Wie viel Zeit bleibt dir noch für deine Kinder?

Wie viel Zeit bleibt dir noch für deine Kinder?

Weißt du, wie viel Zeit dir noch für deine Kinder bleibt? In Vorbereitung auf meine Seminare für Väter und im Allgemeinen, setze ich immer wieder Methoden ein, die zum Nachdenken anregen sollen. Heute stelle ich dir eine Methode vor, in der es um deine Lebenszeit geht. Bereit?

Alles was du brauchst sind Grundlagen der Mathematik und ein Maßband aus dem schwedischen Möbelhaus oder einem Baumarkt deines Vertrauens. Die sind meistens 100 cm lang. Jeder Zentimeter steht dabei für ein Lebensjahr. Am besten beschreibe ich dir die Methode anhand meines Alters. Ich bin von Jahrgang 1983 und zurzeit 36 Jahre alt. Die Lebenserwartung für Männer von Jahrgang 1983 liegt bei ungefähr 71 Jahren. Neuere Berechnungen gehen von einem höheren Lebensalter aus, ich rechne aber konservativ.

Risikofaktoren beachten

Nun schauen wir uns die Risikofaktoren an, die Einfluss auf unser Alter haben. Rauchen und Alkohol gehören zu den größten Faktoren, die unsere Lebenszeit verkürzen. Ich habe in meinem Leben höchstens 5 Zigaretten geraucht und trinke keinen Alkohol. Früher habe ich hin und wieder Alkohol getrunken, aber nicht regelmäßig und allzuviel. Ich gebe mir selber 2 Jahre Lebensjahre weniger für diese Risikofaktoren.
Danach folgen Fettleibigkeit (Adipositas), Bluthochdruck und Diabetes. Bis auf leichten Bluthochdruck habe ich keinerlei Probleme oder Beschwerden mit diesen Risikofaktoren. Da Bluthochdruck Probleme mit Herz und Hirn verursachen kann, gebe ich auch hierfür 2 Lebensjahre weniger.
An fünfter Stelle folgt Bewegungsmangel. Ja, seitdem ich Kinder habe, mache ich keinen Sport mehr. Ok, wenn man das Tragen der Kinder berücksichtigt, bin ich täglich mehrere Stunden unterwegs. Aber so richtigen Ausdauersport, egal ob im Fitness-Studio oder draußen, betreibe ich nicht mehr. Das sah schon mal anderes aus und ich freue mich schon auf die Zeit, wenn ich wieder Sport machen kann. Ich vergebe mir 1 Lebensjahr weniger für Bewegungsmangel.

Drogen und anderes hartes Zeug

Die Anzahl der Joints, die ich in meinem Leben geraucht habe, sind schon oben beim Rauchen mit berücksichtigt. Mit Drogen meine ich aber viel mehr Speed, Ecstasy/MDMA und anderen Scheiß, die unter das Suchtmittelgesetz fallen. Finger weg! Hier vergebe ich 0 Lebenszeitpunkte weniger. Überlege für dich, inwieweit du zum Beispiel regelmäßig Kokain oder andere Mittel nimmst. Die Dosis macht das Gift und regelmäßig Konsum führt zu Begleiterkrankungen, die dein Leben verkürzen können!
Lebens-Maßband

Hefte raus, Klassenarbeit

Jetzt visualisieren wir das Ganze anhand des Maßbandes. Schneide die Lebensjahre ab, die du schon gelebt hast. Ich mache einen Schnitt bei 36 cm. Uiui… Den Streifen brauchst du nicht mehr, denn das Leben hast du bereits gelebt. Hart, aber wahr. Jetzt mache einen Schnitt bei deinem vermutlichen Höchstalter. Bei mir sind es 71 Jahre. Schnipp, bleibt ein Streifen von 35 cm übrig.
Nur leider müssen jetzt noch die Risikofaktoren angeschnitten werden. Shit. Minus 5 Jahre. Bleiben noch 30 Jahre übrig. OMG, WTF, F*CK. 30 Jahre? Das Maßband ist auf weniger als 1/3 geschrumpft. Damit hätte ich jetzt nicht „gerechnet“. Das Leben soll also noch vor mir liegen?
Kurze Pause, ich muss das mal eben realisieren…

Und jetzt?

Es sagt sich immer so leicht, wie alt wir sind und worauf wir uns freuen im Leben. Oder dass ich sehen möchte, wie meine Kinder groß werden. Aber wenn meine Kinder so alt sind, wie ich jetzt bin, könnte ich schon gar nicht mehr am Leben sein! 30 Jahre sind so schnell vergangen. Vor 30 Jahren war die Wiedervereinigung! Ey, das war quasi gestern!
Diese und andere Übungen habe ich vor Jahren selber in unterschiedlichen Situationen gemacht. Damals wurde mir klar, dass mein Leben endlich ist. Dass ich mein Leben selbstbestimmt in der Hand habe und mich nicht von anderen leiten lassen muss. Mir ist mein Leben am wichtigsten, also gestalte ich es nach meinen Wünschen!

