Eigentlich bin ich glücklich, irgendwie aber nicht, trotzdem mache ich so weiter – Wie Glaubenssätze dein Leben bestimmen

Eigentlich bin ich glücklich, irgendwie aber nicht, trotzdem mache ich so weiter – Wie Glaubenssätze dein Leben bestimmen

Für viele Männer dreht sich das eigene Leben mit der Geburt der eigenen Kinder schlagartig um 180 Grad. Die körperliche und emotionale Nähe zur Partnerin geht dabei oft verloren oder reduzieren sich dramatisch. Deine Frau ist gereizt, du bist gestresst, das Baby weint ständig und hängt nur an der Brust. So hast du dir Vaterschaft nicht vorgestellt. Dabei möchtest du alles richtig machen. Stattdessen arbeitest du lange und schaffst es immer weniger, Zeit mit deiner Familie zu verbringen. Vielleicht liegt das an deinen Glaubenssätzen, die deinen inneren Kompass beeinflussen.

Als klar wurde, dass ich Vater werde, hat sich mein Leben schlagartig verändert. Gemeinsam mit Corinna habe ich mir schon vor der Geburt Gedanken über die Zeit mit Kind gemacht. Wer kümmert sich wie um’s Kind, wer geht wie lange und wann arbeiten? Auf jeden Fall Elternzeit, nur wie lange und welches Modell? Überhaupt das ganze Leben musste neu verhandelt und geplant werden. Dabei bin ich immer wieder auf innere Widerstände gestoßen. Auf einer vierwöchigen Reise einige Monate vor der Geburt war ich innerlich so zerrissen, dass ich die ersten drei Wochen gar nicht genießen konnte.

Zurück im Alltag wusste ich, dass eine Veränderung her musste. Der Vollzeitjob als Bildungsreferent, bei dem ich viel an Wochenenden und spät abends arbeiten musste, passte nicht in meine Familienplanung. Er war überhaupt nicht Kompatibel zum Familienleben. Inhaltlich hat mir der Job viel Freude bereitet, aber nicht zu diesen Bedingungen. Es sollte trotzdem noch ein Jahr vergehen, ehe ich einen Entschluss fällen konnte. Ich stand mir selber im Weg und schleppte mich unmotiviert zur Arbeit.

„Du musst einen 40 Stunden Job haben, um deine Familie zu ernähren.“

Was Glaubenssätze mit uns machen

Glaubenssätze sind tief verankerte Überzeugungen über uns selbst und die Welt. Sie beeinflussen unser Denken und Handeln sowie unsere Wahrnehmung der Realität. Vor allem durch die Erziehung unserer Eltern wurde jede Information unbedacht aufgenommen. Schließlich sind sie unsere engsten Vertrauten. Daraus haben wir unterbewusst Wirkmechanismen abgeleitet; also eine innere Wahrheit abgespeichert. Im Grunde beeinflussen sie unseren inneren Kompass und leiten uns in dem, was wir machen und wie wir denken und sprechen.

Das Problem dabei: Glaubenssätze sind unsichtbar, sie lassen sich nicht greifen und sind daher auch schwer zu „begreifen“. Sie befinden sich in unserem Unterbewusstsein. Erst wenn wir uns hinterfragen, kommen wir den Glaubenssätzen auf die Spur. Dabei wird zwischen offensichtlichen und nicht offensichtlichen Glaubenssätzen unterschieden. Zu den offensichtlichen gehören Sätze, die wir laut sagen oder laut denken. Die nicht offensichtlichen sind vor allem innere Überzeugungen und Einstellungen, die unser Verhalten steuern.

Wie du deine Glaubenssätze verändern kannst

Die Schwierigkeit besteht jetzt darin, dass wir unser Bewusstsein aktiv und permanent ansprechen müssen, um bewusst unsere Denkweisen zu verändern. Zum anderen sprechen wir unser Unterbewusstsein an, um unser Handeln zu verändern. Das ist verdammt schwer, denn wir sind Experten unseres bisherigen Lebens. Jetzt sollen wir auf einmal unser Denken und Handeln aktiv verändern?

