Lass dich nicht gehen, geh selbst!

Lass dich nicht gehen, geh selbst!

Nur noch ein paar Wochen, dann beginnt der zweite Abschnitt meiner Elternzeit 2.0 – Eine Gelegenheit um zurück- und vorauszuschauen. Wie lief die Vereinbarkeit von Familie und Beruf bei Kind 1 und wie entwickelt es sich bei Kind 2?

Elternzeit 1.0 – 2015/2016

Einige Wochen vor der Geburt von K1 überrasche ich meinen damaligen Chef kurz vor Weihnachten mit der Nachricht, Elternzeit zu nehmen. Dass er nicht erfreut sein würde, hatte ich schon geahnt. Schließlich habe ich insgesamt sieben Monate angemeldet. Einen Monat ab Geburt und nach sieben Monaten die restlich verbleibenden sechs der insgesamt 14 Elternzeit-Monate. Mittlerweile mussten Arbeitnehmer*innen keine Elternzeit mehr beantragen sondern nur noch anmelden. Das wusste mein Chef anscheinend nicht und verweigerte mir die Zeit. Ich blieb hartnäckig und verwies auf die entsprechenden Gesetze. Von da an war nicht nur die berufliche sondern auch die private Ebene schwierig.
Die Arbeit fiel mir immer schwerer, was vor allem am kollegialen Klima lag. Inhaltlich war ich voller Tatendrang und wollte zusammen mit den ehrenamtlichen Jugendlichen viel bewegen. Ich arbeitete als Jugendbildungsreferent in einem Sportverband auf Landesebene. Ein Wechsel an der Spitze des Jugendverbandes stand bevor und ich hatte richtig Lust auf die kommenden Jahre. Sogar eine Vertreterin hatte ich für mein halbes Jahr Auszeit organisiert und sie musste nicht groß eingearbeitet werden. Denn eine Kollegin aus dem Team stockte einfach auf eine Vollzeitstelle auf. Die restlichen inhaltlichen Aufgaben übertrug ich an die Jugendlichen.
In meinem Bauch rumorte es jedoch gewaltig. Denn schon als Jugendlicher wollte ich Papa sein und für meine Kinder da sein. Das ging aber nicht in einem ehrenamtlich organisierten Sportverband. Zu oft gab es Sitzungen nach 18 Uhr bis weit in den Abend und Veranstaltungen von Freitagmorgen bis Sonntagabend. Also absolut nicht kompatibel mit Familienleben. Schließlich arbeitete meine Frau zu der Zeit 30 Stunden von Montag bis Freitag und alle paar Wochen für ein paar Stunden am Wochenende. Dass meine Frau Stunden reduzieren sollte, nur damit ich weiterhin arbeiten gehen kann, kam für mich nie in Frage.
Dass ich einigen mit dieser Ankündigung dermaßen vor den Kopf stoßen würde, hätte ich nicht gedacht. Mir kam es vor, als würde ich den Vätern, mit denen ich zusammen arbeitete, durch meine Ankündigung den Spiegel vorhalten. Dass dies nicht meine Absicht war, konnte ich nie wirklich auflösen. Zu festgefahren waren die zwischenmenschlichen Konflikte. Vielleicht fühlte sich mein Chef hintergangen oder von mir getäuscht, als wir über meine bevorstehende Vaterschaft sprachen. Ich wusste, wie er seine Vaterrolle ausfüllt, er wusste nicht, wie ich meine ausfüllen werde. Meine Erwartungen an Vaterschaft deckten sich jedenfalls nicht mit seinen. Er ist ein anderer Vater als ich es sein wollte. Das habe ich ihm so aber nie gesagt. Vielleicht aus Angst.
Somit war es auch nicht überraschend, dass ich gerne nach der Elternzeit von 40 Stunden auf 20 Stunden reduzieren wollte. Dies musste genehmigt werden und natürlich ein Ersatz gefunden werden. Die Genehmigung blieb aus. In einem ehrenamtlich geführten Sportverband sei es nicht möglich, halbtags Bildungsarbeit zu machen, wenn viele Sitzungen abends und Veranstaltungen über das Wochenende stattfinden. Wann sollte ich dann im Büro sein und arbeiten? Mit dieser Ankündigung ging ich schließlich im September 2017 in Elternzeit. Begleitet von Bauchschmerzen, Schlafstörungen und Kopfschmerzen.
Letztendlich und zum Glück konnte ich auf der Elternzeitreise doch sehr gut abschalten und hatte es sogar geschafft, ein paar Eindrücke zu verbloggen. Die Idee zu Vaterwelten entstand auf einem Campingplatz in Ronda, Spanien. Bis dahin dachte ich noch ganz fest daran, dass ich in meinen alten Job zurückkehren werde, da mit meine Arbeit mit den Jugendlichen sehr viel Spaß gemacht hatte. Und irgendwie würden wir auch für die Betreuung der Kleinen eine Lösung finden. Haben schließlich andere Eltern auch geschafft. Doch je mehr ich mich auf die Suche nach meinem inneren Vatersein machte, je mehr Gespräche ich mit meiner Frau über Elternsein führte, umso mehr wuchs in mir der Wunsch, nicht mehr zurückzukehren.
Kurz nachdem wir aus Spanien zurückgekehrt waren, kam meine Frau auf mich zu und sagte: „Du darfst kündigen. Es ist okay. Wir schaffen das gemeinsam. Du hast jedes Recht dazu, glücklich zu sein.“ – Wow, bäm. Das saß! Darüber musste ich erst eine Nacht schlafen und am nächsten Morgen wachte ich mit der inneren Überzeugung auf zu kündigen. Es fühlte sich verdammt gut an und alle meine Sorgen über das Geld, die Karriere, die falschen Glaubenssätze waren verflogen. In mir wuchs die Freude über die gewonnene Freiheit. Freiheit in meinem Kopf und die Selbstbestimmtheit, die ich so sehr für mich einfordere.