Mit Qualitätszeit füllen

Mein Wunsch ist es, meine Kinder zu begleiten. Sie groß werden zu sehen. Mein Wunsch ist es aber auch, selbstbestimmt zu leben und eine selbsterfüllende und sinnhafte Tätigkeit auszuüben. Gearbeitet habe ich bereits, bis ich Kinder hatte. Jetzt ist Zeit für die Begleitung. Sobald sie aus dem Gröbsten raus sind, kann ich wieder beruflich weitermachen. Oder auch nicht. Meine 30 Jahre möchte ich mit Qualität füllen!
Unterschrift von Heiner
Was ist mit dir? Wo machst du die Schnitte auf deinem Lebensmaßband? Was sind deine Laster, deine Risikofaktoren? Egal, wie viel Zeit dir noch bleibt. Entscheidend ist doch, dass du sie mit dem füllst, was dir wichtig ist!

Warum ich meine Frau nicht bei der Erziehung unserer Kinder unterstütze

Warum ich meine Frau nicht bei der Erziehung unserer Kinder unterstütze

Die Geschichte der Emanzipation im Patriarchat ist Jahrzehnte, wenn nicht sogar Jahrhunderte alt. Trotzdem oder gerade deswegen wehre ich mich dagegen, meine Frau bei der Erziehung unserer Kinder zu unterstützen. Die Gründe sowie zwei Motive möchte ich dir heute vorstellen.

Aufgewachsen bin ich in einer traditionellen Familie mit Mutter, Vater und drei jüngeren Geschwistern. In unserem 4.000 Seelen Dorf mitten im Münsterland war es üblich, dass der Mann arbeitet und die Frau sich um die Kinder kümmert. Mindestens so lange, bis die Kinder in die Schule gehen. Danach gingen viele Mütter wieder arbeiten; als Kassiererin, als Erzieherin oder als Putzfrau. In Teilzeit. Vormittags. Die Kinder kamen schließlich mittags zum Essen wieder nach Hause. Offenen Ganztags gab es damals noch nicht.

Motiv klassische Rollenverteilung

Die Aufgaben sind also klar verteilt. Der Mann bringt das Geld nach Hause, die Frau ist für den Haushalt und die Erziehung der Kinder verantwortlich. Soweit nichts Verwerfliches. Wurde schon immer so gemacht. Warum sollte der Mann auch seine Karriere unterbrechen und damit die Familie auf viel Geld verzichten? Warum sollte er die Kinder erziehen? Schließlich hat die Frau doch mehr Ahnung von Kindererziehung.
Es ergibt für die meisten Eltern keinen Sinn, dass sich der Vater um die Kinder, geschweige denn um den Haushalt kümmert. Viel einfacher ist es doch, wenn jeder seinen zugeteilten Bereich hat und ihn eigenverantwortlich ausfüllt. Außerdem möchten die Frauen nicht, dass in ihren Bereich hineingepfuscht wird. Sobald der Mann Unterstützung anbietet, bringt er eh nur Unruhe in ihren Arbeitsablauf. Gleichzeitig will der Mann in Ruhe der Arbeit nachgehen und seinen Teil der Abmachung erfüllen.

Wo bleibt die Dankbarkeit?

Die männliche Verantwortung ist also sehr groß, denn schließlich bringt der Mann das Geld nach Hause. Davon kann die Frau sich den Lebensstil leisten, die Kinder den Sportverein und die gesamte Familie den Urlaub. Ein bisschen Dankbarkeit kann der Mann dafür schon erwarten, denn ohne seinen Einsatz wäre das Leben so nicht möglich. Immerhin muss ja auch noch die Hypothek vom Haus abbezahlt werden.
Der Mann fragt sich jetzt also zurecht: „Wo soll ich jetzt noch meine Frau bei der Erziehung unserer Kinder unterstützen? Die Aufgaben sind klar verteilt. Jeder fühlt sich wohl, wir sind eine glückliche Familie!“ Immerhin sieht der Mann seine Kinder doch am Wochenende und bringt sie, wenn er es zeitlich schafft, abends ins Bett. Reicht das nicht?

Stopp! Halt! Cut!

In dem Wort Erziehung steckt das Verb „ziehen“. Für mich bedeutet es so viel wie „ich ziehe mein Kind dahin, wohin ich es haben will“. Mir geht es als Vater nicht um das „Ziehen“ in eine Richtung, sondern um das Begleiten meiner Kinder. Dabei orientiere ich mich an Jesper Juul und unterscheide zwischen Wünschen und Bedürfnissen. Wünsche können erfüllt werden, Bedürfnisse sollten erfüllt werden.
Bedürfnisse sind wie ein Gericht in einem Schnellkochtopf. Steht es auf dem Herd und wird erhitzt, baut sich Druck auf, der nicht entweichen kann. Dem Bedürfnis des Wasserdampfes zu entweichen sollte nachgegeben werden, sonst explodiert der Topf.
Wünsche sind hingegen wie Bitten. Sie sind nicht überlebenswichtig. Vielmehr sind sie die Kirsche auf der Sahnetorte. Kann, muss aber nicht. Um herauszufinden, ob es sich um Bedürfnisse oder Wünsche handelt, muss ich im ständigen Kontakt mit mir selber und meinem Umfeld sein.

