Liebster Award – Details über mich

Liebster Award – Details über mich

Nach einer kleinen Pause von zwei Wochen folge ich der Einladung von Rüdiger vom Blog mannpluskind.de und beantworte seine Fragen im Rahmen des #liebsteraward.

1. Gab es schon einmal eine Situation, in der du dein Kind verschenken wolltest?

What? Rüdiger, ich bin Sozialarbeiter, so ein Gedanke kam mir bisher nie in den Sinn. Im Ernst, selbst wenn die Kleine wie am Spieß geschrien hat, ich mir die Nächte um die Ohren geschlagen habe oder sie mega quengelig war, weil sich ein neuer Zahn ankündigte: niemals habe ich im Entferntesten daran gedacht, sie zu verschenken. Uiui, so eine Frage direkt zu Beginn, jetzt bin ich mal gespannt, was noch folgt.

2. Wofür entscheidest du dich: Einen Nachmittag mit Kind auf einem Kindergeburtstag oder Wohnungsgroßputzt inklusive Wäsche.

Ganz ehrlich, Wohnung putzen! Nichts gegen Kindergeburtstage an sich, nur sind die mir zu stressig. Das hat weniger mit mangelndem Interesse oder Empathie zu tun, als viel mehr mit meiner Hochsensibilität. Mein Wahrnehmungsfilter ist ständig an, sodass ich permanent auf allen Kanälen Reize empfange. Jetzt noch neue Leute kennenlernen und ein Auge auf die Kleine werfen, das fällt mir schwer und sorgt für Schweißausbrüche. Sieht man mir nach außen nicht an, aber innerlich bin ich irritiert und aufgewühlt. Piepen auf den Ohren sind die Folge und stotternder Smalltalk mit anderen Eltern. Also lieber mit der Kleinen auf dem Rücken die Wohnung putzen, bei schöner Musik und immer wieder Pausen zum Spielen und Schmusen. Trotzdem werde ich noch zu Kindergeburtstagen gehen (wenn ich denn noch eingeladen werde, nach dieser Aussage…).

3. Wenn Zeit, Energie und Geld keine Rolle spielen würde, wie viele Kinder hättest du dann?

Da ich selber in einer Großfamilie mit 3 Geschwistern aufgewachsen bin und das Großwerden als unheimlich bereichernd empfunden habe, müssen schon mindestens 4 Kinder drinsitzen. Bei solchen Fragen antworte ich auch gerne mit »Fußballmannschaft«. Meine Frau kennt das schon und rollt dann immer mit den Augen, streicht mir liebevoll durchs Haar und lässt mich wissen, dass sie immer noch ein Wörtchen mitzureden habe. Großartig, ich liebe sie dafür. Volleyballmannschaft geht auch!

4. Dein Kind möchte vorgelesen bekommen, welches Bilderbuch wählst du aus?

Mir ist wichtig, dass die Kleine selber entscheiden darf, was sie lesen möchte und was nicht. Wir machen ihr Angebote, indem wir ihr einige Bücher vorschlagen, die sich gut eignen. Je nachdem, wie sie gerade drauf ist, hat sie unterschiedliche Favoriten. Vor dem Einschlafen lesen wir die Gute Nacht Geschichte »Wie kleine Tiere Schlafen gehen«. Seit fast einem Jahr lesen wir dieses Buch nun schon. Ist also schon ein festes Ritual. Wenn sie darauf keine Lust hat, dann nimmt sie sich ein anderes, auch ohne Bezug zum Einschlafen. Über den Tag stöbert sie gerne im Wimmelbuch von Hagenbecks Tierpark. Das Buch hatte sie sich in der Buchhandlung ausgesucht und kann sich damit schon recht lange selber beschäftigen. Von einer Freundin haben wir das Buch »Superwurm, der alles schafft« geschenkt bekommen. Die Texte und Illustrationen sind so witzig, dass wir es ihr gerne vorlesen. Ok, das ist jetzt unser Favorit zurzeit, aber wie gesagt, sie darf entscheiden, ob’s gelesen wird, oder nicht.

5. Stadt oder Land? Wo möchtest du leben?

Als Landei zog es mich früher immer in die Stadt. Nach meiner Ausbildung zum Medienberater im tiefsten Münsterland bin ich für das selbe Unternehmen nach Hamburg gezogen. Dort hat es mich allerdings nicht lange gehalten, sodass ich in die nächste Landeshauptstadt gezogen bin. Kiel war die perfekte Mischung aus Großstadt und Dorf. Keine 20 Minuten Fahrtzeit mit dem Bus und du bist von der City auf dem Land, großartig! Zurück im Ruhrgebiet wurde das Wetter besser, aber die Stadt auch größer. Von Duisburg ging es über den Rhein nach Krefeld. Hier mag ich die Nähe zum Umland, wohin wir gerne mit dem Fahrrad fahren oder lange Spaziergänge machen. Viel lieber würde ich aber, wie wahrscheinlich sehr viele Sozialarbeiter, auf einem alten Kotten wohnen. Allerdings darf die Fahrt in die Stadt gerne kurz sein. Leider sind die Kaufpreise hier in der Gegend exorbitant teuer, sodass wir zunächst mit der Wohnung in Krefeld vorliebnehmen werden.

6. Wenn du die ganze Nacht kein Auge zumachen konntest, womit hält du dich wach?

Zum Glück ist die Zeit vorbei, in der ich nachts kein Auge zumachen konnte. Es gab diese Nächte und sie waren grausam zu mir. Denn blöderweise bin ich eine Nachteule, die zwar bis spät in die Nacht wach sein kann, aber tagsüber dann richtig gerädert ist, wenn sie gar keinen Schlaf bekommt. Tagsüber habe ich dann versucht mit Musik, Spielen und natürlich Kaffee wach zu bleiben. Auch bin ich mit der Kleinen vorm Bauch spazieren gegangen. Die frische Luft und Bewegung taten sehr gut. Es ist aber auch schon einmal vorgekommen, dass ich beim Spielen mit der Kleinen auf dem Teppich eingeschlafen bin, so müde war ich. Zum Glück war meine Frau anwesend, sodass nichts weiter passiert ist… also der Kleinen, nicht mir.

