E2W4: Bis ans Mittelmeer und zurück

E2W4: Bis ans Mittelmeer und zurück

Wir sind auf Elternzeitreise. Papa, Mama mit K1 (3 Jahre) und K2 (8 Monate). Ich nehme mir von meinem Teilzeit-Job eine zehnmonatige Auszeit. Ab August geht meine Frau zurück in den Job. In der Zwischenzeit wollen wir erneut mit Fiete verreisen. Bei K1 waren wir in Spanien. Unser jetziges Ziel: Slowenien. Ich knüpfe direkt an die Erlebnisse der ersten, der zweiten Woche und der dritten Woche an.

Überraschung: Wir sind wieder zu Hause! Nach insgesamt vier Wochen und 3.000 km schlafen wir wieder in unserer gewohnten Umgebung. Obwohl Fiete auch zu einer gewohnten Umgebung geworden ist, fühlt sich das heimische Bett, die Wohnung und die Freunde nach „zu Hause“ an. Obwohl die Reise eine überraschende Wendung nahm, sind wir ebenso happy, wieder hier zu sein.
Wie ich letzte Woche bereits beschrieben haben, hat uns der Campingplatz an den drei Flüssen sehr verzaubert. K1 hatte ihr Trampolin, wenige andere Camper waren auf dem großen Areal mitten im Wald, sodass wir uns fast allein fühlten. Ein Kater leistete uns seit ein paar Tagen Gesellschaft, niemand war krank und alles war perfekt. Sogar das Wetter hat sich von seiner schönsten Seite gezeigt – über 30 Grad, Sonne pur. Vergessen die regnerischen Tage und Wochen bis hierher.

Und doch müssen wir abreisen, denn der Platz wird für eine Hochzeit am Wochenende gebraucht. Mit einem weinenden Auge und einem lachenden Auge planen wir die Route. Soll es doch über Italien nach Slowenien gehen? Wollen wir eine Rundreise um Frankreich machen oder bleiben wir in der Provence? Der Familienrat bespricht das weitere Vorgehen am Spielplatz, am Fluss, beim Essen und immer dann, wenn wir Zeit dafür finden. Es liegt also eine Entscheidung in der Luft. K1 meldet sich zunächst leise und dann immer lauter zu Wort: „Ich will aber nach Hause zu Oma und Opa!“ – Uff, damit hat niemand gerechnet.
Oma und Opa sind fester Bestandteil unseres Alltages. Gleichzeitig sehen sich K1 und die Großeltern vielleicht ein-/zweimal pro Woche. Hin und wieder darf sie dort übernachten. Eine tägliche Betreuung für mehrere Stunden, wie eine Camperin vermutete, findet nicht statt. Also auch kein zurück in den Alltag. Wir begegnen dem Wunsch und reden viel miteinander. K1 telefoniert hin und wieder mit den Großeltern, wir reden viel über die gemeinsamen Erlebnisse und freuen uns auf die Zeit nach unserer Reise. Wir spielen „Gassi gehen“ mit den Hunden der Großeltern und K1 imitiert die Gesten, den Habitus und die Sprache von Oma und Opa.

Heimweh

„Ich will aber nach Hause!“ – Der Wunsch wird immer deutlicher und wir fragen uns, ob es sich um einen Wunsch oder um ein Bedürfnis handelt. Gleichzeitig ist in mir der große Wunsch ans Mittelmeer zu fahren. In einem Hörspiel, dass K1 seit Beginn der Reise immer wieder hört, geht es auch um eine Reise ans Meer – allerdings mit den Großeltern. Ich setze mich im Familienrat durch und wir setzen unsere Reise fort – an die Côte d’Azure. Ein Fehler? Die Autofahrt soll ca. 3 Stunden dauern und auf zwei Etappen aufgeteilt werden. Die Leichtigkeit verfliegt, als wir gerade ein paar Kilometer unterwegs sind. K1 fiebert hoch.

Auf dem Campingplatz angekommen liegt K1 auf der Rückbank und schläft. Sie ist heiß und hat Bauchweh. Ich baue das Vorzelt auf, räume im Bus hin und her, während Corinna mit K2 den Platz erkundet. K1 weint, wimmert und hat Bauchweh. Sie fiebert immer noch. Ein Zäpfchen wird nur kurz abgewehrt. Sie schläft den Spätnachmittag im Hochdach für ein paar Stunden. Gleichzeitig sagt sie immerzu, dass sie nach Hause will. Corinna und ich entscheiden, dass wir die Reise am Mittelmeer abbrechen werden. Es geht in ein paar Tagen nach Hause. Auf dem direkten Weg. Aus dem Wunsch ist ein Bedürfnis geworden.
Wir wollen immer die Bedürfnisse der Familienmitglieder in den Mittelpunkt setzen. Dabei richten wir uns nach der Gewaltfreien Kommunikation nach Marshall Rosenberg. Kurz gesprochen wird zwischen Wünsch und Bedürfnissen unterschieden. Wünschen dürfen mit einem Nein beantwortet werden. Bedürfnisse hingegen sollte man nachgehen, sie sollten erfüllt werden. Schließlich handelt es sich um eine innere Sinnhaftigkeit. Wie bei einem Schnellkochtopf, der auf dem eingeschalteten Herd steht. Wird der Deckel nicht irgendwann abgedreht, wird der Druck zu hoch. Wir nehmen K1 den Druck und haben gemeinsam entschieden, zurück nach Hause zu fahren.