„Es ist in Ordnung, wenn du deinen Job kündigst, du darfst das!“

Obwohl ich seit fast zehn Jahren mein Leben nach neuen Glaubenssätzen ausrichte, ertappe ich mich hin und wieder, wie ich in alte Muster zurück rutsche. Dann nämlich, wenn meine Erfahrungen aus der Kindheit mich einholen.

Damit also Veränderung gelingt, folgen nun 4 Schritte, die mir geholfen haben, meine hinderlichen Glaubenssätze zu finden und in positive zu verändern. Die Veränderung findet vor allem im Kopf statt.

=

SCHRITT 1: Negative Glaubenssätze erkennen

Das Aufspüren der eigenen Glaubenssätze ist sicherlich der schwierigste Teil der Veränderung. Versuche über dich in der dritten Person zu reden, als wenn du neben dir stehen würdest. Stelle dich vor einen Spiegel und stelle Vermutungen an, welche Glaubenssätze dein Denken und Handeln bestimmen. Du könntest auch dein*e Partner*in fragen, was sie über dich denkt.

Beantworte dir Fragen zu verschiedenen Themen. Was denkt der Mann vor mir über Geld, Liebe, Beruf, Arbeit, Familie, Kinder, Hobby?

Als Antworten könntest du zum Beispiel folgende Aussagen feststellen (klick auf die Liste).

Liste von negativen Glaubenssätzen

  • Erfolg im Beruf muss für einen Mann das zentrale Ziel im Leben sein.
  • Ein Mann sollte dazu bereit sein, viel Zeit in seinen Beruf zu stecken.
  • Lange Arbeitszeiten sollten für Männer eine Selbstverständlichkeit sein.
  • Männer sollten Vollzeit arbeiten.
  • Ein Mann sollte sich auf den beruflichen Aufstieg konzentrieren.
  • Mit beruflichen Führungsaufgaben kommen Frauen nicht gut zurecht.
  • Der Beruf ist ein zentraler Bestandteil im Leben eines Mannes.
  • Eine Frau sollte dazu bereit sein, viel Zeit in ihre Familie zu stecken.
  • Es ist nicht gut, wenn ein Mann zu Hause bleibt und die Kinder versorgt.
  • Ich würde einen Mann nicht respektieren, der sich entscheidet, zu Hause zu bleiben, um sich um die Kinder zu kümmern.
  • Kindererziehung ist keine Männersache.
  • Ein Mann kann die Bedürfnisse eines Kindes nur schwer erkennen.
  • Von kleinen Kindern verstehen Männer in der Regel nichts.
  • Die wichtigste Aufgabe einer Frau ist es, sich um die Kinder zu kümmern.
  • Eine Frau sollte in der Kindererziehung die meisten Aufgaben übernehmen.
  • Eine Frau sollte die hauptsächliche Bezugsperson der Kinder sein.
  • Frauen sind am glücklichsten, wenn sie sich zu Hause um die Kinder kümmern.
  • Die tägliche Anwesenheit einer Mutter ist für das Wohlbefinden der Kinder zentral.
  • Ein Kind, das noch nicht zur Schule geht, wird wahrscheinlich darunter leiden, wenn seine Mutter berufstätig ist.
  • Frauen, die sich besonders stark in ihrem Beruf engagieren, können nicht gleichzeitig noch gute Mütter sein.
  • Mütter von kleinen Kindern, die ganztags ihrer Berufstätigkeit nachgehen, tun dies auf Kosten der Entwicklung ihrer Kinder.
  • Eine Mutter ist in den ersten Lebensjahren eines Kindes durch niemanden zu ersetzen.
=

SCHRITT 2: Glaubenssätze hinterfragen

Jetzt darfst du deine Glaubenssätze hinterfragen. Stimmen sie wirklich? Sind sie noch aktuell oder schon längst überholt? Hast du wirklich diese Erfahrungen gemacht oder wurden sie dir nur vorgelebt. Vielleicht hast du schon immer Widerstand gespürt und wolltest es anders machen, hast dich aber nie getraut. Trotzdem haben sich die negativen Glaubenssätze eingeprägt.