Motiv neue Vaterrolle

In der Überschrift des Beitrages versteckt sich auch eine Haltung: „Meine Frau braucht Unterstützung.“ Unser Familienmodell basiert aber auf einer anderen Vaterrolle. Ganz bewusst haben wir uns für ein paritätisches Modell entschieden, indem sich beide Elternteile verantwortlich und zuständig fühlen. Meine Frau arbeitet in Teilzeit und verdient Geld für die Familie, genau wie ich es tue. Ich schmeiße den Haushalt und kümmere mich um die Kinder, genau wie sie es tut.
Weder sie noch ich benötigen die Unterstützung des jeweils anderen. Weil wir im ständigem Austausch und Kontakt sind, haben wir mehr Zeit für unsere Kinder und die Paarbeziehung. Die Beziehung zu meinen Kindern und mir als Vater ist genauso eng und innig, wie zu meiner Frau, ohne dass wir uns gleichen. Dafür verzichte ich gerne auf Geld und erlebe mehr Qualitätszeit mit meiner Familie. Was auf der Strecke bleibt, ist die Zeit mich mich und für alte Freunde.

Mehr Achtsamkeit in der Familie

Eigentlich wollte ich einen Beitrag über Achtsamkeit schreiben. Doch irgendwie bin ich bei diesem Thema gelandet. Seit fast zehn Jahren löse ich mich nun schon bewusst von dem oben beschriebenen traditionellen Familienmodell. Leider klappt die Transformation nicht immer so, wie ich sie mir wünsche. Dann denke und rede ich, wie mein Vater es getan hat.
Glücklicherweise habe ich eine selbstbestimmte Frau, die mich auf meinem Weg hin zu einem liebevollen und verständnisvollen Vater unterstützt. Zwinkersmilie.

Wie sind deine Gedanken zum traditionellen und modernen Familienbild? Welche Erfahrungen machst du oder hast du als Vater gemacht? Bist du vielleicht ein Vater, der sich mehr Zufriedenheit und Gelassenheit in der Familie wünscht? Hilf mir zu verstehen, was es dafür braucht! Beantworte fünf Fragen in der Umfrage zu »Gesund Vater Sein«.

5 Fehler über Hochsensibilität, die ich gemacht habe und was du daraus lernen kannst

5 Fehler über Hochsensibilität, die ich gemacht habe und was du daraus lernen kannst

Obwohl ich meine Hochsensibilität annehme und liebe, passieren mir häufig die selben 5 Fehler. Dass ich damit nicht alleine bin, erfahre ich in vielen Gesprächen und Zuschriften von hochsensiblen Menschen. Im Alltag müssen wir uns mehr als Normalsensible behaupten. Dabei geraten HSPs leicht unter die Räder der gesellschaftlichen Normen. Doch es lohnt sich daran zu arbeiten!

1. Fehler: Ich will diese Eigenschaften nicht haben!

Schon als Kind wusste ich, dass etwas mit mir nicht stimmte. Ich war schnell überreizt, hatte meine Gefühle nicht unter Kontrolle und nicht immer passten meine emotionalen Reaktionen zum erwarteten Verhalten. Ständig hatte ich das Gefühl, in die falsche Familie hinein geboren zu sein. Niemals konnten das meine Eltern sein. Kommunikation und wertschätzendes Miteinander war mir immer schon wichtig. Meine Gedanken kreisten über den Sinn des Lebens und am wohlsten fühlte ich mich, wenn jemand mit mir darüber philosophierte. Obwohl ich vermeintlich schlecht hörte, konnte ich Geräusche wahrnehmen, die andere nicht wahrnahmen. Meine Sinne liefen auf Hochbetrieb, 24 Stunden, 7 Tage die Woche. Ich war schnell erschöpft und brauchte permanent Regeneration.

Aber das habe ich mir nicht eingestanden. Natürlich wollte ich dazu gehören und konnte mir selber meine Null-Bock-Phasen nicht erklären. Es gab Tage, da konnte ich zurückgezogen sein und Tage, da ging es mir richtig gut. Doch richtige Gründe gab es dafür nicht. War halt so. Annehmen wollte ich diese „Macken“ aber nicht. Statt dass ich meine Charaktereigenschaften annahm, habe ich sie versucht zu bekämpfen. Ich wollte sie loswerden und habe sie letztendlich verdrängt. Zack, alle weg.

Fortan hatte ich immerzu Bauchschmerzen, Kopfschmerzen, Gliederschmerzen und allgemeines Unwohlsein. Ich fühlte mich energielos und matt. Warum lebe ich eigentlich, wenn es mir so schlecht geht? Es kümmert doch eh keinen, dass ich da bin. Falsche Familie, keine Freunde, alles doof. Ich schleppte mich so durch’s Leben. Abi, Ausbildung, Arbeit. Beziehungen kamen und gingen. Ich verleugnete mich selbst und mein Ich.
Bis ich eines Tages die Reißleine zog und mir selber sagte: „Stopp. Entweder du änderst jetzt alles, oder es ändert sich nichts.“ Hochsensible haben die Fähigkeit, von heute auf morgen alles zu ändern. Für mich bedeutete das, die Wohnung und den Job zu kündigen sowie die Freundin zu verlassen. Raus aus meinem gewohnten Umfeld, in dem ich mich nicht wohl fühlte und raus in die Welt. Es lohnt sich, seine Fähigkeiten zu entdecken, seine Wahrnehmungen zu schulen und seine Gefühle zu offenbaren. Es gibt Menschen da draußen, die dich verstehen und die den Weg gemeinsam mit dir gehen wollen und können.

