Die Vier-in-einem-Perspektive von Frigga Haug

Die Vier-in-einem-Perspektive von Frigga Haug

Neulich telefonierte ich mit einem Freund aus Hamburger Zeiten. Damals arbeitete ich noch in der Werbung. Wir sprachen über unsere Familien, den Job und natürlich über Corona. Erwerbsarbeit, Familienarbeit und Ehrenamt unter einen Hut zu bekommen, ist nicht nur in der Krise eine Herausforderung. Die aktuellen Ereignisse zeigen uns aber deutlich, wie sehr Frauen in unserer Gesellschaft an den Rand gedrängt werden und die größte Last zu tragen haben. Neue Gesellschaftsmodelle müssen her!

Er ist mit 40 Stunden in einem mittelständischen Familienunternehmen beschäftigt, ich manage meine beiden Kinder und den Haushalt. Ich bin Hausmann. Wir blicken also aus zwei unterschiedlichen Perspektiven auf die aktuelle Situation und kommen sehr schnell auf »New Work«. Es ist eines dieser Modelle, das zurzeit in aller Munde ist. Darüber hatte ich auch schon einmal an anderer Stelle geschrieben. Nun möchte ich dir mit der 4-in-1-Perspektive von Frigga Haug eine andere Überlegung auf Erwerbsarbeit, Care-Arbeit und gesellschaftlicher Teilhabe vorstellen.

4-in-1-Perspektive

Im Fokus von Frigga Haugs »Vier-in-einem-Perspektive« steht die Utopie einer gerechten Verteilung von Erwerbsarbeit, Familienarbeit, Gemeinwesensarbeit und Entwicklungschancen. Sie beschriebt in einem Aufsatz, dass Geschlechterverhältnisse immer auch Produktionsverhältnisse sind. Frauen haben sich in den letzten Jahrzehnten ihre Rechte erkämpft: Sie dürfen wählen, arbeiten und selber entscheiden, mit wem sie verheiratet sein wollen. Sie müssen nicht mehr den Haushalt schmeißen und können Karriere machen. Trotzdem gibt es nach wie vor eine krasse Ungleichheit und Ungerechtigkeit zwischen den Geschlechtern – auf allen gesellschaftlichen Ebenen. Bezogen auf die Erwerbsarbeit sind Frauen entweder in der Lebensfürsorge (Pflege, Erziehung) oder im Lebensmittelbereich (v.a. Einzelhandel) tätig. Gleichzeitig wird ihnen in allen anderen beruflichen Kontexten die Reproduktionsarbeit zugeschrieben, also die Erziehungs- und Sorgekompetenz.

„Diese hierarchische Anordnung bildet die Grundlage für die gesellschaftliche Unterdrückung der Frauen, die sämtliche Sphären der Gesellschaft prägt: Kultur und Sprache, Ideologie und Sozialtheorie, Moral und Recht und die entsprechenden Institutionen.“

– Frigga Haug

Frigga Haug beschreibt in ihrem Leitfaden für die Politik zwei Herrschaftsarten, die es zu überwinden gibt. Zum einen die Verfügung über Arbeitskraft in der Lebensmittelproduktion und zum anderen die Verfügung der Männer über die Frauen in der Reproduktion. Gesellschaftlich gibt es Frauenrechte, aber strukturell und kulturell finden sie nicht statt. Sie äußert feministische Kritik an der gegenwärtigen Geschlechterpolitik, die am Status Quo festhält. Es kann nicht einfach um »Gleichstellung« gehen, sie stellt die Struktur selbst in Frage. Das macht sie an der Stellung der Frau in Kultur und Gesellschaft fest, aber auch an der Zuweisung an den Reproduktionsbereich (Hausfrau und Mutter).

Es geht um eine knappe Ressource

Bevor wir in das Erwerbsleben starten, haben wir viel Zeit. Mit dem Eintritt in eine abhängige Lohnarbeit wird jedoch über unsere Zeit bestimmt. Es gibt eine*n Vorgesetzte*n, wir sind Arbeitnehmer*innen. Wir gehen morgens zur Arbeit und abends wieder nach Hause. Dank der im letzten Jahrhundert stattfindenden Arbeitskämpfe haben wir heute mehr Zeit. Frigga Haug beschreibt die Kämpfe für einen 8 Stunden Tag, die 5 Tage Woche und letztendlich die 37,5 Stunden Woche. Immer ging es um Zeit. Doch seit 1989 weht ein neoliberaler Wind, der seinen Höhepunkt in der Agenda 2010 um Kanzler Schröder mit den Hartz-Reformen hatte. So gibt es Menschen, die aus dem Erwerbsleben herausgenommen werden, weil sie nicht hinein passen. Diese Menschen bekommen Hartz IV. Gleichzeitig haben sich aufgrund des technischen Fortschrittes die Produktivkräfte der Arbeit so gewaltig potenziert, dass die Halbierung der heutigen Erwerbsarbeitszeit anstünde. Bei gleichem Gehalt. Dafür nimmt sie auch die Gewerkschaften in die Pflicht. So lange diese für den Erhalt von z.B. Arbeitsplätzen im Bergbau und gegen eine Weiterentwicklung von Arbeit kämpfen, wird sich nichts ändern.

Frigga Haug möchte die „Produktionsverhältnisse“ aus ihrer Zentriertheit auf die gewerbliche Produktion holen und auf beide Bereiche der menschlichen Produktionen beziehen. Gleichzeitig plädiert sie für eine Teilhabe an diesem Diskurs. Menschen müssen beteiligt werden, sowohl als Befähigung und Weiterentwicklung ihrer persönlichen Kompetenz, als auch im politischen Diskurs. Das Internetzeitalter und die Globalisierung führen ihren Ausführungen nach zu immer währenden „Lernzeiten“, die Zeit fressen um kulturelle Fähigkeiten zu entwickeln.

„Die Sprengkraft wächst dieser Umstrukturierung dadurch zu, dass sie auf den Herrschaftsknoten unserer Geschichte zielt: Die zerlegende Organisation des Gesellschaftsprozesses — in den profitgetriebenen Ewerbsbereich, den ›verweiblichten‹ Reproduktionsbereich jenseits der Lohnform, die abgesonderte Politik in den Händen von ›Stellvertretern‹ — festigt die kapitalistischen Herrschaftsverhältnisse um den Preis der Verkümmerung und Vergeudung menschlicher Talente. Diese Verknotung von Herrschaftsverhältnissen aufzulösen, ist das Projekt der 4-in-1-Perspektive.“

– Frigga Haug

Menschen mit einbeziehen

Erwerbsarbeit, Reproduktions- oder besser Zuwendungsarbeit (Care Arbeit), kulturelle Selbstentwicklung und Politik dürfen nach Frigga Haug nicht getrennt verfolgt werden, sonst geraten sie in eine Sackgasse. Dabei geht es ihr nicht einfach nur um Arbeitszeitverkürzung, sondern um eine Umverteilung der gesamten Lebenszeit und aller Tätigkeiten. Das Neue der 4-in-1-Perspektive besteht daher in der Anordnung der vier Tätigkeitsbereiche — Erwerbsbereich, Reproduktionsbereich, Kultur, Politik — auf zeitlich gleicher Ebene, statt sie einander über- und unterzuordnen. Menschen hätten weniger Stress in der Erwerbsarbeit, mehr Zeit für ihre Familie, könnten sich stärker weiterentwickeln und politische Prozesse stärker als sonst aktiv mitgestalten. Die Vorteile liegen dabei klar auf der Hand.