Beispiel: „Kindererziehung ist keine Männersache.“ – Als Kind habe ich mir immer einen aktiven Vater gewünscht. Trotzdem wurde es mir anders vorgelebt. Heute weiß ich, dass Väter einen wichtigen Teil in der Entwicklung von Kindern übernehmen!

=

SCHRITT 3: Negative Glaubenssätze widerlegen

Sicherlich stellst du schnell fest, dass deine negativen Glaubenssätze völlig unbegründet sind. Ganz bestimmt weißt du das auch, es fällt dir nur schwer, dein Verhalten zu verändern. Versuche deine Glaubenssätze zu widerlegen. Du kannst ein guter und liebevoller Vater sein, denn es gibt viele andere Väter, die das auch sind. Und auch wenn deine Biographie etwas anderes sagt, hast du jederzeit die Chance, es anders zu machen. Du musst es nur wollen. Informiere dich im Netz oder in Gesprächen mit anderen Männern und widerlege deine Glaubenssätze. Du wirst sehen, dass es sich lohnt!

=

SCHRITT 4: Glaubenssätze richtig formulieren

Nun bist du soweit, deine negativen Glaubenssätze in positive umzuformulieren. Wörter wie „nicht“, „kein“ oder „nie“ werden aus dem Satz eliminiert oder in das Gegenteil umformuliert. Aus den oben genannten Sätzen wird dann beispielsweise: „Kindererziehung ist auch Männersache.“ Wichtig ist hier, dass die Sätze positiv formuliert werden müssen. Je kürzer und prägnanter die Sätze sind, umso eher bringen sie die Aussage auf den Punkt. Klingt zunächst radikal, doch je öfter du dir den Glaubenssatz wiederholst, verfestigt er sich und wird „normal“.

„Glaubenssätze sind unsere innere Wahrheit. Sie zu verändern braucht viel Kraft und Zeit.“

=

Pro Tipp

Nimm den Glaubenssatz immer mit. Schreib ihn auf und leg den Zettel in dein Portemonnaie. Du kannst ihn auch gut sichtbar in dein Büro hängen, als Notiz auf deinen Desktop packen oder dir eine regelmäßige Erinnerung von deinem Smartphone geben. Egal was du machst, lass deinen Glaubenssatz sichtbar werden. Durch regelmäßige Wiederholungen verinnerlichst du ihn. Mach ihn zu deiner persönlichen Challenge. Du wirst erstaunt sein, wie schnell sich dein Denken und Handeln verändert.

Ist das jetzt die beste Methode? Bestimmt nicht. Wichtig ist doch vielmehr, dass du deine hinderlichen Glaubenssätze erkennst und den Mut hast, sie zu verändern. Veränderung braucht Zeit und kostet oft viel Kraft. Hab den Mut, diese Herausforderung anzugehen und du wirst schnell Erfolge feststellen. Im Kleinen wie im Großen. Wichtig ist mir dabei zu sagen, dass du immer positiv denken sollst. Wie oben beschrieben gelingt es mir zwar auch nicht immer, meine Glaubenssätze zu leben, aber dafür bleibe ich immer positiv. Denn auch wenn es mal nicht so klappt, wie ich es mir vorgestellt habe, liebe und respektiere ich mich, wie ich bin!

Es lohnt sich! 