Lass dich nicht gehen, geh selbst!
Magda Bentrup

Zwei Wochen vor Weihnachten habe ich dann meinem Chef die Nachricht in einem persönlichen Gespräch überbracht. Mit starken Bauchschmerzen fuhr ich ins Büro. Herzrasen hatte ich bei dem Gedanken, die Kollegen zu sehen und ihnen wieder mit dem Spiegel zu begegnen. Es gab in der Geschäftsführung einen Wechsel, sodass ich mich dem neuen Chef nur kurz vorgestellt hatte, weil ich ja eh nicht wieder kommen würde. Er nahm die Kündigung entgegen und hätte gern mit mir weitergearbeitet. Der Rückweg nach Hause war pure Erleichterung. So sehr, dass ich im Auto weinen musste, weil eine große Belastung von meinen Schulter fiel. Mein Bauch entspannte sich und mein Kopf war plötzlich frei.

Elternzeit 2.0 – 2018/2019

Nach nicht einmal acht Wochen bewarb ich mich initiativ in einem Akutkrankenhaus als Klinischer Sozialarbeiter. Tatsächlich wurde ich eingeladen und für ein Jahr mit 20 Stunden Teilzeit befristet eingestellt. Meine Frau arbeitet ebenfalls dort und so konnten wir die Arbeitszeit untereinander aufteilen. Morgens arbeitete ich bis 12 Uhr und anschließend arbeitete sie bis 18 Uhr. Die Übergabe der Kleinen haben wir dann auf der Arbeit gemacht. Mein Vertrag wurde Ende 2017 entfristet und bereits Anfang 2018 waren wir wieder schwanger. Perfektes Timing. Jetzt wollte ich mit der Anmeldung der Elternzeit alles richtig machen. Die letzte Erfahrung bei K1 hatte mich schon ein wenig desillusioniert.
Also habe ich meine Chefin etwa ein halbes Jahr vor Entbindungstermin eingeweiht, dass ich eine lange Elternzeit plane und ihr bereits erste zeitliche Pläne vorgestellt. Zu meiner Überraschung reagierte sie positiv auf die Ankündigung und freute sich für mich. Im Spaß sagte sie zwar, dass sie extra einen Mann eingestellt hätte, um das zu vermeiden, warf mir aber gleich einen Zwinker zu und ich verstand sofort. In meinem Team haben alle Kinder und jeweils Zeit zu Hause verbracht. Teilweise Jahre oder haben in Teilzeit weitergearbeitet. Mein Anliegen stieß also auf große Begeisterung. Ein Mann bleibt freiwillig zu Hause. Keine Stimme war mir offen unwohl gesonnen. Vielmehr begegnete mir Lob und Anerkennung.
Getragen von diesen positiven Erlebnissen habe ich einen Monat ab Geburt Elternzeit genommen und werde ab Juni 2019 für weitere sieben Monate Elternzeit nehmen. Da ich noch sehr viele Überstunden und Urlaubstage habe, verabschiede ich mich bereits Ende März in Elternzeit. Die Stelle ist seit Januar ausgeschrieben und das Bewerbungsverfahren läuft bereits. Meine Kolleg*innen stehen hinter mir und unterstützen mich, wo sie können. Falls ich mal früher gehen muss oder später komme, halten sie mir den Rücken frei. Falls eines der Kinder krank ist, bleibe ich zu Hause.
Ich gehe gerne zur Arbeit und gehe noch lieber wieder nach Hause. Meine Kinder und meine Frau kennen mein Team und begegnen sich hin und wieder. Dabei fühlt sich die Arbeit im Krankenhaus an, wie eine große Familie. Wir sind Teil davon und ich fühle mich angekommen. Zumal der Job, den ich jetzt mache, haargenau mein Profil im Bachelor- und Masterstudium war. Deckel und Topf und so, ihr wisst was ich meine! Ich bin einfach nur dankbar und glücklich!
Diese kleine Geschichte zeigt mir nachhaltig, dass wir es selber in der Hand haben, glücklich zu sein. Wie Magda Bentrup sagt, müssen wir selber gehen. Die Selbstbestimmtheit über mein Leben, mein Glück und mein Denken und Handeln möchte ich stets bei mir wissen. Die Konsequenz meiner Kündigung zeigt mir, dass es richtig und wichtig war, diesen Schritt zu gehen. Zum Wohl meiner Familie und zum Wohl meines Selbstwertgefühls.
Danke! Es ist nicht selbstverständlich!

Photo by Caleb Jones on Unsplash

Die größte Veränderung findet in deinem Kopf statt

Die größte Veränderung findet in deinem Kopf statt

Das gegenwärtige Bild der Familie in Deutschland ist nach wie vor gekennzeichnet von traditionellen Rollenbildern. Der Mann arbeitet Vollzeit und die Frau kümmert sich um die Kinder. Frauen erkämpfen sich immer mehr Rechte um Teilhabe am Erwerbsleben. Auf der Strecke bleiben Kinder, die in meinen Augen zu früh in die Fremdbetreuung gegeben werden. Politisch ist das sogar gewollt!

