5 Fehler über Hochsensibilität, die ich gemacht habe und was du daraus lernen kannst

5 Fehler Hochsensibilität lernen

Obwohl ich meine Hochsensibilität annehme und liebe, passieren mir häufig die selben 5 Fehler. Dass ich damit nicht alleine bin, erfahre ich in vielen Gesprächen und Zuschriften von hochsensiblen Menschen. Im Alltag müssen wir uns mehr als Normalsensible behaupten. Dabei geraten HSPs leicht unter die Räder der gesellschaftlichen Normen. Doch es lohnt sich daran zu arbeiten!

1. Fehler: Ich will diese Eigenschaften nicht haben!

Schon als Kind wusste ich, dass etwas mit mir nicht stimmte. Ich war schnell überreizt, hatte meine Gefühle nicht unter Kontrolle und nicht immer passten meine emotionalen Reaktionen zum erwarteten Verhalten. Ständig hatte ich das Gefühl, in die falsche Familie hinein geboren zu sein. Niemals konnten das meine Eltern sein. Kommunikation und wertschätzendes Miteinander war mir immer schon wichtig. Meine Gedanken kreisten über den Sinn des Lebens und am wohlsten fühlte ich mich, wenn jemand mit mir darüber philosophierte. Obwohl ich vermeintlich schlecht hörte, konnte ich Geräusche wahrnehmen, die andere nicht wahrnahmen. Meine Sinne liefen auf Hochbetrieb, 24 Stunden, 7 Tage die Woche. Ich war schnell erschöpft und brauchte permanent Regeneration.

Aber das habe ich mir nicht eingestanden. Natürlich wollte ich dazu gehören und konnte mir selber meine Null-Bock-Phasen nicht erklären. Es gab Tage, da konnte ich zurückgezogen sein und Tage, da ging es mir richtig gut. Doch richtige Gründe gab es dafür nicht. War halt so. Annehmen wollte ich diese „Macken“ aber nicht. Statt dass ich meine Charaktereigenschaften annahm, habe ich sie versucht zu bekämpfen. Ich wollte sie loswerden und habe sie letztendlich verdrängt. Zack, alle weg.

Fortan hatte ich immerzu Bauchschmerzen, Kopfschmerzen, Gliederschmerzen und allgemeines Unwohlsein. Ich fühlte mich energielos und matt. Warum lebe ich eigentlich, wenn es mir so schlecht geht? Es kümmert doch eh keinen, dass ich da bin. Falsche Familie, keine Freunde, alles doof. Ich schleppte mich so durch’s Leben. Abi, Ausbildung, Arbeit. Beziehungen kamen und gingen. Ich verleugnete mich selbst und mein Ich.

Bis ich eines Tages die Reißleine zog und mir selber sagte: „Stopp. Entweder du änderst jetzt alles, oder es ändert sich nichts.“ Hochsensible haben die Fähigkeit, von heute auf morgen alles zu ändern. Für mich bedeutete das, die Wohnung und den Job zu kündigen sowie die Freundin zu verlassen. Raus aus meinem gewohnten Umfeld, in dem ich mich nicht wohl fühlte und raus in die Welt. Es lohnt sich, seine Fähigkeiten zu entdecken, seine Wahrnehmungen zu schulen und seine Gefühle zu offenbaren. Es gibt Menschen da draußen, die dich verstehen und die den Weg gemeinsam mit dir gehen wollen und können.

➡️ Vergegenwärtige dir deine Hochsensibilität. Es ist ein Geschenk, mit scharfen Sinnen sich selbst und anderen Menschen zu begegnen. Nutze dein Talent und entdecke die Möglichkeiten, sie einzusetzen. Habe den Mut, deinen Schatz zu heben. Ich habe viele Seminare zur Selbstfindung besucht, habe Yoga gemacht und mich in Kommunikationsmethoden weitergebildet.

