Welcher Mann hat sich in deiner Kindheit um dich gekümmert?

Welcher Mann hat sich in deiner Kindheit um dich gekümmert?

Vor einigen Jahren habe ich in Hamburg ein Männerseminar besucht. Es ging in erster Linie um Stressprävention und hat mich in anderer Weise nachhaltig geprägt. Als Partner, als Vater und als Mensch.

Damals kam ich gerade aus einer unglücklichen Beziehung und war noch dabei, alles aufzuarbeiten. Den Streit, warum ich mich getrennt hatte und was das alles mit meiner Vergangenheit zu tun hatte. Das Seminar tat mir richtig gut. Es war eine Überprüfung meiner Werte, meiner Haltung und Sichtweise auf mein bisheriges und auf mein zukünftiges Leben. Jederzeit würde ich das Seminar wieder besuchen, obschon ich nun selber solche Seminare gebe. Ich weiß um die reinigende Kraft von selbsterfahrenden Männer-Seminaren. Als Ivo drüben auf Instagram vor einiger Zeit eine interessante Frage stellte, kamen die Erinnerungen an das Seminar wieder hoch. Es ging um Vorbilder.

Welcher Mann hat sich in deiner Kindheit um dich gekümmert?

Diese einfache Frage lies mich lange nachdenken. Mein Vater war es nicht, oder doch? Er müsste es eigentlich gewesen sein. War er denn in meiner Kindheit da? War er präsent? Nicht so wirklich. War er denn ein aktiver Vater? Hat er sich eigentlich für mich interessiert? Oder galt seine Aufmerksamkeit dem traditionellen Rollenbild und der patriarchalischen Lebensweise? Ich denke letzteres war der Fall. Die Eltern meiner Ex-Freundin sagten mal beim Essen, dass es ihnen leid tue, aber mein Vater sei ein richtiges Arschloch. Kann so jemand ein Vorbild sein?

Der eigene Vater als Vorbild

Jedes Kind braucht Vorbilder. Dies sind in erster Linie die Eltern oder die primären Bezugspersonen. Im traditionellen Rollenbild sind das Vater und Mutter. Da ich in einem solchem Modell aufgewachsen bin, kann ich nur aus dieser Sichtweise berichten. Trotzdem sehe ich meinem Vater nicht als Vorbild. Vielmehr hatte ich in meiner Kindheit und Jugend viele andere Vorbilder, denen ich nachgeeifert hatte. Mein Vater spielte in dem Team nur eine untergeordnete Rolle, denn ich war emotional abhängig von ihm.

Meine gesamte Kindheit war weiblich geprägt. Zeitlebens war meine Mutter Hausfrau und hat sich um mich und später um meine drei Geschwister gekümmert. Mit vier Jahren kam ich in den Kindergarten und wurde zusammen mit vielen anderen Kindern von Erzieherinnen betreut. Mit sechs Jahren wechselte ich auf die Grundschule und wurde von Lehrerinnen unterrichtet. Erst in der weiterführenden Schule hatte ich einen Klassenlehrer und verschiedene Fachlehrer. Es hat sich kein Mann in meiner Kindheit um mich gekümmert, obwohl es einen Vater gehabt hätte. Meine Sozialisation war weiblich.

Der passive Vater

Mein Vater war selbständig, arbeitete bis spät in die Nacht und war viel unterwegs. Vor ein paar Jahren sagte er mal, dass er nach der Geburt meiner zwei Jahre jüngeren Schwester Burnout gehabt hätte und kürzer treten musste. Tat er aber nicht. Auch erinnere ich mich an einen Bandscheibenvorfall mit anschließendem Krankenhausaufenthalt. Er hätte wieder kürzer treten müssen. Tat er aber nicht. Als wir ihn im Krankenhaus besuchten, saß er zwischen Akten und Laptop und arbeitet. Später, als ich etwa 10 Jahre alt war, richtete er sich zu Hause ein Büro ein, um nicht mehr so viel unterwegs zu sein.

Seit dieser Zeit habe ich meinen Vater zwar häufiger gesehen, aber viel hat er mit uns nicht gemacht. In Erinnerung blieb er nur, weil er zum Mittag- und Abendessen am Tisch saß oder wenn er wütend und verärgert ins Wohnzimmer kam und sich über die Lautstärke beim Spielen beschwerte. An den Wochenenden haben wir hin und wieder eine einstündige Fahrradtour durch die Bauernschaften gemacht. Mein Vater fuhr vor und wir kamen nicht hinterher. Er war da, aber präsent war er nicht. Doch halt. Immer wenn er von einer Geschäftsreise zurück kam, hatte er Spielzeug für uns dabei. Yay!