Eine Steile These, die ich im Folgenden ein wenig aufdröseln möchte. Nur kurz ein paar Zahlen: Das Statistische Bundesamt hat im vergangenen Jahr wieder einen Report veröffentlicht. Der Datenreport 2018 schreibt gleich auf den vorderen Seiten, dass 760.000 Kinder unter 3 Jahren 2017 außer Haus betreut wurden – doppelt so viele wie vor 10 Jahren. Im weiteren Verlauf geht der Report auf die Situation in den Familien ein. Von den verheirateten Paaren sind demnach 22% in Vollzeit tätig. Bei 72% der Ehepaare arbeitet die Mutter in Teilzeit und der Vater in Vollzeit. 5% der erwerbstätigen Mütter arbeiten mehr der gleich viel wie der Ehepartner (siehe Abbildung unten). Im Vergleich zum letzten Datenreport 2016 sind das zwar keine gravierenden Veränderungen, doch zeigt sich hier schon ein Trend, der politisch gesteuert wird (siehe BMFSFJ – Gute Kinderbetreuung (109 Downloads) ). Der Datenreport 2016 hat für Paare in Vollzeit noch Werte von 21% herausgefunden (Datenstand 2014). Gleichzeitig stieg die Betreuungsquote der Kinder im Zeitraum 2014 bis 2017 von 32,9% auf 33,1%. Im Ganztag werden sogar 18,5% (2014: 18,1%) aller Kinder betreut.

Paarfamilien nach Vollzeit-/Teilzeittätigkeit der Partner 2017 — in Prozent. Quelle: Datenreport 2018: Sozialbericht für Deutschland, Kapitel 2: Familie, Lebensformen und Kinder

Hinweis: Im Folgenden beschreibe ich ganz bewusst ein stereotypisches Rollen- bzw. Familienbild, in Anlehnung an den Datenreport 2018. Es geht also um verheiratete Mann-Frau-Paare mit Kindern.

Vereinbarkeit von Familie und Beruf

Das Bundesministerium für Familie und Senioren, Frauen und Jugend schreibt in ihrem » BMFSFJ – Gute Kinderbetreuung (109 Downloads) «, dass „die frühe Förderung von Kindern […] einen wichtigen Beitrag zur Chancengleichheit [leistet]. Darüber hinaus unterstützt eine gute Kinderbetreuung Eltern bei der Vereinbarkeit von Familie und Beruf.“ Für mich stellt sich die Frage, ob es bei der Chancengleichheit nur um die Lohnarbeit von Mama und Papa geht, oder tatsächlich um die Interessen und Bedürfnisse der Kinder! Die Betreuungsquote von unter 3 Jahren soll demnach auf 44% angehoben werden, damit Mama und Papa „gleichberechtigt“ arbeiten gehen können. Brauchen wir nicht mindestens einen Elternteil, der die Kinder bis 3 Jahre zu Hause betreuen kann, ohne sich Sorgen um das Erwerbseinkommen machen zu müssen?

Ich möchte Vätern Mut machen, mehr Zeit für Care-Arbeit zu leisten!

Wie eben schon angedeutet, werden die Rechte der Frauen auf Rückkehr in den alten Job und Wechsel von Teilzeit in Vollzeit politisch unterstützt und gewollt, doch fehlt es an Ausgewogenheit in der Care-Arbeit zwischen Müttern und Vätern. Die Erhöhung der Kita-Betreuung ist in meinen Augen der falsche Weg, denn Kinder brauchen eine enge und sichere Bindung durch beide Eltern. Dies ist nur gewährleistet, wenn die Care-Arbeit gestärkt wird. Darüber habe ich bereits mit meiner 1.000 EUR Forderung geschrieben. Der Trend ist leider ein anderer, was ich sehr schade finde. Daher mein Appell an die Väter: Nehmt nicht nur Elternzeit abhängiges Elterngeld sondern reduziert eure Erwerbsarbeit und steigert eure Care-Arbeit.

Wie das gehen kann, möchte ich dir jetzt zeigen!

Wie vieles im Leben beginnt Veränderung im Kopf. Denkweisen und Denkmuster sind in erlernten Bahnen im Gehirn verknüpft. Wir lernen durch Vorbilder, durch Erfahrung und durch Wiederholungen. Selten aber haben wir gelernt, richtig zu lernen. In der Schule und im Studium haben wir Wissen kurzfristig in uns reingestopft als gäb’s kein Morgen, dann in der Prüfung ausgespuckt und anschließend vergessen: Bulimielernen. Wir verhalten uns gesellschaftlich angepasst. Die bekannten und erlernten Rollenstereotypen geben Sicherheit und Orientierung. Im Job lernen wir neue Aufgaben und lösungsorientiertes Handeln. Agile Methoden bereichern unseren Alltag, ob bewusst oder unbewusst. Aber sobald wir Väter werden, beginnt bei vielen ein Automatismus einzusetzen, den Prof. Dr. Martin Schröder in einer Studie untersucht hat.

Väter sind am zufriedensten, wenn sie Vollzeit oder länger arbeiten. Die Lebenszufriedenheit von Müttern ist dahingegen kaum von ihren Arbeitszeiten beeinflusst.
Prof. Dr. Martin Schröder – Studie 2018

Er merkt an, dass die Ergebnisse ebenfalls bei Menschen mit sehr sicheren Arbeitsplätzen und sehr wenig Care-Arbeit auftreten. Zudem stellt er fest, dass Männer glücklicher sind, wenn sie in den stereotypischen Rollenbildern bleiben. Es können nur Vermutungen aufgestellt werden, warum das so ist. In meinem persönlichen Umfeld stelle ich diesen Effekt ebenfalls fest. So beklagen sich Mütter über ihre Männer, dass zu viel Arbeiten und wenig Zeit für Familie und Beziehung haben. Solche Väter sieht man dann am Wochenende mit den Kindern beim Brötchen holen oder Einkaufen. Mütter erobern sich mehr Zeit zurück, um wieder in Vollzeit tätig zu sein. In meinen Augen geht das aber zu Lasten der Kinder, der Beziehung und schließlich zu Lasten der ganzen Familie.

Meine Grundannahme

Bevor es weiter geht, gehe ich von folgendem aus: Du möchtest ein aktiver Vater sein und liebst deine Frau. Du planst oder hast schon Kinder aus Liebe und Überzeugung. Du möchtest Elternzeit nehmen und bist bereit, dir meine Pyramide anzuhören. Vielleicht möchtest du auch konstruktiv Kritik äußern, dann darfst du das sehr gerne in den Kommentaren machen. Dies sind meine Gedanken über das Grundgerüst für ein gelingendes Familienleben. Wie du als Vater deine Denkmuster aufbrechen und überprüfen kannst, möchte ich dir jetzt vorstellen.