Die Reise endet an der Côte d’Azure

Es kommt auch alles zusammen. Der Campingplatz ist sehr eng, hellhörig und wuselig. Ständig werden wir mit einem „Hallo, Guten Tag oder N’Abend“ begrüßt. Reisegefühle kommen hier nicht auf. Zudem werden wir höflich darauf hingewiesen, dass wir unsere Wäsche bitte nicht zum Trocknen zwischen den Bäumen aufhängen sollten. Mit Kind sei das zwar schwierig, aber so könnten die freien Plätze rechts und links von uns schlechter vergeben werden. Aha, so läuft das hier also. Zum Glück lernen wir eine fröhliche Familie aus Erfurt kennen, die wir direkt ins Herz geschlossen haben. Abends treffen wir uns zum Plausch unter unserer Markise und plaudern. Wir lachen viel, wir stellen viele Parallelen fest und bleiben in Kontakt.
Montags brechen wir die Zelte ab, räumen alles ein vorletztes Mal zusammen und fahren in die Ardèche-Region. Corinna hat von unterwegs herausgefunden, dass der Platz ein großes Trampolin hat. Genau wie auf unserem Lieblingsplatz mit den drei Flüssen: Jackpot. Das schafft uns ein klein wenig Abwechslung von den Strapazen, die wir bisher erlebt haben. K1 freut sich über das tolle Spielgerät und wir campen direkt in Sichtweite, sodass wir den Rückreise planen können. Also alles für die 1.004 km Rückreise, die wir zwei Tage später antreten werden. Am Tag der Rückreise fahren wir in 3 Etappen nach Hause, jeweils zu den Schlafenszeiten von K2.

Unterwegs machen wir Rast an den toll ausgebauten und preislich echt günstigen französischen Raststätten entlang der Route. Hier gibt es für 22 EUR Pizza und Nudeln inklusive Getränke und Nachspeisen. Zum Vergleich: Auf einem Campingplatz hat eine Pizza schon 12 EUR gekostet – und die war nicht riesig! Um 23 Uhr sind wir zu Hause angekommen und bringen die Kinder ins Bett. Haha, war nur Spaß! K1 ist eine Stunde vor Ende der Reise wach geworden und wollte nicht mehr schlafen. Kaum hatten wir den Motor abgestellt, wurde K2 wach. Gegen 2:30 Uhr waren dann alle im Bett.
Wir lassen die Momente noch sacken, die Erlebnisse werden noch verarbeitet. Ob wir traurig sind, dass die Reise vorbei ist? Nein. Denn wir leben nach den Bedürfnissen aller Familienmitgliedern! Egal, ob 8 Monate alt oder 35 Jahre. Ob wir solch eine Reise noch einmal machen werden? Ganz bestimmt, dann aber mit älteren Kindern und längeren Stopps. Vielleicht auch nur im „Urlaub-Modus“: also Hinfahrt, am Urlaubsort verbleiben, Rückfahrt. Lesson learned.

PS: Wie letzte Woche angekündigt, wurde ich zum Vatertag von der Bild am Sonntag interviewt. Hier der Link zum Artikel (Achtung, Bezahlschranke) und ein Foto aus der Zeitung!

E2W3 – Frankreich Provence

E2W3 – Frankreich Provence

Wir sind auf Elternzeitreise. Papa, Mama mit K1 (3 Jahre) und K2 (8 Monate). Ich nehme mir von meinem Teilzeit-Job eine zehnmonatige Auszeit. Ab August geht meine Frau zurück in den Job. In der Zwischenzeit wollen wir erneut mit Fiete verreisen. Bei K1 waren wir in Spanien. Unser jetziges Ziel: Slowenien. Ich knüpfe direkt an die Erlebnisse der ersten und zweiten Woche an.

Die Tage vergehen schneller, als uns lieb ist. Das immer gleiche Spiel: Morgens aufstehen und frühstücken, dann Spielplatz und K2 ins Bett bringen, Mittagessen und Spielplatz, K2 in Bett bringen und Abendbrot, anschließend Geschichte lesen und in den Schlaf begleiteten. Wir sind in unserer Camping-Routine angekommen, Abwaschen, Putzen, Auf- und Abbau gehen entspannt von der Hand. Wir sind an der frischen Luft und haben immer einen Platz zum Spielen.