Es hat uns finanziell an nichts gefehlt. Es gab jeden Tag eine warme Mahlzeit, wir hatten ein eigenes Haus mit großem Garten und zwei Autos. Wir hatten sehr früh für jedes Kind einen Computer und einmal im Jahr kam mein Vater mit einer großen Tasche Disketten aus den USA von einer Computer-Messe zurück. Die neusten Spiele und Programme. Auch durfte ich verschiedene Sportarten in unterschiedlichen Vereinen ausprobieren. So habe ich lange Volleyball und Fußball gespielt und war einige Zeit Leistungsschwimmer. Mit 14 Jahren durfte ich Segelfliegen lernen und musste erst ab 18 Jahren die Beiträge selber zahlen. Also warum die Grübelei? 

Weil mein Vater einfach nicht präsent war. Weder er noch meine Mutter haben mich bei Wettkämpfen oder Turnieren begleitet oder unterstützt. Sie haben keine Erfolge mit mir gefeiert und auch keine Niederlagen emotional aufgefangen. Bei Hausaufgaben hat nur meine Mutter geholfen und wenn es schlechte Noten gab, musste ich mir von meinem Vater was anhören. Er war immer der Bad Cop. Geholfen hat er mir bei den Hausaufgaben nie. In mir hat sich ein negatives Bild verankert. Schon früh wusste ich, dass ich es einmal anders machen wollte. Nein, nicht nur anders, sondern besser!

Es geht auch anders

Inspiriert und empowert haben mich daher Menschen, die selbstbestimmt und ohne Konventionen leben. Väter, die ihre Kinder liebevoll und fürsorglich in ihrer Entwicklung begleitet haben. Männer, die trotz ihrer Stärke auch schwache Momente haben und von Grund auf ehrlich zu sich und anderen Menschen sind. Wertschätzende Kommunikation, ein Menschenbild, das von einem liebevollen Miteinander ausgeht und Aufrichtigkeit sind vorbildliche Werte, die ich gesucht habe.

Diese Menschen gibt es. Diese Männer gibt es. Diese Väter gibt es. Ich habe sie gesucht, gefunden und mir zum Vorbild gemacht. Sie wissen es nicht, aber ich bin ihnen unendlich dankbar, dass es sie gibt. Sie haben mir den Glauben gegeben, dass es ein wertschätzendes Miteinander geben kann. Sie haben mir Impulse, Kraft und Mut für mein selbstbestimmtes Leben gegeben. Hin und wieder treffe ich den einen oder anderen, gleiche meine Vorstellungen ab und nehme immer ein bisschen Kraft mit nach Hause. 

Niemand ist in seiner Rolle perfekt. Mein Vater konnte es nicht besser. Er wird seine Gründe gehabt haben. Ich will es aber auch, weil es an Männern in der Sozialisation fehlt. Familie, Kindergarten, Grundschule. Ich will meinen Kindern ein gutes Vorbild sein. Ein aktiver und präsenter Vater. Statt finanziellem Wohlstand, Reichtum und ein gutes Auskommen möchte ich ihre Grundbedürfnisse stillen: Liebe, Nähe und Zärtlichkeit. Jungs brauchen genau so viel davon, wie Mädchen. Wir sollten einfühlsam auf unsere Kinder zugehen und ihnen wertschätzend begegnen. Dann müssen sie sich auch keine anderen Vorbilder suchen.

Wie viel Zeit bleibt dir noch für deine Kinder?

Wie viel Zeit bleibt dir noch für deine Kinder?

Weißt du, wie viel Zeit dir noch für deine Kinder bleibt? In Vorbereitung auf meine Seminare für Väter und im Allgemeinen, setze ich immer wieder Methoden ein, die zum Nachdenken anregen sollen. Heute stelle ich dir eine Methode vor, in der es um deine Lebenszeit geht. Bereit?