Die spontane Geringschätzung der Reproduktionstätigkeiten als ›nicht wirklich Arbeit‹ wird in Wertschätzung umschlagen, sobald sie Teil des eigenen Lebens sind. Den Freiraum für die Entwicklung seiner selbst zu erstreiten arbeitet gegen die permanente sektorale Einspannung.

Mein Hamburger Freund und ich sind uns einig. Wir sind auf dem richtigen Weg. Er hat seine Arbeitszeit reduziert und ich werde in den kommenden Wochen wieder mehr Zeit für persönliche Selbstentfaltung haben. Letztendlich geht es doch darum, ein glückliches und zufriedenes Leben zu führen.

Warum wir eine sonderbare Familie sind

Warum wir eine sonderbare Familie sind

Das Leben ist wie eine Wanderung auf einem Pfad. Aus zwei Wegen wird ein gemeinsamer, der mal flach, mal steil rauf und wieder runter verläuft. Mal geht es langsam voran und mal schneller. Mal hast du das Gefühl, jemanden aus den Augen zu verlieren und mal holt dich eine neue Person ein. Wie du deinen Wanderweg gestaltest, hängt einzig und allein von deiner inneren und äußeren Einstellung ab. Nicht immer verlief mein Wanderweg geradlinig und eben.

Den Castortransport 1998 ins »Brennelemente Zwischenlager Ahaus« (BZA) habe ich als 14-jähriger Demonstrant hautnah miterlebt. Meine Generation, die für unsere Umwelt demonstriert und gegen Atomkraft. Aber auch die Brutalität der Polizei. Heute geben Greta und Fridays For Future frischen Rückenwind für ein Umdenken im Kleinen und Großen. Dazwischen liegen Jahre der Ressourcen-Verschwendung und des Konsums.

Seit ich Corinna kenne hat sich mein Leben sogar um 180 Grad gedreht. Bis vor drei Jahren ernährte ich mich noch sehr ungesund und pendelte mit dem Auto eine halbe Stunde zur Arbeit. Corinna reiste oft und gerne in weit entfernte Länder und wollte in ihrem Urlaub viel erleben. Gemeinsam sind wir 2015 in die USA geflogen und haben in einem Monat tausende Kilometer mit einem Van gerissen. Ernährt haben wir uns in dieser Zeit sehr ungesund. Nahezu alles, was wir damals gemacht haben, machen wir heute nicht mehr.

Am Anfang waren es nur kleinere Veränderunge, dann immer größere. Mit der Geburt unserer Kinder schlugen die Veränderungen dann auch auf unseren Freundes und Bekanntenkreis über. Seitdem leben wir in einer Filterblase und treffen uns mit Menschen, die ähnlich ticken. Damit haben wir uns allerdings ganz weit vom Mainstream und unserem alten Leben entfernt. Hier mal ein paar Beispiele, was wir nicht mehr machen.

Leben und Alltag

Wir duschen nicht mehr täglich und benutzen wenig bis keine Kosmetika. Und wenn, dann nur vegan-bio-nachhaltige. Unseren Kleinwagen haben wir vor drei Jahren verkauft und auch Fiete (VW T4 California) wird einen neuen Besitzer finden. Wir gehen zu Fuß einkaufen, sind in die Nähe der Arbeit gezogen und verbringen viel Zeit mit unseren Kindern auf dem Spielplatz oder zu Hause. Zeit ist eine knappe Ressource, die wir mit Qualität füllen wollen, anstatt mit Langeweile. Wir sprechen jeden Abend mindestens eine halbe Stunde über den Tag, über uns und die Zukunft. Filme schauen wir höchstens zwei Mal im Monat – auch, weil wir uns keine Zeit dafür nehmen (wollen). Kein Video-Streaming-Abo, kein Amazon Prime und nur Deezer. Wird hauptsächlich für Kinder-Musik und Hörspiele genutzt. Juhu!

Essen und Trinken

Als wir uns kennenlernten haben wir noch bedenkenlos Fleisch gegessen. Mit der Zeit verzichteten wir nicht nur darauf sondern auf alle Produkte mit tierischen Inhaltsstoffen. Im Januar 2020 habe ich am #veganuary teilgenommen und festgestellt, wie einfach und lecker vegane Ernährung ist. Zusammen mit Eva und ihrer Familie verbringen wir schon den dritten gemeinsamen Urlaub. Eva hat zusammen mit ihrem Partner zwei Kinder und die ganze Familie ernährt sich vegan. Für uns der perfekte Einstieg und ein Prozess, der vor drei Jahren begonnen hat und nun endlich umgesetzt ist! Seit dem Studium verzichte ich nahezu komplett auf Alkohol. Mir fehlt er nicht und ich brauche ihn auch nicht. Zucker vermeiden wir und Junk Food auch.

Urlaub und Reisen

Seit unserer großen Reise in die USA verzichten wir auf Flugreisen. Wir haben noch nie Kreuzfahrten gemacht und wollen auch keine unternehmen. Auch auf Städtetrips verzichten wir bewusst, weil wir wissen, dass unsere Kinder durchdrehen würden – ich übrigens auch! Wir haben eine Zeit lang Camping Urlaub mit Fiete gemacht und probieren ab 2020 Ferienwohnungen oder Ferienparks aus. Lieber machen wir viele kleine Urlaube als einen großen. Auch im Urlaub und auf Reisen versuchen wir den Alltag von zu Hause beizubehalten und schlafen zum Beispiel alle in einem Familienbett.

Kinder und Erziehung

Die Große haben wir bis zum Alter von drei Jahren mit Plastikwindeln gewickelt. In den ersten Wochen hatten wir noch Stoffwindeln probiert, sind daran aber gescheitert. Beim Kleinen hat sich Corinna richtig eingefuchst und ab dem 6. Monat wickeln wir nur noch mit Stoffwindeln. Wir sind Experten und fühlen uns wohl damit. Die Müllmenge ist stark reduziert und dafür waschen wir einmal pro Woche die Einlagen. Pflegeprodukte kaufen wir ausschließlich biologisch und ökologisch nachhaltig. Wir haben keinen Kinderwagen, sondern Tragehilfen und kaufen alle Klamotten Second Hand oder bekommen sie geschenkt. Nur die Puppen haben bei uns Schnuller und geschlafen wird im Familienbett. Außerdem impfen wir unsere Kinder nicht… war nur Spaß! Kommen wir zum nächsten Punkt, der in Gesprächen immer wieder für erstaunte Gesichter sorgt. Wir halten K2 seit er 5 Monate alt ist über der Toilette ab. „Ihr macht was?“ Wir halten ihn ab. Der Kleine sagt uns Bescheid und wir gehen mit ihm auf die Toilette, ziehen ihn unten herum aus und halten ihn ab. „Ne, is klar. Er sagt ,Papa, ich muss mal‘ und du weißt sofort, dass es Pipi oder Aa ist!“ Fast richtig. Der Kleine fängt an zu Knöttern und im Grunde rattert bei mir der Erfahrungsschatz los. Hat er Hunger? Nein, er war eben noch an der Brust. Ist er müde? Nein, er hat eben noch geschlafen. Will er Beschäftigung? Nein, ich beschäftige ihn die ganze Zeit. Will er Ruhe? Nein, siehe Schlaf. Dann muss er mal und will nicht in die Windel machen. „Ja ne, is klar.“ Dann nehme ich ihn mit zur Toilette und siehe da, er macht sein Geschäft. Das klappt in 8 von 10 Fällen. In den anderen zwei Fällen haben wir es nicht rechtzeitig geschafft und die Windeln sind voll. Naja, passiert. Weil uns eine stabile Eltern-Kinder-Bindung wichtig ist, gehen unsere Kinder erst mit 3 Jahren in den Kindergarten. Bei K1 haben Corinna und ich noch abwechselnd gearbeitet, um die Betreuung zu gewährleisten. Bei K2 habe ich lange Elternzeit genommen und gehe zurück in meinen Teilzeit Job, sobald K2 im Kindergarten ist.

