Wie ich den Weg vom traditionellen Rollenbild zum aktiven Vater geschafft habe

Wie ich den Weg vom traditionellen Rollenbild zum aktiven Vater geschafft habe

Vom traditionellen Rollenbild des Vaters und Mannes musste ich mich erst lösen, bevor ich in die neue Rolle des aktiven Vaters schlüpfen konnte. Die Elternzeit ist eine Gelegenheit, sich selber und sein Rollenvorbild zu überdenken. Aber auch hier gibt es immer neue Herausforderungen zu meistern und Wege zu gehen. Dass ich jetzt meine Elternzeit verlängert habe, ist der konsequente Schritt einer langen Entwicklung.

Zum Vatertag wurde ich von Ulrike Schuster von der Bild am Sonntag zu meiner Vaterrolle interviewt. Eigentlich sollte das Gespräch nicht lange dauern, einiges konnten wir bereits vorab per Mail besprechen. Doch nach 1,5 Stunden habe ich das Gespräch abgebrochen, weil die Kinder so langsam ihren Papa wieder zurück haben wollten. Bis dahin habe ich meine Geschichte erzählt und am anderen Ende der Leitung freute sich eine staunende Redakteurin. Die letzte Frage hat mich dann aber doch zum Nachdenken gebracht: „Heiner, was ist die Konsequenz aus der zweiten Elternzeitreise?“ Über vieles mache ich mir Gedanken, aber nicht über Konsequenzen aus der Reise. Wie meinte sie das überhaupt?

Gefangen im traditionellen Rollenbild

Nach der ersten Elternzeit war ich noch weitere vier Monate mit K1 zu Hause, während meine Frau zurück in ihren Teilzeit-Job gegangen ist. Damals war ich froh um diese Auszeit vom Job. Überwerfungen, Enttäuschungen und falsche Erwartungen führten zu Unwohlsein und Rückzug. Gleichzeitig hat mir die Arbeit aber auch Spaß gemacht. Doch beim Gedanken an die Rückkehr in den Job bekam ich Bauchweh und Stresspickel. Im Dezember 2016 konnte meine Frau das Elend nicht mehr weiter ansehen und meinte: „Heiner, es ist ok wenn du kündigst, wir schaffen das auch mit einem Gehalt!

Wir gehen beide arbeiten und bringen ein stabiles Einkommen nach Hause. Monatlich konnte ich etwa 1.000 EUR zur Seite legen, um damit mein BaföG und den Studienkredit zurückzuzahlen. Mehr als 40 Stunden arbeitete ich und hatte viele Überstunden auf meinem Gleitzeitkonto, die ich in Freizeit tauschen konnte. Das war mir immer lieber, als einen Ausgleichsbetrag ausgezahlt zu bekommen. Dennoch tat ich mich schwer, auf Geld zu verzichten. Selbst in Teilzeit mit der halben Stundenzahl würde ich bei schlechter Steuerklasse ca. 1.000 EUR Lohn erhalten. Eine Zäsur in meinem Berufsleben.

„Im Verlauf des gemeinsamen Lebens führen Zäsuren wie die Geburt eines Kindes oder ein Karrieresprung des Mannes oft dazu, dass die gleichgestellte Vision, die sie vorher (teilweise) schon realisiert hatten, oft schlagartig in ein traditionelles Rollenbild kipp – nicht weil dies das von beiden gewollte und verabredete Lebensmodell ist, sonder aus rationalen, ökonomischen Erwägungen aufgrund äußerer Anreizstrukturen.“
Karsten Wippermann (2014): Jungen und Männer im Spagat: Zwischen Rollenbildern und Alltagspraxis, Berlin, S. 10

Erschrocken über mich, wie sehr mich das klassische Rollenbild gefangen hat, begab ich mich auf die Suche nach einer Lösung. Schließlich wollten ich es doch immer anders machen. Der Mann als Ernährer, der das Geld nach Hause bringt, der nur am Wochenende mit den Kindern Zeit verbringen kann, der die Kinder morgens zur Schule fährt und es gerade so schafft, ihnen abends eine Gute Nacht Geschichte vorzulesen. So ein Vater wollte ich nie werden und war doch auf dem besten Weg dorthin. Zurück ins traditionelle Rollenbild. Mit der Elternzeit hatte ich die Chance, es anders zu machen; so, wie ich es schon immer machen wollte.