Vergegenwärtige dir deine Hochsensibilität. Es ist ein Geschenk, mit scharfen Sinnen sich selbst und anderen Menschen zu begegnen. Nutze dein Talent und entdecke die Möglichkeiten, sie einzusetzen. Habe den Mut, deinen Schatz zu heben. Ich habe viele Seminare zur Selbstfindung besucht, habe Yoga gemacht und mich in Kommunikationsmethoden weitergebildet.

2. Fehler: Ich will doch nur geliebt werden

Schon in der Schule wollte ich dazugehören. Das will wahrscheinlich jede*r. Es gibt die coolen Jungs, die Mitläufer und die Randgruppen. Ich gehörte, wie so viele Hochsensible, zur Randgruppe. Das laute Gebrüll der Alpha-Männchen ist nichts für sensible Ohren von HSPs. Trotzdem tat ich vieles, um cool zu sein und dazu zu gehören. Ich verbog mich für andere und griff nach jedem Strohhalm, so zu sein wie sie. Bei der kleinsten Möglichkeit hing ich mich an die Fersen, trank Alkohol, feierte bis tief in die Nacht und hörte schreckliche Musik. Alles für ein kleines bisschen Aufmerksamkeit. Ich übernahm Aufgaben und merkte nicht, wie ich ausgenommen wurde. Alles für ein kleines bisschen Anerkennung. Über meine Emotionale Abhängigkeit habe ich schon einmal einen Beitrag geschrieben.

Denn das musst du dir nicht antun. Sei unabhängig und selbständig. Das hast du nicht nötig. Dein Talent und deine Energie gehören dir und sollte nicht für jeden kleinen Preis offenbart werden. Du hast so viel mehr verdient, als ein wenig Aufmerksamkeit. Du hast so viel mehr verdient, als dich mit deiner Abhängigkeit lustig zu machen. Du bist wertvoll, als dass du dich in Abhängigkeit zu anderen begeben musst.

3. Fehler: Entschuldigung, das tut mir Leid, ehrlich!

Dir fällt es schwer, eine Partnerin zu finden und dich lange zu binden? Dann bist du nicht alleine. Denn hochsensible Menschen brauchen Freiheit und Selbstbestimmtheit. Doch häufig ist genau das Gegenteil der Fall. Sie begeben sich in eine emotionale Abhängigkeit und wollen gefallen. Dafür tun sie alles. Sobald die Partnerin sich an dem Verhalten stört, entschuldigst du dich und merkst gar nicht, wie sehr du dich weiter und tiefer in die Abhängigkeit beförderst. Dein erwartetes Verhalten passt immer weniger zu deinem gewünschten Verhalten. Deine Partnerin fragt dich „WARUM hast du _______ (fülle irgendwas ein) getan?“ Und du hast keine Antwort auf diese Frage. Stattdessen entschuldigst du dich. Immer und immer wieder und wirst immer unfreier.

Sei frei und selbstbestimmt. Sprich offen und ehrlich über deine Wünsche und Befürchtungen. Mir hat es sehr geholfen, ab dem ersten Tag mit meiner Frau mit offenen Karten zu spielen. Mir hat es geholfen, offen und ehrlich über meine Hochsensibilität zu sprechen. Ist sie interessiert an dir und deinen „Macken“, finden sehr schnell wertschätzende Gespräche statt. Wenn sie dann noch Verständnis zeigt, ist das Fundament für eine stabile und wertschätzende Partnerschaft gelegt. Wenn nicht, war sie nicht die richtige für dich!

4. Fehler: Das war ich nicht, das war schon so!

Du machst ständig andere für deine Fehler verantwortlich und suchst Ausreden für dein Verhalten? Herzlichen Glückwunsch, dann übernimmst du keine Verantwortung für dich. Alle sind gegen dich und nur weil jemand anderes etwas getan oder nicht getan hat, bist du jetzt in dieser schlechten Situation. Du fällst durch Prüfungen, weil der Lehrer/Dozent keine Ahnung hat? Oder fällst du durch Prüfungen, weil du Schwierigkeiten beim Lernen hattest und es dir nicht eingestanden hast? Statt offen über deine Schwierigkeiten zu sprechen und sie dir selber einzugestehen, findest du keinen Antrieb und machst andere dafür verantwortlich.

Gib dir Selbstliebe. Nimm dich mit all deinen Fehlern und Macken an und verdrehe dich nicht. Bewerte die Dinge positiv und suche immer einen Sinn dahinter. „Vielleicht sollte das so sein!“ Nimm die Erfahrung an und gestehe dir ein, dass dieser Weg so nicht weiter gehen kann. Ändere deinen Kurs und horch in dich hinein, was du möchtest. Sicherlich ist Selbstmitleid nicht der Weg, den du gehen möchtest.

5. Fehler: Ja natürlich, immer gern, ehrlich, kein Problem

Zu guter letzt können hochsensible Menschen sehr schlecht „Nein“ sagen. Sie können es vielleicht schon, doch sagen es nicht aus Überzeugung. Es entsteht eine Diskrepanz zwischen dem gesagten und dem gefühlten. Aus den oben genannten Gründen wollen hochsensible Menschen nicht Nein sagen, bzw. sie können es nicht. Sie wollen geliebt werden und haben Angst vor Ausgrenzung. Selbst wenn sie darauf angesprochen werden, sagen sie nicht „Nein“. Lieber ergeben sie sich der Situation und machen das Beste draus, als dass sie „Nein“ sagen. Sie haben Angst, jemandem durch eine vermeintliche Ablehnung weh zu tun. Immerhin steht viel auf dem Spiel.