7. Lieblingsort mit Kind und Kegel?

Einen speziellen Lieblingsort gibt es so nicht. Ich bin neugierig auf die Welt, egal ob vor der Haustür oder tausende Kilometer weit weg. Hauptsache unkonventionell mit Zelt oder jetzt mit unserem Fiete. So heißt unser VW T4 Bus, den wir vor der Geburt gekauft haben, um mit Kind und Kegel zu verreisen. Uns sog es schon nach Dänemark, Italien, Frankreich und Spanien. Die nächsten Reisen stehen auch schon fest. Wichtig dabei: möglichst an keinem Ort zweimal zu sein. Ok, wenn wir Freunde in Kiel oder Thüringen besuchen, zählt das nicht. Wir lieben die Natur und haben mit Fiete einen tollen Reisepartner gefunden, der uns das Erlebnis Natur weiterhin ermöglicht.

8. Was ist deine Lieblingsseite bzw. dein Lieblingsblog im Internet?

Zurzeit beschäftigt mich die politische Entwicklung in Deutschland sehr. YouTube ist mein Medium, um mich kritisch über die derzeitigen Verhältnisse zu informieren. Dabei schaue ich gerne Interviews mit Richard David Precht und liebe die jung&naiven Fragen von Tilo Jung auf der Bundespressekonferenz. Gleichzeitig bin ich großer Fan seiner Interviewreihe Jung&Naiv. Daneben informiere ich mich bei den Nachdenkseiten, die Albrecht Müller, früherer Wegbegleiter von Willy Brandt und Helmut Schmidt, betreibt. Er berichtet kritisch über die politischen Verhältnisse in Deutschland und der Welt. Als Mac-affiner Technik Nerd (ungefähr so bezeichnet mich meine Frau) stöbere ich gerne bei ifun.de rum und halte mich auf dem Laufenden aus der PC und IT-Welt. Und ja, seitdem ich einen eigenen Vaterblog betreibe, lese ich sehr gerne die Artikel von dir, lieber Rüdiger und den anderen Bloggern bzw. stöbere bei Instagram im Leben der anderen Väter. Darüber hinaus höre ich sehr gerne beim Kochen oder auf dem Fahrrad den Podcast von Leitmedium und den Aufwachen Podcast.

9. Wenn deine Stimmung mal richtig mies ist, welche Musik macht dich wieder glücklich?

Da Gefühlsschwankungen bei hochsensiblen Menschen sehr stark ausgeprägt sind, hilft mir Musik, wieder unter zu kommen. Meine Frau hat in die Ehe eine riesige CD-Sammlung an hervorragender Musik gebracht, sodass ich für jede Stimmung die passende Musik parat habe. Dazu gehören so tolle Künstler wie Jack Johnson, José Gonzales, Sia, Junip, Iron and Wine und so viele andere. Das muss auch nicht immer so ruhige Musik sein. Dank Amazon Prime höre ich auch gerne Themen-Playlisten. Beim Putzen, beim Autofahren, im Winter, im Sommer und so weiter. Glücklicherweise haben meine Frau und ich einen ähnlichen Musikgeschmack. Durch sie habe ich großartige Indie-Künstler kennengelernt und dank mir weiß sie jetzt, dass deutsche Musik nicht immer Ohrenschmerzen bedeutet, obwohl das Konzert von Kraftklub in Münster vor zwei Jahren schon sehr laut war.

10. Gibt es in deiner Familie / deinem Freundeskreis Personen die kein Verständnis für dein Bloggen haben?

Nein, bisher fanden das alle gut, wobei viele auch keinen Bezug zu meinem Blog haben. Es gab auch schon mal kritische Fragen nach dem Motto „Gibst du nicht zu viel Preis von dir?“ Ja, vielleicht, aber genau dafür ist ein Blog doch gedacht. Ich möchte anderen Männern Mut machen, eine Auszeit für die Familie zu nehmen und das Leben zu leben. Viele Männer leben in den klassischen Rollenbildern: er arbeitet und sie bleibt zu Hause bei den Kindern. Mit dem Blog möchte ich vielmehr die Männer erreichen, die unsicher sind, ob sie das Leben (mit oder ohne Kind) so weiterleben wollen. Es gibt viele Männer da draußen, die aus den vorgelebten Rollenbildern ausbrechen wollen. Die möchte ich ansprechen. Und ja, dafür muss ich mich öffnen, um sie zu erreichen und ihnen zu sagen: Hej, du schaffst das und du kannst das, habe den Mut und gehe den ersten Schritt. Schau in meine Welt und wenn nimm das mit, was dir weiterhilft. Bisher war das Feedback eher positiv als negativ.
So, nun bin ich gespannt auf deine Antworten, lieber Holli aka @holger5347 lieber @papa.mag.lila lieber Björn von @papaerklaert und Bernard aka @brocklanders ! Hier sind eure Fragen:

  1. Welchen Rat würdest du dir als jungen Vater rückblickend mit auf den Weg geben?
  2. Stell dir vor, du könntest die Zeit anhalten. Was würdest du den ganzen Tag machen?
  3. Erzähle von deinem schönsten Moment als Papa!
  4. In welchen Momenten stößt du als Vater an deine Grenzen?
  5. Was vermisst du aus deinem alten Leben am meisten, als du noch nicht Papa warst?
  6. Gibt es ein bestimmtes Erziehungsmodell (z.B. Attachment Parenting), das du/ihr verfolgt?
  7. Smartphone, Tablet, TV und Co. – Ab wann sollte dein Kind Zugang zur digitalen Welt haben?
  8. Vervollständige diesen Satz: Vater sein bedeutet für mich…
  9. Warum bist du bei Instagram, facebook, twitter oder betreibst einen eigenen Blog?
  10. Stell dir vor, du würdest ein bedingungsloses Grundeinkommen von 1.600 € pro Monat bekommen: Wie würde sich dein Leben ändern? Welche Träume/Wünsche würdest du verfolgen?