Châteauneuf-de-Galaure

Der Bändchen-Campingplatz erweist sich als Glücksgriff, denn außer uns gibt es nur 12 andere Camper auf dem gesamten Gelände. Unsere Routine wird nur durch das Animationsprogramm gestört, nein, erweitert. Morgens um 10.30 Uhr im Kids-Club Zelt Basteln, Malen und Schnitzel-Jagd. Wir nehmen alles mit. K1 hat auch prompt eine Lieblings-Animateurin.

Abends um 18.30 Uhr gibt es Mini-Disco vor der großen Bühne. Wir sind drei Mal dabei und tanzen an einem Abend sogar alleine. Vier Animateure und zwei Kinder. Herrlich. K1 ist leicht überfordert, weil sie so sehr im Mittelpunkt steht. Sie sabbert an ihrer Jacke und erst zurück im Zelt wacht sie auf. Dann tanzt sie und sagt, dass sie jetzt Silke sei, ihre Lieblings-Animateurin.
Die Tage ziehen dahin wie die Wolken am Himmel. Hin und wieder regnet es ergiebig und wir wissen mittlerweile auch, dass es sich um eine ausgesprochen feuchte Wetterlage in ganz Europa handelt. Wir halten am Plan fest, weiter nach Süden zu fahren. Der Indoor-Spielbereich hat uns im Regen gerettet obwohl hier alles so schön nah ist, brauchen wir Sonne, Wärme und alles ein bisschen natürlicher.

Nach fünf Tagen packen wir also alles zusammen, K1 verabschiedet sich von Silke, die eine sehr gute Karriere als Kinder-Animateurin vor sich hat und machen uns auf den Weg Richtung Marseille. Das Wetter verspricht aufzuklaren und wärmer zu werden. Allerdings nur am Zielort und nicht da, wo wir gerade sind. Wir nehmen uns für diese Etappe allerdings nur 156 km vor, denn der ausdrückliche Wunsch aller ist, kürzer zu treten.
Naja, fast aller. Wenn es nach mir ginge, wäre ich schon längst am Meer. Aber hier geht es nicht nach mir, sondern es wir Familien demokratisch entschieden. Also fahren wir weiter in den Süden, in die Region Provence-Alpes-Côte d’Azur auf einen naturnahen Campingplatz am Fuße des Mont Ventoux. Na, ob das Wetter hier besser wird?

Entrecheaux

Es wird! Und wie! Wir lesen in den Nachrichten, dass Sturmtief Axel über Deutschland gerauscht ist und seine Ausläufer bis weiter nach Südfrankreich spürbar sind. Gleichzeitig sitzen wir hier bei 30° C und verbringen eine schöne Zeit auf dem Spielplatz. In kurzer Hose und T-Shirt. Im Allgäu und Österreich, wo wir jetzt theoretisch wären, gab es viele Überschwemmungen. Hier in der Region nahe des Mittelmeeres auf 300m Höhe ist eine andere Welt.

Der Platz ist wunderschön gelegen. Mitten im Pinienwald, eingerahmt von zwei Flüssen die zu einem großen zusammen fließen. An einem Tag haben K1 und ich uns Wasserschuhe angezogen und sind durch das flache Wasser gewatet. Es war so eiskalt und hat riesen Spaß gemacht. Anschließend sind wir ein Stück gewandert. Sie überraschte mir jeden Tag!

Denn am Vortag wollten wir eigentlich die Gegend erkundigen, doch daraus wurde nichts. Denn mit zwei nöhlenden Kindern macht uns allen das keinen Spaß. Nach 1 km drehen wir um und hüpfen lieber auf dem Trampolin. Daher bin ich so derbe überrascht und auch ein bisschen stolz, dass K1 nicht nur durchs kalte Wasser gewatet ist, sondern anschließend einen ca. 2 km langen Spaziergang gemacht hat. Freiwillig!

Dieser Platz hier ist der perfekte Ort zum länger verweilen. Die Menschen hier sind so freundlich und hilfsbereit und haben immer ein Lächeln auf den Lippen. Unter den wenigen Campern sind wir mit Abstand die jüngsten und bei allen bekannt. Leider ist am Wochenende hier eine Veranstaltung, sodass wir am Samstag schon wieder weiterreisen müssen. Mal schauen, wohin es geht. Denn so wirklich weiter zieht es uns nicht.

Und dann war da noch…

… ein langes Telefoninterview für eine große Deutsche Sonntagszeitung. Nach anderthalb Stunden war ich ganz schön fertig, denn das Gespräch war sehr intensiv, bzw. die Fragen waren sehr direkt, sodass ich teilweise echt überlegen musste. Zum Vatertag wird es ein Special über Väter geben, an dem ich mit meiner Geschichte teilnehmen darf. Ich bin gespannt und auch ein bisschen nervös.