Sag Nein. Gib deinem Impuls nach und lehne auch mal etwas ab. Spüre in dich hinein und frage dich, ob du dich wirklich verbiegen willst. Bevor du eine Entscheidung triffst, zähle innerlich bis 5 und bitte um Bedenkzeit. Entscheidungen bei hochsensiblen Menschen brauchen lange, sind dann aber gut durchdacht. Triff keine vorschnellen Entscheidungen, sondern lass es noch mal reifen. Nimm dir die Zeit, die du brauchst, sollten 5 Sekunden nicht reichen.

Mir hat es unter anderem geholfen, immer mal wieder mein Leben aufzuschreiben. Meine Ziele, meine Wünsche und meine Stärken. Vergegenwärtige sie dir und verfasse ein persönliches Manifest. Das hängst du gut sichtbar in deine Wohnung, sodass du jeden Tag deine Ziele und Werte vor Augen hast!

Bist du dir unsicher, ob du hochsensibel bist? Dann mache doch einen Test, zum Beispiel auf zartbesaitet.de

Wie ist es bei dir? Treffen die Punkte auf dich zu? Oder nur ein bestimmter Punkt? Wo liegen deine Baustellen oder hast du vielleicht schon deine Baustellen bearbeitet? Schreib mir in die Kommentare, was dich zurzeit beschäftigt oder schreibe mir eine Mail. Ich freue mich von dir zu hören!

Wie ich den Weg vom traditionellen Rollenbild zum aktiven Vater geschafft habe

Wie ich den Weg vom traditionellen Rollenbild zum aktiven Vater geschafft habe

Vom traditionellen Rollenbild des Vaters und Mannes musste ich mich erst lösen, bevor ich in die neue Rolle des aktiven Vaters schlüpfen konnte. Die Elternzeit ist eine Gelegenheit, sich selber und sein Rollenvorbild zu überdenken. Aber auch hier gibt es immer neue Herausforderungen zu meistern und Wege zu gehen. Dass ich jetzt meine Elternzeit verlängert habe, ist der konsequente Schritt einer langen Entwicklung.

Zum Vatertag wurde ich von Ulrike Schuster von der Bild am Sonntag zu meiner Vaterrolle interviewt. Eigentlich sollte das Gespräch nicht lange dauern, einiges konnten wir bereits vorab per Mail besprechen. Doch nach 1,5 Stunden habe ich das Gespräch abgebrochen, weil die Kinder so langsam ihren Papa wieder zurück haben wollten. Bis dahin habe ich meine Geschichte erzählt und am anderen Ende der Leitung freute sich eine staunende Redakteurin. Die letzte Frage hat mich dann aber doch zum Nachdenken gebracht: „Heiner, was ist die Konsequenz aus der zweiten Elternzeitreise?“ Über vieles mache ich mir Gedanken, aber nicht über Konsequenzen aus der Reise. Wie meinte sie das überhaupt?

Gefangen im traditionellen Rollenbild

Nach der ersten Elternzeit war ich noch weitere vier Monate mit K1 zu Hause, während meine Frau zurück in ihren Teilzeit-Job gegangen ist. Damals war ich froh um diese Auszeit vom Job. Überwerfungen, Enttäuschungen und falsche Erwartungen führten zu Unwohlsein und Rückzug. Gleichzeitig hat mir die Arbeit aber auch Spaß gemacht. Doch beim Gedanken an die Rückkehr in den Job bekam ich Bauchweh und Stresspickel. Im Dezember 2016 konnte meine Frau das Elend nicht mehr weiter ansehen und meinte: „Heiner, es ist ok wenn du kündigst, wir schaffen das auch mit einem Gehalt!

Wir gehen beide arbeiten und bringen ein stabiles Einkommen nach Hause. Monatlich konnte ich etwa 1.000 EUR zur Seite legen, um damit mein BaföG und den Studienkredit zurückzuzahlen. Mehr als 40 Stunden arbeitete ich und hatte viele Überstunden auf meinem Gleitzeitkonto, die ich in Freizeit tauschen konnte. Das war mir immer lieber, als einen Ausgleichsbetrag ausgezahlt zu bekommen. Dennoch tat ich mich schwer, auf Geld zu verzichten. Selbst in Teilzeit mit der halben Stundenzahl würde ich bei schlechter Steuerklasse ca. 1.000 EUR Lohn erhalten. Eine Zäsur in meinem Berufsleben.

„Im Verlauf des gemeinsamen Lebens führen Zäsuren wie die Geburt eines Kindes oder ein Karrieresprung des Mannes oft dazu, dass die gleichgestellte Vision, die sie vorher (teilweise) schon realisiert hatten, oft schlagartig in ein traditionelles Rollenbild kipp – nicht weil dies das von beiden gewollte und verabredete Lebensmodell ist, sonder aus rationalen, ökonomischen Erwägungen aufgrund äußerer Anreizstrukturen.“
Karsten Wippermann (2014): Jungen und Männer im Spagat: Zwischen Rollenbildern und Alltagspraxis, Berlin, S. 10

Erschrocken über mich, wie sehr mich das klassische Rollenbild gefangen hat, begab ich mich auf die Suche nach einer Lösung. Schließlich wollten ich es doch immer anders machen. Der Mann als Ernährer, der das Geld nach Hause bringt, der nur am Wochenende mit den Kindern Zeit verbringen kann, der die Kinder morgens zur Schule fährt und es gerade so schafft, ihnen abends eine Gute Nacht Geschichte vorzulesen. So ein Vater wollte ich nie werden und war doch auf dem besten Weg dorthin. Zurück ins traditionelle Rollenbild. Mit der Elternzeit hatte ich die Chance, es anders zu machen; so, wie ich es schon immer machen wollte.