Alles was du brauchst sind Grundlagen der Mathematik und ein Maßband aus dem schwedischen Möbelhaus oder einem Baumarkt deines Vertrauens. Die sind meistens 100 cm lang. Jeder Zentimeter steht dabei für ein Lebensjahr. Am besten beschreibe ich dir die Methode anhand meines Alters. Ich bin von Jahrgang 1983 und zurzeit 36 Jahre alt. Die Lebenserwartung für Männer von Jahrgang 1983 liegt bei ungefähr 71 Jahren. Neuere Berechnungen gehen von einem höheren Lebensalter aus, ich rechne aber konservativ.

Risikofaktoren beachten

Nun schauen wir uns die Risikofaktoren an, die Einfluss auf unser Alter haben. Rauchen und Alkohol gehören zu den größten Faktoren, die unsere Lebenszeit verkürzen. Ich habe in meinem Leben höchstens 5 Zigaretten geraucht und trinke keinen Alkohol. Früher habe ich hin und wieder Alkohol getrunken, aber nicht regelmäßig und allzuviel. Ich gebe mir selber 2 Jahre Lebensjahre weniger für diese Risikofaktoren.
Danach folgen Fettleibigkeit (Adipositas), Bluthochdruck und Diabetes. Bis auf leichten Bluthochdruck habe ich keinerlei Probleme oder Beschwerden mit diesen Risikofaktoren. Da Bluthochdruck Probleme mit Herz und Hirn verursachen kann, gebe ich auch hierfür 2 Lebensjahre weniger.
An fünfter Stelle folgt Bewegungsmangel. Ja, seitdem ich Kinder habe, mache ich keinen Sport mehr. Ok, wenn man das Tragen der Kinder berücksichtigt, bin ich täglich mehrere Stunden unterwegs. Aber so richtigen Ausdauersport, egal ob im Fitness-Studio oder draußen, betreibe ich nicht mehr. Das sah schon mal anderes aus und ich freue mich schon auf die Zeit, wenn ich wieder Sport machen kann. Ich vergebe mir 1 Lebensjahr weniger für Bewegungsmangel.

Drogen und anderes hartes Zeug

Die Anzahl der Joints, die ich in meinem Leben geraucht habe, sind schon oben beim Rauchen mit berücksichtigt. Mit Drogen meine ich aber viel mehr Speed, Ecstasy/MDMA und anderen Scheiß, die unter das Suchtmittelgesetz fallen. Finger weg! Hier vergebe ich 0 Lebenszeitpunkte weniger. Überlege für dich, inwieweit du zum Beispiel regelmäßig Kokain oder andere Mittel nimmst. Die Dosis macht das Gift und regelmäßig Konsum führt zu Begleiterkrankungen, die dein Leben verkürzen können!
Lebens-Maßband

Hefte raus, Klassenarbeit

Jetzt visualisieren wir das Ganze anhand des Maßbandes. Schneide die Lebensjahre ab, die du schon gelebt hast. Ich mache einen Schnitt bei 36 cm. Uiui… Den Streifen brauchst du nicht mehr, denn das Leben hast du bereits gelebt. Hart, aber wahr. Jetzt mache einen Schnitt bei deinem vermutlichen Höchstalter. Bei mir sind es 71 Jahre. Schnipp, bleibt ein Streifen von 35 cm übrig.
Nur leider müssen jetzt noch die Risikofaktoren angeschnitten werden. Shit. Minus 5 Jahre. Bleiben noch 30 Jahre übrig. OMG, WTF, F*CK. 30 Jahre? Das Maßband ist auf weniger als 1/3 geschrumpft. Damit hätte ich jetzt nicht „gerechnet“. Das Leben soll also noch vor mir liegen?
Kurze Pause, ich muss das mal eben realisieren…

Und jetzt?

Es sagt sich immer so leicht, wie alt wir sind und worauf wir uns freuen im Leben. Oder dass ich sehen möchte, wie meine Kinder groß werden. Aber wenn meine Kinder so alt sind, wie ich jetzt bin, könnte ich schon gar nicht mehr am Leben sein! 30 Jahre sind so schnell vergangen. Vor 30 Jahren war die Wiedervereinigung! Ey, das war quasi gestern!
Diese und andere Übungen habe ich vor Jahren selber in unterschiedlichen Situationen gemacht. Damals wurde mir klar, dass mein Leben endlich ist. Dass ich mein Leben selbstbestimmt in der Hand habe und mich nicht von anderen leiten lassen muss. Mir ist mein Leben am wichtigsten, also gestalte ich es nach meinen Wünschen!