Erste Schritte zur neuen Vaterrolle

Im Dezember 2016 habe ich meinen unbefristeten Vollzeit-Job gekündigt und mich auf die bevorstehende Elternzeit als Hausmann eingestellt. Mein Arbeitgeber konnte mir keine Teilzeitstelle anbieten und war dazu auch nicht verpflichtet. Die damalige Elternzeit war dementsprechend eine Zäsur für uns als Familie. Wie es mir damit erging, habe ich hier aufgeschrieben. Einige Monate später sind wir umgezogen, haben unser Auto verkauft und machten mit beim foodsharing. Nun haben wir einen Spielplatz vor der Haustür und beide nur 5 Minuten zu Fuß zur Arbeit. Beide? Ja, denn durch eine glückliche Fügung konnte ich im örtlichen Krankenhaus als Sozialarbeiter anfangen. In Teilzeit für 20 Stunden. Perfekt für unsere Familie. Vormittags war meine Frau zu Hause bei K1, nachmittags ich. Gelebte Vereinbarkeit von Familie und Beruf.

Auch das Thema Einkommen hatte sich eingespielt. Wir haben die Steuerklassen gewechselt und beteiligen uns am Familienhaushalt in Relation unseres Einkommens. Meine Frau steuert den größeren Betrag zu, ich den kleineren. So bleiben ihr und mir ca. 700 EUR, die wir für unser persönliches Konto „über“ haben. Meine Schulden aus dem Studium hatte ich, auch dank eines Familiendarlehns, abgegolten. Nun füllte sich Monat für Monat das Tagesgeldkonto. Gleichzeitig hatte ich mich vom teuren Flugverein passiv gemeldet und spare so ca. 500 EUR pro Jahr. Wir verzichten auf teure (Streaming-, Musik-, App-) Abos, kaufen viel gebraucht und müssen trotzdem nicht aufs Reisen verzichten. Kleinere Ausflüge oder längere Urlaube sind ebenso „drin“ wie vorher.

Die zweite Elternzeitreise sollte tatsächlich eine weitere Veränderung bringen. Während der Schwangerschaft von K2 haben wir versucht, alle Fehler über Vereinbarkeit von Familie und Beruf kein zweites Mal zu machen. Also habe ich rechtzeitig das Gespräch mit meiner Chefin gesucht und ihr offen heraus unsere Pläne erzählt. Da sie und meine Kolleg*innen Vollblut-Eltern sind und die Personalabteilung erfahren ist, lief alles problemlos. Die Elternzeitreise sollte dieses Mal allerdings länger und nach Slowenien verlaufen. Wir würden uns drei Monate Zeit nehmen und uns von der Sonne treiben lassen. Dass es anders kam, kannst du hier nachlesen. In den Wochen nach der Reise sprachen meine Frau und ich viel über die nächsten Schritte. K1 kommt in den Kindergarten, meine Frau geht im Juli wieder arbeiten und ich bin ab Januar 2020 wieder zurück im Job. Doch irgendwie fühlte sich das nicht richtig an.

Bedürfnisorientierte Vaterschaft

Wieder einmal stehe ich vor einer Entscheidung, die sich wie eine Weggabelung eines Wanderweges anfühlt. Gehe ich rechts oder links entlang? Bleibe ich sitzen oder kehre ich um? Richtig oder falsch? Ich erinnerte mich an die Frage von Ulrike Schuster, die wie Treibstoff im Gedankenkarussel meines Kopfes wirkt. Was, wenn ich zu Hause bleibe, bis K2 in den Kindergarten geht? Was, wenn meine Frau die Vollverdienerin sein wird? Was, wenn wir das gegenwärtige gesellschaftliche Rollenmodell auf den Kopf stellen? ,Nur Mut, es ist ok‘, denke ich mir. Erwartungsgemäß musste ich meine Frau nicht überzeugen, denn sie strahlte mich an und war sofort begeistert. Trotzdem musste ich noch mal kurz nachrechnen, bevor es sich „richtig“ und „gut“ anfühlte.

Zwar verzichte ich auf 1.000 EUR Einkommen, doch wer aufmerksam gelesen hat wird feststellen, dass wir immer noch deutlich im Plus raus kommen – obwohl meine Frau „nur“ 30 Stunden arbeitet. Wir haben den charmanten Vorteil, dass wir zur Miete wohnen und keine monatliche Kreditbelastung (für z.B. Immobilie, Möbel, Auto, Smartphone, Computer) haben. Wir gehen zu Fuß einkaufen, reisen mit unserem Fiete VW Bus und verzichten auf teure Urlaube. Anderer Schnick Schnack, wie neue Smartphones, riesige Fernseher und Playstation Spiele fehlen bei uns ebenso, wie teure Hobbys. Lieber verbringen wir gemeinsame Familienzeit oder treffen Freunde zur Qualitätszeit. Geld ist uns nicht wichtig. Ja, ich bleibe zu Hause!