Die Situation bevor du Vater bist

Stell dir eine Pyramide vor, an dessen Spitze die wichtigste Person in meinem Leben steht: Du selbst, also dein »ICH«. Wir streben nach dem Ziel der inneren Zufriedenheit und Glückseligkeit. Manchen gelingt das gut, anderen eher weniger gut. Einige wissen das, andere noch nicht. Ich nehme an, dass du in einer Partnerschaft bist und auch mit dieser Frau Kinder haben möchtest. Nach dem »ICH« folgt in der Reihenfolge der wichtigsten Menschen die »Partnerschaft«. In stabilen Beziehungen ist eine Partnerschaft dann glücklich, wenn das »ICH« glücklich ist. Erst danach kommen »Freunde« und Bekannte, die für die Zufriedenheit ebenso wichtig sind. Die Qualitätszeit, die dein Tag hat, verbringst du der Wichtigkeit nach mit diesen Menschen.

Was hat das ganze jetzt mit Vaterschaft zutun?

Veränderung steht an, du wirst Vater. 40 Wochen kannst du dich auf die neue Rolle vorbereiten. Leider liegt dem Baby kein Beipackzettel bei und so richtig weißt du nicht, wie du deine Frau unterstützen kannst. Bei ihr scheint alles so super zu funktionieren, wie ein Programm. Du gibst dir Mühe, aber so richtig viel kannst du ja nicht machen. Das Baby will nur schlafen, trinken und braucht neue Windeln. Schon sind die 4 Wochen Elternzeit vorbei und du bist wieder im Job gefangen. Deine Frau ist mit dem Baby beschäftigt und du weißt nicht so richtig, was jetzt zu tun ist.

Mit deiner Elternschaft begibst du dich ins Rampenlicht und offenbarst, welcher Typ Vater du bist. Du machst dein Rollenverständnis von Vaterschaft sozusagen öffentlich, ohne es zu wollen. Deckt sich diese Selbstoffenbarung mit den Annahmen deiner Partnerin?

Die nächste Hürde ist also die Vaterschaft. Denn hinzu kommen Kinder mit Bedürfnissen, die befriedigt werden wollen. Sie wollen psychisch starke und stabile Persönlichkeiten werden. Die brauchen eine stabile Bindung zu den Eltern. Die Frage ist jetzt, wie gut gelingt dir die Transformation aus deiner alten Welt ohne Kinder (Pyramide oben) in die neue Welt mit psychisch stabilen Kindern (dazu kommen wir jetzt)?! Dabei meine ich nicht nur die offensichtliche Verantwortung deines Kindes gegenüber, sondern auch deines Partners und vor allem dir gegenüber. Ich glaube, das gelingt nur den wenigsten.

Change Management in der Familie

Du bist jetzt Papa und kannst deine Skills von der Erwerbsarbeit nutzen, um den Wandel in der Familie aktiv mitzugestalten. Dein Kind nimmt plötzlich die erste Stelle ein. Die Grundbedürfnisse müssen zu allererst erfüllt werden. Hat es Hunger, muss es essen. Ist die Windel voll, muss es gewickelt werden. Braucht es Nähe, trägst du es. Ist es krank, pflegst du es. Will es spielen, spielt du. Dein Kind braucht eine stabile Bindung. Anschließend erst kümmerst du dich um deine Partnerschaft. Du arbeitest die Erfahrungen und Erlebnisse mit deinem Kind auf und pflegst deine Beziehung zur Partnerin. Schließlich bist du Teil der Partnerschaft. Anschließend, also wenn Kinder und Partnerschaft zufrieden sind, hast du Zeit, dich um deine Bedürfnisse zu kümmern. Sport, Literatur, Bildung, Arbeit, Natur, Ausgleich, ganz egal. Tue das, was dir gut tut. Jetzt siehst du, dass Freunde in der Qualitätszeit Platz 4 einnehmen.
Jetzt wirst du dich fragen, warum »ICH« nicht an erster Stelle stehe. Denn wenn es mir gut geht, dann habe ich Energie und Kraft, die ich meinem Kind und meiner Partnerin geben kann! Das mag sein, doch es geht um »Qualitätszeit«. Damit meine ich, Zeit, die sinnvoll mit Liebe und Fürsorge gefüllt ist.

Wenn das die Lösung ist, möchte ich mein Problem zurück!

Und genau hier liegt meiner Meinung nach die Ablehnung vieler Väter. Die mangelnde Bereitschaft zu erkennen, dass sie nicht mehr an erster Stelle stehen, sondern vom Kind und der Partnerschaft auf Platz 3 zurückgestuft wurden. Ich denke, dass sich viele Väter mit ihren Bedürfnissen nach wie vor an erster Stelle sehen. In meinem Umfeld gibt es solche Väter, die mehr arbeiten, seitdem sie Kinder haben. Im Laufe der Zeit wundern sich dann die Väter, warum sie keine Beziehung zu ihrem Kind aufgebaut haben und die Partnerschaft auch nicht so prickelnd läuft. Immer ist das Kind an erster Stelle. Ja, warum nur? Zum Thema »maternal gatekeeping« hat Jochen König ein paar gute Beiträge verfasst. Schaut mal rüber zu ihm!
Um eine gut funktionierende Familie, Partnerschaft und ausgeglichenes ICH zu haben, müssen auch Väter die Veränderung mittragen. In meinen Augen muss die Veränderung vor allem bei den Männern stattfinden. Nämlich zu erkennen, dass ihre Bedürfnisse nicht mehr an erster Stelle stehen. Also liebe Männer, tretet zwei Schritte zurück, reduziert die Lohnarbeit, engagiert euch in der Care-Arbeit, damit eure Partnerschaft ausgeglichen ist und eure Kinder psychisch starke Persönlichkeiten werden.