Mit Qualitätszeit füllen

Mein Wunsch ist es, meine Kinder zu begleiten. Sie groß werden zu sehen. Mein Wunsch ist es aber auch, selbstbestimmt zu leben und eine selbsterfüllende und sinnhafte Tätigkeit auszuüben. Gearbeitet habe ich bereits, bis ich Kinder hatte. Jetzt ist Zeit für die Begleitung. Sobald sie aus dem Gröbsten raus sind, kann ich wieder beruflich weitermachen. Oder auch nicht. Meine 30 Jahre möchte ich mit Qualität füllen!
Unterschrift von Heiner
Was ist mit dir? Wo machst du die Schnitte auf deinem Lebensmaßband? Was sind deine Laster, deine Risikofaktoren? Egal, wie viel Zeit dir noch bleibt. Entscheidend ist doch, dass du sie mit dem füllst, was dir wichtig ist!

Umfrage: Gesund Vater Sein – Wie ticken Väter 2019

Umfrage: Gesund Vater Sein – Wie ticken Väter 2019

Weißt du eigentlich, wie Väter so ticken? Nicht erst seit meiner Elternzeit beschäftigt mich diese Frage. Klar, vollkommen unterschiedlich natürlich! Aber mal ehrlich, weißt du, WIE unterschiedlich sie ticken? Das möchte ich herausfinden und brauche deine Papa-Hilfe!

Ich möchte dich einladen fünf Fragen zu deiner Vaterschaft zu beantworten. Ich möchte wissen, wie du tickst und wie du deine Vaterrolle gestaltest. Mich interessieren deine Wünsche, deine Befürchtungen und deine Träume. Wo liegen die Konflikte in der Vereinbarkeit von Familie & Beruf und wo soll die Reise hingehen? Solltest du eine Mama sein, bist du herzlich eingeladen, deinen Mann auf die Fragen hinzuweisen.

Mein Dankeschön an dich

Als Dankeschön für deinen Einblick in deine Denkweise erhältst du von mir den Vaterschaft-Veränderungs-Fahrplan. Mit diesem Arbeitsblatt kannst du überprüfen, in welcher Phase der Veränderung du dich befindest, was du noch benötigst und wie die nächsten Schritte aussehen. Ein Veränderungs-Schema zeigt dir, welche Ressourcen benötigt werden, damit der Veränderungsprozess zu einer besseren Vereinbarkeit von Familie & Beruf gelingt!
Die Ergebnisse aller Einsendungen werden nach einer Zeit hier auf vaterwelten.de veröffentlicht. Wenn du darüber informiert werden möchtest, trag dich in den Newsletter ein. Nun aber genug geredet!

Beste Grüße,

E2W4: Bis ans Mittelmeer und zurück

E2W4: Bis ans Mittelmeer und zurück

Wir sind auf Elternzeitreise. Papa, Mama mit K1 (3 Jahre) und K2 (8 Monate). Ich nehme mir von meinem Teilzeit-Job eine zehnmonatige Auszeit. Ab August geht meine Frau zurück in den Job. In der Zwischenzeit wollen wir erneut mit Fiete verreisen. Bei K1 waren wir in Spanien. Unser jetziges Ziel: Slowenien. Ich knüpfe direkt an die Erlebnisse der ersten, der zweiten Woche und der dritten Woche an.

Überraschung: Wir sind wieder zu Hause! Nach insgesamt vier Wochen und 3.000 km schlafen wir wieder in unserer gewohnten Umgebung. Obwohl Fiete auch zu einer gewohnten Umgebung geworden ist, fühlt sich das heimische Bett, die Wohnung und die Freunde nach „zu Hause“ an. Obwohl die Reise eine überraschende Wendung nahm, sind wir ebenso happy, wieder hier zu sein.
Wie ich letzte Woche bereits beschrieben haben, hat uns der Campingplatz an den drei Flüssen sehr verzaubert. K1 hatte ihr Trampolin, wenige andere Camper waren auf dem großen Areal mitten im Wald, sodass wir uns fast allein fühlten. Ein Kater leistete uns seit ein paar Tagen Gesellschaft, niemand war krank und alles war perfekt. Sogar das Wetter hat sich von seiner schönsten Seite gezeigt – über 30 Grad, Sonne pur. Vergessen die regnerischen Tage und Wochen bis hierher.