Raus aus der Komfortzone

Es sollte mehr Väter geben, die sich für eine aktive Vaterrolle entscheiden. Vielleicht braucht es Mut oder Zuversicht, als Papa zu Hause zu bleiben. Sicherlich braucht es auch eine finanzielle Grundlage, regelmäßiges Einkommen durch Elterngeld oder Lohnarbeit des Partners. Für mich sind dies jedoch vorgeschobene Gründe. Vielmehr müssen Väter mehr noch als Mütter den Anreizen widerstehen, die ihnen der Job bringt. Das Bequeme überwinden, raus aus der Komfort-Zone! Das Überwinden der im oberen Zitat beschriebenen ökonomischen Erwägungen sind die gegenwärtige Herausforderungen. Also weniger rational denken, sondern mehr emotional handeln. Wer jetzt mit „ja, aber das Geld…“ argumentiert, muss sich von seinen Denkmustern lösen!

Die nächsten Schritte sind schnell erzählt. Gespräch mit meiner Chefin, Antrag beim Arbeitgeber auf Verlängerung der Elternzeit und alle Formalitäten überarbeiten, sobald die Bestätigung im Briefkasten liegt. Glücklicherweise hat meine Vertretung Lust, mich bis September 2021 zu vertreten. Ulrike Schuster sollte Recht behalten mit ihrer Annahme, dass jede Elternzeitreise eine einschneidende Veränderung für die Familie mit sich bringt.



Was denkst du über die neuen Väter? Bist du ein aktiver Vater oder möchtest du einer sein? Oder gehörst du zum Team Traditionelles Rollenbild und kannst damit gar nichts anfangen? Ich bin gespannt auf deine Kommentare und Erfahrungsberichte!

Photo by Natalya Zaritskaya on Unsplash

E2W3 – Frankreich Provence

E2W3 – Frankreich Provence

Wir sind auf Elternzeitreise. Papa, Mama mit K1 (3 Jahre) und K2 (8 Monate). Ich nehme mir von meinem Teilzeit-Job eine zehnmonatige Auszeit. Ab August geht meine Frau zurück in den Job. In der Zwischenzeit wollen wir erneut mit Fiete verreisen. Bei K1 waren wir in Spanien. Unser jetziges Ziel: Slowenien. Ich knüpfe direkt an die Erlebnisse der ersten und zweiten Woche an.

Die Tage vergehen schneller, als uns lieb ist. Das immer gleiche Spiel: Morgens aufstehen und frühstücken, dann Spielplatz und K2 ins Bett bringen, Mittagessen und Spielplatz, K2 in Bett bringen und Abendbrot, anschließend Geschichte lesen und in den Schlaf begleiteten. Wir sind in unserer Camping-Routine angekommen, Abwaschen, Putzen, Auf- und Abbau gehen entspannt von der Hand. Wir sind an der frischen Luft und haben immer einen Platz zum Spielen.

Châteauneuf-de-Galaure

Der Bändchen-Campingplatz erweist sich als Glücksgriff, denn außer uns gibt es nur 12 andere Camper auf dem gesamten Gelände. Unsere Routine wird nur durch das Animationsprogramm gestört, nein, erweitert. Morgens um 10.30 Uhr im Kids-Club Zelt Basteln, Malen und Schnitzel-Jagd. Wir nehmen alles mit. K1 hat auch prompt eine Lieblings-Animateurin.

Abends um 18.30 Uhr gibt es Mini-Disco vor der großen Bühne. Wir sind drei Mal dabei und tanzen an einem Abend sogar alleine. Vier Animateure und zwei Kinder. Herrlich. K1 ist leicht überfordert, weil sie so sehr im Mittelpunkt steht. Sie sabbert an ihrer Jacke und erst zurück im Zelt wacht sie auf. Dann tanzt sie und sagt, dass sie jetzt Silke sei, ihre Lieblings-Animateurin.
Die Tage ziehen dahin wie die Wolken am Himmel. Hin und wieder regnet es ergiebig und wir wissen mittlerweile auch, dass es sich um eine ausgesprochen feuchte Wetterlage in ganz Europa handelt. Wir halten am Plan fest, weiter nach Süden zu fahren. Der Indoor-Spielbereich hat uns im Regen gerettet obwohl hier alles so schön nah ist, brauchen wir Sonne, Wärme und alles ein bisschen natürlicher.

Nach fünf Tagen packen wir also alles zusammen, K1 verabschiedet sich von Silke, die eine sehr gute Karriere als Kinder-Animateurin vor sich hat und machen uns auf den Weg Richtung Marseille. Das Wetter verspricht aufzuklaren und wärmer zu werden. Allerdings nur am Zielort und nicht da, wo wir gerade sind. Wir nehmen uns für diese Etappe allerdings nur 156 km vor, denn der ausdrückliche Wunsch aller ist, kürzer zu treten.
Naja, fast aller. Wenn es nach mir ginge, wäre ich schon längst am Meer. Aber hier geht es nicht nach mir, sondern es wir Familien demokratisch entschieden. Also fahren wir weiter in den Süden, in die Region Provence-Alpes-Côte d’Azur auf einen naturnahen Campingplatz am Fuße des Mont Ventoux. Na, ob das Wetter hier besser wird?