2. Fehler: Ich will doch nur geliebt werden

Schon in der Schule wollte ich dazugehören. Das will wahrscheinlich jede*r. Es gibt die coolen Jungs, die Mitläufer und die Randgruppen. Ich gehörte, wie so viele Hochsensible, zur Randgruppe. Das laute Gebrüll der Alpha-Männchen ist nichts für sensible Ohren von HSPs. Trotzdem tat ich vieles, um cool zu sein und dazu zu gehören. Ich verbog mich für andere und griff nach jedem Strohhalm, so zu sein wie sie. Bei der kleinsten Möglichkeit hing ich mich an die Fersen, trank Alkohol, feierte bis tief in die Nacht und hörte schreckliche Musik. Alles für ein kleines bisschen Aufmerksamkeit. Ich übernahm Aufgaben und merkte nicht, wie ich ausgenommen wurde. Alles für ein kleines bisschen Anerkennung. Über meine Emotionale Abhängigkeit habe ich schon einmal einen Beitrag geschrieben.

➡️ Denn das musst du dir nicht antun. Sei unabhängig und selbständig. Das hast du nicht nötig. Dein Talent und deine Energie gehören dir und sollte nicht für jeden kleinen Preis offenbart werden. Du hast so viel mehr verdient, als ein wenig Aufmerksamkeit. Du hast so viel mehr verdient, als dich mit deiner Abhängigkeit lustig zu machen. Du bist wertvoll, als dass du dich in Abhängigkeit zu anderen begeben musst.

3. Fehler: Entschuldigung, das tut mir Leid, ehrlich!

Dir fällt es schwer, eine Partnerin zu finden und dich lange zu binden? Dann bist du nicht alleine. Denn hochsensible Menschen brauchen Freiheit und Selbstbestimmtheit. Doch häufig ist genau das Gegenteil der Fall. Sie begeben sich in eine emotionale Abhängigkeit und wollen gefallen. Dafür tun sie alles. Sobald die Partnerin sich an dem Verhalten stört, entschuldigst du dich und merkst gar nicht, wie sehr du dich weiter und tiefer in die Abhängigkeit beförderst. Dein erwartetes Verhalten passt immer weniger zu deinem gewünschten Verhalten. Deine Partnerin fragt dich „WARUM hast du _______ (fülle irgendwas ein) getan?“ Und du hast keine Antwort auf diese Frage. Stattdessen entschuldigst du dich. Immer und immer wieder und wirst immer unfreier.

➡️ Sei frei und selbstbestimmt. Sprich offen und ehrlich über deine Wünsche und Befürchtungen. Mir hat es sehr geholfen, ab dem ersten Tag mit meiner Frau mit offenen Karten zu spielen. Mir hat es geholfen, offen und ehrlich über meine Hochsensibilität zu sprechen. Ist sie interessiert an dir und deinen „Macken“, finden sehr schnell wertschätzende Gespräche statt. Wenn sie dann noch Verständnis zeigt, ist das Fundament für eine stabile und wertschätzende Partnerschaft gelegt. Wenn nicht, war sie nicht die richtige für dich!

4. Fehler: Das war ich nicht, das war schon so!

Du machst ständig andere für deine Fehler verantwortlich und suchst Ausreden für dein Verhalten? Herzlichen Glückwunsch, dann übernimmst du keine Verantwortung für dich. Alle sind gegen dich und nur weil jemand anderes etwas getan oder nicht getan hat, bist du jetzt in dieser schlechten Situation. Du fällst durch Prüfungen, weil der Lehrer/Dozent keine Ahnung hat? Oder fällst du durch Prüfungen, weil du Schwierigkeiten beim Lernen hattest und es dir nicht eingestanden hast? Statt offen über deine Schwierigkeiten zu sprechen und sie dir selber einzugestehen, findest du keinen Antrieb und machst andere dafür verantwortlich.

➡️ Gib dir Selbstliebe. Nimm dich mit all deinen Fehlern und Macken an und verdrehe dich nicht. Bewerte die Dinge positiv und suche immer einen Sinn dahinter. „Vielleicht sollte das so sein!“ Nimm die Erfahrung an und gestehe dir ein, dass dieser Weg so nicht weiter gehen kann. Ändere deinen Kurs und horch in dich hinein, was du möchtest. Sicherlich ist Selbstmitleid nicht der Weg, den du gehen möchtest.