Und doch müssen wir abreisen, denn der Platz wird für eine Hochzeit am Wochenende gebraucht. Mit einem weinenden Auge und einem lachenden Auge planen wir die Route. Soll es doch über Italien nach Slowenien gehen? Wollen wir eine Rundreise um Frankreich machen oder bleiben wir in der Provence? Der Familienrat bespricht das weitere Vorgehen am Spielplatz, am Fluss, beim Essen und immer dann, wenn wir Zeit dafür finden. Es liegt also eine Entscheidung in der Luft. K1 meldet sich zunächst leise und dann immer lauter zu Wort: „Ich will aber nach Hause zu Oma und Opa!“ – Uff, damit hat niemand gerechnet.
Oma und Opa sind fester Bestandteil unseres Alltages. Gleichzeitig sehen sich K1 und die Großeltern vielleicht ein-/zweimal pro Woche. Hin und wieder darf sie dort übernachten. Eine tägliche Betreuung für mehrere Stunden, wie eine Camperin vermutete, findet nicht statt. Also auch kein zurück in den Alltag. Wir begegnen dem Wunsch und reden viel miteinander. K1 telefoniert hin und wieder mit den Großeltern, wir reden viel über die gemeinsamen Erlebnisse und freuen uns auf die Zeit nach unserer Reise. Wir spielen „Gassi gehen“ mit den Hunden der Großeltern und K1 imitiert die Gesten, den Habitus und die Sprache von Oma und Opa.

Heimweh

„Ich will aber nach Hause!“ – Der Wunsch wird immer deutlicher und wir fragen uns, ob es sich um einen Wunsch oder um ein Bedürfnis handelt. Gleichzeitig ist in mir der große Wunsch ans Mittelmeer zu fahren. In einem Hörspiel, dass K1 seit Beginn der Reise immer wieder hört, geht es auch um eine Reise ans Meer – allerdings mit den Großeltern. Ich setze mich im Familienrat durch und wir setzen unsere Reise fort – an die Côte d’Azure. Ein Fehler? Die Autofahrt soll ca. 3 Stunden dauern und auf zwei Etappen aufgeteilt werden. Die Leichtigkeit verfliegt, als wir gerade ein paar Kilometer unterwegs sind. K1 fiebert hoch.

Auf dem Campingplatz angekommen liegt K1 auf der Rückbank und schläft. Sie ist heiß und hat Bauchweh. Ich baue das Vorzelt auf, räume im Bus hin und her, während Corinna mit K2 den Platz erkundet. K1 weint, wimmert und hat Bauchweh. Sie fiebert immer noch. Ein Zäpfchen wird nur kurz abgewehrt. Sie schläft den Spätnachmittag im Hochdach für ein paar Stunden. Gleichzeitig sagt sie immerzu, dass sie nach Hause will. Corinna und ich entscheiden, dass wir die Reise am Mittelmeer abbrechen werden. Es geht in ein paar Tagen nach Hause. Auf dem direkten Weg. Aus dem Wunsch ist ein Bedürfnis geworden.
Wir wollen immer die Bedürfnisse der Familienmitglieder in den Mittelpunkt setzen. Dabei richten wir uns nach der Gewaltfreien Kommunikation nach Marshall Rosenberg. Kurz gesprochen wird zwischen Wünsch und Bedürfnissen unterschieden. Wünschen dürfen mit einem Nein beantwortet werden. Bedürfnisse hingegen sollte man nachgehen, sie sollten erfüllt werden. Schließlich handelt es sich um eine innere Sinnhaftigkeit. Wie bei einem Schnellkochtopf, der auf dem eingeschalteten Herd steht. Wird der Deckel nicht irgendwann abgedreht, wird der Druck zu hoch. Wir nehmen K1 den Druck und haben gemeinsam entschieden, zurück nach Hause zu fahren.