Jetzt bin ich aber gespannt, wie du zu dem Modell mit der Pyramide stehst und was deine Gedanken dazu sind. Gehst du da mit oder hast du noch andere Ideen und Ansätze. Was gefällt dir nicht daran und woran habe ich vielleicht nicht gedacht? Ich bin gespannt und freue mich vorn dir zu lesen! Hinterlasse mir eifach einen Kommentar!
Designed by Macrovector

#familyfirst – It's all about expenses

#familyfirst – It's all about expenses

Neulich beim Friseur spreche ich mal wieder über meine Themen. Care-Arbeit, Familie, Beruf und Geld. Miro hat selber Kinder und kennt sich mit Vorurteilen und Stereotypen bestens aus. Es entwickelt sich ein Gespräch über die Rolle als Vater und was das Können mit dem Wollen zu tun hat.

Miro mag ich sehr. Er ist ein liebevoller Typ, bodenständig und hat immer einen guten Spruch parat. Ne ehrliche Haut. Die Gespräche gehen mal in die Tiefe, mal über Fußball und sehr oft über unsere Kinder. Wir sprechen auch über unsere Rolle als Vater, Geschlechterstereotypen und die gesellschaftlichen Normen und Werte. Er kennt unser Modell mit Familienbett, meiner 20 Stunden-Stelle und die Begleitung meiner Kinder. In diesem Zusammenhang sprechen wir heute auch über den einen Satz, der mich immer wieder triggert. Miro muss schmunzeln, er kennt ihn nur zu gut.

„Das ist ja alles schön und gut, aber muss man sich auch leisten können!“

Dieser Satz geht mir mittlerweile richtig auf den Keks. Meistens kommt er im Gespräch über meine bewusst reduzierte Tätigkeit im Beruf und dass meine Frau ebenfalls nur in Teilzeit arbeitet. Welche Aussage steckt in diesem Satz?

  • Ein Appell, ich solle mehr arbeiten gehen?
  • Ein Beziehungsaspekt, jemand macht sich Sorgen, ich könne mir diese Lebenseinstellung nicht leisten?
  • Ein Sachaspekt, dass jemand tatsächlich Bescheid weiß über meine Finanzen?
  • Oder doch eine Selbstoffenbarung, dass man sich selber diesen Lebensstil nicht leisten will?

„Kann ich nicht gibt’s nicht!“

Das geht natürlich nur, wenn ich mir über meine Einnahmen und Ausgaben Gedanken mache. Ich kann nicht mehr ausgeben, als ich zur Verfügung habe. Wenn am Ende vom Geld noch viel Monat übrig ist, dann habe ich etwas falsch gemacht! Mehrmals im Monat setze ich mich hin und habe unsere Ein- und Ausgaben im Blick. In einer Excel-Tabelle führe ich Buch, eine Pivot-Tabelle zeigt mir die Defizite auf. Die werden dann regelmäßig korrigiert. Wenn mir jemand sagt „…muss man sich auch leisten können…“ dann steckt da in meinen Augen eine andere Botschaft hinter. „Ich möchte meinen Lebensstil nicht verändern.“ Oder anders ausgedrückt. Die Person hat es sich in ihrer Komfortzone so bequem gemacht, dass jede Veränderung viel Arbeit bedeutet.

Von dem Geld dass wir nicht haben, kaufen wir Dinge, die wir nicht brauchen, um Leuten zu imponieren, die wir nicht mögen.
aus dem Film »Fight Club«

Der Lebensstil, wie ihn die Gesellschaft ihn propagiert – also Konsum, Wohlstand, Reichtum – kostet Geld. Wenn wir dieses Geld nicht haben, dann leihen wir es uns bei der Bank. Dann nehmen wir eine Hypothek oder einen Kredit auf. Genau so gut können wir aber auch die Ausgaben reduzieren, weniger Arbeiten und mehr Zeit für die Familie verbringen. Diese Transformation habe ich 2010 durchgemacht. Ein sicherer und gut bezahlter Job, regelmäßiges Gehalt, hohe Ausgaben für Dinge, die mir das Gefühl geben sollten, etwas Wert zu sein. Ich habe von der Hand in den Mund gelebt und kenne den Lebensstil, mehr haben zu wollen, weil ich es mir irgendwie leisten kann. Weniger zu arbeiten kam für mich damals nicht in Frage. Ging auch gar nicht, ich war auf das Einkommen angewiesen. Meine Ausgaben waren zu hoch.

Leben um zu arbeiten?

Natürlich ist mir die gegenwärtige Situation in Deutschland bekannt. Geringe Löhne, wenig Investitionen und gerade prekär Beschäftigte müssen sehen, wo die Kohle bleibt. Da bleibt in Sachen Rücklagen nicht viel übrig. Versteht mich nicht falsch, es geht mir hier mehr um Konsumkritik. Vor allem kritisiere ich Vätern, die zu viel arbeiten, sich aus der Care-Verantwortung stehlen und denen es wichtiger ist, dass die Frau wieder arbeiten geht, als Zeit mit dem Kind zu verbringen. Oh je, jetzt fahre ich richtig hoch. Es sind immer noch zu wenige Väter bereit, Stunden zu reduzieren bei gleichzeitiger Rückkehr der Frauen in den Beruf. Das geht doch so nicht.

