Camping Hacks im VW T4 California

Camping Hacks im VW T4 California

Ein wichtiger Teil der Geschichte, wie Corinna und ich uns kennengelernt haben, dreht sich um Camping-Busse, speziell VW Busse. Seit vier Jahren reisen wir mit zwei Kindern im Fiete durch Europa. In der Zwischenzeit haben wir einige Dinge im Bus auf unsere Bedürfnisse angepasst. Welche das sind, möchte ich dir heute zeigen.

Mein Traum ist es nach wie vor, einmal einen Kastenwagen nach unseren individuellen Wünschen und Bedürfnissen auszubauen. Da sich für Anfang 2016 Nachwuchs angekündigt hatte, musste jedoch schnell eine Lösung her. Corinna und ich hatten einige Wochen die Augen offen gehalten und dann unseren Fiete in Dorsten bei einem Händler entdeckt. Damit ihr wisst, um wen es sich hier überhaupt dreht, zunächst einmal die technischen Daten von Fiete.
Name: Fiete
Baujahr/Gekauft: 1999/2015
Modell: T4 California Blue
Motor: 2.5 L TDI
Gefahren seit 2015: 33.000 km
Laufleistung Gesamt: 288.000 km

Schublade statt Wassertank

Da wir uns mit Kindern eher auf Campingplätzen als in der wilden Natur bewegen werden, haben wir den Frischwassertank ausgebaut. So haben wir viel mehr Platz für Kleidung oder einen Schnickschnack. Außerdem waren die Leitungen sehr versifft und hätten eh ausgetauscht werden müssen. Kurzum habe ich den hinteren Bereich neu verkleidet. Sobald aber Dinge weit hinten im „Kofferraum“ liegen, musste man sich umständlich bücken oder in die Hocke gehen. Mit 35 Jahren gar nicht mal so leicht. Also habe ich eine Schublade eingebaut.
Die Schublade läuft auf zwei Schwerlastschienen, die einige Hundert Kilogramm aushalten. Zunächst hatte ich die Überlegung, einen Rahmen zu schweißen, eine Kiste zu bauen und die Schienen rechts und links anzubringen. Doch da ich einfacher Sozialarbeiter mit von Natur aus zwei linken Händen bin, habe ich es auf diese einfache Art und Weise gebaut. Hält nun auch schon seit vier Jahren.

Viskose-Matratze

Schlaf ist mir sehr wichtig. Corinna und K2 schlafen unten und K1 und ich liegen oben. Nach drei Jahren war es endlich an der Zeit, die Matratze im oberen Bett mit einer Viskose-Schaumstoffmatratze aufzuwerten. Seit wir mit Fiete auf Reisen sind, habe ich nämlich morgens Schmerzen vom falschen Liegen. Außerdem bin ich Vater und Schlaf ist Mangelware. Was also machen? Alte Matratze raus und neue rein? Eine dickere Matratze bestellen? Die Höhe ist ja durch das geschlossene Aufstelldach begrenzt.
Also erst einmal messe. Die vorhandene Matratze ist 5 cm dick. Weite 3 cm stünden im Idealfall zur Verfügung. Oben verstauen wir für die Fahrt noch Blenden für Fahrer-/Beifahrerfenster und Windschutzscheibe. Fehlen also wieder 1-2 cm. Dazu Spannbettlagen und Pipi-Schutzeinlage. Mmmh. Ich entschloss mich, eine Viskose-Schaumstoffmatratze in 3 cm Dicke online zu bestellen und sie dann einfach oben auf die vorhandene aufzulegen.
Fünfzehn Werktage später wurde die Maßgeschneiderte Matratze geliefert. Was soll ich sagen; passt perfekt! Sogar das Dach bekomme ich ohne Gewalt geschlossen und verriegelt. Das Setup bleibt soweit unverändert. Seit zwei Wochen schlafe ich nun mit K1 oben auf der neuen Matratze und der Schlafkomfort ist perfekt. Morgens stehe ich ohne Schmerzen auf. Ich frage mich, warum das bei mir immer so lange dauert, bis ich so grandiose Ideen umsetze.