E2W2 – Schwäbische Alb, Schwarzwald, Frankreich

E2W2 – Schwäbische Alb, Schwarzwald, Frankreich

Wir sind auf Elternzeitreise. Papa, Mama mit K1 (3 Jahre) und K2 (8 Monate). Ich nehme mir von meinem Teilzeit-Job eine zehnmonatige Auszeit. Ab August geht meine Frau zurück in den Job. In der Zwischenzeit wollen wir erneut mit Fiete verreisen. Bei K1 waren wir in Spanien. Unser jetziges Ziel: Slowenien. Ich knüpfe direkt an die Erlebnisse der ersten Woche an.

Schwäbische Alb

Auf der Schwäbischen Alb soll es einen tollen Familiencampingplatz geben, auf den wir uns schon sehr freuen. In den Kommentaren diverser Camping-Apps liest er sich sehr positiv. Von Bauwagen, Zirkuswagen und einem alten Bauernhof ist die Rede. Tiere können bestaunt (aber nicht gestreichelt) werden und diverse Spielgelegenheiten soll es geben. Das hört sich toll an. K1 freut sich besonders auf die Spielscheune. Wir uns auf wärmeres Wetter.
Leider trifft weder das eine noch das andere zu. Die Spielscheune ist für uns Allergiker kein Ort des langen Verweilens und auch K1 mag nicht so richtig warm werden mit dem Stroh, in das sie aus zwei Metern Höhe hineinspringen kann. Warm wird uns auch nicht auf diesem Platz. Zwar kommt am dritten Tag die Sonne für mehrere Stunden heraus, doch sind wir es satt an Regen und Sturm.
Dem Platz wäre Unrecht getan, würde ich es dabei belassen. Die Atmosphäre ist absolut kinderfreundlich, es gibt sehr gute Wasch-/Dusch-/Sanitär-Anlagen und auch unsere Wäsche wurde im Trockenraum innerhalb eines Tages fertig. Die Spielgeräte sind der Hit, überall stehen Tretautos, Trettraktoren und andere mobile Spielsachen herum. Es wird uns allerdings zum Wochenende zu wuselig, sodass wir aufbrechen.

Schwarzwald

Wir verlassen also die Alb und fahren weiter in den Schwarzwald. In meiner Jugend war ich sehr oft im Südschwarzwald und habe mit unserem Flugverein Urlaub gemacht. Corinna hat einen schönen Platz am Titisee herausgesucht, der auch in der Nebensaison Rabatte anbietet. Hier verweilen wir drei Tage und hoffen auf trockenes Wetter.
An zwei Tagen spazieren wir am See die 2,5 km mit Kind und Bollerwagen in den Kurort um ein Eis zu essen. Am Sonntag haben auch gefühlt tausend Touristen die gleiche Idee. Wir bleiben nicht lange und spazieren wieder zurück. Eine wunderschöne Gegend! Corinna bringt an einem Abend beide Kinder ins Bett und gibt mir ein paar Stunden frei, einfach so. In der Zeit schaue ich mit den Sonnenuntergang am Ufer des Titisees an und höre Podcast. Der erste Moment, an dem ich nur für mich sein kann. Es sind fast 14 Tage der Reise vergangen.

Wie bereits beschrieben, suchen wir nur Campingplätze aus, die einen Spielplatz haben. Mit Kindern ein Muss. Manchmal schaffen wir es auch, direkt am Spielplatz zu stehen, wie am Titisee-Campingplatz. Für den nächsten Stopp werfen wir diese Regel jedoch über Board, denn es soll nur ein Zwischenstopp werden. Wir ändern nämlich unsere Route und fahren nach Frankreich. Die Wetterprognose in Slowenien ist einfach zu schlecht. Und wird haben noch genug Zeit für einen Schlenker nach Südwesten.

Frankreich

In zwei Etappen fahren wir also über Freiburg nach Frankreich, Kurs Marseille. Direkt hinter der Grenze sage ich zu K1, das neben mir sitzt: „Wir sind jetzt in Frankreich.“ Da fing sie an zu lachen und freute sich derbe. „Oh Frankreich, ich liebe Frankreich.“ Wahrscheinlich hat sie gehört, wie Corinna und ich uns über die Entscheidung gefreut haben, die Pläne zu ändern. Wir lieben Frankreich.
Bereits auf unserer ersten Elternzeitreise mit K1 sind wir über das Elsass in die Provence gefahren. Dabei haben wir verschiedene Stopps auf wunderschönen Plätzen gemacht und sind spannenden Menschen begegnet. Damals war aber noch alles anders; wir sind jetzt ein Kind mehr und reisen langsamer. Für die Strecke Krefeld-Colmar haben wir 2016 etwa 5 Stunden gebraucht. Jetzt sind es 10 Tage.
In einem kleinen Nest auf einem Naturcampingplatz machen wir eine Nacht Rast und brechen am nächsten Tag Richtung Lyon auf. Mit zwei Schlafphasen der Kinder schaffen wir etwa 250km, wenn alles gut geht. Eine Pause und insgesamt 5 Stunden Reisezeit später sind wir auf einem riesigen Animationspfad-Campingplatz angekommen. Wir hassen eigentlich solche Plätze, weil man am Eingang ein Bändchen angelegt bekommt. Aber nach den 14 Tagen brauchen wir vor allem… besseres Wetter!