Konsum und Luxus

Letztens meinte Corinna, sie könne Frugalistin sein. Also eine Person, die wenig Geld ausgibt und zufrieden ist mit dem, was sie hat. Dem stimme ich absolut zu, denn wir brauchen keine teuren Smartphones, keine smarten Gadgets, keine smarten Watches oder anderen smarten Kram. Das Geld, was wir haben, legen wir lieber in nachhaltige Projekte an oder geben es für Lebensmittel aus. Wenn dann doch mal etwas repariert werden muss, bezahlen wir lieber einen lokalen Handwerker und kaufen die Produkte regional und nachhaltig. Auch wenn es seinen Preis hat.

Unsere Klamotten und auch Dinge des Lebens kaufen wir gebraucht. Wenn uns etwas nicht mehr passt, verkaufen wir es wieder auf dem Gebrauchtmarkt. Autos sind für uns Gebrauchsgegenstände und den großen Luxus VW T4 California verkaufen wir nach 5 Jahren Nutzung wieder.

Und sonst

Ach, es gibt noch so viele Dinge, die wir nicht tun und die uns von Freunden und der Familie unterscheiden. Wir verzichten auf materielle Geschenke und verschenken lieber Qualitätszeit. Wir stellen unsere Kinder nicht mit Smartphone oder Fernseher ruhig und auch Computerspiele gibt es bei uns nicht. Wasser kommt aus der Leitung und Filterkaffee in die Tasse; der fair trade öko nachhaltige natürlich. Unseren Strom beziehen wir von einem Windanlagen-Bauern aus Niedersachsen.

Wir setzen die Familie in den Mittelpunkt und alles, ja A L L E S ordnet sich drum herum. Corinna arbeitet 30 Stunden und ich 20 Stunden. Wobei ich jetzt in Elternzeit bin und mich um den Haushalt und die Kinder kümmere. Wir gehen zu Fuß zur Arbeit und sind in 5 Minuten im Büro. Lieber wohnen wir zur Miete, als dass wir uns ein Eigenheim leisten. Wir wählen progressive Parteien, um eine starke Opposition zu haben. Mit der Kirche haben wir nichts am Hut und wir bezeichnen uns als Agnostiker. Entsprechend sind wir aus der Kirche ausgetreten und unsere Kinder auch nicht getauft. Ja, wir sind verheiratet, haben aber nur standesamtlich in ganz kleinem Rahmen gefeiert. Unsere Flitterwoche haben wir in Dänemark verbracht. Im November. Bei Sturm und Regen. Es war kalt. Wir haben es uns schön warm gemacht.

Wie du siehst, machen wir vieles anders. Wir sind auf unserem Pfad unterwegs und wollen noch mehr verändern und konsequenter werden. Viele können mit Veganismus nichts anfangen und verdrehen die Augen. Andere können es sich nicht vorstellen, mit Stoff zu wickeln oder als Hausmann zu arbeiten. Karriere und Geld verdienen ist in unserer Gesellschaft immer noch männlich geprägt. Leider. So oder so, wir fühlen uns auf diesem Weg richtig wohl und sind glücklich, in eine gemeinsame Richtung zu gehen.

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Vielleicht bist du auch gerade auf dem Weg und möchtest etwas verändern. Oder du befindest dich schon auf deinem Pfad bist aktiver Gestalter deines Lebens. Dann freue ich mich auf deinen Kommentar!

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Wir brauchen einen verpflichtenden Mutterschutz für Väter

Wir brauchen einen verpflichtenden Mutterschutz für Väter

Mit der Geburt meines Sohnes vor einem Jahr habe ich wieder Elternzeit genommen. Zwar nur einen Monat, wie es die meisten Väter tun, aber meine Frau hatte ja zwei Monate Mutterschutz und sollte eh erst in neun Monaten zurück in den Job kehren. Danach würde ich in Elternzeit gehen. Also alles easy peasy? Denkste!

Mit einem kleinen Baby und einem großen Kind ändert sich das Familienleben noch mal stark. Die Bedürfnisse der großen Schwester rücken an zweite Stelle, denn das Baby will versorgt werden. Obwohl wir die Geburt des Brüderchen lange vorbereitet haben, gab es Widerstände. Klar. Hinzu kommt die beginnende Autonomie-Phase der Großen, die eh schon ein sehr gefühlsstarkes Kind ist.

Meine Frau und ich arbeiten beide in Teilzeit. Die gesamte Lohnarbeit zusammen liegt bei 50 Stunden, 30 sie und 20 ich. Es ist also immer jemand bei den Kindern, denn einer arbeitet vormittags, der andere nachmittags. Trotzdem haben auch wir große und kleine Schwierigkeiten im Familienalltag gehabt und fragen uns ständig: „Wie machen das die anderen Familien?“ und geht es nicht auch ander? 

Andere Familien schaffen das doch auch, oder?

Einem Monat nach der Geburt von K2 bin ich also wieder zurück in den Job gegangen. Vormittags war meine Frau nun mit einem Kleinkind, einem Baby und dem Haushalt alleine. Oma und Opa unterstützen uns wie selbstverständlich und sobald ich gegen 12 Uhr nach Hause kam, habe ich meinen Anteil am Familienleben übernommen. Aber was mit einem Kind noch alles einfach machbar war, gestaltete sich mit zwei Kindern schwieriger.

Die große Schwester buhlte um Aufmerksamkeit und hatte Sorge, dass ihre Bedürfnisse nicht mehr gesehen werden. Wurden sie, aber sie konnten nicht sofort befriedigt werden. Sei es spazieren gehen, auf dem Spielplatz spielen, vorlesen oder gemeinsam Essen. Alles dauert auf einmal länger, weil das Baby da war. Außerdem mussten sie jetzt leiser spielen, wenn der Kleine schläft. In die Kita ist sie erst ein Jahr später gegangen, mit 3,5 Jahren. Das war uns wichtig.

Sobald ich zu Hause war und unterstützen konnte, lief es problemloser. Wenn ich jedoch auf der Arbeit war, war es anstrengend für Corinna. Sie hat sich dann oft mit dem Baby zurückgezogen und sich schlafen gelegt. Kräfte tanken für die Zeit, in der ich nicht da sein werde. Abends haben wir uns dann hingesetzt und über die Situation gesprochen. Wieso fällt es uns so schwer und wie machen das andere Familien?

Rechte sind keine Privilegien

Im Film „We Want Sex“ kämpfen britische Frauen in den Ford-Werken für gleiche Bezahlung für gleiche Arbeit. Während einer Auseinandersetzung mit ihrem Ehemann ruft die Protagonistin ihm zu: „Rechte sind keine Privilegien“. Ich denke, dieser Satz bringt die Misere der Gleichberechtigung auf den Punkt. Wir stecken immer noch in einem alten Rollenbild fest, in dem die Frau die Kinder betreut und der Mann arbeiten geht.

Dass ich meine Aufgaben als Vater, Mann und Partner in der Familie übernehme, ist (m)eine Selbstverständlichkeit. Wir leben das Modell 50:50 nicht nur auf dem Papier, sondern teilen uns die Aufgaben auf. Dazu gehören sowohl die Care-Arbeit als auch die Denkarbeit. Zudem haben wir Zuständigkeiten geregelt, die den Alltag noch mehr entlasten. Das fiel nicht vom Himmel sondern hat sich mit der Zeit ergeben.