Ich bin gespannt auf deine Antworten und freue mich jetzt schon wie Bolle drauf!

Blogparade: Fünf gute Gründe für Papa-Elternzeit

Blogparade: Fünf gute Gründe für Papa-Elternzeit

Elternzeit ist eine besondere Zeit für die Familie. Rüdiger von mannpluskindgleichvater.de hat daher die Blogparade: »Fünf gute Gründe für Papa-Elternzeit« gestartet. Warum also sollten Väter Elternzeit nehmen und warum in alles in der Welt können sie nicht weiterhin Karriere machen? Hier also meine Antworten…

1. Was habe ich nur mit der ganzen Zeit gemacht?

Vor der Geburt unserer Tochter haben wir Abende oder sogar Tage im Bett oder auf der Couch verbracht und Serien geguckt. Besonders in der Schwangerschaft war das ein sehr schöner, weil gemeinsamer Zeitvertreib. Oder Freunde spontan treffen und ins Kino gehen, alles kein Problem – wir haben ja Zeit satt. Doch mit der Geburt hat sich das schlagartig geändert. Alles eine Sache von Angebot und Nachfrage, denn mit einem Kind ist Zeit ein knappes Gut geworden. Die Nachfrage aber ist nach wie vor hoch. Wir wollen sie daher mit Qualität füllen und treffen uns daher seit der Geburt des Kindes viel bewusster mit der Familie und den Freunden. Zwar gehen wir auch mal ins Kino, doch muss der FIlm schon richtig gute Kritiken haben und natürlich muss ein Babysitter vorhanden sein. Wahnsinn wie sehr ich Zeit zu schätzen gelernt habe und wie sehr ich bis zur Geburt Zeit (und Geld) verschwendet habe.

Grund eins: Du lernst deine Zeit mit Qualität zu füllen!

2. Tiefes Verständnis für Care-Arbeit

Seitdem ich also zuhause bin, begreife ich im wahrsten Sinne des Wortes was es beudetet, 24/7 über 7 Monate im Jahr für dieses kleine Würmchen verantwortlich zu sein. Weint die Tochter oder will sie spielen, bin ich für sie da. Hat sie Hunger, mache ich ihr etwas zu essen und füttere sie. Hat sie in die Windeln gemacht… und so weiter! Gleichzeitig wird der Haushalt geschmissen und irgendwie bleibt noch etwas Zeit für meine Frau und mich übrig. Care-Zeit bedeutet also nicht nur Babysitten für einen Tag oder übers verlängerte Wochenende, sondern es geht um J E D E N Tag. Wir haben uns die Care-Arbeit (was ein doofes Wort) in unerer Beziehung schon immer paritätisch aufgeteilt und ziehen den Stiefel jetzt auch bei unserer Tochter durch. Warum auch nicht? Erst jetzt verstehe ich so richtig, was meine Mutter damals als Hausfrau und Mutter von vier Kindern geleistet hat. Nun darf ich meinen Teil an unsere Tochter zurückgeben. Und das aus vollster Überzeugung!

Grund zwei: Du begreifst, was es heißt, für andere verantwortlich zu sein!

3. Reisen

Es gibt Väter, die nur 2 Monate Elternzeit nehmen und lieber den Gartenzaun streichen oder das Haus umbauen. So ein Papa bin ich nicht. Elternzeit ist Familienzeit für eine gemeinsame Auszeit, jedenfalls für ein paar Wochen. Wie viele andere Familien haben wir auch eine Reise unternommen, die uns als Familie erst richtig nahe gebracht hat. Für 2 Monate waren wir mit Fiete in Frankreich und Spanien unterwegs. Anschließend habe ich weitere 4 Monate zu Hause verbracht, um meiner Frau den Wiedereinstieg in den Job zu ermöglichen. An dieser Stelle der Hinweis auf die Kritik auf sueddeutsche.de »Elterngeld ist kein staatlich gesponsertes Urlaubsgeld«. Ich bin mir bewusst, dass nicht jede Familie eine Reise machen kann. Doch wenn es irgendwie möglich ist, tut es. Und sei es nur für zwei oder drei Wochen innerhab von Deutschland. Es lohnt sich und macht den Kopf frei für Familienzeit!

Grund drei: Tue dir und euch etwas Gutes und genießt die Auszeit!

4. Die pure Entschleunigung

Obschon die beiden oberen Punkte sehr viel Kraft kosten, fühle ich eine pure Entschleunigung. Zeitweise war ich sogar so entschleunigt gewesen, dass ich auf dem Spielteppich neben meiner Tochter eingeschlafen bin (während sie Klötzchen stapelte). Ups! Irgendwann ist mir dann auch die Decke auf den Kopf gefallen, sodass ich mir eine Auszeit von der Elternzeit genommen habe. Es gibt nun einen halben Papa- und einen Mama-Tag frei in der Woche. Seit ein paar Wochen ist meine Elternzeit zu Ende und trotz Umstellung zehre ich immer noch von den schönen Erkenntnissen und Erfahrungen. Das entschleunigt mich im Job und Alltag, denn ich muss keine überzogenen Erwartungen erfüllen und kann mir selber treu bleiben. Folgerichtig habe ich meinen High-Strain-Job auch gekündigt und arbeite nun halbtags bei einem neuen Arbeitgeber.

Grund vier: Dank der Elternzeit weiß ich jetzt, was ich beruflich will: Entschleunigung!

5. Konfrontation mit dem inneren Kind

Kinder kommen normalerweise ohne Beipackzettel auf die Welt. Sie sind von Natur aus freundliche Wesen und machen nichts aus böser Absicht oder Willkür. Sie lernen modellhaft von ihrer Umwelt, Erwachsene sind ihr Vorbilder. Mir helfen die Begegnungen mit meiner Tochter sehr, um zu verstehen, was sie braucht und wie sie tickt, ja sogar wie ich ticke. Denn ich hinterfrage mich selbst: Was macht ihr Trotzverhalten jetzt mit mir? Warum bin ich beim Füttern so ungeduldig? Warum bin ich gerade wütend? Was mache ich falsch, dass sie jetzt weint? Sehe ich sie und ihre Bedürfnisse gerade nicht? Alles, was meine Tochter macht, ist auch eine Konfrontation mit meiner Vergangenheit. Das innere Kind ist im Grunde das Abbild der eigenen Kindheit. Doch nun bin ich erwachsen und die Erfahrungen und Erlebnisse aus meiner Kindheit kommen immer dann hervor, wenn meine Tochter mich damit konfrontiert. Dank meiner Tochter habe ich nicht nur sie besser kennengelernt, sondern auch mein inneres Kind.