Liste von weiteren Glaubenssätzen

  • Ich muss arbeiten, um Geld zu verdienen.
  • Geld ist wichtig, um zu überleben.
  • Ich bin nur zum Geld verdienen gut genug.
  • Man darf keine Gefühle zeigen.
  • Das Denken soll man den Pferden überlassen, die haben die größeren Köpfe.
  • Ich muss stark sein und durchhalten.
  • Ich muss meinen Kindern etwas bieten.
  • Ohne Fleiß keinen Preis
  • Ich darf nicht nein sagen
  • Man kann nicht einfach machen, was man will.
  • Die Welt ist ungerecht
  • Erst die Arbeit, dann das Vergnügen.
  • Ich muss hart arbeiten.
  • So lange du deine Füße unter meinem Tisch hast…
  • Ein Indianer kennt keinen Schmerz.
  • Lehrjahre sind keine Herrenjahre.
  • Ordnung ist das halbe Leben.
  • Beiß nicht in die Hand, die dich füttert.
  • Frauen sind Zicken.
  • Das Leben ist schwer.
  • Mit dem, was Spaß macht, kann man kein Geld verdienen.
  • Strafe muss sein.
  • Einen Klaps auf den Po hat noch keinen geschadet.
  • Eine gute Frau muss gut kochen können.
  • Wenn ich nicht arbeite, bin ich auch nichts wert.
  • Wer Gefühle zeigt, ist schwach.
Wie viel Zeit bleibt dir noch für deine Kinder?

Wie viel Zeit bleibt dir noch für deine Kinder?

Weißt du, wie viel Zeit dir noch für deine Kinder bleibt? In Vorbereitung auf meine Seminare für Väter und im Allgemeinen, setze ich immer wieder Methoden ein, die zum Nachdenken anregen sollen. Heute stelle ich dir eine Methode vor, in der es um deine Lebenszeit geht. Bereit?

Alles was du brauchst sind Grundlagen der Mathematik und ein Maßband aus dem schwedischen Möbelhaus oder einem Baumarkt deines Vertrauens. Die sind meistens 100 cm lang. Jeder Zentimeter steht dabei für ein Lebensjahr. Am besten beschreibe ich dir die Methode anhand meines Alters. Ich bin von Jahrgang 1983 und zurzeit 36 Jahre alt. Die Lebenserwartung für Männer von Jahrgang 1983 liegt bei ungefähr 71 Jahren. Neuere Berechnungen gehen von einem höheren Lebensalter aus, ich rechne aber konservativ.

Risikofaktoren beachten

Nun schauen wir uns die Risikofaktoren an, die Einfluss auf unser Alter haben. Rauchen und Alkohol gehören zu den größten Faktoren, die unsere Lebenszeit verkürzen. Ich habe in meinem Leben höchstens 5 Zigaretten geraucht und trinke keinen Alkohol. Früher habe ich hin und wieder Alkohol getrunken, aber nicht regelmäßig und allzuviel. Ich gebe mir selber 2 Jahre Lebensjahre weniger für diese Risikofaktoren.
Danach folgen Fettleibigkeit (Adipositas), Bluthochdruck und Diabetes. Bis auf leichten Bluthochdruck habe ich keinerlei Probleme oder Beschwerden mit diesen Risikofaktoren. Da Bluthochdruck Probleme mit Herz und Hirn verursachen kann, gebe ich auch hierfür 2 Lebensjahre weniger.
An fünfter Stelle folgt Bewegungsmangel. Ja, seitdem ich Kinder habe, mache ich keinen Sport mehr. Ok, wenn man das Tragen der Kinder berücksichtigt, bin ich täglich mehrere Stunden unterwegs. Aber so richtigen Ausdauersport, egal ob im Fitness-Studio oder draußen, betreibe ich nicht mehr. Das sah schon mal anderes aus und ich freue mich schon auf die Zeit, wenn ich wieder Sport machen kann. Ich vergebe mir 1 Lebensjahr weniger für Bewegungsmangel.