Entrecheaux

Es wird! Und wie! Wir lesen in den Nachrichten, dass Sturmtief Axel über Deutschland gerauscht ist und seine Ausläufer bis weiter nach Südfrankreich spürbar sind. Gleichzeitig sitzen wir hier bei 30° C und verbringen eine schöne Zeit auf dem Spielplatz. In kurzer Hose und T-Shirt. Im Allgäu und Österreich, wo wir jetzt theoretisch wären, gab es viele Überschwemmungen. Hier in der Region nahe des Mittelmeeres auf 300m Höhe ist eine andere Welt.

Der Platz ist wunderschön gelegen. Mitten im Pinienwald, eingerahmt von zwei Flüssen die zu einem großen zusammen fließen. An einem Tag haben K1 und ich uns Wasserschuhe angezogen und sind durch das flache Wasser gewatet. Es war so eiskalt und hat riesen Spaß gemacht. Anschließend sind wir ein Stück gewandert. Sie überraschte mir jeden Tag!

Denn am Vortag wollten wir eigentlich die Gegend erkundigen, doch daraus wurde nichts. Denn mit zwei nöhlenden Kindern macht uns allen das keinen Spaß. Nach 1 km drehen wir um und hüpfen lieber auf dem Trampolin. Daher bin ich so derbe überrascht und auch ein bisschen stolz, dass K1 nicht nur durchs kalte Wasser gewatet ist, sondern anschließend einen ca. 2 km langen Spaziergang gemacht hat. Freiwillig!

Dieser Platz hier ist der perfekte Ort zum länger verweilen. Die Menschen hier sind so freundlich und hilfsbereit und haben immer ein Lächeln auf den Lippen. Unter den wenigen Campern sind wir mit Abstand die jüngsten und bei allen bekannt. Leider ist am Wochenende hier eine Veranstaltung, sodass wir am Samstag schon wieder weiterreisen müssen. Mal schauen, wohin es geht. Denn so wirklich weiter zieht es uns nicht.

Und dann war da noch…

… ein langes Telefoninterview für eine große Deutsche Sonntagszeitung. Nach anderthalb Stunden war ich ganz schön fertig, denn das Gespräch war sehr intensiv, bzw. die Fragen waren sehr direkt, sodass ich teilweise echt überlegen musste. Zum Vatertag wird es ein Special über Väter geben, an dem ich mit meiner Geschichte teilnehmen darf. Ich bin gespannt und auch ein bisschen nervös.

E2W2 – Schwäbische Alb, Schwarzwald, Frankreich

E2W2 – Schwäbische Alb, Schwarzwald, Frankreich

Wir sind auf Elternzeitreise. Papa, Mama mit K1 (3 Jahre) und K2 (8 Monate). Ich nehme mir von meinem Teilzeit-Job eine zehnmonatige Auszeit. Ab August geht meine Frau zurück in den Job. In der Zwischenzeit wollen wir erneut mit Fiete verreisen. Bei K1 waren wir in Spanien. Unser jetziges Ziel: Slowenien. Ich knüpfe direkt an die Erlebnisse der ersten Woche an.

Schwäbische Alb

Auf der Schwäbischen Alb soll es einen tollen Familiencampingplatz geben, auf den wir uns schon sehr freuen. In den Kommentaren diverser Camping-Apps liest er sich sehr positiv. Von Bauwagen, Zirkuswagen und einem alten Bauernhof ist die Rede. Tiere können bestaunt (aber nicht gestreichelt) werden und diverse Spielgelegenheiten soll es geben. Das hört sich toll an. K1 freut sich besonders auf die Spielscheune. Wir uns auf wärmeres Wetter.
Leider trifft weder das eine noch das andere zu. Die Spielscheune ist für uns Allergiker kein Ort des langen Verweilens und auch K1 mag nicht so richtig warm werden mit dem Stroh, in das sie aus zwei Metern Höhe hineinspringen kann. Warm wird uns auch nicht auf diesem Platz. Zwar kommt am dritten Tag die Sonne für mehrere Stunden heraus, doch sind wir es satt an Regen und Sturm.
Dem Platz wäre Unrecht getan, würde ich es dabei belassen. Die Atmosphäre ist absolut kinderfreundlich, es gibt sehr gute Wasch-/Dusch-/Sanitär-Anlagen und auch unsere Wäsche wurde im Trockenraum innerhalb eines Tages fertig. Die Spielgeräte sind der Hit, überall stehen Tretautos, Trettraktoren und andere mobile Spielsachen herum. Es wird uns allerdings zum Wochenende zu wuselig, sodass wir aufbrechen.