Erste Schritte zur neuen Vaterrolle

Im Dezember 2016 habe ich meinen unbefristeten Vollzeit-Job gekündigt und mich auf die bevorstehende Elternzeit als Hausmann eingestellt. Mein Arbeitgeber konnte mir keine Teilzeitstelle anbieten und war dazu auch nicht verpflichtet. Die damalige Elternzeit war dementsprechend eine Zäsur für uns als Familie. Wie es mir damit erging, habe ich hier aufgeschrieben. Einige Monate später sind wir umgezogen, haben unser Auto verkauft und machten mit beim foodsharing. Nun haben wir einen Spielplatz vor der Haustür und beide nur 5 Minuten zu Fuß zur Arbeit. Beide? Ja, denn durch eine glückliche Fügung konnte ich im örtlichen Krankenhaus als Sozialarbeiter anfangen. In Teilzeit für 20 Stunden. Perfekt für unsere Familie. Vormittags war meine Frau zu Hause bei K1, nachmittags ich. Gelebte Vereinbarkeit von Familie und Beruf.

Auch das Thema Einkommen hatte sich eingespielt. Wir haben die Steuerklassen gewechselt und beteiligen uns am Familienhaushalt in Relation unseres Einkommens. Meine Frau steuert den größeren Betrag zu, ich den kleineren. So bleiben ihr und mir ca. 700 EUR, die wir für unser persönliches Konto „über“ haben. Meine Schulden aus dem Studium hatte ich, auch dank eines Familiendarlehns, abgegolten. Nun füllte sich Monat für Monat das Tagesgeldkonto. Gleichzeitig hatte ich mich vom teuren Flugverein passiv gemeldet und spare so ca. 500 EUR pro Jahr. Wir verzichten auf teure (Streaming-, Musik-, App-) Abos, kaufen viel gebraucht und müssen trotzdem nicht aufs Reisen verzichten. Kleinere Ausflüge oder längere Urlaube sind ebenso „drin“ wie vorher.

Die zweite Elternzeitreise sollte tatsächlich eine weitere Veränderung bringen. Während der Schwangerschaft von K2 haben wir versucht, alle Fehler über Vereinbarkeit von Familie und Beruf kein zweites Mal zu machen. Also habe ich rechtzeitig das Gespräch mit meiner Chefin gesucht und ihr offen heraus unsere Pläne erzählt. Da sie und meine Kolleg*innen Vollblut-Eltern sind und die Personalabteilung erfahren ist, lief alles problemlos. Die Elternzeitreise sollte dieses Mal allerdings länger und nach Slowenien verlaufen. Wir würden uns drei Monate Zeit nehmen und uns von der Sonne treiben lassen. Dass es anders kam, kannst du hier nachlesen. In den Wochen nach der Reise sprachen meine Frau und ich viel über die nächsten Schritte. K1 kommt in den Kindergarten, meine Frau geht im Juli wieder arbeiten und ich bin ab Januar 2020 wieder zurück im Job. Doch irgendwie fühlte sich das nicht richtig an.

Bedürfnisorientierte Vaterschaft

Wieder einmal stehe ich vor einer Entscheidung, die sich wie eine Weggabelung eines Wanderweges anfühlt. Gehe ich rechts oder links entlang? Bleibe ich sitzen oder kehre ich um? Richtig oder falsch? Ich erinnerte mich an die Frage von Ulrike Schuster, die wie Treibstoff im Gedankenkarussel meines Kopfes wirkt. Was, wenn ich zu Hause bleibe, bis K2 in den Kindergarten geht? Was, wenn meine Frau die Vollverdienerin sein wird? Was, wenn wir das gegenwärtige gesellschaftliche Rollenmodell auf den Kopf stellen? ,Nur Mut, es ist ok‘, denke ich mir. Erwartungsgemäß musste ich meine Frau nicht überzeugen, denn sie strahlte mich an und war sofort begeistert. Trotzdem musste ich noch mal kurz nachrechnen, bevor es sich „richtig“ und „gut“ anfühlte.

Zwar verzichte ich auf 1.000 EUR Einkommen, doch wer aufmerksam gelesen hat wird feststellen, dass wir immer noch deutlich im Plus raus kommen – obwohl meine Frau „nur“ 30 Stunden arbeitet. Wir haben den charmanten Vorteil, dass wir zur Miete wohnen und keine monatliche Kreditbelastung (für z.B. Immobilie, Möbel, Auto, Smartphone, Computer) haben. Wir gehen zu Fuß einkaufen, reisen mit unserem Fiete VW Bus und verzichten auf teure Urlaube. Anderer Schnick Schnack, wie neue Smartphones, riesige Fernseher und Playstation Spiele fehlen bei uns ebenso, wie teure Hobbys. Lieber verbringen wir gemeinsame Familienzeit oder treffen Freunde zur Qualitätszeit. Geld ist uns nicht wichtig. Ja, ich bleibe zu Hause!