Drogen und anderes hartes Zeug

Die Anzahl der Joints, die ich in meinem Leben geraucht habe, sind schon oben beim Rauchen mit berücksichtigt. Mit Drogen meine ich aber viel mehr Speed, Ecstasy/MDMA und anderen Scheiß, die unter das Suchtmittelgesetz fallen. Finger weg! Hier vergebe ich 0 Lebenszeitpunkte weniger. Überlege für dich, inwieweit du zum Beispiel regelmäßig Kokain oder andere Mittel nimmst. Die Dosis macht das Gift und regelmäßig Konsum führt zu Begleiterkrankungen, die dein Leben verkürzen können!
Lebens-Maßband

Hefte raus, Klassenarbeit

Jetzt visualisieren wir das Ganze anhand des Maßbandes. Schneide die Lebensjahre ab, die du schon gelebt hast. Ich mache einen Schnitt bei 36 cm. Uiui… Den Streifen brauchst du nicht mehr, denn das Leben hast du bereits gelebt. Hart, aber wahr. Jetzt mache einen Schnitt bei deinem vermutlichen Höchstalter. Bei mir sind es 71 Jahre. Schnipp, bleibt ein Streifen von 35 cm übrig.
Nur leider müssen jetzt noch die Risikofaktoren angeschnitten werden. Shit. Minus 5 Jahre. Bleiben noch 30 Jahre übrig. OMG, WTF, F*CK. 30 Jahre? Das Maßband ist auf weniger als 1/3 geschrumpft. Damit hätte ich jetzt nicht „gerechnet“. Das Leben soll also noch vor mir liegen?
Kurze Pause, ich muss das mal eben realisieren…

Und jetzt?

Es sagt sich immer so leicht, wie alt wir sind und worauf wir uns freuen im Leben. Oder dass ich sehen möchte, wie meine Kinder groß werden. Aber wenn meine Kinder so alt sind, wie ich jetzt bin, könnte ich schon gar nicht mehr am Leben sein! 30 Jahre sind so schnell vergangen. Vor 30 Jahren war die Wiedervereinigung! Ey, das war quasi gestern!
Diese und andere Übungen habe ich vor Jahren selber in unterschiedlichen Situationen gemacht. Damals wurde mir klar, dass mein Leben endlich ist. Dass ich mein Leben selbstbestimmt in der Hand habe und mich nicht von anderen leiten lassen muss. Mir ist mein Leben am wichtigsten, also gestalte ich es nach meinen Wünschen!

Mit Qualitätszeit füllen

Mein Wunsch ist es, meine Kinder zu begleiten. Sie groß werden zu sehen. Mein Wunsch ist es aber auch, selbstbestimmt zu leben und eine selbsterfüllende und sinnhafte Tätigkeit auszuüben. Gearbeitet habe ich bereits, bis ich Kinder hatte. Jetzt ist Zeit für die Begleitung. Sobald sie aus dem Gröbsten raus sind, kann ich wieder beruflich weitermachen. Oder auch nicht. Meine 30 Jahre möchte ich mit Qualität füllen!
Unterschrift von Heiner
Was ist mit dir? Wo machst du die Schnitte auf deinem Lebensmaßband? Was sind deine Laster, deine Risikofaktoren? Egal, wie viel Zeit dir noch bleibt. Entscheidend ist doch, dass du sie mit dem füllst, was dir wichtig ist!

Umfrage: Gesund Vater Sein – Wie ticken Väter 2019

Umfrage: Gesund Vater Sein – Wie ticken Väter 2019

Weißt du eigentlich, wie Väter so ticken? Nicht erst seit meiner Elternzeit beschäftigt mich diese Frage. Klar, vollkommen unterschiedlich natürlich! Aber mal ehrlich, weißt du, WIE unterschiedlich sie ticken? Das möchte ich herausfinden und brauche deine Papa-Hilfe!

Ich möchte dich einladen fünf Fragen zu deiner Vaterschaft zu beantworten. Ich möchte wissen, wie du tickst und wie du deine Vaterrolle gestaltest. Mich interessieren deine Wünsche, deine Befürchtungen und deine Träume. Wo liegen die Konflikte in der Vereinbarkeit von Familie & Beruf und wo soll die Reise hingehen? Solltest du eine Mama sein, bist du herzlich eingeladen, deinen Mann auf die Fragen hinzuweisen.