Wir werden nicht enttäuscht. Es sind 22 Grad und die Sonne scheint fast ohne Wolken. Außer ein paar älteren Paaren sind wir die einzigen Gäste auf dem Platz. Das Schwimmbad ist geöffnet, die drei Wasserrutschen sind in Betrieb und die Mitarbeiter*innen sind mega freundlich und aufmerksam. Wir lassen uns drauf ein und wollen für fünf Nächte bleiben.

Gedanken

Was haben wir schon alles mitgemacht auf dieser Reise. Schnee, Regen, Sturm, Minusgrade. Das Vorzelt hält den Witterungen stand. Wir sind sehr erleichtert und zufrieden über den Kauf, der sich jetzt schon mehr als gelohnt hat. Die Kinder können bei schlechtem Wetter lesen, basteln, krabbeln, spielen und wir haben Platz zum Kochen und campen. Minimalistisch, wie wir unterwegs sind, hat alles seinen Platz und es wird nicht voll. Das lieben wir am Reisen mit Fiete.
Mit der Zeit spielen wir uns ein. Alles hat seinen Platz und jede*r seine und ihre Aufgaben. Das Vorzelt bauche ich auf und Corinna spielt mit den Kindern. Abends bringt sie K2 ins Bett und ich begleite K1. In der Regel koche ich, denn K2 wird müde und muss in den Schlaf begleitet werden. Seine Schlafphasen vormittags und nachmittags sind nicht gut planbar, aber absehbar. K1 hilft dann beim Kochen.
Das sind alles Routinen, die eingespielt sind. Doch die Zeit für Zweisamkeit bleibt richtig auf der Strecke. Denn K2 schläft sehr unruhig, hat Träume und vielleicht auch mal einen Nachtschreck. Der Regen prasselt aufs Dach und der Wind schüttelt am Vorzelt. Alles Geräusche, die auch mal zu laut werden. Das nervt mich leider an dieser Reise. Denn Zeit für Corinna und mich bleibt wenig. Teilweise haben wir nur 15 Minuten zum Quatschen. Dann wird geduscht, Zähne geputzt und ab ins Bett.
Für die nächsten Wochen haben wir uns daher vorgenommen, mehr Zeit für uns einzuräumen. Wie das genau gehen soll, muss sich zeigen. Vielleicht habt ihr ja einen Tipp für uns. Missen wollen wir die Elternzeitreise nicht. Denn vor allem die beiden Kinder kommen sich als Geschwister so nahe und lieben sich so innig, dass es eine Freude ist, sie beim Spielen und Entdecken zu beobachten.

Camping Hacks im VW T4 California

Camping Hacks im VW T4 California

Ein wichtiger Teil der Geschichte, wie Corinna und ich uns kennengelernt haben, dreht sich um Camping-Busse, speziell VW Busse. Seit vier Jahren reisen wir mit zwei Kindern im Fiete durch Europa. In der Zwischenzeit haben wir einige Dinge im Bus auf unsere Bedürfnisse angepasst. Welche das sind, möchte ich dir heute zeigen.

Mein Traum ist es nach wie vor, einmal einen Kastenwagen nach unseren individuellen Wünschen und Bedürfnissen auszubauen. Da sich für Anfang 2016 Nachwuchs angekündigt hatte, musste jedoch schnell eine Lösung her. Corinna und ich hatten einige Wochen die Augen offen gehalten und dann unseren Fiete in Dorsten bei einem Händler entdeckt. Damit ihr wisst, um wen es sich hier überhaupt dreht, zunächst einmal die technischen Daten von Fiete.
Name: Fiete
Baujahr/Gekauft: 1999/2015
Modell: T4 California Blue
Motor: 2.5 L TDI
Gefahren seit 2015: 33.000 km
Laufleistung Gesamt: 288.000 km