Schwerlastboden als Rausfallschutz

Wie beschrieben schläft K1 oben im Aufstelldach. Sie hat die Angewohnheit, wahrscheinlich wie alle Kinder, nachts im Bett zu wandern. Morgens liegt sie nie dort, wo wir sie abends abgelegt haben. Also muss ein Rausfallschutz her. Irgendwo in den Tiefen des Internets habe ich den Tipp gelesen, ein Gitterboden von einem Schwerlastregal zu benutzen. Hält einige Hundert Kilogramm aus und behindert darüberhinaus nicht die Luftzirkulation.
Also ab in den Baumarkt und solch ein Schwerlastboden gekauft. Die Enden mit einer Flex gekürzt und mit Panzerband und Rohr-Isolations-Gedöns gesichert. Zur Fixierung habe ich zwei U-Platten rechts und links montiert, in die das Regal eingelegt wird. Sobald K1 schläft, lege ich das Regal in diese U-Scharniere hinein. Perfekt.

Heckbox

Mit zwei Kindern stehst du irgendwann vor der Problematik zu entscheiden, ob du dir einen Wohnwagen kaufst oder ein gescheites Vorzelt. Ok, es geht auch ohne beides! Wir haben schließlich eine Markise mit Seitenteilen, um ein Vorzelt zu bauen. Doch wir wollen auch mal mit Fiete in die Stadt fahren oder die Gegend erkunden. Dann geht das nicht so einfach, bzw. ist mit hohem Aufwand verbunden. Was tun?
Nach ein paar Wochen haben wir uns von dem Gedanken verabschiedet, einen Wohnwagen zu kaufen. Zu teuer, frisst Geld für Versicherung und Unterstellplatz und Reisen werden teurer (Maut, Fähren). Zudem können wir nicht mehr überall hinfahren (enge Straßen). Letztendlich haben wir uns für ein Vorzelt entschieden, das auch frei stehen kann. So können wir jederzeit schnell mal einen Ausflug in die Umgebung machen.
Doch wo verstauen? In der mitgelieferten Tasche? Was ist, wenn es geregnet hat und alles nass ist? In einer Box im Innenraum? Aufs Dach? Wir schauten ins Netz und haben eine optimale Lösung in einer Heckbox gefunden. Die vorhandenen Schienen des Fahrradträgers habe ich abgeschraubt und eine Alu-Box (rostet nicht) montiert. Insgesamt darf die gesamte Konstruktion 60 kg tragen. Zusätzlich sichere ich alles mit 2 Spanngurten.

Ausblick

Soweit das bestehende Setup. Natürlich haben wir bei so einem alten Schätzchen an der Karosserie und am Motor einiges erneuert/überholt. Das gehört für mich aber in eine andere Kategorie. Für die Zukunft könnte ich mir vorstellen, alle Möbel auszubauen, um den Innenraum zu isolieren. Anschließend werden die Möbel in geänderter Aufteilung neu gebaut und eingesetzt. Zusätzlich würde ich die Wärmezufuhr der Standheizung optimieren, da die Wärme nicht überall hinkommt.
Du siehst, es gibt noch viel zu tun. Mega stolz sind wir jedenfalls auf die Lösungen, die wir bisher umgesetzt haben. Was ist mit dir? Du hast auch einen Bus und kennst Camping-Hacks? Wie sieht für dich dein perfekter Bus aus? Bin gespannt auf deine Kommentare!

Mein persönliches Manifest – 8 Regeln für ein selbstbestimmtes Leben

Mein persönliches Manifest – 8 Regeln für ein selbstbestimmtes Leben

Das Wort Manifest erinnert mich immer an den Kunstunterricht von damals. Mit Manifest verbinde ich eine Haltung und einen persönlichen Auftrag. Angeregt durch Andrin und ihrem Blog Mom and Art habe ich nun auch mein persönliches Manifest verfasst.