Meine Frau ist nicht privilegiert, weil ich ein aktiver Mann, Vater und Hausmann bin. Es ist nur gerecht, dass ich mich gleichberechtigt beteilige. Und das tue ich nicht, weil meine Frau 10 Stunden mehr arbeitet als ich, sondern weil es mein und unser verdammtes Recht ist! Corinna muss nicht dankbar sein und wir müssen uns auch nicht mit anderen vergleichen á la „ich hätte auch einen anderen Mann haben können, danke!“ Ja, ich hätte aber auch eine andere Frau haben können. Habe ich aber nicht, weil ich immer für eine gleichberechtigte Partnerschaft eingestanden bin. Anderes habe ich nie akzeptiert. 

Das Familien-System verändert sich

Natürlich bin ich mit diesem Denken nicht auf die Welt gekommen. Natürlich hat mich die Sozialisation geprägt und ja, erst mein Studium und das Leben mit meiner Frau haben mich zu dem gemacht, der ich heute bin. Dank der ersten Elternzeit habe ich erkannt, wie schädlich die Lohnarbeit für ein Familienleben und die Partnerschaft sein kann. Wie viel Familienzeit und Bindung zu meinem Kind mir verloren geht. Damals habe ich viel am Wochenende und abends gearbeitet.

Mit der Erfahrung der zweiten Schwangerschaft und Geburt habe ich erkannt, wie wichtig der Support des Vaters für die Mutter und für die ganze Familie ist. Jetzt stell dir vor, der Mann geht einen Monat nach der Geburt von K2 oder K3 wieder in Vollzeit arbeiten?! Im Bekannten- und Freundeskreis, die keine engen sozialen Kontakte oder Familie im nahen Umfeld haben, bekomme ich es täglich mit. Die Mutter organisiert, kümmert, begleitet, erzieht und macht einfach alles mit den Kindern und den Haushalt. Dabei hat sie keine Zeit für sich selber. Sie ist mit dem Mental Load alleine.

Während der Mann also auf der Arbeit die Welt rettet, abends nach Hause kommt und mit den Kindern noch eine oder zwei Stunden spielt, räumt die Mutter auf und kann vielleicht mal in Ruhe duschen oder auf die Toilette. Oder sich um das Neugeborene kümmern. Die Geburt des zweiten Kindes ist für das „System Familie“ eine starke Veränderung, in der viel in Bewegung kommt. Rollen verteilen sich neu und Beziehungen ordnen sich anders. Der Vater ist Teil dieses Systems und seine Präsens (oder Abwesenheit) hat entscheidenden Einfluss auf das Gelingen der Familienordnung.

6 plus 8 Wochen Vaterschutz

Damit alle Familienmitglieder Zeit finden, sich ihren Platz zu suchen, sich darin einzurichten und in eine gegenseitige Beziehung zu gehen, braucht es Zeit. Diese Zeit räumt der Gesetzgeber der Mutter ein, indem er ihr 8 Wochen Mutterschutz gewährt.

Es braucht allerdings auch für den Vater eine Schutzzeit für die Familie, damit die System-Veränderung gelingen kann. Es braucht einen Vaterschutz, der ebenfalls 8 Wochen dauert und in dem der Mann Elterngeld beziehen muss. Gleichzeitig muss es weitere Anreize für Väter geben, hinterher in Teilzeit gehen zu dürfen. Hier sind vor allem strukturelle Veränderungen gemeint. Zum Beispiel könnte der Staat für den Ausfall des Vaters für mindestens 6 Monate den Lohn zahlen oder einen Ersatz finanzieren.

Große Unternehmen haben sich bereits auf den Weg gemacht und zahlen Vätern volles Gehalt während ihrer Elternzeit. Aus der Politik kommt im Moment herzlich wenig, denn der Ausbau von Kita Plätzen ist wichtiger, als Anreizmodelle für Väter, in Elternzeit zu gehen. Das wird leider auf dem Rücken der Kinder ausgetragen, die viel zu früh in die Fremdbetreuung gegegeben werden. Stattdessen sollten Väter ihre Arbeitszeit reduzieren können, um ihren Anteil an Familienarbeit zu leisten.

Männer, nehmt lange Elternzeit!

Vielleicht muss es kein Mutterschutz für Väter sein. Es darf auch Vaterschutz heißen. Oder gleich Elternschutz. Wobei wir bereits die Elternzeit haben und die beiden Schutzzeiten sich aufheben würden. So oder so braucht es eine strukturelle Veränderung und 8 Wochen verpflichtende Schutzzeit für die Familie. Jeder Mann kann sein individuelles Verhalten verändern, doch sobald er an strukturelle Grenzen stößt, wird auch er diskriminiert!

Seit Mai 2019 bin ich für 2,5 Jahre in Elternzeit und genieße die Zeit sehr, auch wenn sie immer wieder richtig anstrengend sein kann. Unsere Große ist seit August 2019 in der Kita und unser Kleiner aus dem Baby-Alter raus. Meine Frau arbeitet wieder in Teilzeit und mir ist es wichtig, meine Erfahrungen weiterzugeben. Und wer weiß, vielleicht erreiche ich ja genau dich damit! Nimm Elternzeit, reduziere deine Arbeitszeit und werde ein aktiver und sichtbarer Vater!

Es lohnt sich!

Mental Load – Die unsichtbare Arbeit im Haushalt

Mental Load – Die unsichtbare Arbeit im Haushalt

Sicherlich kennst du die Geschichte der Heinzelmännchen zu Köln. In der Grundschule mussten wir das Gedicht von August Kopisch auswendig lernen und bekamen zur Belohnung 5 DM von unserer Lehrerin. Die einzige Bedingung: wir mussten es fehlerfrei schaffen. Die Heinzelmännchen verrichteten jede Nacht, wenn alle Bürger*innen von Köln schliefen, die liegengebliebene Arbeit. Sie zimmerten Häuser, buken das Brot oder „schwefelten fein, alle Fässer ein“.  So verrichteten die Heinzelmännchen das Tagewerk unentdeckt und zur Freude der Bürger*innen. Aber was hat das jetzt mit Mental Load zu tun?

DIE UNSICHTBARE ARBEIT

Genau so unsichtbar, wie die Arbeit der Heinzelmännchen, ist Mental Load. Darunter verstehe ich in erster Linie Arbeit, die im Kopf stattfindet. Übersetzt heißt Mental Load in etwa »Denkarbeit«. Im Alltag muss an so vieles gedacht, organisiert und geplant werden. Die Wäsche wandert nicht von alleine in die Maschine und muss regelmäßig aussortiert werden, Arzttermine müssen gemacht werden und es muss jemand hingehen, der Kühlschrank füllt sich auch nicht von alleine und die Wechselsachen in der Kita muss auch jemand kontrollieren. Leider gibt es bei uns keine Heinzelmännchen, die diese Arbeit verrichten. Das bleibt an uns Eltern hängen.

