E2W4: Bis ans Mittelmeer und zurück

E2W4: Bis ans Mittelmeer und zurück

Wir sind auf Elternzeitreise. Papa, Mama mit K1 (3 Jahre) und K2 (8 Monate). Ich nehme mir von meinem Teilzeit-Job eine zehnmonatige Auszeit. Ab August geht meine Frau zurück in den Job. In der Zwischenzeit wollen wir erneut mit Fiete verreisen. Bei K1 waren wir in Spanien. Unser jetziges Ziel: Slowenien. Ich knüpfe direkt an die Erlebnisse der ersten, der zweiten Woche und der dritten Woche an.

Überraschung: Wir sind wieder zu Hause! Nach insgesamt vier Wochen und 3.000 km schlafen wir wieder in unserer gewohnten Umgebung. Obwohl Fiete auch zu einer gewohnten Umgebung geworden ist, fühlt sich das heimische Bett, die Wohnung und die Freunde nach „zu Hause“ an. Obwohl die Reise eine überraschende Wendung nahm, sind wir ebenso happy, wieder hier zu sein.
Wie ich letzte Woche bereits beschrieben haben, hat uns der Campingplatz an den drei Flüssen sehr verzaubert. K1 hatte ihr Trampolin, wenige andere Camper waren auf dem großen Areal mitten im Wald, sodass wir uns fast allein fühlten. Ein Kater leistete uns seit ein paar Tagen Gesellschaft, niemand war krank und alles war perfekt. Sogar das Wetter hat sich von seiner schönsten Seite gezeigt – über 30 Grad, Sonne pur. Vergessen die regnerischen Tage und Wochen bis hierher.

Und doch müssen wir abreisen, denn der Platz wird für eine Hochzeit am Wochenende gebraucht. Mit einem weinenden Auge und einem lachenden Auge planen wir die Route. Soll es doch über Italien nach Slowenien gehen? Wollen wir eine Rundreise um Frankreich machen oder bleiben wir in der Provence? Der Familienrat bespricht das weitere Vorgehen am Spielplatz, am Fluss, beim Essen und immer dann, wenn wir Zeit dafür finden. Es liegt also eine Entscheidung in der Luft. K1 meldet sich zunächst leise und dann immer lauter zu Wort: „Ich will aber nach Hause zu Oma und Opa!“ – Uff, damit hat niemand gerechnet.
Oma und Opa sind fester Bestandteil unseres Alltages. Gleichzeitig sehen sich K1 und die Großeltern vielleicht ein-/zweimal pro Woche. Hin und wieder darf sie dort übernachten. Eine tägliche Betreuung für mehrere Stunden, wie eine Camperin vermutete, findet nicht statt. Also auch kein zurück in den Alltag. Wir begegnen dem Wunsch und reden viel miteinander. K1 telefoniert hin und wieder mit den Großeltern, wir reden viel über die gemeinsamen Erlebnisse und freuen uns auf die Zeit nach unserer Reise. Wir spielen „Gassi gehen“ mit den Hunden der Großeltern und K1 imitiert die Gesten, den Habitus und die Sprache von Oma und Opa.

Heimweh

„Ich will aber nach Hause!“ – Der Wunsch wird immer deutlicher und wir fragen uns, ob es sich um einen Wunsch oder um ein Bedürfnis handelt. Gleichzeitig ist in mir der große Wunsch ans Mittelmeer zu fahren. In einem Hörspiel, dass K1 seit Beginn der Reise immer wieder hört, geht es auch um eine Reise ans Meer – allerdings mit den Großeltern. Ich setze mich im Familienrat durch und wir setzen unsere Reise fort – an die Côte d’Azure. Ein Fehler? Die Autofahrt soll ca. 3 Stunden dauern und auf zwei Etappen aufgeteilt werden. Die Leichtigkeit verfliegt, als wir gerade ein paar Kilometer unterwegs sind. K1 fiebert hoch.

Auf dem Campingplatz angekommen liegt K1 auf der Rückbank und schläft. Sie ist heiß und hat Bauchweh. Ich baue das Vorzelt auf, räume im Bus hin und her, während Corinna mit K2 den Platz erkundet. K1 weint, wimmert und hat Bauchweh. Sie fiebert immer noch. Ein Zäpfchen wird nur kurz abgewehrt. Sie schläft den Spätnachmittag im Hochdach für ein paar Stunden. Gleichzeitig sagt sie immerzu, dass sie nach Hause will. Corinna und ich entscheiden, dass wir die Reise am Mittelmeer abbrechen werden. Es geht in ein paar Tagen nach Hause. Auf dem direkten Weg. Aus dem Wunsch ist ein Bedürfnis geworden.
Wir wollen immer die Bedürfnisse der Familienmitglieder in den Mittelpunkt setzen. Dabei richten wir uns nach der Gewaltfreien Kommunikation nach Marshall Rosenberg. Kurz gesprochen wird zwischen Wünsch und Bedürfnissen unterschieden. Wünschen dürfen mit einem Nein beantwortet werden. Bedürfnisse hingegen sollte man nachgehen, sie sollten erfüllt werden. Schließlich handelt es sich um eine innere Sinnhaftigkeit. Wie bei einem Schnellkochtopf, der auf dem eingeschalteten Herd steht. Wird der Deckel nicht irgendwann abgedreht, wird der Druck zu hoch. Wir nehmen K1 den Druck und haben gemeinsam entschieden, zurück nach Hause zu fahren.

Die Reise endet an der Côte d’Azure

Es kommt auch alles zusammen. Der Campingplatz ist sehr eng, hellhörig und wuselig. Ständig werden wir mit einem „Hallo, Guten Tag oder N’Abend“ begrüßt. Reisegefühle kommen hier nicht auf. Zudem werden wir höflich darauf hingewiesen, dass wir unsere Wäsche bitte nicht zum Trocknen zwischen den Bäumen aufhängen sollten. Mit Kind sei das zwar schwierig, aber so könnten die freien Plätze rechts und links von uns schlechter vergeben werden. Aha, so läuft das hier also. Zum Glück lernen wir eine fröhliche Familie aus Erfurt kennen, die wir direkt ins Herz geschlossen haben. Abends treffen wir uns zum Plausch unter unserer Markise und plaudern. Wir lachen viel, wir stellen viele Parallelen fest und bleiben in Kontakt.
Montags brechen wir die Zelte ab, räumen alles ein vorletztes Mal zusammen und fahren in die Ardèche-Region. Corinna hat von unterwegs herausgefunden, dass der Platz ein großes Trampolin hat. Genau wie auf unserem Lieblingsplatz mit den drei Flüssen: Jackpot. Das schafft uns ein klein wenig Abwechslung von den Strapazen, die wir bisher erlebt haben. K1 freut sich über das tolle Spielgerät und wir campen direkt in Sichtweite, sodass wir den Rückreise planen können. Also alles für die 1.004 km Rückreise, die wir zwei Tage später antreten werden. Am Tag der Rückreise fahren wir in 3 Etappen nach Hause, jeweils zu den Schlafenszeiten von K2.