Das Leben verändert sich permanent und sicherlich wird sich mein Manifest in ein paar Jahren wieder verändern. Sehr überrascht war ich allerdings, als ich Regeln gefunden habe, die mich scheinbar durch mein bisheriges Leben begleitet haben. Vor einiger Zeit habe ich bereits darübergeschrieben. Nun also ein Manifest, das mich daran erinnern soll, wohin die Reise meines Lebens gehen wird. Eine Reise, die immer wieder neue Richtungen einschlägt und neue Zwischenziele findet. Es soll Kompass und Landkarte sein und mich auf der Reise sicher begleiten.

Für ein selbstbestimmtes Leben

Es geht um Leichtigkeit, um die Sicht auf das Leben, um Unbeschwertheit und natürlich um den Wert und die Liebe zu meiner Familie. Es geht um Achtsamkeit zu sich selbst und zu anderen Menschen. Vor allem aber geht es um die Liebe zum Leben, die Treue zu sich selbst, die Neugierde und das Üben von Bescheidenheit. Keine leichte Aufgabe, doch mit Freude und Zuversicht bin ich mir sicher, dass sich ein unbeschwertes Leben offenbart. Denn so oder so, es ist alles eine Frage der Perspektive und der Denkweise.

Ich lade dich ein, dein eigenes Manifest zu verfassen und es mit uns zu teilen. Andrin hat mich inspiriert und ermutigt. Nun bin ich gespannt auf dein Manifest.

Wer bin ich und wer möchte ich sein? Eine Überprüfung

Wer bin ich und wer möchte ich sein? Eine Überprüfung

Mittlerweile bin ich 33 Jahre alt, verheiratet und Vater einer 11 Monate jungen Tochter. Angetriggert duch einen Beitrag auf dem Blog von Leen und einem inspirierenden Interview mit dem bekannten Hirnforscher Gerald Hüther ist es an der Zeit, das bisherige (kinderlose) Leben einmal zu überprüfen. Immerhin sind nun gut 1/3 des Lebens verlebt. Will ich die nächsten Jahre so weiterleben, wie bisher?

Ein Blick zurück

Meine Kindheit und Jugend war vom klassischen Stil der 90er Jahre geprägt. Bloß nicht auffallen, schön mitlaufen, funktionieren und natürlich Karriere machen. Dann passiert dir schon nichts. Irgendwie durch die Schule kommen, Lehre machen, Haus, Frau, Kind, Hund und Auto. Aha. Anders sein war nicht erlaubt. Danke, dass ich auch gefragt werde. Wurde ich vielleicht auch, doch viele äußere Umstände und mein „nicht wissen, wer ich überhaupt bin“ standen mir im Weg. Dass ich hochsensibel bin, wusste ich schon, wollte es nur nicht akzeptieren. Dass ich eine Familie gründen wollte und Vater sein wollte, das wusste ich ebenfalls schon sehr früh.
Es hat lange gedauert, bis ich mich auf den langen Weg zu mir selbst gemacht habe. Selbstbestimmt durchs Leben gehen und den gesellschaftlichen Anreizen und Verlockungen widerstehen. Gleichzeitig mein Leben leben. Doch welche Ideale und welche Ziele, ja Visionen und Werte habe ich überhaupt? Und kann ich mich so akzeptieren, wie ich bin? Ohne anderen nachzulaufen oder selbst Trendsetter sein zu wollen?

Start in Südtirol

Gefangen im Hamsterrad, habe ich lange Zeit gedacht, dass ich eine Karriereleiter hinaufsteigen müsse. In einem mittelständischen Unternehmen habe ich eine Ausbildung begonnen und sollte anschließend im Vertrieb arbeiten. Wie sich an meinen damaligen Mitstreitern zeigt, stand mir eine steile Karriere bevor. Erst ein tragisches Ereignis in meiner Familie hat mich dazu bewogen, einmal aus dem Hamsterrad auszusteigen und eine Auszeit zu nehmen. Das war bis zu diesem Zeitpunkt die wohl beste Entscheidung in meinem Leben. Auf dem Bergbauernhof in Südtirol habe ich 3 Monate als Erntehelfer gearbeitet und mich auf den Weg zu mir selbst gemacht. Überschrift: „Auf der Suche nach dem unglaublichen Ich.“

Bei Luis Thaler auf dem leiterhof in Südtirol habe ich 3 Monate als Erntehelfer gearbeitet.