Grund fünf: Nimm dir Zeit und lerne von deinen Kindern!

Das sind meine fünf guten Gründe für Papa-Elternzeit! Jetzt bin ich gespannt auf deinen Beitrag zur Blogparade. Vielleicht hast du keinen Blog oder bist nicht bei Instagram oder Twitter? Dann schreib doch einfach in die Kommentare! Ich bin gespannt auf deine fünf gute Gründe für Papa-Elternzeit!

5 Fakten über meine Elternzeit

5 Fakten über meine Elternzeit

Drüben auf Instagram wollte toni.amadopulus wissen, was meine 5 Papa-Fakten sind. Die erste Antwort habe ich schon auf Instagram gepostet und damit Rüdiger von Mannpluskindgleichvater aktiviert. Anlässlich meines letzten Tages in Elternzeit kommt jetzt meine überarbeitete Fassung.

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Eigentlich sollte der Beitrag gar nicht so lang werden. Aber du kennst das sicherlich, wenn mensch in einem Flow ist und einfach drauf los schreibt. Nun ja, sorry dafür. Naja, vielleicht vertone ich den Beitrag noch mal, dann kannst du ihn dir auch anhören. Hier noch mal der initiale Post von Toni:
https://www.instagram.com/p/BRxs5yAhuBN/

Fakt 1: Gelassenheit

Wie du in den letzten Beiträgen vielleicht gemerkt hast, war ich in der Zeit, als meine Frau Elternzeit hatte, nicht viel zu Hause und konnte daher einige Entwicklungsschritte nicht wirklich live miterleben. Vielleicht ist es eine Ausrede, aber der Job hat mich emotional aufgefressen und war ständiger Begleiter, wenn ich eigentlich abschalten wollte. Vor genau einem Jahr war ich sogar beim Arzt wegen Herzproblemen und wollte irgendwie nicht wahrhaben, dass der Job nicht gut für mich ist, ja sogar nicht gut für die Familie ist. Wahrscheinlich bin ich nur wegen der kommenden sechsmonatigen Elternzeit ab September 2016 im Job geblieben. Ein kleines Wesen hat mich in dieser Zeit wieder eingefangen und resettet.
Danke kleiner Sonnenschein. Du hast mich sehr auf die Probe gestellt. Immer dann, wenn dein Bauch grummelte oder sich ein Zähnchen ankündigte. Du hast gerufen, geweint und brauchtest Nähe. In den ersten Wochen alleine mit mir, hast du sehr nach Mama gerufen. Wir beide haben dann gekuschelt und gespielt. Du hast mich sehr gefordert, warst mein Antrieb und Schwung, hast mich motiviert und getrieben. Nie hatte ich das Gefühl aus der Haut zu fahren oder zu verzweifeln. Ich habe mich besonders auf diese Situationen gefreut, wenn ich dich beruhigen durfte und dir ganz nah war. Denn diese Situationen sind der Klebstoff für eine enge Vater-Tochter-Bindung. Jetzt verstehe ich dich und weiß wer du bist. Trotzdem lerne ich dich jeden Tag aufs Neue kennen. Ich freue mich schon sehr auf die hoffentlich vielen weiteren Momente zusammen mit dir.

Fakt 2: Zeit schätzen gelernt

Mit dem Umzug von Kiel nach NRW im Juni 2014 hat mein Leben mit einem Mal richtig an Fahrt aufgenommen. Auf gepackten Kartons sitzend habe ich meine Frau kennengelernt, kurz danach begann mein neuer Job in einem Sportfachverband in Duisburg und kurze Zeit später folgten Schwangerschaft und Hochzeit. Heute haben wir März 2017 und es sind nicht einmal drei Jahre vergangen. Alle Entscheidungen haben wir beide aus tiefstem Herzen und bewusst entschieden. Seitdem haben sich die Prioritäten im Leben immer wieder geändert. So schnell, dass ich zeitweise gar nicht mehr hinterherkam. Zu den Gründen siehe u.a. Fakt 1.
Die Kleine hat uns ganz schön im Griff und Zeit ist ein so kostbares Gut geworden. Das habe ich zu schätzen gelernt. Nicht nur die Zeit mit meiner Tochter ist mir sehr sehr wichtig, sondern auch die Zeit mit meiner Frau. Wir haben im Grunde nur abends Zeit uns über den Tag auszutauschen und tiefgründige Gespräche zu führen. Und auch nur solange die Kleine schläft. Damit wir auch Zeit für uns haben, haben wir einen Heiner-Tag und einen Corinna-Tag eingeführt. Ein Nachmittag pro Woche steht uns zur freien Verfügung, damit wir unseren Bedürfnisse nachgehen können. Montags sitze ich dann in einem Café, genieße die Zeit für mich, lese oder telefoniere und texte mit Freunden. Ich sollte endlich wieder mit Sport anfangen.