Unterwegs machen wir Rast an den toll ausgebauten und preislich echt günstigen französischen Raststätten entlang der Route. Hier gibt es für 22 EUR Pizza und Nudeln inklusive Getränke und Nachspeisen. Zum Vergleich: Auf einem Campingplatz hat eine Pizza schon 12 EUR gekostet – und die war nicht riesig! Um 23 Uhr sind wir zu Hause angekommen und bringen die Kinder ins Bett. Haha, war nur Spaß! K1 ist eine Stunde vor Ende der Reise wach geworden und wollte nicht mehr schlafen. Kaum hatten wir den Motor abgestellt, wurde K2 wach. Gegen 2:30 Uhr waren dann alle im Bett.
Wir lassen die Momente noch sacken, die Erlebnisse werden noch verarbeitet. Ob wir traurig sind, dass die Reise vorbei ist? Nein. Denn wir leben nach den Bedürfnissen aller Familienmitgliedern! Egal, ob 8 Monate alt oder 35 Jahre. Ob wir solch eine Reise noch einmal machen werden? Ganz bestimmt, dann aber mit älteren Kindern und längeren Stopps. Vielleicht auch nur im „Urlaub-Modus“: also Hinfahrt, am Urlaubsort verbleiben, Rückfahrt. Lesson learned.

PS: Wie letzte Woche angekündigt, wurde ich zum Vatertag von der Bild am Sonntag interviewt. Hier der Link zum Artikel (Achtung, Bezahlschranke) und ein Foto aus der Zeitung!

E2W2 – Schwäbische Alb, Schwarzwald, Frankreich

E2W2 – Schwäbische Alb, Schwarzwald, Frankreich

Wir sind auf Elternzeitreise. Papa, Mama mit K1 (3 Jahre) und K2 (8 Monate). Ich nehme mir von meinem Teilzeit-Job eine zehnmonatige Auszeit. Ab August geht meine Frau zurück in den Job. In der Zwischenzeit wollen wir erneut mit Fiete verreisen. Bei K1 waren wir in Spanien. Unser jetziges Ziel: Slowenien. Ich knüpfe direkt an die Erlebnisse der ersten Woche an.

Schwäbische Alb

Auf der Schwäbischen Alb soll es einen tollen Familiencampingplatz geben, auf den wir uns schon sehr freuen. In den Kommentaren diverser Camping-Apps liest er sich sehr positiv. Von Bauwagen, Zirkuswagen und einem alten Bauernhof ist die Rede. Tiere können bestaunt (aber nicht gestreichelt) werden und diverse Spielgelegenheiten soll es geben. Das hört sich toll an. K1 freut sich besonders auf die Spielscheune. Wir uns auf wärmeres Wetter.
Leider trifft weder das eine noch das andere zu. Die Spielscheune ist für uns Allergiker kein Ort des langen Verweilens und auch K1 mag nicht so richtig warm werden mit dem Stroh, in das sie aus zwei Metern Höhe hineinspringen kann. Warm wird uns auch nicht auf diesem Platz. Zwar kommt am dritten Tag die Sonne für mehrere Stunden heraus, doch sind wir es satt an Regen und Sturm.
Dem Platz wäre Unrecht getan, würde ich es dabei belassen. Die Atmosphäre ist absolut kinderfreundlich, es gibt sehr gute Wasch-/Dusch-/Sanitär-Anlagen und auch unsere Wäsche wurde im Trockenraum innerhalb eines Tages fertig. Die Spielgeräte sind der Hit, überall stehen Tretautos, Trettraktoren und andere mobile Spielsachen herum. Es wird uns allerdings zum Wochenende zu wuselig, sodass wir aufbrechen.

Schwarzwald

Wir verlassen also die Alb und fahren weiter in den Schwarzwald. In meiner Jugend war ich sehr oft im Südschwarzwald und habe mit unserem Flugverein Urlaub gemacht. Corinna hat einen schönen Platz am Titisee herausgesucht, der auch in der Nebensaison Rabatte anbietet. Hier verweilen wir drei Tage und hoffen auf trockenes Wetter.
An zwei Tagen spazieren wir am See die 2,5 km mit Kind und Bollerwagen in den Kurort um ein Eis zu essen. Am Sonntag haben auch gefühlt tausend Touristen die gleiche Idee. Wir bleiben nicht lange und spazieren wieder zurück. Eine wunderschöne Gegend! Corinna bringt an einem Abend beide Kinder ins Bett und gibt mir ein paar Stunden frei, einfach so. In der Zeit schaue ich mit den Sonnenuntergang am Ufer des Titisees an und höre Podcast. Der erste Moment, an dem ich nur für mich sein kann. Es sind fast 14 Tage der Reise vergangen.

Wie bereits beschrieben, suchen wir nur Campingplätze aus, die einen Spielplatz haben. Mit Kindern ein Muss. Manchmal schaffen wir es auch, direkt am Spielplatz zu stehen, wie am Titisee-Campingplatz. Für den nächsten Stopp werfen wir diese Regel jedoch über Board, denn es soll nur ein Zwischenstopp werden. Wir ändern nämlich unsere Route und fahren nach Frankreich. Die Wetterprognose in Slowenien ist einfach zu schlecht. Und wird haben noch genug Zeit für einen Schlenker nach Südwesten.

Frankreich

In zwei Etappen fahren wir also über Freiburg nach Frankreich, Kurs Marseille. Direkt hinter der Grenze sage ich zu K1, das neben mir sitzt: „Wir sind jetzt in Frankreich.“ Da fing sie an zu lachen und freute sich derbe. „Oh Frankreich, ich liebe Frankreich.“ Wahrscheinlich hat sie gehört, wie Corinna und ich uns über die Entscheidung gefreut haben, die Pläne zu ändern. Wir lieben Frankreich.
Bereits auf unserer ersten Elternzeitreise mit K1 sind wir über das Elsass in die Provence gefahren. Dabei haben wir verschiedene Stopps auf wunderschönen Plätzen gemacht und sind spannenden Menschen begegnet. Damals war aber noch alles anders; wir sind jetzt ein Kind mehr und reisen langsamer. Für die Strecke Krefeld-Colmar haben wir 2016 etwa 5 Stunden gebraucht. Jetzt sind es 10 Tage.
In einem kleinen Nest auf einem Naturcampingplatz machen wir eine Nacht Rast und brechen am nächsten Tag Richtung Lyon auf. Mit zwei Schlafphasen der Kinder schaffen wir etwa 250km, wenn alles gut geht. Eine Pause und insgesamt 5 Stunden Reisezeit später sind wir auf einem riesigen Animationspfad-Campingplatz angekommen. Wir hassen eigentlich solche Plätze, weil man am Eingang ein Bändchen angelegt bekommt. Aber nach den 14 Tagen brauchen wir vor allem… besseres Wetter!