Schublade statt Wassertank

Da wir uns mit Kindern eher auf Campingplätzen als in der wilden Natur bewegen werden, haben wir den Frischwassertank ausgebaut. So haben wir viel mehr Platz für Kleidung oder einen Schnickschnack. Außerdem waren die Leitungen sehr versifft und hätten eh ausgetauscht werden müssen. Kurzum habe ich den hinteren Bereich neu verkleidet. Sobald aber Dinge weit hinten im „Kofferraum“ liegen, musste man sich umständlich bücken oder in die Hocke gehen. Mit 35 Jahren gar nicht mal so leicht. Also habe ich eine Schublade eingebaut.
Die Schublade läuft auf zwei Schwerlastschienen, die einige Hundert Kilogramm aushalten. Zunächst hatte ich die Überlegung, einen Rahmen zu schweißen, eine Kiste zu bauen und die Schienen rechts und links anzubringen. Doch da ich einfacher Sozialarbeiter mit von Natur aus zwei linken Händen bin, habe ich es auf diese einfache Art und Weise gebaut. Hält nun auch schon seit vier Jahren.

Viskose-Matratze

Schlaf ist mir sehr wichtig. Corinna und K2 schlafen unten und K1 und ich liegen oben. Nach drei Jahren war es endlich an der Zeit, die Matratze im oberen Bett mit einer Viskose-Schaumstoffmatratze aufzuwerten. Seit wir mit Fiete auf Reisen sind, habe ich nämlich morgens Schmerzen vom falschen Liegen. Außerdem bin ich Vater und Schlaf ist Mangelware. Was also machen? Alte Matratze raus und neue rein? Eine dickere Matratze bestellen? Die Höhe ist ja durch das geschlossene Aufstelldach begrenzt.
Also erst einmal messe. Die vorhandene Matratze ist 5 cm dick. Weite 3 cm stünden im Idealfall zur Verfügung. Oben verstauen wir für die Fahrt noch Blenden für Fahrer-/Beifahrerfenster und Windschutzscheibe. Fehlen also wieder 1-2 cm. Dazu Spannbettlagen und Pipi-Schutzeinlage. Mmmh. Ich entschloss mich, eine Viskose-Schaumstoffmatratze in 3 cm Dicke online zu bestellen und sie dann einfach oben auf die vorhandene aufzulegen.
Fünfzehn Werktage später wurde die Maßgeschneiderte Matratze geliefert. Was soll ich sagen; passt perfekt! Sogar das Dach bekomme ich ohne Gewalt geschlossen und verriegelt. Das Setup bleibt soweit unverändert. Seit zwei Wochen schlafe ich nun mit K1 oben auf der neuen Matratze und der Schlafkomfort ist perfekt. Morgens stehe ich ohne Schmerzen auf. Ich frage mich, warum das bei mir immer so lange dauert, bis ich so grandiose Ideen umsetze.

Schwerlastboden als Rausfallschutz

Wie beschrieben schläft K1 oben im Aufstelldach. Sie hat die Angewohnheit, wahrscheinlich wie alle Kinder, nachts im Bett zu wandern. Morgens liegt sie nie dort, wo wir sie abends abgelegt haben. Also muss ein Rausfallschutz her. Irgendwo in den Tiefen des Internets habe ich den Tipp gelesen, ein Gitterboden von einem Schwerlastregal zu benutzen. Hält einige Hundert Kilogramm aus und behindert darüberhinaus nicht die Luftzirkulation.
Also ab in den Baumarkt und solch ein Schwerlastboden gekauft. Die Enden mit einer Flex gekürzt und mit Panzerband und Rohr-Isolations-Gedöns gesichert. Zur Fixierung habe ich zwei U-Platten rechts und links montiert, in die das Regal eingelegt wird. Sobald K1 schläft, lege ich das Regal in diese U-Scharniere hinein. Perfekt.

Heckbox

Mit zwei Kindern stehst du irgendwann vor der Problematik zu entscheiden, ob du dir einen Wohnwagen kaufst oder ein gescheites Vorzelt. Ok, es geht auch ohne beides! Wir haben schließlich eine Markise mit Seitenteilen, um ein Vorzelt zu bauen. Doch wir wollen auch mal mit Fiete in die Stadt fahren oder die Gegend erkunden. Dann geht das nicht so einfach, bzw. ist mit hohem Aufwand verbunden. Was tun?
Nach ein paar Wochen haben wir uns von dem Gedanken verabschiedet, einen Wohnwagen zu kaufen. Zu teuer, frisst Geld für Versicherung und Unterstellplatz und Reisen werden teurer (Maut, Fähren). Zudem können wir nicht mehr überall hinfahren (enge Straßen). Letztendlich haben wir uns für ein Vorzelt entschieden, das auch frei stehen kann. So können wir jederzeit schnell mal einen Ausflug in die Umgebung machen.
Doch wo verstauen? In der mitgelieferten Tasche? Was ist, wenn es geregnet hat und alles nass ist? In einer Box im Innenraum? Aufs Dach? Wir schauten ins Netz und haben eine optimale Lösung in einer Heckbox gefunden. Die vorhandenen Schienen des Fahrradträgers habe ich abgeschraubt und eine Alu-Box (rostet nicht) montiert. Insgesamt darf die gesamte Konstruktion 60 kg tragen. Zusätzlich sichere ich alles mit 2 Spanngurten.