Raus aus der Komfortzone

Es sollte mehr Väter geben, die sich für eine aktive Vaterrolle entscheiden. Vielleicht braucht es Mut oder Zuversicht, als Papa zu Hause zu bleiben. Sicherlich braucht es auch eine finanzielle Grundlage, regelmäßiges Einkommen durch Elterngeld oder Lohnarbeit des Partners. Für mich sind dies jedoch vorgeschobene Gründe. Vielmehr müssen Väter mehr noch als Mütter den Anreizen widerstehen, die ihnen der Job bringt. Das Bequeme überwinden, raus aus der Komfort-Zone! Das Überwinden der im oberen Zitat beschriebenen ökonomischen Erwägungen sind die gegenwärtige Herausforderungen. Also weniger rational denken, sondern mehr emotional handeln. Wer jetzt mit „ja, aber das Geld…“ argumentiert, muss sich von seinen Denkmustern lösen!

Die nächsten Schritte sind schnell erzählt. Gespräch mit meiner Chefin, Antrag beim Arbeitgeber auf Verlängerung der Elternzeit und alle Formalitäten überarbeiten, sobald die Bestätigung im Briefkasten liegt. Glücklicherweise hat meine Vertretung Lust, mich bis September 2021 zu vertreten. Ulrike Schuster sollte Recht behalten mit ihrer Annahme, dass jede Elternzeitreise eine einschneidende Veränderung für die Familie mit sich bringt.



Was denkst du über die neuen Väter? Bist du ein aktiver Vater oder möchtest du einer sein? Oder gehörst du zum Team Traditionelles Rollenbild und kannst damit gar nichts anfangen? Ich bin gespannt auf deine Kommentare und Erfahrungsberichte!

Photo by Natalya Zaritskaya on Unsplash

E2W4: Bis ans Mittelmeer und zurück

E2W4: Bis ans Mittelmeer und zurück

Wir sind auf Elternzeitreise. Papa, Mama mit K1 (3 Jahre) und K2 (8 Monate). Ich nehme mir von meinem Teilzeit-Job eine zehnmonatige Auszeit. Ab August geht meine Frau zurück in den Job. In der Zwischenzeit wollen wir erneut mit Fiete verreisen. Bei K1 waren wir in Spanien. Unser jetziges Ziel: Slowenien. Ich knüpfe direkt an die Erlebnisse der ersten, der zweiten Woche und der dritten Woche an.

Überraschung: Wir sind wieder zu Hause! Nach insgesamt vier Wochen und 3.000 km schlafen wir wieder in unserer gewohnten Umgebung. Obwohl Fiete auch zu einer gewohnten Umgebung geworden ist, fühlt sich das heimische Bett, die Wohnung und die Freunde nach „zu Hause“ an. Obwohl die Reise eine überraschende Wendung nahm, sind wir ebenso happy, wieder hier zu sein.
Wie ich letzte Woche bereits beschrieben haben, hat uns der Campingplatz an den drei Flüssen sehr verzaubert. K1 hatte ihr Trampolin, wenige andere Camper waren auf dem großen Areal mitten im Wald, sodass wir uns fast allein fühlten. Ein Kater leistete uns seit ein paar Tagen Gesellschaft, niemand war krank und alles war perfekt. Sogar das Wetter hat sich von seiner schönsten Seite gezeigt – über 30 Grad, Sonne pur. Vergessen die regnerischen Tage und Wochen bis hierher.

Und doch müssen wir abreisen, denn der Platz wird für eine Hochzeit am Wochenende gebraucht. Mit einem weinenden Auge und einem lachenden Auge planen wir die Route. Soll es doch über Italien nach Slowenien gehen? Wollen wir eine Rundreise um Frankreich machen oder bleiben wir in der Provence? Der Familienrat bespricht das weitere Vorgehen am Spielplatz, am Fluss, beim Essen und immer dann, wenn wir Zeit dafür finden. Es liegt also eine Entscheidung in der Luft. K1 meldet sich zunächst leise und dann immer lauter zu Wort: „Ich will aber nach Hause zu Oma und Opa!“ – Uff, damit hat niemand gerechnet.
Oma und Opa sind fester Bestandteil unseres Alltages. Gleichzeitig sehen sich K1 und die Großeltern vielleicht ein-/zweimal pro Woche. Hin und wieder darf sie dort übernachten. Eine tägliche Betreuung für mehrere Stunden, wie eine Camperin vermutete, findet nicht statt. Also auch kein zurück in den Alltag. Wir begegnen dem Wunsch und reden viel miteinander. K1 telefoniert hin und wieder mit den Großeltern, wir reden viel über die gemeinsamen Erlebnisse und freuen uns auf die Zeit nach unserer Reise. Wir spielen „Gassi gehen“ mit den Hunden der Großeltern und K1 imitiert die Gesten, den Habitus und die Sprache von Oma und Opa.