Schwarzwald

Wir verlassen also die Alb und fahren weiter in den Schwarzwald. In meiner Jugend war ich sehr oft im Südschwarzwald und habe mit unserem Flugverein Urlaub gemacht. Corinna hat einen schönen Platz am Titisee herausgesucht, der auch in der Nebensaison Rabatte anbietet. Hier verweilen wir drei Tage und hoffen auf trockenes Wetter.
An zwei Tagen spazieren wir am See die 2,5 km mit Kind und Bollerwagen in den Kurort um ein Eis zu essen. Am Sonntag haben auch gefühlt tausend Touristen die gleiche Idee. Wir bleiben nicht lange und spazieren wieder zurück. Eine wunderschöne Gegend! Corinna bringt an einem Abend beide Kinder ins Bett und gibt mir ein paar Stunden frei, einfach so. In der Zeit schaue ich mit den Sonnenuntergang am Ufer des Titisees an und höre Podcast. Der erste Moment, an dem ich nur für mich sein kann. Es sind fast 14 Tage der Reise vergangen.

Wie bereits beschrieben, suchen wir nur Campingplätze aus, die einen Spielplatz haben. Mit Kindern ein Muss. Manchmal schaffen wir es auch, direkt am Spielplatz zu stehen, wie am Titisee-Campingplatz. Für den nächsten Stopp werfen wir diese Regel jedoch über Board, denn es soll nur ein Zwischenstopp werden. Wir ändern nämlich unsere Route und fahren nach Frankreich. Die Wetterprognose in Slowenien ist einfach zu schlecht. Und wird haben noch genug Zeit für einen Schlenker nach Südwesten.

Frankreich

In zwei Etappen fahren wir also über Freiburg nach Frankreich, Kurs Marseille. Direkt hinter der Grenze sage ich zu K1, das neben mir sitzt: „Wir sind jetzt in Frankreich.“ Da fing sie an zu lachen und freute sich derbe. „Oh Frankreich, ich liebe Frankreich.“ Wahrscheinlich hat sie gehört, wie Corinna und ich uns über die Entscheidung gefreut haben, die Pläne zu ändern. Wir lieben Frankreich.
Bereits auf unserer ersten Elternzeitreise mit K1 sind wir über das Elsass in die Provence gefahren. Dabei haben wir verschiedene Stopps auf wunderschönen Plätzen gemacht und sind spannenden Menschen begegnet. Damals war aber noch alles anders; wir sind jetzt ein Kind mehr und reisen langsamer. Für die Strecke Krefeld-Colmar haben wir 2016 etwa 5 Stunden gebraucht. Jetzt sind es 10 Tage.
In einem kleinen Nest auf einem Naturcampingplatz machen wir eine Nacht Rast und brechen am nächsten Tag Richtung Lyon auf. Mit zwei Schlafphasen der Kinder schaffen wir etwa 250km, wenn alles gut geht. Eine Pause und insgesamt 5 Stunden Reisezeit später sind wir auf einem riesigen Animationspfad-Campingplatz angekommen. Wir hassen eigentlich solche Plätze, weil man am Eingang ein Bändchen angelegt bekommt. Aber nach den 14 Tagen brauchen wir vor allem… besseres Wetter!

Wir werden nicht enttäuscht. Es sind 22 Grad und die Sonne scheint fast ohne Wolken. Außer ein paar älteren Paaren sind wir die einzigen Gäste auf dem Platz. Das Schwimmbad ist geöffnet, die drei Wasserrutschen sind in Betrieb und die Mitarbeiter*innen sind mega freundlich und aufmerksam. Wir lassen uns drauf ein und wollen für fünf Nächte bleiben.

Gedanken

Was haben wir schon alles mitgemacht auf dieser Reise. Schnee, Regen, Sturm, Minusgrade. Das Vorzelt hält den Witterungen stand. Wir sind sehr erleichtert und zufrieden über den Kauf, der sich jetzt schon mehr als gelohnt hat. Die Kinder können bei schlechtem Wetter lesen, basteln, krabbeln, spielen und wir haben Platz zum Kochen und campen. Minimalistisch, wie wir unterwegs sind, hat alles seinen Platz und es wird nicht voll. Das lieben wir am Reisen mit Fiete.
Mit der Zeit spielen wir uns ein. Alles hat seinen Platz und jede*r seine und ihre Aufgaben. Das Vorzelt bauche ich auf und Corinna spielt mit den Kindern. Abends bringt sie K2 ins Bett und ich begleite K1. In der Regel koche ich, denn K2 wird müde und muss in den Schlaf begleitet werden. Seine Schlafphasen vormittags und nachmittags sind nicht gut planbar, aber absehbar. K1 hilft dann beim Kochen.
Das sind alles Routinen, die eingespielt sind. Doch die Zeit für Zweisamkeit bleibt richtig auf der Strecke. Denn K2 schläft sehr unruhig, hat Träume und vielleicht auch mal einen Nachtschreck. Der Regen prasselt aufs Dach und der Wind schüttelt am Vorzelt. Alles Geräusche, die auch mal zu laut werden. Das nervt mich leider an dieser Reise. Denn Zeit für Corinna und mich bleibt wenig. Teilweise haben wir nur 15 Minuten zum Quatschen. Dann wird geduscht, Zähne geputzt und ab ins Bett.
Für die nächsten Wochen haben wir uns daher vorgenommen, mehr Zeit für uns einzuräumen. Wie das genau gehen soll, muss sich zeigen. Vielleicht habt ihr ja einen Tipp für uns. Missen wollen wir die Elternzeitreise nicht. Denn vor allem die beiden Kinder kommen sich als Geschwister so nahe und lieben sich so innig, dass es eine Freude ist, sie beim Spielen und Entdecken zu beobachten.