Mein Leben war immer bestimmt durch andere. Schlechten Vorbildern und Leitfiguren bin ich meist unreflektiert gefolgt. „Die haben bestimmt das, was ich brauche: Liebe und Anerkennung.“ Leider nein, leider gar nicht! Erst im Studium habe ich allen Mut zusammen genommen und im Grunde meine Jugend nachgeholt. Neue Freunde, neue Erfahrungen, neue Ziele und Visionen. Hier kennt mich ja keiner, ich kann von vorne anfangen! Auf den Bachelor folgte der Master sowie ein Weiterbildungsstudium. Mir wurde nicht langweilig. Ich fühlte mich, wie Mitte 20, war allerdings schon Anfang 30. Es folgte ein verlockendes Angebot aus NRW, dem ich nicht widerstehen konnte.

Zurück zu den Wurzeln, fast

Nach 7 Jahren im Norden, ganz weit weg von der Heimat, zog es mich also wieder dorthin zurück. Zwar ist das Ruhrgebiet und nun der Niederrhein nicht das heimatliche Münsterland, doch die Familie ist schnell zu erreichen. Aber irgendwie habe ich stark gezweifelt. Zurück ist doch immer ein Rückschritt, oder?

„Hej, sieh es doch als Chance. Du hast dich verändert, hast dich weiterentwickelt. Und vielleicht triffst du ja deine Traumfrau, bekommst Kinder, ihr heiratet, das wär doch was! Nur Mut!“

Danke, liebe Sandra, für deine tollen Worte, die mir so viel Energie und Zuversicht gegeben haben, das Richtige zu tun. Dafür bin ich dir unendlich dankbar!

Werte, die mir wichtig sind

Meine Schatzkiste an positiven Erfahrungen ist reich gefüllt. Liebe, Wertschätzung und Anerkennung sind auch dabei. Ständig überprüfe ich mein Tun und Handeln, frage mich, ob das jetzt der richtige Weg ist und was diese oder jene Entscheidung mit mir und meinem Leben macht. Ich bin ein Bauchmensch, ein Gefühlsmensch und ein Atmosphärentyp. Meine persönlichen Top 10 an Werten, die mir in meinem Leben zurzeit wichtig sind, lauten:
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  • Familie
  • Selbstbestimmung
  • Entdecken
  • Ehrgeiz
  • Natur

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  • Freiheit
  • Entwicklung
  • Kreativität
  • Rebellion
  • Ausgeglichenheit

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Elternzeit als besondere Reflexionszeit

Werte, die mir wichtig sind, müssen verteidigt werden. Droht also Gefahr von außen oder innen, dann werde ich krank. Als hochsensibler Mensch ist meine Reizschwelle schnell erreicht, denn mein Wahrnehmungsfilter ist sehr sensibel. Und ja, was soll ich sagen. Mein Leben hat so rasant an Fahrt aufgenommen, dass ich wieder in diesen Strudel geraten wäre. Meine Werte waren bedroht, meine innere Mitte lag im Ungleichgewicht. Eine Entscheidung musste her! Eine Entscheidung für meine Werte, für mich, für meine Familie.
Als erstes habe ich also meinen Job gekündigt, um Zeit mit meiner Familie zu verbringen. Und weil ich ein HSP bin, hat der Prozess über ein Jahr gedauert (warum das so ist, werde ich noch mal näher beschreiben). Aber diese Entscheidung, diese Erkenntnis hat mich wieder zu meiner Selbstbestimmung gebracht. Gleichzeitig entdecke ich jeden Tag etwas Neues und bin nach wie vor ehrgeizig auf dem Weg zu mir selbst. Dafür brauche ich Familie, Natur und Freiheit, die mir erst die Entwicklung ermöglichen. Kreativität kann ich erst durch Rebellion entwicklen. Das „Anders sein“ leben und immer mit einem kritischen Blick reflektieren. Das alles macht mich erst ausgeglichen. Angekommen bin ich noch nicht. Aber auf einem guten Weg.