Wie können wir uns das denn leisten? It’s all about expenses und halten die Ausgaben so gering wie möglich! Wir leisten wir uns keine teuren Autos, gehen viel zu Fuß, haben keine teuren Abos (Fitnessstudio, Netflix, Spotify, Prime o.ä.), keine neuen Smartphones und arbeiten, um zu leben. Anfang des Jahres habe ich meine Mitgliedschaft im Sportverein in den Status »passiv« setzen lassen. So spare ich einige hundert Euro im Jahr (Luftsport ist teuer!). Mit unserem VW-Bus Fiete fahren wir nur in den (seltenen) Urlaub: Campingplatz, Nebensaison. Mit dem Bollerwagen gehen wir einkaufen. Wir sind extra in die Nähe der Arbeit umgezogen, sodass wir sie zu Fuß erreichen können. Wir müssen uns das nicht leisten, aber wir wollen es uns leisten!

„Will ich nicht liegt auf dem Friedhof!“

Es geht um Konsum. Für mich der zentrale Punkt, um den es sich in der Frage um Care-Arbeit dreht. Bin ich als Vater bereit, Care-Arbeit zu übernehmen? Im Bewusstsein, weniger Geld zu verdienen? Ich denke, dass viele Väter das nicht wollen und sich hinter dem Pseudo-Argument „…muss man sich ja auch leisten können…“ verstecken. Eigentlich sagen sie nämlich „…ich will es mir nicht leisten…“. Warum? Weil sie ihren gesellschaftlich hart erarbeiteten Lebensstil nicht aufgeben wollen. Sie stehen in Konkurrenz zu anderen Vätern. Weil es gesellschaftlich von einem Mann erwartet wird, in Vollzeit zu arbeiten! Weil Care-Arbeit in den Augen der Männer immer noch Aufgabe der Frauen ist!

Als ich mich so richtig in Rage geredet hatte und Miro nur noch grinsend zuhören konnte, kam seine Kollegin vorbei, legte die Werkzeuge bei Seite und umarmte mich mit den Worten „Hab alles mitbekommen! Komm mal her Papa, richtig schön, dass es junge Väter gibt, die so denken wie du und die Familie in den Mittelpunkt stellen!“ – Huch, was war das denn? Ich habe die Kollegin schon ein paar Mal gesehen und auch nett gegrüßt, aber mehr auch nicht. Ich war sehr perplex, habe mich aber im nächsten Moment riesig gefreut und bestärkt gefühlt. Vielleicht gibt es da draußen ja eine schweigende Masse, die ähnlich tickt, sich aber bisher kein Gehör verschafft hat.

Spontanität ist das, was einem auf dem Nach-Hause-Weg einfällt. War ich zu fordernd? War ich zu direkt? Habe ich womöglich jemanden verletzt? Diese und weitere Gedanken schießen mir in den Kopf. Ich mache mir Sorgen, will niemanden verletzen und auch nicht arrogant rüber kommen. Denn das wird mir oft unterstellt. Dabei will ich für neue Rollenmodelle kämpfen, mich für Väterrechte einsetzen und – natürlich auch – Vätern den Spiegel vorhalten. Letztendlich habe ich meine Meinung gesagt. Die Frage ist jetzt, was die Väter draus machen.

Für weitere Diskussionen und Gespräch wünsche ich mir mehr Ehrlichkeit und Akzeptanz. Statt zu sagen „Muss man sich auch leisten können“ sagt doch bitte „Das kann ich mir nicht vorstellen und möchte ich mir nicht leisten“. Liebe Männer, aber dann möchte ich auch keine Beschwerden hören, dass ihr zu wenig Zeit mit euren Kindern verbringt. Mir ist natürlich klar, dass es Situationen, Familienmodelle und Menschen gibt, die es sich nicht leisten können. Das respektiere ich. Meine Kritik bezieht sich auf die Väter, die es sich leisten könnten, aber nicht wollen und sich hinter solchen Pseudo-Argumente verstecken.

Und wenn ich wieder ins Grübeln komme, dann denke ich an die wichtigste Kommunikationsregel: „Der Empfänger entscheidet, wie eine Botschaft ankommt.“

Kinderwunsch schon als Jugendlicher

Kinderwunsch schon als Jugendlicher

Wertschätzung, Selbstbestimmtheit und Beziehung sind wichtige Werte in meinem Leben. Klingt wahrscheinlich erst mal merkwürdig und ist sicherlich irritierend. Denn ich mache mir und habe mir nichts aus Karriere, Autos oder Partys gemacht. Ich war schon immer anders. Ich wollte schon immer Kinder haben.

Groß geworden bin ich in einem familiären Umfeld mit zwei Eltern, drei Geschwistern, zwei Omas und ganz vielen Cousinen und Cousins. Das ist so, weil meine Eltern zusammengerechnet neun Geschwister haben, die durchschnittlich 3,9 Kinder bekommen haben. Ja, ich habe irgendwas mit 35 Cousinen und Cousins. Habe irgendwann aufgehört zu zählen. Dass ich immer schon anders war, als alle anderen in meinem Alter, habe ich vor allem bei den Familienbesuchen gemerkt. Raufen, Fußball spielen, Kräfte messen und Blödsinn machen wollte ich nicht. Lieber Ruhe und quatschen, tiefergehende Gespräche führen und „sein“ anstatt „haben“. Ich war das komische Kind in der Familie, der Seltsame, der Unangepasste.

Aufgewachsen in einem Dorf war ich keiner, der sich den typischen Cliquen anschloss oder sich abends zum Saufen traf. Dabei wurde ich gerne von anderen als Schwul tituliert, wahrscheinlich, um in deren Weltbild zu passen. „Der ist anders, der ist bestimmt schwul!“. Vielmehr haben mich Fragen interessiert über das Leben und was das Leben lebenswert macht. Warum bin ich hier auf der Erde und was ist meine Aufgabe? Die Unangepasstheit an das dörfliche Leben hat mich daher immer weggezogen, am liebsten ganz weit weg. Neue Horizonte erkunden, mein Ding machen und das Unangepasste leben.