Wir werden nicht enttäuscht. Es sind 22 Grad und die Sonne scheint fast ohne Wolken. Außer ein paar älteren Paaren sind wir die einzigen Gäste auf dem Platz. Das Schwimmbad ist geöffnet, die drei Wasserrutschen sind in Betrieb und die Mitarbeiter*innen sind mega freundlich und aufmerksam. Wir lassen uns drauf ein und wollen für fünf Nächte bleiben.

Gedanken

Was haben wir schon alles mitgemacht auf dieser Reise. Schnee, Regen, Sturm, Minusgrade. Das Vorzelt hält den Witterungen stand. Wir sind sehr erleichtert und zufrieden über den Kauf, der sich jetzt schon mehr als gelohnt hat. Die Kinder können bei schlechtem Wetter lesen, basteln, krabbeln, spielen und wir haben Platz zum Kochen und campen. Minimalistisch, wie wir unterwegs sind, hat alles seinen Platz und es wird nicht voll. Das lieben wir am Reisen mit Fiete.
Mit der Zeit spielen wir uns ein. Alles hat seinen Platz und jede*r seine und ihre Aufgaben. Das Vorzelt bauche ich auf und Corinna spielt mit den Kindern. Abends bringt sie K2 ins Bett und ich begleite K1. In der Regel koche ich, denn K2 wird müde und muss in den Schlaf begleitet werden. Seine Schlafphasen vormittags und nachmittags sind nicht gut planbar, aber absehbar. K1 hilft dann beim Kochen.
Das sind alles Routinen, die eingespielt sind. Doch die Zeit für Zweisamkeit bleibt richtig auf der Strecke. Denn K2 schläft sehr unruhig, hat Träume und vielleicht auch mal einen Nachtschreck. Der Regen prasselt aufs Dach und der Wind schüttelt am Vorzelt. Alles Geräusche, die auch mal zu laut werden. Das nervt mich leider an dieser Reise. Denn Zeit für Corinna und mich bleibt wenig. Teilweise haben wir nur 15 Minuten zum Quatschen. Dann wird geduscht, Zähne geputzt und ab ins Bett.
Für die nächsten Wochen haben wir uns daher vorgenommen, mehr Zeit für uns einzuräumen. Wie das genau gehen soll, muss sich zeigen. Vielleicht habt ihr ja einen Tipp für uns. Missen wollen wir die Elternzeitreise nicht. Denn vor allem die beiden Kinder kommen sich als Geschwister so nahe und lieben sich so innig, dass es eine Freude ist, sie beim Spielen und Entdecken zu beobachten.

E2W1 – Hunsrück, Odenwald, Schwäbische Alb

E2W1 – Hunsrück, Odenwald, Schwäbische Alb

Wir sind auf Elternzeitreise. Papa, Mama mit K1 (3 Jahre) und K2 (8 Monate). Ich nehme mir von meinem Teilzeit-Job eine zehnmonatige Auszeit. Ab August geht meine Frau zurück in den Job. In der Zwischenzeit wollen wir erneut mit Fiete verreisen. Bei K1 waren wir in Spanien. Unser jetziges Ziel: Slowenien. Die Reise beginnt am 1. Mai 2019 in Krefeld.

Vorbereitungen

Diese Reise beginnt wie eigentlich jede Reise mit viel Vorbereitung und einer großen Überraschung. Fiete habe ich bereits Wochen zuvor präpariert. Habe eine neue Matratze für oben gekauft, eine Heckbox montiert und Supermagnete vernäht (in einem anderen Post bald mehr). Corinna hat sich um die Auswahl der Stoffwindeln gekümmert und mit Baumwolle-Einlagen, Windel-Flies und Soft-Überhose ein ideales Reise-Set zusammengestellt.
Tage vorher haben wir Freunde besucht, Bekannte getroffen und uns von den lieben Nachbarn verabschiedet. Alles war gepackt und abfahrbereit. Nur die schwere Kiste mit den Lebensmitteln und der Traumfänger mussten noch mit. Alles stand so sicher, dass kein Kind dran kommen sollte. „Herausforderung angenommen“ dachte sich K1 und stellte sich auf Zehenspitzen während sie die Kiste anhob. Ein plötzlicher Schrei aus der Küche verkündete nichts Gutes. Und so war es auch.

Ab ins Krankenhaus

Sie hielt sich das Ohr zu und schrie fürchterlich. Wir waren ratlos. Kein Blut, keine Kratzer, nichts zu sehen. Einige Stunden und zwei leichte Schmerzzäpfchen später saßen wir also im Krankenhaus beim Kinderarzt. K1 kullerten noch die Tränen von der Wange, doch sie berichtete dem Arzt tapfer und auch ein wenig stolz, was geschehen war. Seine Vermutung: keine Mittelohrentzündung sondern eher eine Prellung am Hals (nachdem sie das Gleichgewicht verloren hatte und mit dem Hals gegen die Küchenplatte gestoßen war). Das tat weh. Der Arzt verschrieb uns stärkere Medikamente, die wir aber nicht nahmen. Wärme würde auch helfen, meinte er. Das taten wir dann auch. Nächster Versuch, morgen Nachmittag.
Der sollte dann auch gelingen. Eine schnelle Rund-SMS an die Nachbarn, die sich schon wunderten, und gegen 14 Uhr machten wir uns auf den Weg nach Slowenien. Erster Stopp: Hunsrück.

Hunsrück

Heri begrüßte uns auf dem Campingplatz und wies und einen Bereich zu. Den Platz durften wir uns aussuchen, ist eh keiner da, Nebensaison hält. Also kürzeste Entfernung zum Spielplatz. Das haben wir uns generell vorgenommen. Immer die kürzeste Entfernung von Fiete zum Spielplatz zu nehmen. Der Campingplatz an sich ist gemütlich und urig eingerichtet. Seine besten Zeiten hat er eindeutig bereits hinter sich. Neben zwei anderen Campern sind wir die einzigen weit und breit. Das sollte auf den nächsten Plätzen in dieser Woche ähnlich sein.
Wir besuchen die Burgruine in Kastellaun und verbringen den Tag dort mit Eis essen, Lebensmittel Einkaufen und schlendern nach langer Zeit mal wieder Händchen haltend durch die Gegend. Wahnsinn, wie wenig Paarzeit wir für uns einräumen. Und wie wenig wir selber uns Zeit nehmen. Ein Blick in die Wetter-App verrät für die Nacht nichts Gutes.

Das Wetter schlägt um

Es erwartet uns in der Nacht vom 3. auf den 4. Mai Schnee, Wind und Kälte.

Das Vorzelt hat gehalten. Jetzt schon glücklich, dass wir es mitgenommen haben! K1 freut sich über den Schnee.