Auf zu neuen Abenteuern

Die letzten Jahre haben mich geeicht. Meine Grenzen sind justiert, ich weiß, bis wohin ich gehen kann. Jetzt heißt es, neues Land zu entdecken und neue Abenteuer zu bestreiten. Die Elternzeit ist, denke ich, eine tolle Möglichkeit dazu. Unsere Kleine krabbelt und wird bald das Laufen lernen. Der Frühling steht vor der Tür und die nächsten Urlaube sind in Aussicht. Jetzt bin ich Papa und genieße die Zeit mit meiner Tochter, mit meiner Frau und mit mir.
Was ist mit dir? In Anlehnung an Richard David Precht: Wer bist du und wenn ja, wie viele?

Hier noch das Video „Die sanfte (R)evolution – Veit Lindau im Gespräch mit Gerald Hüther

Wie ich meine Hochsensibilität erkannt habe und mein Leben gestalte

Wie ich meine Hochsensibilität erkannt habe und mein Leben gestalte

Von Natur aus bin ich ein Mensch, der sich immer viele Gedanken macht. Das wissen meine Freunde und meine Familie. Das weiß auch ich. Als Vater in Elternzeit habe ich zwar nicht viel Zeit dafür, doch gerade beim Spielen mit Töchterchen blitzen hier und da Verbindungen, Erfahrungen und eben Gedanken an die eigene Kindheit auf. Das hat mich veranlasst, meine Hochsensibilität genauer unter die Lupe zu nehmen.

Hochsensibilität und ihre Ausdrucksformen

Mit Bezug auf Hochsensibiliät (HSP = High Sensitive Person) stolpere ich immer wieder über skurrile Charakter- oder Persönlichkeitseigenschaften. Und zwar nicht die von anderen, sondern über meine eigenen. Warum bin ich zum Beispiel so vergesslich? Es zeichnete sich schon als kleiner Junge ab. Wenn meine Mutter mich zum Sachen holen in den Keller schickte, habe ich mir nur 3 Dinge merken können. „Bringst du mir bitte Mehl, Kartoffeln und Zwiebel aus dem Keller und schaltest die Waschmaschine aus?“ Klaro, nichts leichter als das. Denkste. Die Waschmaschine habe ich ausgeschaltet, aber Mehl habe ich vergessen. Das ging teilweise soweit, dass ich unten im Keller stand und sämtliche Regale durchsucht habe, um zu finden, was ich vergessen habe.
Auf dem Fahrradweg zur Schule muss ich meinen Nachbarn und Kumpel Frank wohl ziemlich auf die Nerven gegangen sein. Ständig musste er sich mein Gefasel von der schönen Natur, den Erlebnissen am Flugplatz, den Begegnungen mit Vögeln und den tollen Wolkenbildern anhören. Gleichzeitig fluchte ich über das regnerische Wetter oder freute mich sehr über den Sonnenschein. Meistens holte er mich ab, weil ich mich mal wieder verspätet hatte. Die Nacht schlug ich mir oft mit dem Schreiben von Internetseiten um die Ohren. Entsprechend schlecht kam ich aus dem Bett. Ich kann verstehen, wenn unsere Freundschaft nicht über die Schulzeit hinaus bestand hatte.

Achtung Ironie

Zeige mir einen Fettnapf und ich springe sofort hinein. Ehrlich jetzt, Ironie, Sarkasmus und Witze verstehe ich nicht. Das mag an meinem Gutglauben liegen aber sicherlich nicht an meinem IQ. In einer Vorlesung hat mich ein Dozent mal richtig vorgeführt, ohne dass ich davon etwas mitbekommen habe. Erst hinterher kamen Kommilitonen auf mich zu und meinten, dass ich mir das Verhalten doch nicht bieten lassen solle. Mir war nichts aufgefallen. Gleiches gilt für erfundene Geschichten. Einmal haben wir mit der Familie ein Gesellschaftsspiel (Erwischt) gespielt. Mit der Schwiegermutter kam ich nebenbei ins Gespräch und merkte nicht, wie sie mir einen Bären aufband. Mit dieser Falle hatte ich das Spiel verloren und den Spott auf meiner Seite.