Mein Dankeschön an dich

Als Dankeschön für deinen Einblick in deine Denkweise erhältst du von mir den Vaterschaft-Veränderungs-Fahrplan. Mit diesem Arbeitsblatt kannst du überprüfen, in welcher Phase der Veränderung du dich befindest, was du noch benötigst und wie die nächsten Schritte aussehen. Ein Veränderungs-Schema zeigt dir, welche Ressourcen benötigt werden, damit der Veränderungsprozess zu einer besseren Vereinbarkeit von Familie & Beruf gelingt!
Die Ergebnisse aller Einsendungen werden nach einer Zeit hier auf vaterwelten.de veröffentlicht. Wenn du darüber informiert werden möchtest, trag dich in den Newsletter ein. Nun aber genug geredet!

Beste Grüße,

Wie ich den Weg vom traditionellen Rollenbild zum aktiven Vater geschafft habe

Wie ich den Weg vom traditionellen Rollenbild zum aktiven Vater geschafft habe

Vom traditionellen Rollenbild des Vaters und Mannes musste ich mich erst lösen, bevor ich in die neue Rolle des aktiven Vaters schlüpfen konnte. Die Elternzeit ist eine Gelegenheit, sich selber und sein Rollenvorbild zu überdenken. Aber auch hier gibt es immer neue Herausforderungen zu meistern und Wege zu gehen. Dass ich jetzt meine Elternzeit verlängert habe, ist der konsequente Schritt einer langen Entwicklung.

Zum Vatertag wurde ich von Ulrike Schuster von der Bild am Sonntag zu meiner Vaterrolle interviewt. Eigentlich sollte das Gespräch nicht lange dauern, einiges konnten wir bereits vorab per Mail besprechen. Doch nach 1,5 Stunden habe ich das Gespräch abgebrochen, weil die Kinder so langsam ihren Papa wieder zurück haben wollten. Bis dahin habe ich meine Geschichte erzählt und am anderen Ende der Leitung freute sich eine staunende Redakteurin. Die letzte Frage hat mich dann aber doch zum Nachdenken gebracht: „Heiner, was ist die Konsequenz aus der zweiten Elternzeitreise?“ Über vieles mache ich mir Gedanken, aber nicht über Konsequenzen aus der Reise. Wie meinte sie das überhaupt?

Gefangen im traditionellen Rollenbild

Nach der ersten Elternzeit war ich noch weitere vier Monate mit K1 zu Hause, während meine Frau zurück in ihren Teilzeit-Job gegangen ist. Damals war ich froh um diese Auszeit vom Job. Überwerfungen, Enttäuschungen und falsche Erwartungen führten zu Unwohlsein und Rückzug. Gleichzeitig hat mir die Arbeit aber auch Spaß gemacht. Doch beim Gedanken an die Rückkehr in den Job bekam ich Bauchweh und Stresspickel. Im Dezember 2016 konnte meine Frau das Elend nicht mehr weiter ansehen und meinte: „Heiner, es ist ok wenn du kündigst, wir schaffen das auch mit einem Gehalt!

Wir gehen beide arbeiten und bringen ein stabiles Einkommen nach Hause. Monatlich konnte ich etwa 1.000 EUR zur Seite legen, um damit mein BaföG und den Studienkredit zurückzuzahlen. Mehr als 40 Stunden arbeitete ich und hatte viele Überstunden auf meinem Gleitzeitkonto, die ich in Freizeit tauschen konnte. Das war mir immer lieber, als einen Ausgleichsbetrag ausgezahlt zu bekommen. Dennoch tat ich mich schwer, auf Geld zu verzichten. Selbst in Teilzeit mit der halben Stundenzahl würde ich bei schlechter Steuerklasse ca. 1.000 EUR Lohn erhalten. Eine Zäsur in meinem Berufsleben.