Fakt 3: Weniger ist mehr

Wir leben reduziert, zahlen eine schmale Miete und haben dafür auch nur eine 46qm 60qm Wohnung im 4. Stock 3. Stock. Unser Familienbett besteht aus einer Matratze mit Lattenrost, die auf dem Boden liegt. Sehr praktisch, denn so kann die Kleine zwar rausfallen, sich aber dabei nicht verletzen. Das Bettgestell gibt es übrigens drüben bei eBay Kleinanzeigen. Gleiches gilt übrigens für Klamotten und Spielsachen. Wir durchsuchen Kleinanzeigen und bekommen von anderen Eltern passende Kleidung geschenkt oder geliehen. Wir verkaufen unser Auto, weil wir es nicht mehr brauchen. Wir sind Fahrradfahrer aus Leidenschaft.
Als Beschäftigte im sozialen und medizinischen Bereich können wir eh keine großen Sprünge machen. Wir machen das aber nicht des Geldes wegen, sondern weil das unsere innere Einstellung und tiefste Überzeugung ist. Trotzdem stehen wir finanziell gut da. Der nächste Schritt ist die Reduzierung von Müll. Wir gehen seit ein paar Wochen auf den Markt und kaufen ausschließlich regionale Produkte. Das ist erstaunlich preiswert und reduziert den Plastikmüll! Denn weniger ist mehr (werde ich bei den nächsten Texten beherzigen… vielleicht).

Fakt 4: Selbstbehauptung und Abgrenzung

Die Bedürfnisse unserer Tochter stehen im Fokus (siehe Fakt 2). Wir bezeichnen uns nicht als Helikoptereltern und denken auch nicht, dass es soweit kommen wird. Vielmehr reflektieren wir unser Tun und Handeln und hoffen, den Bedürfnissen gerecht zu werden. In der Entwicklungspsychologie spricht mensch von Feinfühligkeit. Das ist uns wichtig und dafür setzen wir uns ein. Doch egal wohin ich mit der Kleinen gehe, muss ich mich behaupten und abgrenzen. Das fängt an, wenn fremde Menschen ihre Finger in das Gesicht meiner Tochter stecken und hört bei Erziehungstipps auf.
Für meine Werte und Normen einzustehen und sich gegen die Zuschreibung von außen zu behaupten ist manchmal gar nicht so einfach. Ich bin unheimlich stolz darauf, in der kurzen Zeit gelernt zu haben, mich so gut abgrenzen zu können. „Nehmen Sie bitte ihre Finger aus dem Gesicht meiner Tochter“ und „Danke für deinen Rat und deine Tipps, wir machen es anders.“ Irgendwie ist dieser Text gleichzeitig auch ein Ausdruck von Selbstbehauptung und Abgrenzung stelle ich gerade fest.

Fakt 5: Rollenbilder und Stereotypen

Wenn ich an meine Kindheit und Jugend zurückdenke, dann wurde ich in einem Rollentypischen Haushalt groß. Der Mann arbeitet und die Frau bleibt bei den Kindern zu Hause. Sicherlich wollten und haben meine Eltern einiges anders machen, doch die Rollen waren klar verteilt. Modern waren sie sicherlich in dem Punkt, dass meine Schwestern Schwester alles das können sollte, was Männer auch können sollten. Also aus Sicht der Stereotypen: Neben dem Reifenwechsel war das vor allem die Fliegerei. Danke Sabine, für diesen Gedankenanstoß! Immerhin sind wir eine Fliegerfamilie und auf dem Flugplatz groß geworden. Daneben war meinem Vater wichtig, dass wir IT-Kenntnisse erwerben. Schon früh haben wir einen eigenen PC bekommen.
Mir wurde nicht gezeigt, wie ich koche, wie ich Wäsche wasche oder wie dies und das im Haushalt geht. Es wurde einfach angenommen, dass ich als Mann andere Aufgaben habe. Sicherlich habe auch ich meinen Anteil daran, doch wenn Kinder früh in die häuslichen Aufgaben eingebunden werden, wäre es mir deutlich leichter gefallen. Windeln wechseln, Putzen, Staubsaugen, Wischen, die Spülmaschine ein- und ausräumen, Wäsche aufhängen und für Ordnung halten: heute alles kein Thema mehr. Sogar die Betreuung und Begleitung unserer Tochter fällt mir leicht. Ich bin mit dem Kopf dabei und muss nicht erst aufgefordert werden, etwas zu tun oder zu lassen. Das empfinde ich als echte Emanzipation. Musste ich aber auch erst lernen.

Nicht Buddha aber ein ständiger Begleiter

Zum Schluss noch ein Zitat, das mich schon seit einigen Jahren begleitet. Es wird fälschlicherweise Buddha zugesprochen, stammt aber aus der Feder von Jack Kornfield.

Frei übersetzt heißt es in etwa:

Am Lebensende zählen nur drei Dinge: Wie sehr du geliebt hast, wie gutmütig du gelebt hast und wie anmutig du Dinge hast ziehen lassen, die nicht für dich gedacht sind.

Der alte Job hat seine Schuldigkeit getan, jetzt darf ich ihn ziehen lassen. Im April fange ich als Sozialarbeiter bei einem neuen Arbeitgeber an. Dieses Mal in Teilzeit und für viel weniger Gehalt. Wichtiger ist, dass die Betreuung unserer Tochter zu Hause gesichert ist. Meine Frau und ich düsen dann abwechselnd mit dem Rad zur Arbeit. Sie konnte ihre Kernarbeitszeit verschieben und ermöglicht mir dadurch den Wiedereinstieg. Dafür bin ich ihr sehr dankbar!
Du bist auch Papa, bist gerade in Elternzeit, hast sie noch vor dir oder schon hinter dir? Dann bin ich gespannt auf deine Vater-Fakten. Schreib sie gerne in die Kommentare!

Emotionale Abhängigkeit: Der größte Fehler überhaupt!

Emotionale Abhängigkeit: Der größte Fehler überhaupt!

Damals dachte ich noch, ich müsste Karriere machen. Als medienaffiner Teenager, der von seinem Vater schon mit 12 Jahren einen Macintosh Performa 5200 sein Eigen nennen durfte, habe ich sehr schnell gelernt, mich in der digitalen Welt zurecht zu finden. Mein Vater, der frühe Held.

Die Beziehung zu meinem Vater war nicht immer einfach. Früher war er viel unterwegs und obwohl er irgendwann sein Büro zu Hause hatte, sah ich ihn oft erst spät abends und am Wochenende. War damals so. Als junger Stöpsel habe ich allerdings eine Identitätsperson gebraucht. Lange wusste ich nicht, wer ich bin und was ich vom Leben erwarten sollte. Ich war ständig und permanent auf der Suche nach Akzeptanz und Anerkennung. Bekommen habe ich das primär von meiner Mutter, doch gebraucht hätte ich es von meinem Vater. Aber keine Angst, das soll kein Vater bashing werden!