Viele Emotionen und körperliche Reaktionen

Gleichzeitig bin ich emotional unheimlich überwältigt von kleinen Freuden oder traurigen Ereignissen im Alltag. So richtig klar geworden ist mir das erst, als wir als Familie einmal eine Serie geschaut hatten. In einer Szene starb jemand, was mich so unendlich ergriffen hat, dass ich Rotz und Wasser geheult habe. Alle waren mega irritiert darüber, es war ja nichts vorgefallen. Meine Schwester hat mich dann in den Arm genommen, was die Situation nicht besser gemacht hat. Das ist seitdem immer wieder Thema. Und selbst heute noch kullern mir riesige Krokodilstränen aus den Augen, wenn ich solche Szenen im TV oder Kino sehe. Dabei zieht sich mein Magen so derbe zusammen, als wenn ich live bei einer Beerdigung dabei wäre. Über Horrorfilme fange ich gar nicht erst an zu schreiben.
Aber es gibt noch andere Eigenschaften. Lange war ich in Behandlung wegen möglicher Allergien, ohne dass eine festgestellt werden konnte. Doch meine Haut, mein Körper reagiert überempfindlich auf äußere Reize. Schon geringer Lärm schmerzt meine Ohren, Wärme lässt meine Haut fleckig werden, Kälte ist schmerzhaft und Düfte nehme ich übertrieben stark wahr, oft als erster. Scharfe Soßen kann ich nicht essen, selbst milder Senf ist mir zu scharf. Gleichzeitig mag ich es nicht, wenn mich jemand berührt, von dem ich es nicht will. Vor zwei Jahren war ich auf einem Konzert von Kraftklub. Meine Frau zog mich nach ganz vorne. Ich bekam Herzrasen und Herzklopfen. Mir war das zu viel. Zu laut, zu viele Menschen, einfach zu viel. Mein Körper schrie nach Ruhe.

Konflikte als Herausforderung

Darüber hinaus kann ich Spannungen und Konflikte nur sehr schwer aushalten. Schon als junger Mann habe ich mich nicht mit gleichaltrigen Rivalen geprügelt. Ging es um ein schönes Mädchen, habe ich den Vortritt gegeben. Debatten führe ich gerne, wenn sie wertschätzend sind und auf Augenhöhe geschehen. Als Rekrut war ich 9 Monate bei der Bundeswehr und habe mir keine Freunde gemacht. Zu verschieden waren die Ansichten von Menschenführung und Wertschätzung. Heute würde ich Zivildienst leisten. Ich mag Experte sein in Konfliktmanagement und Mediation, doch nehme ich in Konflikten eher die Vermittlerrolle ein, als die provokante Rolle. Man könnte auch sagen, dass ich harmoniebedürftig bin. Eine Freundin sagte mal über mich, ich sei ein „Atmosphären-Typ“. Mir gefällt der Ausdruck.

Perfektionismus und Sinn für Harmonie

Ärgern kann man mich nicht nur mit ironischen Äußerungen, sondern besonders in Kombination mit meinem Perfektionismus. Das hat teilweise schon autistische Züge, grenzt sich aber auch hier klar davon ab. Ich habe es gerne harmonisch, besonders, wenn es kreativ wird. Gerade Linien, Sinn für Ordnung (im künstlerischen Bereich) bzw. kreativem Chaos. Gerne rücke ich im Alltag Stifte parallel nebeneinander oder hänge Bilder wieder zurecht. Wenn ich das nicht mache, stört mich die Unordnung so dermaßen, dass ich keinem Gespräch mehr folgen kann und mein Wahrnehmungsfilter nur darauf fixiert ist. Meine Frau bringt gerne meine Harmonie durcheinander, indem sie provokant den Stift um ein paar Grad versetzt. Ist das jetzt Ironie, Sarkasmus oder einfach nur witzig? Ich weiß es nicht.