5. Fehler: Ja natürlich, immer gern, ehrlich, kein Problem

Zu guter letzt können hochsensible Menschen sehr schlecht „Nein“ sagen. Sie können es vielleicht schon, doch sagen es nicht aus Überzeugung. Es entsteht eine Diskrepanz zwischen dem gesagten und dem gefühlten. Aus den oben genannten Gründen wollen hochsensible Menschen nicht Nein sagen, bzw. sie können es nicht. Sie wollen geliebt werden und haben Angst vor Ausgrenzung. Selbst wenn sie darauf angesprochen werden, sagen sie nicht „Nein“. Lieber ergeben sie sich der Situation und machen das Beste draus, als dass sie „Nein“ sagen. Sie haben Angst, jemandem durch eine vermeintliche Ablehnung weh zu tun. Immerhin steht viel auf dem Spiel.

➡️ Sag Nein. Gib deinem Impuls nach und lehne auch mal etwas ab. Spüre in dich hinein und frage dich, ob du dich wirklich verbiegen willst. Bevor du eine Entscheidung triffst, zähle innerlich bis 5 und bitte um Bedenkzeit. Entscheidungen bei hochsensiblen Menschen brauchen lange, sind dann aber gut durchdacht. Triff keine vorschnellen Entscheidungen, sondern lass es noch mal reifen. Nimm dir die Zeit, die du brauchst, sollten 5 Sekunden nicht reichen.

Mir hat es unter anderem geholfen, immer mal wieder mein Leben aufzuschreiben. Meine Ziele, meine Wünsche und meine Stärken. Vergegenwärtige sie dir und verfasse ein persönliches Manifest. Das hängst du gut sichtbar in deine Wohnung, sodass du jeden Tag deine Ziele und Werte vor Augen hast!

Bist du dir unsicher, ob du hochsensibel bist? Dann mache doch einen Test, zum Beispiel auf zartbesaitet.de

Wie ist es bei dir? Treffen die Punkte auf dich zu? Oder nur ein bestimmter Punkt? Wo liegen deine Baustellen oder hast du vielleicht schon deine Baustellen bearbeitet? Schreib mir in die Kommentare, was dich zurzeit beschäftigt oder schreibe mir eine Mail. Ich freue mich von dir zu hören!

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3 Kommentare » Schreibe einen Kommentar

  1. Avatar

    Hallo Heiner,

    da hast du wirklich ein paar typischen Verhaltensweisen auf den Punkt gebracht.

    Wir nutzen diese psychologischen Abwehrmechanismen meiner Meinung nach, besonders dann, wenn uns die Energie fehlt, uns anders zu verhalten.

    Zum Beispiel die Entscheidung, uns ins Erwachsenen-Ich zu begeben und dem Partner die eigenen Wünsche und Bedürfnisse zu kommunizieren, statt als angepasstes Kind-Ich sich den Wünschen des Partners anzupassen, kostet Energie. Kraft, sich seiner Selbst bewusst zu sein, bei sich zu bleiben und auch evtl Widerstände auszuhalten zu können.
    Dagegen haben wir vielleicht schon als Kind gelernt, dass die Anpassungs-Strategie uns am sichersten versorgt und am wenigsten Risiko beinhaltet.
    Diese Muster zu überwinden, bedarf es Aufmerksamkeit, Bewusstsein und eben Energie. Du hast ja selbst den Weg gewählt, dein Umfeld radikal zu verändern um deinen Weg zu finden, wenn ich es richtig verstanden habe. In einem veränderten Umfeld fällt es uns oft viel leichter, unsere Gewohnheiten zu reflektieren und zu verändern.

    Du gibst auch konkrete Hinweise um die diese 5 „Fehler“ zu überwinden, die ich sehr stimmig finde, wenn man die eigenen Energie-Speicher kennt und so gefüllt hat, dass man sie auch umsetzen kann.

    Danke, dass du deine Erfahrungen hier so offen geteilt hast.

    Liebe Grüße
    Jean-Christoph

  2. Heiner

    Danke Jean-Christoph für deinen Kommentar.

    Oft sind es einschneidende Lebensereignisse, die uns Gelegenheit und Kraft geben für Veränderung. Dann den Blick auf sich selbst zu richten und in Kontakt mit dem inneren Kind zu gehen ist ein langer und kräftezehrender Prozess. Lohn sich aber 🙂

    Mir ist es im Wechsel zwischen Selbstreflexion und der Erfahrung in Gruppen gelungen. Das ganze Feld des Humanismus (juchu, es hat einen Namen) ist so großartig und wertvoll.

    Liebe Grüße und alles Gute dir,
    Heiner

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