Das Thermometer zeigt irgendwas mit 1 Grad an und wir sind froh, das Vorzelt mitgenommen zu haben. War tatsächlich eine Überlegung, es zu Hause zu lassen und stattdessen die Außenwände für die Markise mitzunehmen. Jedenfalls hat alles gehalten. Sogar die Magnete, mit denen die Schleuse zum Bus befestigt wurden! Danke Pola, für deinen Support beim Nähen! Ach so. Einen Tag vorher haben wir ein Verlängerungskabel gekauft, damit wir unseren kleinen Heizer ins Vorzelt stellen konnten. Danke für diese geniale Erfindung, liebes Universum! So hatten es auch die Kinder tagsüber warm und gemütlich.

K(l)eine Kaiser

Wir blieben bis zum 5. Mai und fuhren dann weiter Richtung Odenwald. Auf dem Weg dorthin haben wir uns mit Familie Kaiser verabredet. Annika kenne ich von Instagram und wir schreiben uns hin und wieder Nachrichten. „Hej, wenn ihr in der Nähe seid, meldet euch mal!“ schrieb sie mir, kurz bevor wir zur Elternzeitreise aufbrachen. Wir suchten einen Spielplatz am Rande von Frankfurt raus und warteten auf die Kaiser. Wir fahren mit Fiete nur, wenn K2 seinen Schlaf hat. Also morgens oder mittags. Das Zeitfenster für die Fahrt sind immer 1,5-2 Stunden. Anschließend ist der kleine Mann 2-3 Stunden wach und bereit für Aktivität. Dass an diesem Tag der Wurm drin war, merkten wir alle schon morgens, als K2 viel zu früh wach wurde, wir viel zu hektisch aufbrechen mussten und wir viel zu früh am Spielplatz waren.

Weiter in den Odenwald

Bei den Kaisers lief es nicht besser, wie uns Annika später berichtete. Also fuhren wir ohne Insta-Treffen weiter in den Odenwald. Der Campingplatz hatte keine Nebensaison-Angebote und so wollten wir nur kurz bleiben. Doch der Platz entpuppte sich als idealer Ort für beide Kinder zum Spielen und Toben. K1 ist auf den leicht abschüssigen Wegen Scooter gehalten und ihre Technik verbessert. K2 konnte sich von seinem 3 Tage Fieber über Ostern auskurieren und ist den Infekt endlich los. Wir blieben und aßen Pizza aus dem Restaurant, schwammen im Hallenbad, das wir nur für uns alleine hatten und nutzen als einzige Gäste den niegelnagelneuen Spielplatz aus. Perfekt!

Auf der schwäbsche Eisebahne

Am 8. Mai ging es dann weiter auf die schwäbische Alb. In Münsingen soll es einen richtig tollen Campingplatz geben, den wir heute angesteuert haben. Weil der Weg aufgrund von Stau und überhaupt länger war als gedacht, haben wir in Metzingen einen Halt eingelegt und eine neue Pfanne im Outlet gekauft. Mit dem nächsten Schlaf von K2 ging es dann weiter. Auf den Schildern Richtung Münsingen sah ich immer wieder Bieberach und mir kam dieses Lied ins Ohr, das ihr auch alle kennt (wenn ihr Kinder habt):

Auf der schwäbsche Eisebahne gibt’s gar viele Haltstatione,
Schtuegert, Ulm und Biberach, Meckebeure, Durlesbach.
Rulla, rulla, rullala, rulla, rulla, rullala,
Schtuegert, Ulm und Biberach, Meckebeure, Durlesbach.
Kinderlied

Bitte für den Ohrwurm, gern geschehen. Wir kamen also auf dem Campingplatz an und zogen ein kleines Fazit. Die Kinder machen das super mit. Wir haben das Nötigste eingepackt und nicht zu viel. Handschuhe zum Auf- und Abbauen des Zeltes kann ich allerdings bei dem regnerischen Wetter gut gebrauchen, ein Kopfkissen ist zu wenig eingepackt (K1 erhebt nachts alleinige Besitzansprüche am großen Kopfkissen) und die Pfanne haben wir bereits ausgetauscht.

Im Herbst, wenn der Nebel kommt – Ein Geburtsbericht aus Vatersicht

Im Herbst, wenn der Nebel kommt – Ein Geburtsbericht aus Vatersicht

Seit einem Jahr wohnen wir nun schon in unserer gemütlichen 3 Zimmer Wohnung. Hinterm Haus kann man die Hochschule und dahinter die örtliche Brauerei sehen. Eines morgens hing der Tag im Nebel. Keines der Gebäude war mehr zu erkennen. „Wann kommt das Baby?“ war eine der häufigsten Fragen der letzten Monate. „Im Herbst, wenn der Nebel kommt!“

Die Arbeitswoche endet mit vielen Patienten, die noch versorgt werden wollen. Hier ein ambulanter Pflegedienst für eine Wundversorgung, dort ein drogenabhängiger junger Mann nach einem Schlaganfall und Enterostoma (künstlicher Darmausgang), der eine neurologische Reha benötigt. Business as usual soweit. Und doch ist da ein Gefühl, dass es bald losgehen könnte. Die Geburt unseres zweiten Kindes. Ich weiß nicht genau warum, aber es schlich mich ein Gefühl, dass es am Wochenende soweit sein könnte. „Bitte dokumentiere gut,“ sagte meine Chefin, „damit deine Kollegin nicht ins kalte Wasser geworfen wird!“ Zur Not komme ich runter und mache die Übergabe mündlich, dachte ich mir. Denn schließlich entbinden wir hier im Krankenhaus.

Seit Juli haben wir uns intensiv mit Hypnobirthing beschäftigt und auch einen vierwöchigen Kurs belegt. Die Geburt von K1 verlief nicht so, wie wir es uns erhofft hatten. Statt einer natürlichen Geburt gab es eine PDA und statt Vorbereitung gab es einen Crashkurs, der eher ein „Welche Schmerzmittel gebe ich wann“-Aufklärungskurs war. Ach ja, die Männer wurden separiert und durften sich über „Die Macken meiner Frau seit sie schwanger ist“ unterhalten. Bei dieser Geburt wollten wir besser vorbereitet sein. Zumal wir, wie ihr hier und hier lesen könnt, eine CMV Diagnose aufs Auge gedrückt bekommen haben, die uns psychisch sehr durcheinander gebracht hat. Das Gedanken-Karussell darf gerne mal Pause machen. Wir erhofften uns von dem Hypnobirthing-Kurs mehr Entspannung und die Freude zurück an die Geburt.