E2W1 – Hunsrück, Odenwald, Schwäbische Alb

E2W1 – Hunsrück, Odenwald, Schwäbische Alb

Wir sind auf Elternzeitreise. Papa, Mama mit K1 (3 Jahre) und K2 (8 Monate). Ich nehme mir von meinem Teilzeit-Job eine zehnmonatige Auszeit. Ab August geht meine Frau zurück in den Job. In der Zwischenzeit wollen wir erneut mit Fiete verreisen. Bei K1 waren wir in Spanien. Unser jetziges Ziel: Slowenien. Die Reise beginnt am 1. Mai 2019 in Krefeld.

Vorbereitungen

Diese Reise beginnt wie eigentlich jede Reise mit viel Vorbereitung und einer großen Überraschung. Fiete habe ich bereits Wochen zuvor präpariert. Habe eine neue Matratze für oben gekauft, eine Heckbox montiert und Supermagnete vernäht (in einem anderen Post bald mehr). Corinna hat sich um die Auswahl der Stoffwindeln gekümmert und mit Baumwolle-Einlagen, Windel-Flies und Soft-Überhose ein ideales Reise-Set zusammengestellt.
Tage vorher haben wir Freunde besucht, Bekannte getroffen und uns von den lieben Nachbarn verabschiedet. Alles war gepackt und abfahrbereit. Nur die schwere Kiste mit den Lebensmitteln und der Traumfänger mussten noch mit. Alles stand so sicher, dass kein Kind dran kommen sollte. „Herausforderung angenommen“ dachte sich K1 und stellte sich auf Zehenspitzen während sie die Kiste anhob. Ein plötzlicher Schrei aus der Küche verkündete nichts Gutes. Und so war es auch.

Ab ins Krankenhaus

Sie hielt sich das Ohr zu und schrie fürchterlich. Wir waren ratlos. Kein Blut, keine Kratzer, nichts zu sehen. Einige Stunden und zwei leichte Schmerzzäpfchen später saßen wir also im Krankenhaus beim Kinderarzt. K1 kullerten noch die Tränen von der Wange, doch sie berichtete dem Arzt tapfer und auch ein wenig stolz, was geschehen war. Seine Vermutung: keine Mittelohrentzündung sondern eher eine Prellung am Hals (nachdem sie das Gleichgewicht verloren hatte und mit dem Hals gegen die Küchenplatte gestoßen war). Das tat weh. Der Arzt verschrieb uns stärkere Medikamente, die wir aber nicht nahmen. Wärme würde auch helfen, meinte er. Das taten wir dann auch. Nächster Versuch, morgen Nachmittag.
Der sollte dann auch gelingen. Eine schnelle Rund-SMS an die Nachbarn, die sich schon wunderten, und gegen 14 Uhr machten wir uns auf den Weg nach Slowenien. Erster Stopp: Hunsrück.

Hunsrück

Heri begrüßte uns auf dem Campingplatz und wies und einen Bereich zu. Den Platz durften wir uns aussuchen, ist eh keiner da, Nebensaison hält. Also kürzeste Entfernung zum Spielplatz. Das haben wir uns generell vorgenommen. Immer die kürzeste Entfernung von Fiete zum Spielplatz zu nehmen. Der Campingplatz an sich ist gemütlich und urig eingerichtet. Seine besten Zeiten hat er eindeutig bereits hinter sich. Neben zwei anderen Campern sind wir die einzigen weit und breit. Das sollte auf den nächsten Plätzen in dieser Woche ähnlich sein.
Wir besuchen die Burgruine in Kastellaun und verbringen den Tag dort mit Eis essen, Lebensmittel Einkaufen und schlendern nach langer Zeit mal wieder Händchen haltend durch die Gegend. Wahnsinn, wie wenig Paarzeit wir für uns einräumen. Und wie wenig wir selber uns Zeit nehmen. Ein Blick in die Wetter-App verrät für die Nacht nichts Gutes.