Leider trägt in unserer Gesellschaft nach wie vor die Frau diese mentale Last und ist verantwortlich, dass alles läuft – trotz politischem und gesellschaftlichem Bestreben nach Gleichberechtigung! Denn während der Mann beruflich fest im Sattel sitzt und jeden Tag auf’s Neue die Welt rettet, wuppt die Frau derweil den Familienalltag – neben ihrer Teilzeittätigkeit wohlgemerkt. Sie ist verantwortlich für das Gelingen sämtlicher sichtbarer und unsichtbarer Arbeiten. Darüber hinaus übernimmt sie sogar die Verantwortung für den männlichen Anteil am Gelingen der Arbeiten. Sie denkt an seine Termine und erinnern ihn beispielsweise an den Geburtstag seiner eigenen Mutter. Er ruft von der Arbeit an und fragt zum Beispiel: „Schatz, was haben wir nächste Woche vor? ich muss auf Dienstreise.“

Natürlich kann man sagen: „Hej, wenn alle damit einverstanden sind, ist doch super!“ Ja, kann man(n) sagen und höre ich sehr häufig. Leider kenne ich mehr Frauen, die unglücklich in dieser Rolle sind und Familien, die dieses Modell trotz aller Belastungen beibehalten. Sie wünschen sich ein anderes Familienleben und können oder wollen am Status aber nichts verändern. Lieber gehen die Frauen aus dem Job raus (oder werden nach der Elternzeit gekündigt), als dass die Männer ihre Arbeitszeit reduzieren. Aus meiner Sicht muss die mentale Belastung aber gleichberechtigt verteilt sein!

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»Neue Väter« statt tradierte Rollenbilder

Der Vaterreport 2018 sagt, dass in über 75% der Familien der Mann in Vollzeit arbeitet und die Frau in Teilzeit. Nur 5% arbeiten beide maximal in Teilzeit oder die Frau ist Hauptverdienerin. Die Belastung im Familienalltag liegt also bei der Frau. Studien zeigen außerdem, dass Männer eine Stunde pro Tag mehr arbeiten, wenn sie Kinder haben. Skurril, denn 80% der Männer geben an, ihre Arbeitszeit reduzieren zu wollen und mehr Zeit mit den Kindern verbringen zu wollen, aber weniger als 25% macht es auch. Männern fällt es also schwer, etwas zu verändern. Warum ist das so?

Wenn ich mit unseren Kindern zum Arzt gehe, werde ich gefragt, ob die Mama noch kommt. Mir wird unterstellt, ich kenne das Gewicht meiner Kinder nicht, sodass lieber noch mal gewogen wird. Bei meinem ersten Kind wurde mir die Rückkehr in Teilzeit von meinem Arbeitgeber verwehrt, sodass ich gekündigt habe. Gleichzeitig werde ich von fremden Menschen gefeiert, dass ich Zeit mit meinem Kind verbringe. Vormittags auf dem Spielplatz. Bisher hat niemand meine Frau dafür gefeiert!

Auch ich wuchs auf mit dem Anspruch auf, Karriere machen zu können und zu müssen. Bin ja schließlich ein Mann. Dass ich mit Ende 20 noch einmal komplett von vorne anfing, gehörte nicht ins Drehbuch und passte nicht zur Vorstellung meiner Sozialisation. Ich stand mir selber im Weg und war Teil des Mental Load-Problems in meinen Beziehungen. Groß geworden im Patriarchat habe ich erst spät verstanden, worauf es in der Partnerschaft und in der Familie ankommt. Es braucht »Neue Väter«! Aus meiner Sicht muss sich auf zwei Ebenen etwas ändern.

Verhalten und Verhältnisse

Zum einen dürfen Männer sich die Erlaubnis geben, Zeit mit ihren Kindern zu verbringen. Dafür müssen sie ihre Einstellung, ihre Glaubenssätze und ihr Verhalten überprüfen und verändern. Sie dürfen das, weil es um ihre Kinder, ihre Partnerin und ihre Familie geht. Was sind schon 3, 4 oder 5 Jahre in Teilzeit gesehen auf’s ganze Leben? Es gibt übrigens bisher keine Studie die belegen kann, dass es zu einem Karriere-Knick kommt, wenn der Papa lange Elternzeit nimmt! Wenn ich schreibe, dass es »Neue Väter« braucht, dann bracht es auch »Neue Mütter«. Frauen müssen ebenfalls lernen, Verantwortung abzugeben und akzeptieren, dass Männer Gefühlsarbeit, Sorgearbeit und Denkarbeit anders machen.

Der Gesetzgeber hat vor über 10 Jahren die Verhältnisse verändert, indem er die Elternzeit reformiert und das Elterngeld eingeführt hat. Seitdem bekommen auch Väter Geld, wenn sie eine Zeit lang zu Hause bleiben. Leider ist der Lenkungseffekt nicht ganz aufgegangen, denn Väter nehmen meistens nur die 2 Monate Bonus. Das Elterngeld wird zudem voll auf andere Sozialleistungen angerechnet, sodass bestimmte Gruppen diskriminiert werden. Zwar haben Frauen bessere Karrierechancen und steigen schneller wieder in den Job zurück. Doch fehlt es an Männern, die nach der Elternzeit ihre Arbeitszeit in Teilzeit reduzieren. Das führt zwangsläufig zu einem Betreuungsproblem, das der Gesetzgeber mit dem Gute-Kita-Gesetz löst: Den Ausbau von U3-Kindertagespflege-Plätzen.

Ein Ausblick

Liebe Papas, nehmt Elternzeit und reduziert eure Arbeitszeit. Es lohnt sich, denn die Zeit mit euren Kindern gibt euch niemand zurück. Gleichzeitig stärkst du die Paarbeziehung zu deiner Frau und wirst merken, dass du viel entspannter aber auch selbstsicherer wirst. Auch wenn du nun den Anteil am Mental Load deutlich erhöhst, entlastest du deine Frau und verbringst gleichzeitig mehr Zeit mit der Familie. Ja, Kinder fordern und fördern dich! Väter dürfen auch über die 2 Monate Elternzeit hinaus zu Hause bleiben. Sie müssen es nur wollen! In Familien, die es (finanziell) können, sollte es Väter geben, die es wollen. Während die Mutter also wieder in Teilzeit in den Job zurückkehrt, bleibt der Vater zu Hause und schmeißt den Laden. Das ist für mich gelebte Gleichberechtigung! Dann klappt es auch mit Mental Load.

Übrigens war ich damals in der Grundschule sehr enttäuscht und frustriert. Ich habe es nicht geschafft, das Gedicht auswendig und fehlerfrei vorzutragen. 25 Jahre später haben wir die Geschichte in einer wunderschönen Illustration von Eve Tharlet geschenkt bekommen. Seitdem lese ich meinen Kindern sehr gerne die Geschichte der kleinen Hauselfen vor. Mittlerweile kann ich die Geschichte sogar auswendig vortragen. Die 5 EUR kommen dann ins Sparschein der Kinder!

Leseempfehlung: Die Heinzelmännchen von Köln Mini-Bilderbuch

»…und eh’ ein Faulpelz noch erwacht’, war all sein Tagwerk bereits gemacht!« So bequem war es in Köln vordem. Bis des Schneiders neugieriges Weib Erbsen ausstreut eines Nachts. Fort war der märchenhafte Zauber. Jeder musste wieder fleißig sein.

Das bekannte Gedicht von August Kopisch, liebevoll illustriert von Eve Tharlet.

Durchgehend farbig illustriert.
€ D 7,00 / € A 7,20 / CHF 9.90
Mini-Bilderbuch / 14,8 x 14.1,cm
32 Seiten / ab 4 Jahren
ISBN: 978-3-314-10081-9

Hinweis: Das Buch haben wir geschenkt bekommen. Alle Bildrechte liegen beim Nord-Süd Verlag. Keine beauftragte Werbung. Die Leseempfehlung steht in keinem Zusammenhang zum Verlag.

Ein Modell mit vier Vatertypen

Ein Modell mit vier Vatertypen

In den letzten Wochen habe ich mich intensiv mit dem Thema »Mental Load« und Vatermodelle beschäftigt. Nicht nur im Netz bin ich auf interessante Post und Blogger*innen gestoßen, auch ein paar Bücher stapeln sich zu Hause zu dem Thema. Zeit also, dass ich mich mit diesem Thema aus Vatersicht beschäftige, denn die Diskussion ist vor allem eins; sie ist weiblich geprägt. 