Parallel zu uns sind Freunde mit ihrem vierten Kind schwanger. Errechneter Termin ist einen Tag nach unserem. Die beiden machen ebenfalls einen Hypnobirthing-Kurs und bekommen auch das vierte Kind wieder zu Hause. Welch schöner Gedanke! Wären wir nicht schon soweit mit unserer Schwangerschaft und wären die ganzen Diagnosen nicht im Mutterpass, dann käme eine Hausgeburt für uns auf jeden Fall in Frage. Nur haben wir so kurz vor Entbindung (es war Juli und Termin Anfang September) keine Hebamme mehr gefunden, die uns begleiten würde. Außerdem war der Geburtspool bereits bei den Freunden und entsprechend nicht mehr verfügbar. Zu viel Stress so kurz vor Entbindung, das wollten wir dann alles nicht. Wir konzentrierten uns also auf die Geburt im Krankenhaus.

Ein Trauma, das uns begleitet hat

In diesem Krankenhaus arbeiten wir und haben auch unsere Tochter (K1) zur Welt gebracht. Einen Fehler werden wir vorab nicht mehr machen (wir lernen ja). In den Wehen haben wir unsere Kollegen besucht und stolz von der nahenden Niederkunft berichtet. Dies hatte uns voll aus dem Geburtsprozess gebracht, denn die Konzentration, die Entspannung und die Verbindung zum Kind waren auf einmal weg. Zudem sind wir viel zu früh ins Klinikum gefahren und haben viele unnötige Untersuchungen (Manipulation der Gebärmutter) über uns ergehen lassen. Wir waren naiv, unwissend und fühlten uns unvorbereitet. Das sollte uns nicht noch einmal passieren. Also auf zum Hypnobirthing.

Letztendlich ist es egal, wie die Methode heißt und wer es erfunden hat. Es darf kein Dogma bzw. kein Allheilmittel sein oder ein Versprechen als Allheilmittel abgeben. Für mich war es wichtig, dass meine Frau aus der Spirale „Unvorbereitete Geburt“ herauskommt und sich auf die Geburt einlassen kann. Hypnobirthing las sich als geeignetes Instrument, sie und mich darauf vorzubereiten. Die Zutaten: Entspannungsübungen wie Traumreisen, Affirmationen und weitere bekannte Methoden. Begleitete Angstauflösungen durch den Trainer. Tipps und Tricks, sich in der Entspannung zu halten und immer tiefer zu gehen. Also in den Zustand der Selbsthypnose zu gehen. Sowie Filme und Texte über schmerzfreie Allein-/Selbst-Geburten. Dazu vorbereitete Listen und Hausaufgaben, die gemeinsam reflektiert werden. Als Stresspräventionstrainer weiß ich, dass das die geeigneten Hilfsmittel für eine gute Vorbereitung sein können. Solange sie eingeübt werden. Von BEIDEN Partnern!

Der Kurs war also vorbei und hatte hier seine Stärken und da seine Schwächen. Die Trainerin hat nach einer Angstauflösung das Trauma einer Teilnehmerin aktiviert und konnte es nicht „auffangen“. Die Stärke waren die Handreichungen und Gespräche über die Geburt und den Weg dorthin mit vielen Übungen. Diese haben wir seit Ende Juli bis zur Geburt fast täglich geübt. Wir bedeutet in diesem Falle, dass meine Frau sich IHRE Entspannungsmusik angemacht hat und in die Selbsthypnose gegangen ist und ich habe, wenn sie es signalisierte, eine Berührungsmassage gemacht. In die Details will ich nicht weiter gehen, dazu haben andere Blogger schon bessere und detailliertere Berichte geschrieben. Jedenfalls hat uns die Methode überzeugt, wir sind Profis, denn die Entspannung klappt wie ein Fingerschnipp. Es geht vor allem um Wellen-Atmung zu den unterschiedlichen Phasen während des Geburtsprozesses.

Die Schwangerschaft als Diagnose

Meine Aufgaben sind nicht minder wichtig. Ich bin als Geburtsbegleiter das Sprachrohr meiner Frau. Sobald sie in der Selbsthypnose ist, bin ich der Kommunikationskanal. Alle Kommunikation geht über mich. Das soll die Frau in der Hypnose halten und sie nicht mit unnötigem Kram belasten. Das haben wir auch so im Gebutrsplanungsgespräch mit der Hebamme der Oberärztin und dem Kinderarzt besprochen. Es waren so viele dabei, weil wir eine CMV-Diagnose haben und uns in der medizinischen Mühle befinden. Warum das so ist, kannst du hier nachlesen. Jedenfalls standen auf diesem Wunschzettel einige Punkte drauf, die ich am Vortag gemeinsam mit meiner Frau besprochen habe. Als Antwort entgegnete die leitende Oberärztin, dass „wenn Sie eine Alleingeburt planen, vielleicht ein Akutkrankenhaus nicht der richtige Ort“ sei. Sie hat natürlich Recht, doch uns war alles so wichtig auf diesem Zettel. Bitte keine medizinischen Eingriffe, die nicht notwendig sind.

Zurück zum Wochenausklang. Die Patienten bewegen mich und hin und wieder kann ich nicht einschlafen, weil ich über die Versorgungssituation grüble. Selten wache ich auch mal nachts auf, weil mir eingefallen ist, dass ich etwas vergessen hatte. Das kommt vor, wenn man wie ich, auch mit palliativen Patienten arbeitet. Supervision hilft hier sehr, aber nicht immer. Bin halt auch nur ein Mensch. In der Nacht von Samstag auf Sonntag bin ich gegen 4.30 Uhr wach geworden und konnte nicht weiterschlafen. K1 schlief auch unruhig im Familienbett und kam mich gegen 6.30 Uhr besuchen. „Hast du was Papa? Alles ok? Ja?“ wollte sie von mir wissen. Ich erzählte ihr, dass ich nicht mehr schlafen könne, weil K2 bald kommt. „Wenn es Nebel ist, Papa, dann kommt der, ja?!“ antwortet meine Tochter, „Wenn es Herbst ist!“. Das kann nicht mehr lange dauern, dachte ich bei mir.

Den Sonntag verbringt meine Frau mit Wehen, die seit einer Woche regelmäßig kommen und nach der Badewanne wieder gehen, auf der Couch. Der Onkel kommt aus Bonn und besucht seine Nichte, wir spielen auf dem Spielplatz. Gemeinsam mit meiner Frau machen wir abends einen Spaziergang zur Eisdiele und schießen das letzte Foto vor der Geburt. Denn heute Abend soll es soweit sein. Die Wehen (oder Wellen, wie es im Hypnobithing heißt) hören nicht mehr auf. Onkel Mike verabschiedet sich und K1 geht zu Bett. „Ich mache noch ’ne Runde Hypnobirthing“ sagt meine Frau und beginnt mit der Entspannung. Nach zwei Liedern ihrer Lieblingsmusik nimmt sie die Kopfhörer aus den Ohren und grinst mich an: „Öhm, könntest du mir mal ein Handtuch bringen. Ich glaube meine Fruchtblase ist gesprungen.“ Ui, wie schön, es geht also los.