Gleichzeitig war da der unendliche Wunsch, eigene Kinder zu haben. Ich wollte früh Vater sein und diese Rolle anders ausleben. Denn immer, wenn ich Kindern begegnet bin, war sofort eine besondere Ebene vorhanden. Ok, nicht immer, aber gerade mit den sensiblen Kindern, die viel Aufmerksamkeit benötigt haben, konnte ich gut. Vielleicht, weil ich mir Zeit genommen habe oder weil ich mich einfach mit ihnen beschäftigt habe. Vielleicht aber auch, weil ich als Hochsensibler feine Antennen für Gefühle und Emotionen habe. Ich weiß es nicht. Meine Schwester hat jedenfalls damals schon zu mir gesagt „Du wirst bestimmt mal Erzieher“ und „Mach auf jeden Fall etwas mit Kindern!“.

Dass ich also jetzt in einem sozialen Beruf gelandet bin und nur in Teilzeit arbeite, war irgendwie schon damals klar. Nur musste ich erst meinen Platz in dieser »Ich-mache-Karriere-und-werde-reich-Welt« finden. Jetzt bin ich Familienvater und stehe mit beiden Beinen fest im Leben. Die besondere Ebene zu Kindern ist geblieben und ich vergesse auch schon mal die Zeit, wenn ich mit ihnen spiele. Alles in allem steht Familie für mich im Mittelpunkt und mein Tochter – und ganz bald auch Kind 2 – sind zusammen mit meiner Frau die wichtigsten Menschen!

5 Dinge mit denen ich bei anderen anecke

5 Dinge mit denen ich bei anderen anecke

In meinen Seminaren zum Thema Burnout geht es sehr häufig um Lebensziele, Lebenseinstellungen und Denkweisen. Zwischen gesunden und krankmachenden Verhaltensweisen liegen sehr oft große Distanzen. „Mach das, was dich glücklich macht“, hat meine Mutter immer gesagt. Aber wie geht das? Das zu tun, was mich glücklich macht, ist gerade in meiner Vaterrolle nicht immer einfach. Anscheinend mache ich viele Dinge anders, als sie von mir erwartet werden.

1. Sieben Monate Elternzeit nehmen

Von Anfang an war mir klar, dass ich Zeit mit meiner Familie verbringen möchte. Ich möchte ein Daddy sein, der mehr als 2 Monate Elternzeit nimmt. Aus meinem 50 Stunden Job raus und rein in die Elternzeit. Einen Monat nehmen wir uns gemeinsam Zeit fürs Kennenlernen nach der Geburt, anschließend nimmt meine Frau sechs weitere Monate, ehe ich die restlichen sechs Monate nehme. Für uns die perfekte Kombination. Neun Monate nach der Geburt (meine Frau hat ihren Jahresurlaub und Überstunden hinten dran gehängt) ist sie wieder 30 Stunden arbeiten gegangen. Konnten auch viele Menschen nicht verstehen. „Was, du arbeitest wieder? Und wo lässt du dein Kind?“ – „Die Kleine ist bei meinem Mann zu Hause, er hat Elternzeit.“ – „WAS? Bei deinem Mann? Naja, muss ja jeder selber wissen.“ Das war so das Krasseste, was wir zu hören bekommen haben. Die 60er haben angerufen, sie wollen ihre konservativen Werte zurück. Oh man.

Ja, es gibt Väter, die sich liebevoll um ihr Baby kümmern. Die Mama geht 30 Stunden pro Woche arbeiten und Papa wickelt, gibt die Flasche und spielt mit dem Wurm. Du baust eine enge Bindung zu deinem Kind auf und deine Frau kann zurück in ihren Job, perfekt. Ok, das klingt jetzt nicht für jeden Vater verlockend. Mann verzichtet auf Einkommen und natürlich Karriere. „WHAAAAAT“, bekomme ich dann zu hören oder „naja, wenn ihr es euch leisten könnt“. Womit wir beim nächsten Punkt angelangt wären.

2. Teilzeit statt Vollzeit

Der neue Job ist ganz bewusst nur eine Teilzeitstelle. Karriere im Job? Das dürfen gerne andere machen, wenn ich dafür Zeit mit meiner Familie verbringen darf! Vormittags arbeitet ich und nachmittags betreue ich die Kleine. Meine Frau betreut vormittags die Kleine und arbeitet nachmittags. Zusammen kommen wir so auf ganz viel gemeinsame Care-Arbeit, 50 Stunden Wochenarbeit und bringen ein Gehalt nach Hause, von dem wir gut leben können. Ok, große Sprünge sind da jetzt nicht drin, aber wir sehen beide unser Kind, verbringen viel Zeit miteinander und kennen jeden Entwicklungsschritt – und sei er noch so klein.

Kinder bekommen, damit ich sie mit einem Jahr in die KiTa gebe und wieder beide arbeiten gehen, das ist nicht mein Bild von Familie. Auch nicht, dass die Frau zu Hause bei den Kindern bleibt. Es gibt Konstellationen, da geht es nicht anders. Allerdings bin ich fest davon überzeugt, dass viele Männer nicht reduzieren wollen. Ok, ich hatte auch Sorge um meine berufliche Laufbahn. Aber der Stress und die Unzufriedenheit auf der Arbeit haben mir gezeigt, wie wichtig die Familie ist. Dann hat meine Karriere als Sozialarbeiter gerne einen Knick. Na und? Ich lebe nur einmal und möchte mitbekommen, wie meine Kinder groß werden. Ach, eins noch: Ja, wir können uns das leisten, weil wir es uns leisten wollen!