Ausblick

Soweit das bestehende Setup. Natürlich haben wir bei so einem alten Schätzchen an der Karosserie und am Motor einiges erneuert/überholt. Das gehört für mich aber in eine andere Kategorie. Für die Zukunft könnte ich mir vorstellen, alle Möbel auszubauen, um den Innenraum zu isolieren. Anschließend werden die Möbel in geänderter Aufteilung neu gebaut und eingesetzt. Zusätzlich würde ich die Wärmezufuhr der Standheizung optimieren, da die Wärme nicht überall hinkommt.
Du siehst, es gibt noch viel zu tun. Mega stolz sind wir jedenfalls auf die Lösungen, die wir bisher umgesetzt haben. Was ist mit dir? Du hast auch einen Bus und kennst Camping-Hacks? Wie sieht für dich dein perfekter Bus aus? Bin gespannt auf deine Kommentare!

E2W1 – Hunsrück, Odenwald, Schwäbische Alb

E2W1 – Hunsrück, Odenwald, Schwäbische Alb

Wir sind auf Elternzeitreise. Papa, Mama mit K1 (3 Jahre) und K2 (8 Monate). Ich nehme mir von meinem Teilzeit-Job eine zehnmonatige Auszeit. Ab August geht meine Frau zurück in den Job. In der Zwischenzeit wollen wir erneut mit Fiete verreisen. Bei K1 waren wir in Spanien. Unser jetziges Ziel: Slowenien. Die Reise beginnt am 1. Mai 2019 in Krefeld.

Vorbereitungen

Diese Reise beginnt wie eigentlich jede Reise mit viel Vorbereitung und einer großen Überraschung. Fiete habe ich bereits Wochen zuvor präpariert. Habe eine neue Matratze für oben gekauft, eine Heckbox montiert und Supermagnete vernäht (in einem anderen Post bald mehr). Corinna hat sich um die Auswahl der Stoffwindeln gekümmert und mit Baumwolle-Einlagen, Windel-Flies und Soft-Überhose ein ideales Reise-Set zusammengestellt.
Tage vorher haben wir Freunde besucht, Bekannte getroffen und uns von den lieben Nachbarn verabschiedet. Alles war gepackt und abfahrbereit. Nur die schwere Kiste mit den Lebensmitteln und der Traumfänger mussten noch mit. Alles stand so sicher, dass kein Kind dran kommen sollte. „Herausforderung angenommen“ dachte sich K1 und stellte sich auf Zehenspitzen während sie die Kiste anhob. Ein plötzlicher Schrei aus der Küche verkündete nichts Gutes. Und so war es auch.

Ab ins Krankenhaus

Sie hielt sich das Ohr zu und schrie fürchterlich. Wir waren ratlos. Kein Blut, keine Kratzer, nichts zu sehen. Einige Stunden und zwei leichte Schmerzzäpfchen später saßen wir also im Krankenhaus beim Kinderarzt. K1 kullerten noch die Tränen von der Wange, doch sie berichtete dem Arzt tapfer und auch ein wenig stolz, was geschehen war. Seine Vermutung: keine Mittelohrentzündung sondern eher eine Prellung am Hals (nachdem sie das Gleichgewicht verloren hatte und mit dem Hals gegen die Küchenplatte gestoßen war). Das tat weh. Der Arzt verschrieb uns stärkere Medikamente, die wir aber nicht nahmen. Wärme würde auch helfen, meinte er. Das taten wir dann auch. Nächster Versuch, morgen Nachmittag.
Der sollte dann auch gelingen. Eine schnelle Rund-SMS an die Nachbarn, die sich schon wunderten, und gegen 14 Uhr machten wir uns auf den Weg nach Slowenien. Erster Stopp: Hunsrück.

Hunsrück

Heri begrüßte uns auf dem Campingplatz und wies und einen Bereich zu. Den Platz durften wir uns aussuchen, ist eh keiner da, Nebensaison hält. Also kürzeste Entfernung zum Spielplatz. Das haben wir uns generell vorgenommen. Immer die kürzeste Entfernung von Fiete zum Spielplatz zu nehmen. Der Campingplatz an sich ist gemütlich und urig eingerichtet. Seine besten Zeiten hat er eindeutig bereits hinter sich. Neben zwei anderen Campern sind wir die einzigen weit und breit. Das sollte auf den nächsten Plätzen in dieser Woche ähnlich sein.
Wir besuchen die Burgruine in Kastellaun und verbringen den Tag dort mit Eis essen, Lebensmittel Einkaufen und schlendern nach langer Zeit mal wieder Händchen haltend durch die Gegend. Wahnsinn, wie wenig Paarzeit wir für uns einräumen. Und wie wenig wir selber uns Zeit nehmen. Ein Blick in die Wetter-App verrät für die Nacht nichts Gutes.