Nichts desto trotz sind alle Argumente richtig, die sich für eine faire Aufteilung von Mental Load aussprechen. Und damit meine ich vor allem die unsichtbare Belastung! In diesem Beitrag soll es aber erst einmal um die Vatermodelle gehen. Wie gestalten Männer ihre Rolle als Vater und lässt sich das schematisch einordnen? Natürlich ist die Welt viel komplexer, als ein einfaches 4-Quadrat-Schema von Vaterrolle. Doch Vereinfachung führt zu Verständlichkeit und kann Ausgangspunkt von weiteren Überlegungen sein.

Ein Sicherheitshinweis vorab: Das, was ich beschreibe, soll keine Bewertung von gut oder schlecht sein. Vielmehr will ich zeigen, in welchem Spannungsfeld sich Väter befinden und bewegen müssen. Auch soll es keine Entschuldigung sein für das Verhalten der Väter. Aber vielleicht wirst du dich oder deinen Partner in diesem Modell wiederfinden. Vielleicht wirst du dich ärgern und persönlich angegriffen fühlen. Dann freue ich mich sehr auf deine Meinung und kritischen Anmerkungen, so lange sie wertschätzend formuliert sind. Steigen wir aber mal ein, genug der Vorrede.

Vaterrolle – Eine Annäherung

Vor meiner Elternzeit habe ich als Sozialarbeiter im Krankenhaus gearbeitet. Dort war ich zuständig für die onkologische Station und betreute u.a. Krebspatienten am Beginn ihrer Therapie. Es gibt aber auch Patienten, die am Ende ihrer Therapie und somit auch am Ende ihres Lebens angekommen sind. In diesem palliativen Setting sprechen die männlichen Patienten oft von ihren verpassten Chancen im Leben, Orte an denen sie gerne gewesen wären oder Feste, die sie gerne gefeiert hätten. Dann sagen sie zum Beispiel, dass sie mehr Zeit mit ihren Kindern verbracht hätten. Stattdessen sind sie jetzt alleine und haben ein zerrüttetes Verhältnis zu ihren Kindern.

Es sind Erlebnisse wie diese, die mir im beruflichen Alltag begegnen und die mich nachdenklich machen. Ein Blick in den Väterreport 2018 bestätigt die Aussagen der Männer. Der Report sagt, dass sich zwar 60% der Väter mindestens zur Hälfte an der Kinderbetreuung beteiligen wollen, letztendlich gelingt es aber nur 26%. Immerhin hat jeder vierte Vater nach der Elternzeit seine Arbeitszeit verkürzt. Es ist also Licht am Ende des langen, dunklen Tunnels. Trotzdem arbeiten immer noch 85% der Väter in Paarfamilien mit Kindern unter 18 Jahren in Vollzeit. Nur in 5% arbeitet der Vater Teilzeit oder gar nicht.

Das Modell

Vaterschaft bewegt sich immer im Spannungsfeld von Familie & Beruf. Die Frage ist doch, wie wollen wir Leben und arbeiten? Was macht uns glücklich? Tun wir wirklich alles, um glücklich zu sein oder erfüllen wir nur gesellschaftliche Erwartungen? Inwiefern Arbeiten wir um zu leben oder leben wir um zu arbeiten? Das französische Sprichwort passt, wie ich finde, perfekt zur Herausforderung der Vereinbarkeit von Familie & Beruf. Du merkst, worum es mir geht. Also, lass uns mal einsteigen in das Modell.

Im Folgenden beschreibe ich die beiden Achsen Familie und Beruf. Anschließend werden die 4 Felder mit den Vatertypen beschrieben.

Spannungsfeld Familie & Beruf

Familie

Der Wert der eigenen Familie wird u.a. daran bestimmt, wie viel Qualitätszeit ich mit ihr verbringe. Wie sichtbar und ansprechbar bin ich für meine Frau und meine Kinder, wie aktiv bringe ich mich in das Familienleben ein? Wie emotional wichtig die eigene Familie ist, lässt sich am einfachsten an der Zeit ablesen, die ich mit ihr verbringe. Auf eine Woche, einen Monat oder ein Jahr gesehen, Schlaf nicht mit einbezogen: wie viel Zeit habe ich im Vergleich zum Beruf mit meiner Familie verbracht?

Beruf

Der Beruf und die Arbeit stehen im direkten Gegensatz zur Familie. Du entscheidest, wie wichtig dir deine Karriere und das berufliche Weiterkommen ist. Wie engagiert und arbeitsam bist du? Machst du viele Überstunden und nimmst Arbeit mit nach Hause? Wie wichtig ist dir dein beruflicher Status, die Reputation und dein Erscheinen nach außen? Sprichst du gerne mit anderen über deine Arbeit oder kannst du den Job auf der Arbeit lassen?

Vatertypen

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Ruhiger Vater

Die Familie ist dem ruhigen Vater sehr wichtig und entsprechend hoch ist sein Engagement im Alltag. Er beteiligt sich am Mental Load und den alltäglichen Dingen, egal ob beim Kinderarzt, zu Hause oder in der Schule. Er ist präsent und stets ansprechbar. Seine berufliche Position ist dem ruhigen Vater nicht wichtig. Lieber verzichtet er auf Geld und Ansehen und überlässt anderen die Sprossen auf der Karriereleiter. Im Unterschied zum Aktiven Vater ist ihm berufliche Reputation nicht wichtig, entsprechend ruhig und gelassen wirkt der Vater auf sein Umfeld. Dieser Vatertyp lässt bei »Mensch ärgere dich nicht« immer die Kinder gewinnen.

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Passiver Vater

Weder in der Familie noch im Beruf hegt der passive Vater Ambitionen, sich einzubringen. Den Haushalt überlässt er anderen genau so wie die Betreuung seiner Kinder. Es fällt ihm schwer sich zu motivieren, Qualitätszeit mit seinen Kindern zu verbringen. Ebenso fehlt dem passive Vater das Engagement im Beruf. Ihm ist das berufliche Weiterkommen nicht wichtig, sodass er lieber einen festen Job hat, der sein Einkommen sichert als die Karriereleiter empor zu klettern. Dieser Vater spielt nicht mit seinen Kindern »Mensch ärgere dich nicht.«

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Aktiver Vater

Unter den vier Vätertypen ist der aktive Vater sowohl in der Familie als auch im Beruf ein Performer. Er ist stets für seine Kinder und Partnerin ansprechbar und gestaltet sein Familienleben aktiv mit. Im Haushalt und Alltag übernimmt er Aufgaben und verschiebt berufliche Termine, um Zeit mit seinen Kindern zu verbringen. Beruflich startet der aktive Vater ebenso erfolgreich durch, wie in der Familie. Ihm ist berufliches Vorankommen sehr wichtig, gleichwohl er die Balance zwischen Familie & Beruf sehr gut managet. Trotzdem trennt er familiäre und berufliche Verpflichtungen klar voneinander und schafft es, zu Hause abzuschalten. Dieser Vatertyp geht mit seinen Kindern lieber nach draußen zum Auspowern, als drinnen »Mensch ärgere dich nicht« zu spielen. 

