wir sind ausgeschlafen und kuscheln ausgiebig. Wir bereuen keine Sekunde, dass wir uns für das Familienbett entschieden haben. Alle Argumente und Sorgen, die uns begegnen, können wir entkräften. Es ist eine Frage der Gewohnheit. Weder meine Frau noch ich sind mit dem Familienbett groß geworden. Wir haben uns aktiv dafür entschieden, weil wir denken, dass es das Beste für eine besondere Familienbindung ist. Und was in so einem Familienbett eigentlich passiert, habe ich schon mal aufgeschrieben. Es hat sich nichts geändert. Wir würden es niemals eintauschen, es ist Teil unserer Familie.

PS: Ach und… wir sind dann doch nicht mehr zur Familie gefahren. An Urlaub war auch nicht mehr zu denken. Das alles hat doch länger gedauert, als gedacht und teuer war es auch noch. Ein andern Mal klappt es bestimmt! Wir freuen uns drauf!

Foto: Designed by Freepik

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