Kinderwunsch schon als Jugendlicher

Wertschätzung, Selbstbestimmtheit und Beziehung sind wichtige Werte in meinem Leben. Klingt wahrscheinlich erst mal merkwürdig und ist sicherlich irritierend. Denn ich mache mir und habe mir nichts aus Karriere, Autos oder Partys gemacht. Ich war schon immer anders. Ich wollte schon immer Kinder haben.

Groß geworden bin ich in einem familiären Umfeld mit zwei Eltern, drei Geschwistern, zwei Omas und ganz vielen Cousinen und Cousins. Das ist so, weil meine Eltern zusammengerechnet neun Geschwister haben, die durchschnittlich 3,9 Kinder bekommen haben. Ja, ich habe irgendwas mit 35 Cousinen und Cousins. Habe irgendwann aufgehört zu zählen. Dass ich immer schon anders war, als alle anderen in meinem Alter, habe ich vor allem bei den Familienbesuchen gemerkt. Raufen, Fußball spielen, Kräfte messen und Blödsinn machen wollte ich nicht. Lieber Ruhe und quatschen, tiefergehende Gespräche führen und „sein“ anstatt „haben“. Ich war das komische Kind in der Familie, der Seltsame, der Unangepasste.

Aufgewachsen in einem Dorf war ich keiner, der sich den typischen Cliquen anschloss oder sich abends zum Saufen traf. Dabei wurde ich gerne von anderen als Schwul tituliert, wahrscheinlich, um in deren Weltbild zu passen. „Der ist anders, der ist bestimmt schwul!“. Vielmehr haben mich Fragen interessiert über das Leben und was das Leben lebenswert macht. Warum bin ich hier auf der Erde und was ist meine Aufgabe? Die Unangepasstheit an das dörfliche Leben hat mich daher immer weggezogen, am liebsten ganz weit weg. Neue Horizonte erkunden, mein Ding machen und das Unangepasste leben.

Gleichzeitig war da der unendliche Wunsch, eigene Kinder zu haben. Ich wollte früh Vater sein und diese Rolle anders ausleben. Denn immer, wenn ich Kindern begegnet bin, war sofort eine besondere Ebene vorhanden. Ok, nicht immer, aber gerade mit den sensiblen Kindern, die viel Aufmerksamkeit benötigt haben, konnte ich gut. Vielleicht, weil ich mir Zeit genommen habe oder weil ich mich einfach mit ihnen beschäftigt habe. Vielleicht aber auch, weil ich als Hochsensibler feine Antennen für Gefühle und Emotionen habe. Ich weiß es nicht. Meine Schwester hat jedenfalls damals schon zu mir gesagt „Du wirst bestimmt mal Erzieher“ und „Mach auf jeden Fall etwas mit Kindern!“.

Dass ich also jetzt in einem sozialen Beruf gelandet bin und nur in Teilzeit arbeite, war irgendwie schon damals klar. Nur musste ich erst meinen Platz in dieser »Ich-mache-Karriere-und-werde-reich-Welt« finden. Jetzt bin ich Familienvater und stehe mit beiden Beinen fest im Leben. Die besondere Ebene zu Kindern ist geblieben und ich vergesse auch schon mal die Zeit, wenn ich mit ihnen spiele. Alles in allem steht Familie für mich im Mittelpunkt und mein Tochter – und ganz bald auch Kind 2 – sind zusammen mit meiner Frau die wichtigsten Menschen!

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