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Stressiger Vater

Unter den vier Väter schafft es der stressige Vater am wenigsten, Familie & Beruf Kind und Familien ausgeglichen zu vereinbaren. Seine Familie ist dem stressigen Vater weniger wichtig, sodass es schwierig wird, eine Beziehung zu seinen Kindern aufzubauen. Der stressige Vater ist in der Familie nicht präsent, nicht ansprechbar und beteiligt sich nicht. Der Mental Load liegt komplett bei der Frau. Die Bindung zu den Kindern ist eher unsicher-vermeidend, weil der Vater nicht weiß, wo er seine Kinder mental emotional abholen soll. Im Beruf ist der gestresste Vater voll angekommen. Er nimmt die Arbeit mit nach Hause, grübelt nachts im Bett über die anstehenden Projekte und steht morgens gestresst auf. Zwar bringt der Vater die Kinder in die Kita oder zur Schule, aber meldet sich dann aus dem Familienleben ab. Die ganze Last der Eltern-Kind-Beziehung liegt bei der Frau. Die Karriere des Vaters ist wichtiger. Seit der Geburt der Kinder arbeitet er auch mehr, also vorher. Dieser Vatertyp will um jeden Preis beim »Mensch ärgere dich nicht« gewinnen.

Darstellung 4-Quadrat-Modell

Kleine Diskussion

Ja, das Modell beschreibt nur einen vereinfachten Blick auf Vaterschaft und Vatermodelle. Zudem greift es nicht den Kern der ganzen Mental Load Problematik auf, sondern beschreibt allenfalls die Probleme auf einer oberflächlichen Ebene, quasi die Spitze des Eisberges. Es werden, äquivalent zum Krankheitsbild auf der onkologischen Station, nur die Symptome beschrieben und behandelt. In der Medizin bedeutet dies »Best Supportive Care«, also den Erhalt einer möglichst guten Lebensqualität. Eine kurative Behandlung wäre die Bekämpfung der Ursache einer Krankheit.

Die ganze Diskussion um Mental Load, Vaterrolle und Vatermodelle muss sich meiner Meinung nach auf die Meta-Ebene verschieben. Es muss um die Ursachen gehen und nicht um die Symptome. Bedeutet nach meinem Verständnis; wir können noch so viele Yoga-Kurse, Coachings und Zeitmanagement-Seminare besuchen, es muss sich gesellschaftlich etwas ändern. Und mit »etwas ändern« meine ich vor allem die Beteiligung der Männer am Krankheitsverlauf. Doch dazu demnächst mehr.

Jetzt möchte ich aber mal von dir wissen: Wie denkst du darüber? Hast du andere Ideen oder gehst du mit diesem Modell mit? Ich freue mich über Feedback!

Übrigens: Drüben auf ElternLeben findest du einen tollen Test, wie du herausfinden kannst, welcher Vater-Typ du bist! Mein Modell hat sich übrigens ganz unabhängig von diesem Test entwickelt und ist eine Adaption des Job-Demand-Control-Modell von Karasek.

Eigentlich bin ich glücklich, irgendwie aber nicht, trotzdem mache ich so weiter – Wie Glaubenssätze dein Leben bestimmen

Eigentlich bin ich glücklich, irgendwie aber nicht, trotzdem mache ich so weiter – Wie Glaubenssätze dein Leben bestimmen

Für viele Männer dreht sich das eigene Leben mit der Geburt der eigenen Kinder schlagartig um 180 Grad. Die körperliche und emotionale Nähe zur Partnerin geht dabei oft verloren oder reduzieren sich dramatisch. Deine Frau ist gereizt, du bist gestresst, das Baby weint ständig und hängt nur an der Brust. So hast du dir Vaterschaft nicht vorgestellt. Dabei möchtest du alles richtig machen. Stattdessen arbeitest du lange und schaffst es immer weniger, Zeit mit deiner Familie zu verbringen. Vielleicht liegt das an deinen Glaubenssätzen, die deinen inneren Kompass beeinflussen.

Als klar wurde, dass ich Vater werde, hat sich mein Leben schlagartig verändert. Gemeinsam mit Corinna habe ich mir schon vor der Geburt Gedanken über die Zeit mit Kind gemacht. Wer kümmert sich wie um’s Kind, wer geht wie lange und wann arbeiten? Auf jeden Fall Elternzeit, nur wie lange und welches Modell? Überhaupt das ganze Leben musste neu verhandelt und geplant werden. Dabei bin ich immer wieder auf innere Widerstände gestoßen. Auf einer vierwöchigen Reise einige Monate vor der Geburt war ich innerlich so zerrissen, dass ich die ersten drei Wochen gar nicht genießen konnte.

Zurück im Alltag wusste ich, dass eine Veränderung her musste. Der Vollzeitjob als Bildungsreferent, bei dem ich viel an Wochenenden und spät abends arbeiten musste, passte nicht in meine Familienplanung. Er war überhaupt nicht Kompatibel zum Familienleben. Inhaltlich hat mir der Job viel Freude bereitet, aber nicht zu diesen Bedingungen. Es sollte trotzdem noch ein Jahr vergehen, ehe ich einen Entschluss fällen konnte. Ich stand mir selber im Weg und schleppte mich unmotiviert zur Arbeit.

„Du musst einen 40 Stunden Job haben, um deine Familie zu ernähren.“

Was Glaubenssätze mit uns machen

Glaubenssätze sind tief verankerte Überzeugungen über uns selbst und die Welt. Sie beeinflussen unser Denken und Handeln sowie unsere Wahrnehmung der Realität. Vor allem durch die Erziehung unserer Eltern wurde jede Information unbedacht aufgenommen. Schließlich sind sie unsere engsten Vertrauten. Daraus haben wir unterbewusst Wirkmechanismen abgeleitet; also eine innere Wahrheit abgespeichert. Im Grunde beeinflussen sie unseren inneren Kompass und leiten uns in dem, was wir machen und wie wir denken und sprechen.

Das Problem dabei: Glaubenssätze sind unsichtbar, sie lassen sich nicht greifen und sind daher auch schwer zu „begreifen“. Sie befinden sich in unserem Unterbewusstsein. Erst wenn wir uns hinterfragen, kommen wir den Glaubenssätzen auf die Spur. Dabei wird zwischen offensichtlichen und nicht offensichtlichen Glaubenssätzen unterschieden. Zu den offensichtlichen gehören Sätze, die wir laut sagen oder laut denken. Die nicht offensichtlichen sind vor allem innere Überzeugungen und Einstellungen, die unser Verhalten steuern.

Wie du deine Glaubenssätze verändern kannst

Die Schwierigkeit besteht jetzt darin, dass wir unser Bewusstsein aktiv und permanent ansprechen müssen, um bewusst unsere Denkweisen zu verändern. Zum anderen sprechen wir unser Unterbewusstsein an, um unser Handeln zu verändern. Das ist verdammt schwer, denn wir sind Experten unseres bisherigen Lebens. Jetzt sollen wir auf einmal unser Denken und Handeln aktiv verändern?

„Es ist in Ordnung, wenn du deinen Job kündigst, du darfst das!“

Obwohl ich seit fast zehn Jahren mein Leben nach neuen Glaubenssätzen ausrichte, ertappe ich mich hin und wieder, wie ich in alte Muster zurück rutsche. Dann nämlich, wenn meine Erfahrungen aus der Kindheit mich einholen.

Damit also Veränderung gelingt, folgen nun 4 Schritte, die mir geholfen haben, meine hinderlichen Glaubenssätze zu finden und in positive zu verändern. Die Veränderung findet vor allem im Kopf statt.

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SCHRITT 1: Negative Glaubenssätze erkennen

Das Aufspüren der eigenen Glaubenssätze ist sicherlich der schwierigste Teil der Veränderung. Versuche über dich in der dritten Person zu reden, als wenn du neben dir stehen würdest. Stelle dich vor einen Spiegel und stelle Vermutungen an, welche Glaubenssätze dein Denken und Handeln bestimmen. Du könntest auch dein*e Partner*in fragen, was sie über dich denkt.