Emotionale Abhängigkeit und Vorbilder

Mein Vater arbeitete damals als Wirtschaftsprüfer und Controller in einer großen Fullservice Werbeagentur, glaube ich jedenfalls. Da ich damals nicht wusste, wohin sich mein Leben beruflich einmal entwickeln sollte, nutze ich die Möglichkeit, das Schulpraktikum dort zu absolvieren. Wenig Aufwand und viel Spaß. Als Kind lag Düsseldorf am anderen Ende der Welt und war entsprechend mega spannend für mich. Das Kind vom Dorf in der Großstadt. Für mich tat sich eine völlig neue Welt auf, überall standen die neusten Macs und riesige Digitaldrucker und die Mitarbeiter waren die coolsten Menschen, die ich bis dahin kennengelernt hatte. Ein Paradies. Ich durfte sogar mein bescheidenes Können in Photoshop unter Beweis stellen und habe ein Autoradio in ein neues Bildmotiv hinein retuschiert. Yay, ich war infiziert von dieser Welt.

Die mahnenden Worte des angestellten Produktioners habe ich noch in den Ohren: „Mach alles, aber geh 1. nicht in die Werbung und werde 2. kein Produktioner.“ Mein neues Vorbild war gefunden. Bei mir kam nämlich nur an: „Geh‘ in die Werbung und werde Produktioner!“

Nach Abitur und Bundeswehr ging ich also mit Anfang 20 nach Hamburg und heuerte bei einer Produktionsagentur an: Ich wurde Produktioner. Im schnellen Sportwagen fuhr ich damals hin und wieder die 500km nach Hause zu meiner Familie. Dabei trug ich natürlich die besten Klamotten und teure Schuhe. Ich wollte vor allem meinem Vater zeigen, was ich erreicht hatte. Schau her, sieh mich an und sag mir, dass du stolz auf mich bist. Mein inneres Kind schrie förmlich danach. Ich war emotional abhängig. Ein emotional verarmtes Kind, gefangen im Körper eines Erwachsenen. Doch jetzt sollte sich das endlich ändern! Immerhin arbeite ich mit Macs, bin in einer Werbeagentur und arbeite als Produktioner. Voll im Karrieremodus:

„Hej Papa, bist du stolz auf mich?“

Der größte Fehler überhaupt

Emotionale Abhängigkeit nennt man dieses Phänomen, das ich gerade beschreibe. Es ist tatsächlich so passiert und ich glaube, es ergeht vielen Erwachsenen so. Liebe & Anerkennung ist das, was wir uns von der Ur-Familie wünschen, was wir brauchen, um zu wachsen und selbstständige starke Menschen zu werden. Ich war emotional abhängig von ihm und konnte mich nicht lösen. Ständig war ich auf der Suche nach Gelegenheiten, um Zuneigung und Anerkennung zu erhaschen. Nie hat er mir gesagt: „Ich bin stolz auf dich!“ In den Arm genommen, hat er mich auch nie. Mich hat das damals innerlich aufgefressen. Als HSP ist das eine besondere Qual, es hat mich ständig aufgewühlt und beschäftigt.

Erst als ich nicht mehr konnte und aus dem Job ausbrechen musste, habe ich gelernt, mit meiner emotionalen Abhängigkeit umzugehen. Das ist leider ein Prozess, der lange dauert. Die Früchte der Erkenntnis reifen langsam und schmecken zunächst bitter. Dafür braucht es nämlich immer wieder Situationen, die weh tun und schmerzen. Nach der Zeit in Hamburg bin ich für 3 Monate nach Südtirol auf einen Bergbauernhof gegangen und habe mich dort „wiedergefunden“. Auch dort war ich in einer emotionalen Abhängigkeit, aber zu einer richtig tollen und liebenswerten Familie. Von meinem Bergbauern Luis sollte ich wieder geerdet werden und die Schönheit und Faszination des Lebens lernen. Ab jetzt arbeite ich mit Vorbildern und nicht mehr mit emotional Abhängigen.

Emotionale Abhängigkeit und Privat und Beruf

Aber auch in Paarbeziehungen habe ich immer wieder in emotionalen Abhängigkeiten festgesteckt. So war ich mit einer Frau zusammen, die mich energetisch ausgesaugt hat. Nach 3 Jahren habe ich mich getrennt – die wahrscheinlich beste Entscheidung meines Lebens, denn es war eine pure Befreiung. Mir wurde oft gesagt, dass ich mit meiner eigenen Mutter zusammen gewesen sei, was auch irgendwie gestimmt hat, also im übertragenen Sinne. Die Befreiung aus dieser Beziehung war auch eine Befreiung von meiner Mutter. Den Konflikt, den wir vor ihrem Tod ausgetragen hatten, konnten wir nie lösen. Dafür sollte diese Beziehung herhalten, aber das ist eine andere Geschichte.

Das System Familie und Beziehung war geklärt. Das System Beruf und Job noch nicht. Auch im Beruf gibt es diese emotionalen Abhängigkeiten. Hier hatte ich Vorbilder, die mich gefördert und protegiert haben. Lob und Anerkennung waren wichtige Bestandteile, die ich eingefordert habe und die mir zugesprochen wurden. Kreativität und Motivation waren mein Antrieb, doch als HSP ist das ein Teufelskreis. Mehr Lob steigerte meine Motivation, was wieder mehr Lob einforderte. Gleichzeitig sollte ich es so machen, wie meine Vorbilder. Sobald ich meine Vorstellung vom Leben Ausdruck verliehen hatte, ist die Beziehung zusammengebrochen. Aufgrund der emotionalen Abhängigkeit spürte ich Enttäuschung und Distanz, was mich innerlich aufgewühlt, verletzt und sehr beschäftigt hat.