Heimweh

„Ich will aber nach Hause!“ – Der Wunsch wird immer deutlicher und wir fragen uns, ob es sich um einen Wunsch oder um ein Bedürfnis handelt. Gleichzeitig ist in mir der große Wunsch ans Mittelmeer zu fahren. In einem Hörspiel, dass K1 seit Beginn der Reise immer wieder hört, geht es auch um eine Reise ans Meer – allerdings mit den Großeltern. Ich setze mich im Familienrat durch und wir setzen unsere Reise fort – an die Côte d’Azure. Ein Fehler? Die Autofahrt soll ca. 3 Stunden dauern und auf zwei Etappen aufgeteilt werden. Die Leichtigkeit verfliegt, als wir gerade ein paar Kilometer unterwegs sind. K1 fiebert hoch.

Auf dem Campingplatz angekommen liegt K1 auf der Rückbank und schläft. Sie ist heiß und hat Bauchweh. Ich baue das Vorzelt auf, räume im Bus hin und her, während Corinna mit K2 den Platz erkundet. K1 weint, wimmert und hat Bauchweh. Sie fiebert immer noch. Ein Zäpfchen wird nur kurz abgewehrt. Sie schläft den Spätnachmittag im Hochdach für ein paar Stunden. Gleichzeitig sagt sie immerzu, dass sie nach Hause will. Corinna und ich entscheiden, dass wir die Reise am Mittelmeer abbrechen werden. Es geht in ein paar Tagen nach Hause. Auf dem direkten Weg. Aus dem Wunsch ist ein Bedürfnis geworden.
Wir wollen immer die Bedürfnisse der Familienmitglieder in den Mittelpunkt setzen. Dabei richten wir uns nach der Gewaltfreien Kommunikation nach Marshall Rosenberg. Kurz gesprochen wird zwischen Wünsch und Bedürfnissen unterschieden. Wünschen dürfen mit einem Nein beantwortet werden. Bedürfnisse hingegen sollte man nachgehen, sie sollten erfüllt werden. Schließlich handelt es sich um eine innere Sinnhaftigkeit. Wie bei einem Schnellkochtopf, der auf dem eingeschalteten Herd steht. Wird der Deckel nicht irgendwann abgedreht, wird der Druck zu hoch. Wir nehmen K1 den Druck und haben gemeinsam entschieden, zurück nach Hause zu fahren.

Die Reise endet an der Côte d’Azure

Es kommt auch alles zusammen. Der Campingplatz ist sehr eng, hellhörig und wuselig. Ständig werden wir mit einem „Hallo, Guten Tag oder N’Abend“ begrüßt. Reisegefühle kommen hier nicht auf. Zudem werden wir höflich darauf hingewiesen, dass wir unsere Wäsche bitte nicht zum Trocknen zwischen den Bäumen aufhängen sollten. Mit Kind sei das zwar schwierig, aber so könnten die freien Plätze rechts und links von uns schlechter vergeben werden. Aha, so läuft das hier also. Zum Glück lernen wir eine fröhliche Familie aus Erfurt kennen, die wir direkt ins Herz geschlossen haben. Abends treffen wir uns zum Plausch unter unserer Markise und plaudern. Wir lachen viel, wir stellen viele Parallelen fest und bleiben in Kontakt.
Montags brechen wir die Zelte ab, räumen alles ein vorletztes Mal zusammen und fahren in die Ardèche-Region. Corinna hat von unterwegs herausgefunden, dass der Platz ein großes Trampolin hat. Genau wie auf unserem Lieblingsplatz mit den drei Flüssen: Jackpot. Das schafft uns ein klein wenig Abwechslung von den Strapazen, die wir bisher erlebt haben. K1 freut sich über das tolle Spielgerät und wir campen direkt in Sichtweite, sodass wir den Rückreise planen können. Also alles für die 1.004 km Rückreise, die wir zwei Tage später antreten werden. Am Tag der Rückreise fahren wir in 3 Etappen nach Hause, jeweils zu den Schlafenszeiten von K2.

Unterwegs machen wir Rast an den toll ausgebauten und preislich echt günstigen französischen Raststätten entlang der Route. Hier gibt es für 22 EUR Pizza und Nudeln inklusive Getränke und Nachspeisen. Zum Vergleich: Auf einem Campingplatz hat eine Pizza schon 12 EUR gekostet – und die war nicht riesig! Um 23 Uhr sind wir zu Hause angekommen und bringen die Kinder ins Bett. Haha, war nur Spaß! K1 ist eine Stunde vor Ende der Reise wach geworden und wollte nicht mehr schlafen. Kaum hatten wir den Motor abgestellt, wurde K2 wach. Gegen 2:30 Uhr waren dann alle im Bett.
Wir lassen die Momente noch sacken, die Erlebnisse werden noch verarbeitet. Ob wir traurig sind, dass die Reise vorbei ist? Nein. Denn wir leben nach den Bedürfnissen aller Familienmitgliedern! Egal, ob 8 Monate alt oder 35 Jahre. Ob wir solch eine Reise noch einmal machen werden? Ganz bestimmt, dann aber mit älteren Kindern und längeren Stopps. Vielleicht auch nur im „Urlaub-Modus“: also Hinfahrt, am Urlaubsort verbleiben, Rückfahrt. Lesson learned.

PS: Wie letzte Woche angekündigt, wurde ich zum Vatertag von der Bild am Sonntag interviewt. Hier der Link zum Artikel (Achtung, Bezahlschranke) und ein Foto aus der Zeitung!

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