Das Wetter schlägt um

Es erwartet uns in der Nacht vom 3. auf den 4. Mai Schnee, Wind und Kälte.

Das Vorzelt hat gehalten. Jetzt schon glücklich, dass wir es mitgenommen haben! K1 freut sich über den Schnee.

Das Thermometer zeigt irgendwas mit 1 Grad an und wir sind froh, das Vorzelt mitgenommen zu haben. War tatsächlich eine Überlegung, es zu Hause zu lassen und stattdessen die Außenwände für die Markise mitzunehmen. Jedenfalls hat alles gehalten. Sogar die Magnete, mit denen die Schleuse zum Bus befestigt wurden! Danke Pola, für deinen Support beim Nähen! Ach so. Einen Tag vorher haben wir ein Verlängerungskabel gekauft, damit wir unseren kleinen Heizer ins Vorzelt stellen konnten. Danke für diese geniale Erfindung, liebes Universum! So hatten es auch die Kinder tagsüber warm und gemütlich.

K(l)eine Kaiser

Wir blieben bis zum 5. Mai und fuhren dann weiter Richtung Odenwald. Auf dem Weg dorthin haben wir uns mit Familie Kaiser verabredet. Annika kenne ich von Instagram und wir schreiben uns hin und wieder Nachrichten. „Hej, wenn ihr in der Nähe seid, meldet euch mal!“ schrieb sie mir, kurz bevor wir zur Elternzeitreise aufbrachen. Wir suchten einen Spielplatz am Rande von Frankfurt raus und warteten auf die Kaiser. Wir fahren mit Fiete nur, wenn K2 seinen Schlaf hat. Also morgens oder mittags. Das Zeitfenster für die Fahrt sind immer 1,5-2 Stunden. Anschließend ist der kleine Mann 2-3 Stunden wach und bereit für Aktivität. Dass an diesem Tag der Wurm drin war, merkten wir alle schon morgens, als K2 viel zu früh wach wurde, wir viel zu hektisch aufbrechen mussten und wir viel zu früh am Spielplatz waren.

Weiter in den Odenwald

Bei den Kaisers lief es nicht besser, wie uns Annika später berichtete. Also fuhren wir ohne Insta-Treffen weiter in den Odenwald. Der Campingplatz hatte keine Nebensaison-Angebote und so wollten wir nur kurz bleiben. Doch der Platz entpuppte sich als idealer Ort für beide Kinder zum Spielen und Toben. K1 ist auf den leicht abschüssigen Wegen Scooter gehalten und ihre Technik verbessert. K2 konnte sich von seinem 3 Tage Fieber über Ostern auskurieren und ist den Infekt endlich los. Wir blieben und aßen Pizza aus dem Restaurant, schwammen im Hallenbad, das wir nur für uns alleine hatten und nutzen als einzige Gäste den niegelnagelneuen Spielplatz aus. Perfekt!

Auf der schwäbsche Eisebahne

Am 8. Mai ging es dann weiter auf die schwäbische Alb. In Münsingen soll es einen richtig tollen Campingplatz geben, den wir heute angesteuert haben. Weil der Weg aufgrund von Stau und überhaupt länger war als gedacht, haben wir in Metzingen einen Halt eingelegt und eine neue Pfanne im Outlet gekauft. Mit dem nächsten Schlaf von K2 ging es dann weiter. Auf den Schildern Richtung Münsingen sah ich immer wieder Bieberach und mir kam dieses Lied ins Ohr, das ihr auch alle kennt (wenn ihr Kinder habt):

Auf der schwäbsche Eisebahne gibt’s gar viele Haltstatione,
Schtuegert, Ulm und Biberach, Meckebeure, Durlesbach.
Rulla, rulla, rullala, rulla, rulla, rullala,
Schtuegert, Ulm und Biberach, Meckebeure, Durlesbach.
Kinderlied

Bitte für den Ohrwurm, gern geschehen. Wir kamen also auf dem Campingplatz an und zogen ein kleines Fazit. Die Kinder machen das super mit. Wir haben das Nötigste eingepackt und nicht zu viel. Handschuhe zum Auf- und Abbauen des Zeltes kann ich allerdings bei dem regnerischen Wetter gut gebrauchen, ein Kopfkissen ist zu wenig eingepackt (K1 erhebt nachts alleinige Besitzansprüche am großen Kopfkissen) und die Pfanne haben wir bereits ausgetauscht.

Dinge, die du auf einer Reise mit Baby nicht brauchst

Dinge, die du auf einer Reise mit Baby nicht brauchst

Gestern Abend saßen wir gemeinsam auf der Couch und erinnerten uns an die Reise durch Frankreich und Spanien. Wir sind seit 4 Monaten wieder zu Hause. Zeit also, neue Ziele für 2017 zu finden und spannende Trips zu planen. Unser Gespräch drehte sich allerdings eher um die Dinge, die wir hätten getrost zu Hause lassen können. Davon möchte ich euch kurz berichten.