Das Wetter schlägt um

Es erwartet uns in der Nacht vom 3. auf den 4. Mai Schnee, Wind und Kälte.

Das Vorzelt hat gehalten. Jetzt schon glücklich, dass wir es mitgenommen haben! K1 freut sich über den Schnee.

Das Thermometer zeigt irgendwas mit 1 Grad an und wir sind froh, das Vorzelt mitgenommen zu haben. War tatsächlich eine Überlegung, es zu Hause zu lassen und stattdessen die Außenwände für die Markise mitzunehmen. Jedenfalls hat alles gehalten. Sogar die Magnete, mit denen die Schleuse zum Bus befestigt wurden! Danke Pola, für deinen Support beim Nähen! Ach so. Einen Tag vorher haben wir ein Verlängerungskabel gekauft, damit wir unseren kleinen Heizer ins Vorzelt stellen konnten. Danke für diese geniale Erfindung, liebes Universum! So hatten es auch die Kinder tagsüber warm und gemütlich.

K(l)eine Kaiser

Wir blieben bis zum 5. Mai und fuhren dann weiter Richtung Odenwald. Auf dem Weg dorthin haben wir uns mit Familie Kaiser verabredet. Annika kenne ich von Instagram und wir schreiben uns hin und wieder Nachrichten. „Hej, wenn ihr in der Nähe seid, meldet euch mal!“ schrieb sie mir, kurz bevor wir zur Elternzeitreise aufbrachen. Wir suchten einen Spielplatz am Rande von Frankfurt raus und warteten auf die Kaiser. Wir fahren mit Fiete nur, wenn K2 seinen Schlaf hat. Also morgens oder mittags. Das Zeitfenster für die Fahrt sind immer 1,5-2 Stunden. Anschließend ist der kleine Mann 2-3 Stunden wach und bereit für Aktivität. Dass an diesem Tag der Wurm drin war, merkten wir alle schon morgens, als K2 viel zu früh wach wurde, wir viel zu hektisch aufbrechen mussten und wir viel zu früh am Spielplatz waren.

Weiter in den Odenwald

Bei den Kaisers lief es nicht besser, wie uns Annika später berichtete. Also fuhren wir ohne Insta-Treffen weiter in den Odenwald. Der Campingplatz hatte keine Nebensaison-Angebote und so wollten wir nur kurz bleiben. Doch der Platz entpuppte sich als idealer Ort für beide Kinder zum Spielen und Toben. K1 ist auf den leicht abschüssigen Wegen Scooter gehalten und ihre Technik verbessert. K2 konnte sich von seinem 3 Tage Fieber über Ostern auskurieren und ist den Infekt endlich los. Wir blieben und aßen Pizza aus dem Restaurant, schwammen im Hallenbad, das wir nur für uns alleine hatten und nutzen als einzige Gäste den niegelnagelneuen Spielplatz aus. Perfekt!

Auf der schwäbsche Eisebahne

Am 8. Mai ging es dann weiter auf die schwäbische Alb. In Münsingen soll es einen richtig tollen Campingplatz geben, den wir heute angesteuert haben. Weil der Weg aufgrund von Stau und überhaupt länger war als gedacht, haben wir in Metzingen einen Halt eingelegt und eine neue Pfanne im Outlet gekauft. Mit dem nächsten Schlaf von K2 ging es dann weiter. Auf den Schildern Richtung Münsingen sah ich immer wieder Bieberach und mir kam dieses Lied ins Ohr, das ihr auch alle kennt (wenn ihr Kinder habt):

Auf der schwäbsche Eisebahne gibt’s gar viele Haltstatione,
Schtuegert, Ulm und Biberach, Meckebeure, Durlesbach.
Rulla, rulla, rullala, rulla, rulla, rullala,
Schtuegert, Ulm und Biberach, Meckebeure, Durlesbach.
Kinderlied

Bitte für den Ohrwurm, gern geschehen. Wir kamen also auf dem Campingplatz an und zogen ein kleines Fazit. Die Kinder machen das super mit. Wir haben das Nötigste eingepackt und nicht zu viel. Handschuhe zum Auf- und Abbauen des Zeltes kann ich allerdings bei dem regnerischen Wetter gut gebrauchen, ein Kopfkissen ist zu wenig eingepackt (K1 erhebt nachts alleinige Besitzansprüche am großen Kopfkissen) und die Pfanne haben wir bereits ausgetauscht.

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