Der Wandel

Vor drei Jahren konnte ich nun endlich meinem Vater in die Augen sehen und ihm ohne Groll oder Vorwürfe sagen, dass ich die emotionale Abhängigkeit zu ihm nicht mehr benötige. Wir haben ein sehr langes und ausgiebiges Gespräch geführt, sind spazieren gegangen und haben den Tag genossen, ein Eis gegessen und mussten uns vor dem Regen in Sicherheit bringen. Ein schöner Tag, an dessen Ende die absolute Befreiung stand. Ein glücklicher und befreiender Moment in meinem Leben. Nun war ein großes Hindernis aus dem Weg geräumt und der Weg frei für neue Beziehungen und neue Erkenntnisse. Schon kurz danach sollte ich meine jetzige Frau kennen- und lieben lernen.

Als ich nun vor einem Jahr Vater wurde und konsequent meine Vorstellung vom Leben umsetze, entfernte ich mich mehr und mehr von meinen alten Vorbildern. Ja, sie haben es anders gemacht und ja, ich mache es anders als sie. Nur die emotionale Abhängigkeit war noch da und sollte eine große Hürde werden, an dessen Ende die Kündigung stand. Im beruflichen System war es nicht mehr möglich, die Unterschiede zu überwinden. Genau wie damals in der Produktionsagentur musste ich auch hier selber kündigen, um mich aus der emotionalen Abhängigkeit zu befreien. Nur brauche ich jetzt keinen Bergbauernhof mehr, um bei mir zu sein. Meine Familie, die vielen Gespräche und letztendlich die Loslösung von den Vorbildern haben mich befreit.

Jetzt darf ich Vorbild sein: für meine Kinder.

Nun darf ich die Früchte ernten, sowohl im Privaten mit meiner Familie, als auch im Beruflichen. Die Fühler sind so fein eingestellt, dass ich hoffe und mir wünsche, nie wieder in eine emotionale Abhängigkeit zu rutschen. Meinen Kindern möchte ich eine bedürfnisorientierte Entwicklung ermöglichen, die nicht von Abhängigkeiten lebt. Sie sollen bestärkt aber nicht überbehütet groß werden und dennoch zu starken Menschen heranwachsen. Mit stark meine ich hier, dass sie sich stets bewusst sind, wer sie sind, woher sie kommen und wohin sie gehen. Ich möchte meinen Kindern eine Orientierung geben, dass sie selbständig sind und glücklich ihr Leben leben.

Was sind deine Gedanken zum Thema emotionale Abhängigkeit? Kennst du das selber von dir? Schreibe mir in den Kommentaren, was du darüber denkst.

Meine Hochsensibilität, Teil 1 – Heute: Selbstwahrnehmung von hochsensiblen Menschen

Meine Hochsensibilität, Teil 1 – Heute: Selbstwahrnehmung von hochsensiblen Menschen

Viele von euch haben schon von hochsensiblen Personen (HSP) gehört, aber sicherlich wissen die wenigsten von euch, was das „Besondere“ oder das „Ungewöhnliche“ an ihnen ist. Mit dieser Serie möchte ich dich einladen, einen tieferen Blick in mein Inneres zu werfen, das Innere eines HSPs. Die Serie nennt sich „Meine Hochsensibilität“. Einen kurzen Einblick habe ich bereits an anderer Stelle gewährt und sicherlich wird sich einiges auch überschneiden.

Heute: Selbstwahrnehmung

Die Selbstwahrnehmug ist bei Hochsensiblen anders, als bei Nichthochsensiblen. Das kann man gar nicht in einem Satz beschreiben, denn wir (HSPs) nehmen auf vielen Kanälen verstärkter wahr: Sehen, Hören, Fühlen, Schmecken und Riechen. Und weil das so ist, haben HSPs oft eine verzerrte Selbst- und Fremdwahrnehmung. Bei mir hat es lange gedauert, bis ich verstanden habe, was es braucht, um die innere Mitte zu finden. Doch nun die 3 Punkte, um die es heute gehen wird. Wahrnehmung, Gefühlsleben und Gesellschaft.

1. Wahrnehmung

Als ich in unsere gemeinsame Wohnung gezoge bin, sind mir gleich ein paar akustische Dinge aufgefallen, die mich teilweise nerven, weil mein Wahrnehmungsfilter gestört ist. Eigentlich rechnet das Gehirn nicht relevante Geräusche aus unserer Wahrnehmung heraus, eben weil sie nicht relevant sind. Das ist bei mir allerdings anders, da wird wenig rausgerechnet. So kommt es, dass ich bei uns in der Küche stets das Ticken der Uhr wahrnehme oder das Piepen der Fußgängerampel einige hundert Meter entfernt. Bei geschlossenem Fenster versteht sich. In der Natur lausche ich eher den Geräuschen der Vögel als den Gesprächen (es sei denn, die Gespräche haben Tiefgang). Lärm im Allgemeinen tut meinen Ohren weh. Wenn der zu lange andauert, dann höre ich ein Pulsieren und Rauschen in meinem Ohr… bobob bobob bobob… aaaaah…
Stimmungen und Probleme nehme ich nicht nur schneller wahr als andere, sie belasten mich auch. Meine Grundhaltung anderen Menschen gegenüber ist stets positiv und wertschätzend, sodass ich unterbewusst davon ausgehe, dass die Stimmung in einem Raum auch positiv ist. Wahrscheinlich nehme ich daher auch negative Stimmungen stärker wahr, als andere. Mein Wahrnehmungskanal ist so feinfühlig eingestellt, dass ich bisher seltenst enttäuscht wurde. HSPs, die diese Eigenschaften haben, besitzen eine so genannte Scanner-Persönlichkeit.
Sehr schön finde ich auch den Gedanken an das Kind im eigenen Körper. Ich kann von mir behaupten, dass ich ein kleines Kind, gefangen im Körper eines Erwachsenen bin. Tatsächlich gibt es wenig Situationen, in denen ich mein inneres Kind herauslassen kann. Das Umfeld ist dann immer irritiert, wenn so ein großer erwachsener Mann skurrile Dinge tut, die eigentlich Kinder machen. Ich gebe es zu! Ja, ich springe gerne in Pfützen, lache unheimlich laut und bin ganz ungehalten, wenn tolle Ereignisse stattfinden. Wenn ich mich freue, dann drehen die Pferde teilweise mit mir durch.
Zusammenfassend stelle ich fest, dass ich beim Thema Wahrnehmung wie ein Seismograph funktioniere. Kleinste Stimmungsschwankungen bekomme ich mit und schwingen innerlich mit. Je gezwungener und intensiver die Begegnung ist, umso mehr schlägt das Pendel aus. Ich fühle mich in die Situation ein und spiegel die Gefühlswelt nach innen. Das bringt mich immer total durcheinander und wühlt mich innerlich auf. Dann denke ich, dass die Gefühle, die im Raum sind, durch mich verursacht wurden. Anders sieht es mit der professionellen Brille aus. Hier kann ich sehr wohl die Gefühle verbalisieren, spiegeln und eine Distanz zum Inhalt aufbauen. Als systemischer Berater musste ich das auch erst lernen.