3. Familienbett

Wir schlafen mit der ganzen Familie in einem Bett. Vorweg sei gesagt: Nein, unser Liebesleben leidet nicht darunter. Jedenfalls nicht mehr als bei anderen Eltern auch. Keine Ahnung wie es dazu kam, dass wir entschieden haben, ein Familienbett zu bauen. Es war jedenfalls eine gemeinsame Entscheidung und ist ein schönes Gefühl. Einfach zu wissen, dass meine Frau genau den selben Impuls verspürte, als es um die „Bett-Frage“ ging und wir beiden sagten „Na dann ein Familienbett“. Mittlerweile schlafen wir im Familienbett 2.0. Es misst 3x2m und besteht aus einer 1,40m und 1,60m breiten Matratze.

„Boah krass, dann werden ja immer alle wach, wenn einer schreit“. Ja, das kommt vor und nein, das ist nicht die Regel. Unser Kind ist immer bei uns, wir können kuscheln und müssen nicht aufstehen, um das Kind aus seinem Bett zu holen. Wir können lange schlafen, weil das Kind schon da ist und wenn doch mal jemand schreit, dann wechseln wir uns eben ab. Wenn es gar nicht geht, gibt es noch die Schlafcouch. Das ist so selten, dass wir die Nächte an einer Hand abzählen können. Wie die Nächte allerdings mit einem Säugling und einem Kleinkind sein werden, wissen wir noch nicht. Wir sehen aber nur die Vorteile. Enge Bindung und ein starkes Familiengefühl.

Eine Sorge hatte ich nie. Dass die Kinder immer in unserem Bett bleiben wollen und nicht in ihr eigenes Bett gehen. Wir haben nicht das Ziel, unsere Kinder schnell in ihr eigenes Bett zu „verlegen“. Für uns stellt sich die Frage erst gar nicht. Es ist doch schließlich ein Familienbett. Und wenn die Kinder irgendwann in einem eigenen Bett schlafen wollen, dann ist das auch in Ordnung. Es wird trotzdem ein Familienbett bleiben.

4. Attachment Parenting

Ok, jetzt kommt ein Hammer Begriff, der immer wieder für Streit und Shitstorms sorgt. Ich halte mich auch nicht an dem Begriff fest und definiere ihn teilweise anders. Das versteht nicht jede_r und will vielleicht auch nicht jede_r verstehen. Shitstorm eben. Mir ist die Beziehung und die Bindung zu meinem Kind und zu meiner Frau einfach wichtiger, als zu allem anderen. Wir schlafen im Familienbett, verbringen viel Zeit zusammen und begleiten unser Kind in der Entwicklung. Am Körper tragen anstatt im Kinderwagen schieben. Nähe statt Distanz. Wärme statt Kälte. Hinzu kommt, dass ich mich aufgrund meiner Hochsensibilität anders in die Gefühlslage meiner Tochter hineinversetzen kann.

Jetzt mögen andere sagen, dass die Kinder uns auf der Nase herumtanzen. Das bedeutet Attachment Parenting nicht. Vielmehr ist es der Grundstein für eine sichere Bindung und einem liebevollem Aufwachsen, in einem geborgenen Umfeld. An dieser Stelle sei der Blog von Susanne Mierau empfohlen. Eine Welt voller liebevollen Momenten ab der Schwangerschaft. Auch für Männer lesenswert!

5. Vaterrolle

Hin und wieder bekomme ich einen Spruch gedrückt. „Ach guck an, der Super Papa.“ Oder „Ah. Ganz toll. Ich arbeite auch Teilzeit. Von acht bis acht!“. Meine Vaterrolle wird von Frauen gelobt und dem Großteil der Vätern belächelt. Ich weiß nicht, was genau hinter den Sprüchen steckt. Es ist komisch und manchmal auch anstrengend, sich gegenüber den gesellschaftlichen Verhältnissen zu behaupten, denn unser Familienmodel ist äußerst selten. Janni Orfanidis von ichbindeinvater.de hat in der Deutschlandfunk Sendung „Lebenszeit“ vom 24.03.2017 die Ergebnisse aus dem Sozialbericht für Deutschland dargestellt.

Paarfamilien nach Vollzeit-/Teilzeittätigkeit der Partner 2014 — in Prozent. Quelle: Datenreport 2016: Sozialbericht für Deutschland, Kapitel 2: Familie, Lebensformen und Kinder

Demnach gehören wir zu den wenigen 3% der Paarfamilien, in denen beide Elternteile in Teilzeit arbeiten. Soziologisch zählen wir also zur Randgruppe der Familien-Gesellschaft. Mehrheitlich geht der Vater in Vollzeit arbeiten und die Mutter in Teilzeit (75%). Die anderen Werte könnt ihr aus der Grafik oben ablesen.

Mein Fazit

Ich fühle mich wohl in dieser Nische und kann mir kein besseres Familienmodell vorstellen. Auch wenn hin und wieder die Kommentare nerven, so bleiben wir uns treu und ziehen unser Ding durch. „Ich möchte Zeit mit meiner Familie verbringen“ antworte ich dann. Doch das wird leider oft falsch verstanden. Spiegel vorhalten und so. Dabei ist das nicht meine Absicht. Ich erzähle aus meiner Perspektive. Jede Familie muss ihren eigenen „richtigen“ und sinnvollen Weg finden. Die Frage ist doch, gehe ich wertschätzend mit den Entscheidungen anderer Menschen um. Bleibe ich bei mir und erzähle ich aus der Ich-Perspektive ohne zu verurteilen und anzugreifen.

Das versuche ich und es gelingt mir auch nicht immer. Also, das sind meine Gedanken und meine Sichtweisen. Vielleicht hast du eine andere, vielleicht aber auch eine ähnliche. Ich bin gespannt und freue mich auf Kommentare. Letztendlich aber haben Mamas doch immer recht. „Mach das, was dich glücklich macht“, hat sie immer gesagt. Das werde ich. Ich denke an dich und winke dir zu, wie du auf deiner Wolke sitzt und uns von oben beobachtest. Hab dich lieb und danke!

Pin It on Pinterest