„Im Verlauf des gemeinsamen Lebens führen Zäsuren wie die Geburt eines Kindes oder ein Karrieresprung des Mannes oft dazu, dass die gleichgestellte Vision, die sie vorher (teilweise) schon realisiert hatten, oft schlagartig in ein traditionelles Rollenbild kipp – nicht weil dies das von beiden gewollte und verabredete Lebensmodell ist, sonder aus rationalen, ökonomischen Erwägungen aufgrund äußerer Anreizstrukturen.“
Karsten Wippermann (2014): Jungen und Männer im Spagat: Zwischen Rollenbildern und Alltagspraxis, Berlin, S. 10

Erschrocken über mich, wie sehr mich das klassische Rollenbild gefangen hat, begab ich mich auf die Suche nach einer Lösung. Schließlich wollten ich es doch immer anders machen. Der Mann als Ernährer, der das Geld nach Hause bringt, der nur am Wochenende mit den Kindern Zeit verbringen kann, der die Kinder morgens zur Schule fährt und es gerade so schafft, ihnen abends eine Gute Nacht Geschichte vorzulesen. So ein Vater wollte ich nie werden und war doch auf dem besten Weg dorthin. Zurück ins traditionelle Rollenbild. Mit der Elternzeit hatte ich die Chance, es anders zu machen; so, wie ich es schon immer machen wollte.

Erste Schritte zur neuen Vaterrolle

Im Dezember 2016 habe ich meinen unbefristeten Vollzeit-Job gekündigt und mich auf die bevorstehende Elternzeit als Hausmann eingestellt. Mein Arbeitgeber konnte mir keine Teilzeitstelle anbieten und war dazu auch nicht verpflichtet. Die damalige Elternzeit war dementsprechend eine Zäsur für uns als Familie. Wie es mir damit erging, habe ich hier aufgeschrieben. Einige Monate später sind wir umgezogen, haben unser Auto verkauft und machten mit beim foodsharing. Nun haben wir einen Spielplatz vor der Haustür und beide nur 5 Minuten zu Fuß zur Arbeit. Beide? Ja, denn durch eine glückliche Fügung konnte ich im örtlichen Krankenhaus als Sozialarbeiter anfangen. In Teilzeit für 20 Stunden. Perfekt für unsere Familie. Vormittags war meine Frau zu Hause bei K1, nachmittags ich. Gelebte Vereinbarkeit von Familie und Beruf.

Auch das Thema Einkommen hatte sich eingespielt. Wir haben die Steuerklassen gewechselt und beteiligen uns am Familienhaushalt in Relation unseres Einkommens. Meine Frau steuert den größeren Betrag zu, ich den kleineren. So bleiben ihr und mir ca. 700 EUR, die wir für unser persönliches Konto „über“ haben. Meine Schulden aus dem Studium hatte ich, auch dank eines Familiendarlehns, abgegolten. Nun füllte sich Monat für Monat das Tagesgeldkonto. Gleichzeitig hatte ich mich vom teuren Flugverein passiv gemeldet und spare so ca. 500 EUR pro Jahr. Wir verzichten auf teure (Streaming-, Musik-, App-) Abos, kaufen viel gebraucht und müssen trotzdem nicht aufs Reisen verzichten. Kleinere Ausflüge oder längere Urlaube sind ebenso „drin“ wie vorher.

Die zweite Elternzeitreise sollte tatsächlich eine weitere Veränderung bringen. Während der Schwangerschaft von K2 haben wir versucht, alle Fehler über Vereinbarkeit von Familie und Beruf kein zweites Mal zu machen. Also habe ich rechtzeitig das Gespräch mit meiner Chefin gesucht und ihr offen heraus unsere Pläne erzählt. Da sie und meine Kolleg*innen Vollblut-Eltern sind und die Personalabteilung erfahren ist, lief alles problemlos. Die Elternzeitreise sollte dieses Mal allerdings länger und nach Slowenien verlaufen. Wir würden uns drei Monate Zeit nehmen und uns von der Sonne treiben lassen. Dass es anders kam, kannst du hier nachlesen. In den Wochen nach der Reise sprachen meine Frau und ich viel über die nächsten Schritte. K1 kommt in den Kindergarten, meine Frau geht im Juli wieder arbeiten und ich bin ab Januar 2020 wieder zurück im Job. Doch irgendwie fühlte sich das nicht richtig an.