Auf jeden Fall muss der Kinderwagen mit!

Dachten wir jedenfalls. Letztendlich haben wir ihn auf der Elternreise kaum benutzt. Dafür hat er ziemlich viel Platz eingenommen und musste bei Regen im VW Bus bleiben. Wir verfrachteten ihn dann auf den Beifahrersitz, den wir dann nicht mehr benutzen konnten. Im VW Bus kann man die Pilotensitze vorne um fast 270 Grad drehen. Statt Kinderwagen haben wir unsere kleine Tochter dann im Tragetuch oder Tragesystem getragen. Mit der Zeit wurde sie allerdings immer schwerer und neugieriger, sodass wir sie zum Ende der Reise auf den Rücken tragen mussten. Selbst bei Ausflügen in Städte haben wir den Kinderwagen noch mitgenommen, aber kaum für unsere Kleine benutzt. Sie schlief eh viel lieber vor Papas oder Mamas Bauch. Wir haben so einen tollen Kinderwagen, der sich sogar als Buggy nutzen lässt. Genau, ihr ahnt es, haben wir nie genutzt. Bleibt also beim nächsten Trip zu Hause.

Eine Sitzerhöhung darf nicht fehlen!

So eine praktische Sitzerhöhung von Babymoov haben wir in einigen anderen Blogs und Foren vorgeschlagen bekommen. Die reisenden Eltern haben den Sitz hoch gelobt, wie praktisch und erleichternd er doch beim Füttern sei. Uns hat allerdings das Material Bauchschmerzen bereitet. Allerdings haben wir ihn – schlechten Gewissens – doch gekauft. Was soll ich sagen… es handelt sich um ein Stück Plastik, dass zusammengeklappt gut zu transportieren ist und nicht viel Platz wegnimmt. Doch einen Mehrwert hat der Sitz höchstens, wenn man alleine mit Kind reist. Wir haben eh die gesamte Zeit zusammen verbracht, sodass einer von uns beiden die Kleine auf dem Schoß hatte, während der andere gefüttert hat. Ja, wir haben uns blenden lassen und nicht auf unseren Bauch und unsere Werte gehört. Wir haben den Sitz nach unserer Reise wieder verkauft.

Diese große Tasche mit der Kleidung ist ganz wichtig!

Auch wir haben den Fehler gemacht, zu viele Taschen und zu viel Kleidung mitzunehmen. Ja, es ist wirklich so. Dieses Lieblings-Shirt und jene Lieblingshose müssen auf jeden Fall mit. Aus einer wurden zwei, aus drei wurden vier Lieblingssachen. Drei Jacken für warmes, mildes und kaltes Wetter und natürlich Regen-, Jeans- und Wanderhosen. Immerhin sind wir ja auch acht Wochen unterwegs! Für unsere Kleine haben wir auch mehrere Taschen mit Wechselklamotten dabeigehabt, wobei wir tatsächlich gar nicht alles gebraucht haben. Waschen konnten wir auf jedem Campingplatz und wenn es kalt wurde, haben wir ihr mehrere Schichten angezogen. Fertig. Dass weniger mehr ist, habe ich zuletzt auf einer Wanderung durch Nordschweden erfahren. Es geht auch mit 2 Paar Socken, 2 Funktionsshirts, einer bequemen und einer Wanderhose sowie ein wenig Unterwäsche. Dazu noch eine Daunenjacke, die man in eine Regenjacke einhängen kann. Irgendwie müssen wir da noch an uns arbeiten, denn eigentlich wissen wir es doch besser!

Spielzeit, wir brauchen auf jeden Fall Spielzeug für die Kleine

Nein, brauchen wir nicht. Schon nach einer Woche haben wir die Hälfte der Spielsachen in eine Tasche (sic!) gepackt und den Schwiegereltern mitgegeben. Wir haben sie in Frankreich getroffen, als sie auf der Rückreise waren. Um es kurz zu machen: Eine Rassel, ein Stofftier und ein Beißring reichen auch! Alternativen gibt es in Form von Kleidung, Schlüsseln und anderen spannenden Alltagsgegenständen. Trust me, it’s true!
Unsere Tochter war zum Zeitpunkt der Reise übrigens 7 Monate alt. Mal sehen, was wir auf der nächsten Reise alles mitnehmen und doch nicht gebrauchen. Sicherlich werde ich die Liste noch einmal überarbeiten, denn irgendwie habe ich das Gefühl, dass noch einige Reisen kommen werden, auf denen wir Dinge mitnehmen, die wir doch nicht gebrauchen werden.

 
 

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