70% sind introvertiert, 30% sind extravertiert

Begeisterungsfähigkeit und Sprunghaftigkeit sind ebenfalls Anzeichen meiner Persönlichkeit. Ich bin ein extravertierter Mann, der gerne vor vielen Menschen steht, ohne jedoch im Mittelpunkt zu stehen. Auch komplizierte Sachverhalte kann ich vor Publikum wiedergeben. Doch wenn es zu viele Reize gibt, dann bin ich überflutet und brauche Rückzug und Stille, Ruhe und Einkehr. Krasse Gegensätze, oder? Sprunghaftigkeit habe ich gleichgesetzt mit Begeisterungsfähigkeit, weil ich sehr kreativ und ideenreich bin und alles sofort umsetzen möchte. Mit der Zeit habe ich gelernt, konstruktiv mit einem Plan an Dinge herauszugehen. Da wo Kreativität gefragt ist, kann ich glänzen.
Bei vielen Entscheidungen verlasse ich mich auf meinen Bauch, bzw. auf meine Intuition. Ich werde zur Diva, wenn ich hungrig bin, bzw. sacke gerne mal zusammen, wenn Energie fehlt. Stress ist für mich ein inneres Durcheinander, sodass ich ein Piepen auf den Ohren bekomme oder den Pulsschlag im Ohr hören kann. Klingt komisch, ist aber so. Gleichzeitig betrachte ich gerne komplexe Zusammenhänge aus der Meta-Ebene heraus und beteilige mich an Diskussionen oder Projekten aus dem Hintergrund. Und auch erst dann, wenn es kompliziert wird.

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Hochsensibilität ist keine Krankheit

Hochsensibilität ist übrigens keine Krankheit und lässt sich somit sehr gut von Persönlichkeitsstörungen wie Borderline oder Narzissmus abgrenzen. Eine schöne Auflistung gibt übrigens das Buch von Sylvia Harke, das HSP sehr gut beschreibt und in dem ich viele Gemeinsamkeiten gefunden habe. Doch nicht alls HSPs haben identische Kanäle, auf den sie wahrnehmen. Folgende Punkte stammen von http://www.zartbesaitet.net

  • Sensorisch sensible Menschen haben besonders feine Sinneswahrnehmungen: Geräusche, Gerüche, Licht und Farben wirken auf sie besonders stark. Oft haben sie in diesen Bereichen eine Begabung: musisch, künstlerisch, ästhetisch. ev. Nachteile: oft besonders lärmempfindlich, leicht irritiert, von vielen Sinneseindrücken schneller überlastet.
  • Emotional sensible Menschen nehmen besonders die Feinheiten in zwischenmenschlichen Bereichen auf. Sie sind mitfühlend, hilfsbereit, empathisch, oft besonders genaue Zuhörer mit starker Intuition. Herausforderungen: fühlen sich oft überfordert von der Last all dessen, was sie wahrnehmen.Oft reagieren sie in Gesprächen auf die Untertöne stärker als auf die ausgesprochene Botschaft des Gesprächspartners.
  • Kognitiv sensible Menschen haben ein starkes ‚Gefühl‘ für Logik, für ‚Wahr oder Falsch‘, und denken in sehr komplexen Zusammenhängen. Haben oft besondere Begabungen auf wissenschaftlichem oder technischen Gebiet.
    Probleme können sich ergeben, wenn das komplexe Denken die Kommunikation im Alltag behindert.

Generell kann man sagen, dass die Wahrnehmungsfilter von hochsensiblen Menschen viel ausgeprägter sind, als die von nicht hochsensiblen Menschen. Das kann Fluch oder Segen sein, je nachdem, ob man die Gabe annimmt und akzeptiert oder nicht. Und das Annehmen und Akzeptieren ist gar nicht so einfach.