Bedürfnisorientierte Vaterschaft

Wieder einmal stehe ich vor einer Entscheidung, die sich wie eine Weggabelung eines Wanderweges anfühlt. Gehe ich rechts oder links entlang? Bleibe ich sitzen oder kehre ich um? Richtig oder falsch? Ich erinnerte mich an die Frage von Ulrike Schuster, die wie Treibstoff im Gedankenkarussel meines Kopfes wirkt. Was, wenn ich zu Hause bleibe, bis K2 in den Kindergarten geht? Was, wenn meine Frau die Vollverdienerin sein wird? Was, wenn wir das gegenwärtige gesellschaftliche Rollenmodell auf den Kopf stellen? ,Nur Mut, es ist ok‘, denke ich mir. Erwartungsgemäß musste ich meine Frau nicht überzeugen, denn sie strahlte mich an und war sofort begeistert. Trotzdem musste ich noch mal kurz nachrechnen, bevor es sich „richtig“ und „gut“ anfühlte.

Zwar verzichte ich auf 1.000 EUR Einkommen, doch wer aufmerksam gelesen hat wird feststellen, dass wir immer noch deutlich im Plus raus kommen – obwohl meine Frau „nur“ 30 Stunden arbeitet. Wir haben den charmanten Vorteil, dass wir zur Miete wohnen und keine monatliche Kreditbelastung (für z.B. Immobilie, Möbel, Auto, Smartphone, Computer) haben. Wir gehen zu Fuß einkaufen, reisen mit unserem Fiete VW Bus und verzichten auf teure Urlaube. Anderer Schnick Schnack, wie neue Smartphones, riesige Fernseher und Playstation Spiele fehlen bei uns ebenso, wie teure Hobbys. Lieber verbringen wir gemeinsame Familienzeit oder treffen Freunde zur Qualitätszeit. Geld ist uns nicht wichtig. Ja, ich bleibe zu Hause!

Raus aus der Komfortzone

Es sollte mehr Väter geben, die sich für eine aktive Vaterrolle entscheiden. Vielleicht braucht es Mut oder Zuversicht, als Papa zu Hause zu bleiben. Sicherlich braucht es auch eine finanzielle Grundlage, regelmäßiges Einkommen durch Elterngeld oder Lohnarbeit des Partners. Für mich sind dies jedoch vorgeschobene Gründe. Vielmehr müssen Väter mehr noch als Mütter den Anreizen widerstehen, die ihnen der Job bringt. Das Bequeme überwinden, raus aus der Komfort-Zone! Das Überwinden der im oberen Zitat beschriebenen ökonomischen Erwägungen sind die gegenwärtige Herausforderungen. Also weniger rational denken, sondern mehr emotional handeln. Wer jetzt mit „ja, aber das Geld…“ argumentiert, muss sich von seinen Denkmustern lösen!

Die nächsten Schritte sind schnell erzählt. Gespräch mit meiner Chefin, Antrag beim Arbeitgeber auf Verlängerung der Elternzeit und alle Formalitäten überarbeiten, sobald die Bestätigung im Briefkasten liegt. Glücklicherweise hat meine Vertretung Lust, mich bis September 2021 zu vertreten. Ulrike Schuster sollte Recht behalten mit ihrer Annahme, dass jede Elternzeitreise eine einschneidende Veränderung für die Familie mit sich bringt.



Was denkst du über die neuen Väter? Bist du ein aktiver Vater oder möchtest du einer sein? Oder gehörst du zum Team Traditionelles Rollenbild und kannst damit gar nichts anfangen? Ich bin gespannt auf deine Kommentare und Erfahrungsberichte!

Photo by Natalya Zaritskaya on Unsplash

Pin It on Pinterest