Die Geburt und meine Rolle als Geburtsbegleiter

Bei der ersten Geburt war es noch ein schmerzhaftes Unterfangen. Zu den schmerzhaften Wehen kamen noch schmerzhaftere Schmerzen hinzu. Um so mehr freuten wir uns beide, dass meine Frau alles unter Kontrolle hatte und statt Schmerzen nur ein leichtes „plopp“ verspürte. Der Kopf von K2 saß schon fest im Becken, also alles safe. Die Handtücher waren schnell geholt und ein kurzes Briefing fand statt. Wir warteten noch ein paar Wellen ab und haben die Zeit gemessen. Alle 10 Minuten, alle 6 Minuten, alle 4 Minuten. Dabei fühlten sich die Wellen immer wieder anders an. Mal lange Wellen eher oben, mal kurze Wellen eher unten. Jetzt war meine Zeit gekommen, die Kommunikation zu übernehmen. Ein Anruf im Kreisaal: „Wir machen uns gleich auf den Weg“ und beim Opa, er sei in 10 Minuten da. Es war jetzt 22:30 Uhr und die Fruchtblase vor einer Stunde gesprungen.

Im Kreissaal nahm uns eine sympathische junge Hebamme in Empfang, die gerade ihren Dienst begonnen hat. Sie kannte unsere Wünsche und hat sich die Akte vorab durchgelesen. Ich verwies auf nur „medizinisch notwendige Dinge“ und dass die Kommunikation nur über mich laufen soll „wir machen Hypnobirthing“. Als ich das sagte, sah ich ein Strahlen in den Augen der Hebamme. Perfekt, wir fühlten uns wohl. Trotz Akutkrankenhaus. Nach einer halben Stunde haben wir den Kreissaal 1 mit der Geburtswanne zugewiesen bekommen (ein Wunsch von uns). Wir haben uns eingerichtet und wurden allein gelassen. Das meine ich positiv, denn wir haben es uns so gewünscht. Meine Frau blieb in der Selbsthypnose und ich bin zur Hebamme gegangen, wenn wir etwas brauchten. Gegen 1 Uhr haben wir die Geburtswanne mit Wasser gefüllt. Es wurde übrigens kein Dauer CTG geschrieben, so wie wir es uns gewünscht hatten. Stattdessen hat die Hebamme die seltenen Gelegenheiten genutzt und bei den kurzen Besuchen nach den Herztönen gehört.

Gleichzeitig ermutigte sie uns und sagte, dass meine Frau das richtig gut macht und die Wellen sehr gut im Griff hat. „Informiert mich bitte, wenn das Baby kommt, ich muss dabei sein! Keine Alleingeburt bitte!“ grinste sie uns an. Wir verstanden und sind so dankbar für ihren Einsatz. Sie hat das so toll gemacht. Nach 3 Stunden gegen 4 Uhr setzten die Presswehen ein. Die Hebamme kam hinzu und unterstützte uns in den nächsten 20 Minuten. Auf die Bitte nach Schmerzmitteln wich sie so elegant aus, dass allen klar war, dass es keine geben wird. Das hat sie so liebevoll, einfühlsam, wertschätzend und bestimmend gesagt, dass meine Frau neuen Mut gefunden hat. Denn bei K1 gab es eine PDA, die ihr das Gefühl für den eigene Körper genommen. Das wusste auch die Hebamme.

Wir wechselten kurz vor Niederkunft auf das Bett. Meine Frau konnte mehr Kraft im Vierfüßlerstand aufbringen, als halbliegend in der Wanne. Dort konnte ich auf ihrem Rücken mit einer Berührungsmassage für mehr Endorphine sorgen, die schmerzlindernd wirken. Nach kurzer Pressphase, in der die Hebamme meine Frau mit ihrem großen Erfahrungsschatz unterstützt hat, kam K2 zur Welt. Der kleine Mann sah so zufrieden und glücklich aus, dass nur ein kurzes Räuspern zu hören war. Nach dem Auspulsieren der Nabelschnur habe ich sie durchtrennt. Die hinzugeeilte Oberärztin aus dem Geburtsplanungsgespräch nahm noch Nabelschnurblut für die CMV-Untersuchung ab. Wir hatten sie gar nicht kommen hören, so leise und unaufdringlich war sie. Endlich konnten wir K2 auf Mutters Brust in Empfang nehmen. Tränen kullerten von unseren Wangen und pure Freude stand in unseren Gesichtern.

Hausgeburt im Krankenhaus

„Ja, ja, wir haben’s geschafft!“ rief meine Frau voller Freude immer und immer wieder. So eine Erleichterung, so ein Stolz, so ein Wir-Gefühl lag in der Luft, WIR HABEN ES GESCHAFFT. Das Geburtstrauma ist überwunden. Eine Geburt, so akribisch vorbereitet und quasi ab Beginn der Hypnobirthing-Übungen täglich einstudiert. „Keine Schmerzen, nur viel Kraft, heftige Wucht und Druck“ wird meine Frau über die letzte Phase der Geburt berichten. Keine Schmerzen. Wie schön das zu hören. Meine Sorge war, dass ich als Geburtsbegleiter versage. Dass ich es nicht schaffe, meine Frau von störenden Einflüssen abzuhalten. „Du warst der beste Geburtsbegleiter, den ich hätte haben können.“ Ich weine jetzt noch bei den schönen Worten und bin überglücklich, vollgepumpt mit Liebe und diesen wunderschönen Momenten.

Männer, seid Geburtsbegleiter für eure Frauen. Und egal, wie der Kurs heißt, den ihr da macht. Macht ihn zusammen, macht ihn mit Hingabe und Liebe. Fühlt euch in den Körper ein und unterstützt euch gegenseitig. Sprecht über eure Ängste, eure Sorgen und fühlt in euren Körper hinein. Sie weiß auch nicht, wie das geht, also geht gemeinsam da durch. Gibt es ein Trauma? Wo sind die Sorgen, die Ängste? Sprecht darüber und sucht euch geeignete Kurse, die euch dabei unterstützen und begleiten.

Die Dokumentation der Patienten habe ich dann noch schnell am Montagmorgen absolviert. 4 Stunden nach Geburt und pünktlich zu Dienstbeginn meiner Kollegin. Meine anderen Kollegen waren so erstaunt über den Geburtsbericht: „Hört sich an wie eine Hausgeburt im Krankenhaus“, meinte eine sogar. Ja, das trifft es vielleicht ganz gut. Eine Hausgeburt im Krankenhaus. Unsere Hausgeburt. Wir sind der Hebamme so dankbar, dass sie sich auf uns eingelassen hat. Wir sind so glücklich, dass sie Dienst hatte und uns zugewiesen wurde. Mittlerweile haben wir auch Gewissheit über die CMV-Infektion. Laut Laborergebnis konnten keine CMV-Erreger im Urin nachgewiesen werden. Yes, pure Erleichterung und unendliche Dankbarkeit. Wir haben so viel mitgemacht und haben uns die Kontrolle über unsere Schwangerschaft und unsere Geburt zurückgeholt. Danke!