Beantworte dir Fragen zu verschiedenen Themen. Was denkt der Mann vor mir über Geld, Liebe, Beruf, Arbeit, Familie, Kinder, Hobby?

Als Antworten könntest du zum Beispiel folgende Aussagen feststellen (klick auf die Liste).

Liste von negativen Glaubenssätzen

  • Erfolg im Beruf muss für einen Mann das zentrale Ziel im Leben sein.
  • Ein Mann sollte dazu bereit sein, viel Zeit in seinen Beruf zu stecken.
  • Lange Arbeitszeiten sollten für Männer eine Selbstverständlichkeit sein.
  • Männer sollten Vollzeit arbeiten.
  • Ein Mann sollte sich auf den beruflichen Aufstieg konzentrieren.
  • Mit beruflichen Führungsaufgaben kommen Frauen nicht gut zurecht.
  • Der Beruf ist ein zentraler Bestandteil im Leben eines Mannes.
  • Eine Frau sollte dazu bereit sein, viel Zeit in ihre Familie zu stecken.
  • Es ist nicht gut, wenn ein Mann zu Hause bleibt und die Kinder versorgt.
  • Ich würde einen Mann nicht respektieren, der sich entscheidet, zu Hause zu bleiben, um sich um die Kinder zu kümmern.
  • Kindererziehung ist keine Männersache.
  • Ein Mann kann die Bedürfnisse eines Kindes nur schwer erkennen.
  • Von kleinen Kindern verstehen Männer in der Regel nichts.
  • Die wichtigste Aufgabe einer Frau ist es, sich um die Kinder zu kümmern.
  • Eine Frau sollte in der Kindererziehung die meisten Aufgaben übernehmen.
  • Eine Frau sollte die hauptsächliche Bezugsperson der Kinder sein.
  • Frauen sind am glücklichsten, wenn sie sich zu Hause um die Kinder kümmern.
  • Die tägliche Anwesenheit einer Mutter ist für das Wohlbefinden der Kinder zentral.
  • Ein Kind, das noch nicht zur Schule geht, wird wahrscheinlich darunter leiden, wenn seine Mutter berufstätig ist.
  • Frauen, die sich besonders stark in ihrem Beruf engagieren, können nicht gleichzeitig noch gute Mütter sein.
  • Mütter von kleinen Kindern, die ganztags ihrer Berufstätigkeit nachgehen, tun dies auf Kosten der Entwicklung ihrer Kinder.
  • Eine Mutter ist in den ersten Lebensjahren eines Kindes durch niemanden zu ersetzen.
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SCHRITT 2: Glaubenssätze hinterfragen

Jetzt darfst du deine Glaubenssätze hinterfragen. Stimmen sie wirklich? Sind sie noch aktuell oder schon längst überholt? Hast du wirklich diese Erfahrungen gemacht oder wurden sie dir nur vorgelebt. Vielleicht hast du schon immer Widerstand gespürt und wolltest es anders machen, hast dich aber nie getraut. Trotzdem haben sich die negativen Glaubenssätze eingeprägt.

Beispiel: „Kindererziehung ist keine Männersache.“ – Als Kind habe ich mir immer einen aktiven Vater gewünscht. Trotzdem wurde es mir anders vorgelebt. Heute weiß ich, dass Väter einen wichtigen Teil in der Entwicklung von Kindern übernehmen!

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SCHRITT 3: Negative Glaubenssätze widerlegen

Sicherlich stellst du schnell fest, dass deine negativen Glaubenssätze völlig unbegründet sind. Ganz bestimmt weißt du das auch, es fällt dir nur schwer, dein Verhalten zu verändern. Versuche deine Glaubenssätze zu widerlegen. Du kannst ein guter und liebevoller Vater sein, denn es gibt viele andere Väter, die das auch sind. Und auch wenn deine Biographie etwas anderes sagt, hast du jederzeit die Chance, es anders zu machen. Du musst es nur wollen. Informiere dich im Netz oder in Gesprächen mit anderen Männern und widerlege deine Glaubenssätze. Du wirst sehen, dass es sich lohnt!

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SCHRITT 4: Glaubenssätze richtig formulieren

Nun bist du soweit, deine negativen Glaubenssätze in positive umzuformulieren. Wörter wie „nicht“, „kein“ oder „nie“ werden aus dem Satz eliminiert oder in das Gegenteil umformuliert. Aus den oben genannten Sätzen wird dann beispielsweise: „Kindererziehung ist auch Männersache.“ Wichtig ist hier, dass die Sätze positiv formuliert werden müssen. Je kürzer und prägnanter die Sätze sind, umso eher bringen sie die Aussage auf den Punkt. Klingt zunächst radikal, doch je öfter du dir den Glaubenssatz wiederholst, verfestigt er sich und wird „normal“.

„Glaubenssätze sind unsere innere Wahrheit. Sie zu verändern braucht viel Kraft und Zeit.“

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Pro Tipp

Nimm den Glaubenssatz immer mit. Schreib ihn auf und leg den Zettel in dein Portemonnaie. Du kannst ihn auch gut sichtbar in dein Büro hängen, als Notiz auf deinen Desktop packen oder dir eine regelmäßige Erinnerung von deinem Smartphone geben. Egal was du machst, lass deinen Glaubenssatz sichtbar werden. Durch regelmäßige Wiederholungen verinnerlichst du ihn. Mach ihn zu deiner persönlichen Challenge. Du wirst erstaunt sein, wie schnell sich dein Denken und Handeln verändert.

Ist das jetzt die beste Methode? Bestimmt nicht. Wichtig ist doch vielmehr, dass du deine hinderlichen Glaubenssätze erkennst und den Mut hast, sie zu verändern. Veränderung braucht Zeit und kostet oft viel Kraft. Hab den Mut, diese Herausforderung anzugehen und du wirst schnell Erfolge feststellen. Im Kleinen wie im Großen. Wichtig ist mir dabei zu sagen, dass du immer positiv denken sollst. Wie oben beschrieben gelingt es mir zwar auch nicht immer, meine Glaubenssätze zu leben, aber dafür bleibe ich immer positiv. Denn auch wenn es mal nicht so klappt, wie ich es mir vorgestellt habe, liebe und respektiere ich mich, wie ich bin!

Es lohnt sich! 

Liste von weiteren Glaubenssätzen

  • Ich muss arbeiten, um Geld zu verdienen.
  • Geld ist wichtig, um zu überleben.
  • Ich bin nur zum Geld verdienen gut genug.
  • Man darf keine Gefühle zeigen.
  • Das Denken soll man den Pferden überlassen, die haben die größeren Köpfe.
  • Ich muss stark sein und durchhalten.
  • Ich muss meinen Kindern etwas bieten.
  • Ohne Fleiß keinen Preis
  • Ich darf nicht nein sagen
  • Man kann nicht einfach machen, was man will.
  • Die Welt ist ungerecht
  • Erst die Arbeit, dann das Vergnügen.
  • Ich muss hart arbeiten.
  • So lange du deine Füße unter meinem Tisch hast…
  • Ein Indianer kennt keinen Schmerz.
  • Lehrjahre sind keine Herrenjahre.
  • Ordnung ist das halbe Leben.
  • Beiß nicht in die Hand, die dich füttert.
  • Frauen sind Zicken.
  • Das Leben ist schwer.
  • Mit dem, was Spaß macht, kann man kein Geld verdienen.
  • Strafe muss sein.
  • Einen Klaps auf den Po hat noch keinen geschadet.
  • Eine gute Frau muss gut kochen können.
  • Wenn ich nicht arbeite, bin ich auch nichts wert.
  • Wer Gefühle zeigt, ist schwach.

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