Die Reise endet an der Côte d’Azure

Es kommt auch alles zusammen. Der Campingplatz ist sehr eng, hellhörig und wuselig. Ständig werden wir mit einem „Hallo, Guten Tag oder N’Abend“ begrüßt. Reisegefühle kommen hier nicht auf. Zudem werden wir höflich darauf hingewiesen, dass wir unsere Wäsche bitte nicht zum Trocknen zwischen den Bäumen aufhängen sollten. Mit Kind sei das zwar schwierig, aber so könnten die freien Plätze rechts und links von uns schlechter vergeben werden. Aha, so läuft das hier also. Zum Glück lernen wir eine fröhliche Familie aus Erfurt kennen, die wir direkt ins Herz geschlossen haben. Abends treffen wir uns zum Plausch unter unserer Markise und plaudern. Wir lachen viel, wir stellen viele Parallelen fest und bleiben in Kontakt.
Montags brechen wir die Zelte ab, räumen alles ein vorletztes Mal zusammen und fahren in die Ardèche-Region. Corinna hat von unterwegs herausgefunden, dass der Platz ein großes Trampolin hat. Genau wie auf unserem Lieblingsplatz mit den drei Flüssen: Jackpot. Das schafft uns ein klein wenig Abwechslung von den Strapazen, die wir bisher erlebt haben. K1 freut sich über das tolle Spielgerät und wir campen direkt in Sichtweite, sodass wir den Rückreise planen können. Also alles für die 1.004 km Rückreise, die wir zwei Tage später antreten werden. Am Tag der Rückreise fahren wir in 3 Etappen nach Hause, jeweils zu den Schlafenszeiten von K2.

Unterwegs machen wir Rast an den toll ausgebauten und preislich echt günstigen französischen Raststätten entlang der Route. Hier gibt es für 22 EUR Pizza und Nudeln inklusive Getränke und Nachspeisen. Zum Vergleich: Auf einem Campingplatz hat eine Pizza schon 12 EUR gekostet – und die war nicht riesig! Um 23 Uhr sind wir zu Hause angekommen und bringen die Kinder ins Bett. Haha, war nur Spaß! K1 ist eine Stunde vor Ende der Reise wach geworden und wollte nicht mehr schlafen. Kaum hatten wir den Motor abgestellt, wurde K2 wach. Gegen 2:30 Uhr waren dann alle im Bett.
Wir lassen die Momente noch sacken, die Erlebnisse werden noch verarbeitet. Ob wir traurig sind, dass die Reise vorbei ist? Nein. Denn wir leben nach den Bedürfnissen aller Familienmitgliedern! Egal, ob 8 Monate alt oder 35 Jahre. Ob wir solch eine Reise noch einmal machen werden? Ganz bestimmt, dann aber mit älteren Kindern und längeren Stopps. Vielleicht auch nur im „Urlaub-Modus“: also Hinfahrt, am Urlaubsort verbleiben, Rückfahrt. Lesson learned.

PS: Wie letzte Woche angekündigt, wurde ich zum Vatertag von der Bild am Sonntag interviewt. Hier der Link zum Artikel (Achtung, Bezahlschranke) und ein Foto aus der Zeitung!

E2W3 – Frankreich Provence

E2W3 – Frankreich Provence

Wir sind auf Elternzeitreise. Papa, Mama mit K1 (3 Jahre) und K2 (8 Monate). Ich nehme mir von meinem Teilzeit-Job eine zehnmonatige Auszeit. Ab August geht meine Frau zurück in den Job. In der Zwischenzeit wollen wir erneut mit Fiete verreisen. Bei K1 waren wir in Spanien. Unser jetziges Ziel: Slowenien. Ich knüpfe direkt an die Erlebnisse der ersten und zweiten Woche an.

Die Tage vergehen schneller, als uns lieb ist. Das immer gleiche Spiel: Morgens aufstehen und frühstücken, dann Spielplatz und K2 ins Bett bringen, Mittagessen und Spielplatz, K2 in Bett bringen und Abendbrot, anschließend Geschichte lesen und in den Schlaf begleiteten. Wir sind in unserer Camping-Routine angekommen, Abwaschen, Putzen, Auf- und Abbau gehen entspannt von der Hand. Wir sind an der frischen Luft und haben immer einen Platz zum Spielen.

Châteauneuf-de-Galaure

Der Bändchen-Campingplatz erweist sich als Glücksgriff, denn außer uns gibt es nur 12 andere Camper auf dem gesamten Gelände. Unsere Routine wird nur durch das Animationsprogramm gestört, nein, erweitert. Morgens um 10.30 Uhr im Kids-Club Zelt Basteln, Malen und Schnitzel-Jagd. Wir nehmen alles mit. K1 hat auch prompt eine Lieblings-Animateurin.