2. Gefühlsleben

Wobei wir auch schon beim Gefühlsleben wären. Meine innere Stimme ist sehr stark ausgeprägt und ruft immer wieder neue Charaktere auf die Bühne. Ich stehe so eng in Kontakt zu mir selbst, dass ich keine Langeweile spüre. Meine innere Stimme warnt mich vor Dingen und stellt den Kontakt zu meinem Körper her. Bin ich aufgeregt, dann sagt sie mir, dass etwas nicht stimmt und ich die Situation verändern sollte. Meine innere Stimme sorgt also dafür, dass ich im Reinen bin, also Körper, Geist und Seele zusammen eins ergeben. Das klappt nicht immer, denn bei Folgendem bin ich nach wie vor gehemmt.
Gefühle vereinnahmen mich. Gefühle vereinnahmen mich so sehr, dass sie mich zuerst überwältigen, dann vereinnahmen und dann Kraft rauben. Beispiel: Wir schauen einen Film, in dem der Protagonist stirbt. In herzzerreißenden Szenen wird die Tragödie dargestellt, untermalt mit passender Musik. Wenn du bei der Szene weinst, dann heule ich wie ein Schloßhund, mein Magen verkrampft sich so derbe, dass ich starke Bauchschmerzen haben. Ich bin von dem Gefühl so sehr vereinnahmt, dass es mir nicht mal mehr gelingt, das Gefühl richtig zu beschreiben. Anschließend brauche ich nich nur einige Taschentücher, sondern auch viel Zeit, um mich zu erholen.

3. Gesellschaft

Ich bin eine Rampensau und stehe gerne vor Gruppen, vor vielen Menschen und unterrichte auch gerne. Wenn allerdings das Seminar vorüber ist, dann brauche ich Rückzug und zwar von jetzt auf gleich. Da kann kommen, was will, ich brauche Ruhe. Bei HSPs gibt es introvertierte und extravertierte Personen. Ich gehöre zu den wenigen extravertierten HSP, die aber sofort Rückzug brauchen. Kennt ihr die Leute, die auf Partys sagen „Ey, ich bin nur eben auf’m Klo!“ und dann abzischen? That’s me! Ehrlich jetzt! Ich habe in einem Wohnheim gewohnt und brauchte Ruhe! Wenn ich aber mal mit auf Party war, dann war ich voll dabei! Allerdings auch nur so lange, bis es mir zu viel wurde!
In meiner Jugend war ich immer in der Außenseiterrolle. Ich war anders und verhielt mich komisch. Das führte soweit, dass es mir schwer fiel, eine peer group zu finden. In meiner Schulklasse wurde ich gemobbt und als schwul bezeichnet. Typisch HSP habe ich lange nachgedacht, ob das stimmen könne. Nein, ich war nicht schwul, nur anders. Heute weiß ich, dass ich autistische Züge habe und hin und wieder in meine Gedankenwelt abdrifte. Dann fühle ich mich wohl, bin im flow und irritiere meine Umwelt. Ich war der klassische Außenseiter, der nicht in die gesellschaftlichen Normen passte. Damals wollte ich passen. Heute will ich unangepasst sein und spiele mit Klischees und Schubladendenken.
Denn Anpassung ist kraftraubend und nervig zugleich. Immer diese oberflächlichen Gespräche und das Lächeln, die Missgunst und Heuchlerei. Boah, das geht mir so derbe auf die Nerven. Sorry, aber für mich müssen Gespräche Tiefgang haben und sind gerne auch mal philosophisch angehaucht. Ja, das mag vielleicht überheblich wirken und arrogant, aber was soll ich machen? Gespräche, die keinen Tiefgang haben und nicht in der Meta-Ebene stattfinden, langweilen mich. Mir ist Qualitätszeit wichtig!

Was will ich ändern?

Das erste Stichwort heißt: Fokussieren. Ich muss mich auf bestimmte Dinge fokussieren. Eigentlich würde man sagen „konzentrieren“, aber das geht bei HSP nicht, weil die Dinge unterbewusst stattfinden. Man kann aber den Fokus verändern. Zum Beispiel durch Achtsamkeitsübungen oder Meditation.
Das zweite Stichwort heißt: Kanalisieren.Vor allem bei den Gefühlen muss ich lernen, sie raus zu lassen und sie nicht in das Korsett der Gesellschaft zu zwängen. Wenn ich heulen muss, dann heule ich! Und wenn ich mich freue, dann freue ich mich. Auch wenn die Leute dann mein Lachen nachmachen oder sich über mich lustig machen. Das ist bestimmt nur der Neid. Gleiches gilt für die Gefühle, die in mir aufkommen, wenn schlechte Stimmung herrscht. Ich muss lernen, die Gefühle zu kanalisieren, bzw. die Stimmung zu kanalisieren.
Das sind meine persönlichen Einblicke in die Welt eines HSP. Wie sieht es bei dir aus? Was denkst du darüber? Findest du dich darin wieder, oder kannst du mit den Gedanken gar nichts anfangen. Ich bin gespannt auf deine Kommentare!

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