Abends hole ich K1 von den Großeltern ab und bringe sie zu Bett. Heute Morgen wache ich in meinen Klamotten neben ihr auf. Oje, hatte ich einen Filmriss? Habe ich gefeiert, mit den Jungs gesoffen und übelst abgeknickt? Nein, ich war einfach nur verdammt müde nach zwei schlaflosen Nächten. K1 wird wach und ruft „Wo ist mein Bruder? Gehen wir jetzt und holen ihn?“ Ich bin noch etwas irritiert und entgegne ihr „Wir machen erst mal Frühstück, ok?“ In der Küche schaue ich wie gewohnt aus dem Fenster. Wie vom Blitz getroffen laufe ich rüber ins Schlafzimmer und rufe „zieh mal schnell deinen Schlafsack aus, ich will dir was zeigen. Die Brauerei ist weg!“ Die Kleine schaut mich mit großen Augen an „Ist es jetzt Herbst Papa?“ Wir laufe in die Küche und die Kleine fängt vor Freude an zu schreien. All ihre Erwartungen entladen sich in einem Freudentaumel: „Oh guck mal, die Brauerei ist weg. Holen wir jetzt meinen Bruder ab?“
Ja Süße, jetzt holen wir deinen Bruder.

Dies ist die Geburt meines Kindes und meine Erfahrung auf diese Geburt. Ich möchte vor allem den Männern Mut machen! Für die Sicht der Mütter gibt es genug andere Quellen. Für die Sicht der Väter wenige. Dies soll ein Plädoyer sein für Väter im Kreissaal, für Väter als Geburtsbegleiter, als aktive Partner und Supporter der Frau.

Liebster Award – Details über mich

Liebster Award – Details über mich

Nach einer kleinen Pause von zwei Wochen folge ich der Einladung von Rüdiger vom Blog mannpluskind.de und beantworte seine Fragen im Rahmen des #liebsteraward.

1. Gab es schon einmal eine Situation, in der du dein Kind verschenken wolltest?

What? Rüdiger, ich bin Sozialarbeiter, so ein Gedanke kam mir bisher nie in den Sinn. Im Ernst, selbst wenn die Kleine wie am Spieß geschrien hat, ich mir die Nächte um die Ohren geschlagen habe oder sie mega quengelig war, weil sich ein neuer Zahn ankündigte: niemals habe ich im Entferntesten daran gedacht, sie zu verschenken. Uiui, so eine Frage direkt zu Beginn, jetzt bin ich mal gespannt, was noch folgt.

2. Wofür entscheidest du dich: Einen Nachmittag mit Kind auf einem Kindergeburtstag oder Wohnungsgroßputzt inklusive Wäsche.

Ganz ehrlich, Wohnung putzen! Nichts gegen Kindergeburtstage an sich, nur sind die mir zu stressig. Das hat weniger mit mangelndem Interesse oder Empathie zu tun, als viel mehr mit meiner Hochsensibilität. Mein Wahrnehmungsfilter ist ständig an, sodass ich permanent auf allen Kanälen Reize empfange. Jetzt noch neue Leute kennenlernen und ein Auge auf die Kleine werfen, das fällt mir schwer und sorgt für Schweißausbrüche. Sieht man mir nach außen nicht an, aber innerlich bin ich irritiert und aufgewühlt. Piepen auf den Ohren sind die Folge und stotternder Smalltalk mit anderen Eltern. Also lieber mit der Kleinen auf dem Rücken die Wohnung putzen, bei schöner Musik und immer wieder Pausen zum Spielen und Schmusen. Trotzdem werde ich noch zu Kindergeburtstagen gehen (wenn ich denn noch eingeladen werde, nach dieser Aussage…).

3. Wenn Zeit, Energie und Geld keine Rolle spielen würde, wie viele Kinder hättest du dann?

Da ich selber in einer Großfamilie mit 3 Geschwistern aufgewachsen bin und das Großwerden als unheimlich bereichernd empfunden habe, müssen schon mindestens 4 Kinder drinsitzen. Bei solchen Fragen antworte ich auch gerne mit »Fußballmannschaft«. Meine Frau kennt das schon und rollt dann immer mit den Augen, streicht mir liebevoll durchs Haar und lässt mich wissen, dass sie immer noch ein Wörtchen mitzureden habe. Großartig, ich liebe sie dafür. Volleyballmannschaft geht auch!

4. Dein Kind möchte vorgelesen bekommen, welches Bilderbuch wählst du aus?

Mir ist wichtig, dass die Kleine selber entscheiden darf, was sie lesen möchte und was nicht. Wir machen ihr Angebote, indem wir ihr einige Bücher vorschlagen, die sich gut eignen. Je nachdem, wie sie gerade drauf ist, hat sie unterschiedliche Favoriten. Vor dem Einschlafen lesen wir die Gute Nacht Geschichte »Wie kleine Tiere Schlafen gehen«. Seit fast einem Jahr lesen wir dieses Buch nun schon. Ist also schon ein festes Ritual. Wenn sie darauf keine Lust hat, dann nimmt sie sich ein anderes, auch ohne Bezug zum Einschlafen. Über den Tag stöbert sie gerne im Wimmelbuch von Hagenbecks Tierpark. Das Buch hatte sie sich in der Buchhandlung ausgesucht und kann sich damit schon recht lange selber beschäftigen. Von einer Freundin haben wir das Buch »Superwurm, der alles schafft« geschenkt bekommen. Die Texte und Illustrationen sind so witzig, dass wir es ihr gerne vorlesen. Ok, das ist jetzt unser Favorit zurzeit, aber wie gesagt, sie darf entscheiden, ob’s gelesen wird, oder nicht.

5. Stadt oder Land? Wo möchtest du leben?

Als Landei zog es mich früher immer in die Stadt. Nach meiner Ausbildung zum Medienberater im tiefsten Münsterland bin ich für das selbe Unternehmen nach Hamburg gezogen. Dort hat es mich allerdings nicht lange gehalten, sodass ich in die nächste Landeshauptstadt gezogen bin. Kiel war die perfekte Mischung aus Großstadt und Dorf. Keine 20 Minuten Fahrtzeit mit dem Bus und du bist von der City auf dem Land, großartig! Zurück im Ruhrgebiet wurde das Wetter besser, aber die Stadt auch größer. Von Duisburg ging es über den Rhein nach Krefeld. Hier mag ich die Nähe zum Umland, wohin wir gerne mit dem Fahrrad fahren oder lange Spaziergänge machen. Viel lieber würde ich aber, wie wahrscheinlich sehr viele Sozialarbeiter, auf einem alten Kotten wohnen. Allerdings darf die Fahrt in die Stadt gerne kurz sein. Leider sind die Kaufpreise hier in der Gegend exorbitant teuer, sodass wir zunächst mit der Wohnung in Krefeld vorliebnehmen werden.