Abends um 18.30 Uhr gibt es Mini-Disco vor der großen Bühne. Wir sind drei Mal dabei und tanzen an einem Abend sogar alleine. Vier Animateure und zwei Kinder. Herrlich. K1 ist leicht überfordert, weil sie so sehr im Mittelpunkt steht. Sie sabbert an ihrer Jacke und erst zurück im Zelt wacht sie auf. Dann tanzt sie und sagt, dass sie jetzt Silke sei, ihre Lieblings-Animateurin.
Die Tage ziehen dahin wie die Wolken am Himmel. Hin und wieder regnet es ergiebig und wir wissen mittlerweile auch, dass es sich um eine ausgesprochen feuchte Wetterlage in ganz Europa handelt. Wir halten am Plan fest, weiter nach Süden zu fahren. Der Indoor-Spielbereich hat uns im Regen gerettet obwohl hier alles so schön nah ist, brauchen wir Sonne, Wärme und alles ein bisschen natürlicher.

Nach fünf Tagen packen wir also alles zusammen, K1 verabschiedet sich von Silke, die eine sehr gute Karriere als Kinder-Animateurin vor sich hat und machen uns auf den Weg Richtung Marseille. Das Wetter verspricht aufzuklaren und wärmer zu werden. Allerdings nur am Zielort und nicht da, wo wir gerade sind. Wir nehmen uns für diese Etappe allerdings nur 156 km vor, denn der ausdrückliche Wunsch aller ist, kürzer zu treten.
Naja, fast aller. Wenn es nach mir ginge, wäre ich schon längst am Meer. Aber hier geht es nicht nach mir, sondern es wir Familien demokratisch entschieden. Also fahren wir weiter in den Süden, in die Region Provence-Alpes-Côte d’Azur auf einen naturnahen Campingplatz am Fuße des Mont Ventoux. Na, ob das Wetter hier besser wird?

Entrecheaux

Es wird! Und wie! Wir lesen in den Nachrichten, dass Sturmtief Axel über Deutschland gerauscht ist und seine Ausläufer bis weiter nach Südfrankreich spürbar sind. Gleichzeitig sitzen wir hier bei 30° C und verbringen eine schöne Zeit auf dem Spielplatz. In kurzer Hose und T-Shirt. Im Allgäu und Österreich, wo wir jetzt theoretisch wären, gab es viele Überschwemmungen. Hier in der Region nahe des Mittelmeeres auf 300m Höhe ist eine andere Welt.

Der Platz ist wunderschön gelegen. Mitten im Pinienwald, eingerahmt von zwei Flüssen die zu einem großen zusammen fließen. An einem Tag haben K1 und ich uns Wasserschuhe angezogen und sind durch das flache Wasser gewatet. Es war so eiskalt und hat riesen Spaß gemacht. Anschließend sind wir ein Stück gewandert. Sie überraschte mir jeden Tag!

Denn am Vortag wollten wir eigentlich die Gegend erkundigen, doch daraus wurde nichts. Denn mit zwei nöhlenden Kindern macht uns allen das keinen Spaß. Nach 1 km drehen wir um und hüpfen lieber auf dem Trampolin. Daher bin ich so derbe überrascht und auch ein bisschen stolz, dass K1 nicht nur durchs kalte Wasser gewatet ist, sondern anschließend einen ca. 2 km langen Spaziergang gemacht hat. Freiwillig!

Dieser Platz hier ist der perfekte Ort zum länger verweilen. Die Menschen hier sind so freundlich und hilfsbereit und haben immer ein Lächeln auf den Lippen. Unter den wenigen Campern sind wir mit Abstand die jüngsten und bei allen bekannt. Leider ist am Wochenende hier eine Veranstaltung, sodass wir am Samstag schon wieder weiterreisen müssen. Mal schauen, wohin es geht. Denn so wirklich weiter zieht es uns nicht.

Und dann war da noch…

… ein langes Telefoninterview für eine große Deutsche Sonntagszeitung. Nach anderthalb Stunden war ich ganz schön fertig, denn das Gespräch war sehr intensiv, bzw. die Fragen waren sehr direkt, sodass ich teilweise echt überlegen musste. Zum Vatertag wird es ein Special über Väter geben, an dem ich mit meiner Geschichte teilnehmen darf. Ich bin gespannt und auch ein bisschen nervös.

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