Mein Persönlichkeitstypus

Dieses Anderssein ist eine große Herausforderung für mich. Früher habe ich immer gedacht, ich sei schwul, weil ich ja anders bin als die anderen. Dann werde ich gerne als arrogant, besserwisserisch oder hochnäsig bezeichnet. Das hat mich eine Zeit lang sehr verletzt, was zu inneren Konflikten führte. Mich hat das alles sehr aufgewühlt.
Nach Sylvia Harke kann ich folgende Persönlichkeitseigenschaften an mir feststellen:

  • Intuition und Aufschnappen von Stimmungen (Atmosphärentyp)
  • Gerechtigkeitssinn und Einsatz für Schwächere (Hej, ich bin Sozialpädagoge)
  • Sinnsuche und tiefes Verarbeiten von Ereignissen (Warum ist das jetzt so? Gerne in der Meta-Ebene)
  • Naturerlebnisse haben einen großen Einfluss (Ruhe, Entspannung, Energie tanken, Ausgleich)
  • ausgeprägte Kreativität und Analysefähigkeit (Innovationsbereitschaft)
  • Scanner-Persönlichkeit (siehe unten)
  • hohe Verbundenheit zu Familie, Freunden, Tieren und Natur

Ja, ich ticke anders, aber das wird meine Familie und werden meine Freunde schon wissen. Doch jetzt habe ich endlich den Schlüssel dazu gefunden. Keine Depression, kein Narzissmuss, kein Borderline oder gar Autismus. Nein. Der Schlüssel heißt: Hochsensibilität. Als ich zu dieser Erkenntnis kam, fiel es mir wie Schuppen von den Augen. Richtig geil. Endlich habe ich das Puzzle-Teil gefunden, wonach ich immer gesucht habe. Denn Zeit meines Lebens habe ich mich gefragt, warum ich schon so viele Stationen in meinem Leben, egal ob beruflich, im Ehrenamt oder privat, durchlebt habe und nie wirklich „angekommen“ bin. Nun, das beschreibt die Scanner-Persönlichkeit ganz gut.

Scanner-Persönlichkeit

Anders als bei Hochbegabten, die Super-Genies z.B. in einem mathematisch-naturwissenschaftlichen Gebiet sind, haben Scanner-Persönlichkeiten so vielfältige Begabungen und Interessen, dass ihnen schnell langweilig wird, wenn sie sich eine gewisse Zeit „nur“ auf ein Themengebiet konzentrieren müssen. Menschen, denen es nicht so geht, sind entweder Super-Genies oder Normal (jedenfalls keine HSPs). Damit ist übrigens nicht der IQ gemeint, sondern die Persönlichkeit. Ich sehe mich nicht als hochbegabt an, sondern als hochsensibel. Wenn mich etwas langweilt, dann will ich weg. Herbert Grönemeyer sang mal „[…] Stillstand ist der Tod […]“ was 100% zu mir passt. Wenn ich aber immer wieder Veränderung habe, dann bin ich innovativ. Oder anders herum. Ich bin innovativ und lebe Veränderung. Aber auch nur in vertrauter Umgebung und Atmosphäre. Ihr seht, ein Teufelskreis.
Hach, es tut so gut darüber zu schreiben. Wenn du auch mal so einen HSP-Test machen möchtest, dann schau dir den hier oder diesen an. Es gibt noch viele andere, die in Foren und Büchern beschrieben sind. Zum Einstieg sind die beiden aber nicht schlecht.

Wie es weitergeht

Ich bin unglaublich neugierig, ob HSP vererbt wird. Sicherlich wird sich unsere Kleine einige Dinge abschauen, aber es sind doch eher die emotionalen Eigenschaften, die HSP ausmachen. Jedenfalls bei mir. Unsere Tochter wird in einer HSP-sensiblen Umgebung aufwachsen. Wir werden beobachten, was sie braucht und was sie nicht braucht. Dabei hilft der Attachment Parenting Ansatz sehr gut. Und natürlich unsere Intuition und die regelmäßigen Gespräche. Ich bin meiner Frau so von Herzen dankbar, dass sie mich so nimmt, wie ich bin. Auch wenn sie sich hin und wieder einen Spaß draus macht, sind wir tief miteinander verbunden. Danke Süße!
Hochsensibilität Heiner
Was ist mit dir? Kennst du hochsensible Menschen oder bist du selber hochsensibel? Hast du womöglich hochsensible Kinder? Ich bin gespannt auf dein Feedback!

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