6. Wenn du die ganze Nacht kein Auge zumachen konntest, womit hält du dich wach?

Zum Glück ist die Zeit vorbei, in der ich nachts kein Auge zumachen konnte. Es gab diese Nächte und sie waren grausam zu mir. Denn blöderweise bin ich eine Nachteule, die zwar bis spät in die Nacht wach sein kann, aber tagsüber dann richtig gerädert ist, wenn sie gar keinen Schlaf bekommt. Tagsüber habe ich dann versucht mit Musik, Spielen und natürlich Kaffee wach zu bleiben. Auch bin ich mit der Kleinen vorm Bauch spazieren gegangen. Die frische Luft und Bewegung taten sehr gut. Es ist aber auch schon einmal vorgekommen, dass ich beim Spielen mit der Kleinen auf dem Teppich eingeschlafen bin, so müde war ich. Zum Glück war meine Frau anwesend, sodass nichts weiter passiert ist… also der Kleinen, nicht mir.

7. Lieblingsort mit Kind und Kegel?

Einen speziellen Lieblingsort gibt es so nicht. Ich bin neugierig auf die Welt, egal ob vor der Haustür oder tausende Kilometer weit weg. Hauptsache unkonventionell mit Zelt oder jetzt mit unserem Fiete. So heißt unser VW T4 Bus, den wir vor der Geburt gekauft haben, um mit Kind und Kegel zu verreisen. Uns sog es schon nach Dänemark, Italien, Frankreich und Spanien. Die nächsten Reisen stehen auch schon fest. Wichtig dabei: möglichst an keinem Ort zweimal zu sein. Ok, wenn wir Freunde in Kiel oder Thüringen besuchen, zählt das nicht. Wir lieben die Natur und haben mit Fiete einen tollen Reisepartner gefunden, der uns das Erlebnis Natur weiterhin ermöglicht.

8. Was ist deine Lieblingsseite bzw. dein Lieblingsblog im Internet?

Zurzeit beschäftigt mich die politische Entwicklung in Deutschland sehr. YouTube ist mein Medium, um mich kritisch über die derzeitigen Verhältnisse zu informieren. Dabei schaue ich gerne Interviews mit Richard David Precht und liebe die jung&naiven Fragen von Tilo Jung auf der Bundespressekonferenz. Gleichzeitig bin ich großer Fan seiner Interviewreihe Jung&Naiv. Daneben informiere ich mich bei den Nachdenkseiten, die Albrecht Müller, früherer Wegbegleiter von Willy Brandt und Helmut Schmidt, betreibt. Er berichtet kritisch über die politischen Verhältnisse in Deutschland und der Welt. Als Mac-affiner Technik Nerd (ungefähr so bezeichnet mich meine Frau) stöbere ich gerne bei ifun.de rum und halte mich auf dem Laufenden aus der PC und IT-Welt. Und ja, seitdem ich einen eigenen Vaterblog betreibe, lese ich sehr gerne die Artikel von dir, lieber Rüdiger und den anderen Bloggern bzw. stöbere bei Instagram im Leben der anderen Väter. Darüber hinaus höre ich sehr gerne beim Kochen oder auf dem Fahrrad den Podcast von Leitmedium und den Aufwachen Podcast.

9. Wenn deine Stimmung mal richtig mies ist, welche Musik macht dich wieder glücklich?

Da Gefühlsschwankungen bei hochsensiblen Menschen sehr stark ausgeprägt sind, hilft mir Musik, wieder unter zu kommen. Meine Frau hat in die Ehe eine riesige CD-Sammlung an hervorragender Musik gebracht, sodass ich für jede Stimmung die passende Musik parat habe. Dazu gehören so tolle Künstler wie Jack Johnson, José Gonzales, Sia, Junip, Iron and Wine und so viele andere. Das muss auch nicht immer so ruhige Musik sein. Dank Amazon Prime höre ich auch gerne Themen-Playlisten. Beim Putzen, beim Autofahren, im Winter, im Sommer und so weiter. Glücklicherweise haben meine Frau und ich einen ähnlichen Musikgeschmack. Durch sie habe ich großartige Indie-Künstler kennengelernt und dank mir weiß sie jetzt, dass deutsche Musik nicht immer Ohrenschmerzen bedeutet, obwohl das Konzert von Kraftklub in Münster vor zwei Jahren schon sehr laut war.

10. Gibt es in deiner Familie / deinem Freundeskreis Personen die kein Verständnis für dein Bloggen haben?

Nein, bisher fanden das alle gut, wobei viele auch keinen Bezug zu meinem Blog haben. Es gab auch schon mal kritische Fragen nach dem Motto „Gibst du nicht zu viel Preis von dir?“ Ja, vielleicht, aber genau dafür ist ein Blog doch gedacht. Ich möchte anderen Männern Mut machen, eine Auszeit für die Familie zu nehmen und das Leben zu leben. Viele Männer leben in den klassischen Rollenbildern: er arbeitet und sie bleibt zu Hause bei den Kindern. Mit dem Blog möchte ich vielmehr die Männer erreichen, die unsicher sind, ob sie das Leben (mit oder ohne Kind) so weiterleben wollen. Es gibt viele Männer da draußen, die aus den vorgelebten Rollenbildern ausbrechen wollen. Die möchte ich ansprechen. Und ja, dafür muss ich mich öffnen, um sie zu erreichen und ihnen zu sagen: Hej, du schaffst das und du kannst das, habe den Mut und gehe den ersten Schritt. Schau in meine Welt und wenn nimm das mit, was dir weiterhilft. Bisher war das Feedback eher positiv als negativ.
So, nun bin ich gespannt auf deine Antworten, lieber Holli aka @holger5347 lieber @papa.mag.lila lieber Björn von @papaerklaert und Bernard aka @brocklanders ! Hier sind eure Fragen:

  1. Welchen Rat würdest du dir als jungen Vater rückblickend mit auf den Weg geben?
  2. Stell dir vor, du könntest die Zeit anhalten. Was würdest du den ganzen Tag machen?
  3. Erzähle von deinem schönsten Moment als Papa!
  4. In welchen Momenten stößt du als Vater an deine Grenzen?
  5. Was vermisst du aus deinem alten Leben am meisten, als du noch nicht Papa warst?
  6. Gibt es ein bestimmtes Erziehungsmodell (z.B. Attachment Parenting), das du/ihr verfolgt?
  7. Smartphone, Tablet, TV und Co. – Ab wann sollte dein Kind Zugang zur digitalen Welt haben?
  8. Vervollständige diesen Satz: Vater sein bedeutet für mich…
  9. Warum bist du bei Instagram, facebook, twitter oder betreibst einen eigenen Blog?
  10. Stell dir vor, du würdest ein bedingungsloses Grundeinkommen von 1.600 € pro Monat bekommen: Wie würde sich dein Leben ändern? Welche Träume/Wünsche würdest du verfolgen?

Ich bin gespannt auf deine Antworten und freue mich jetzt schon wie Bolle drauf!

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