Blog

Es gibt 1 Update

Dieser Text erschien zuerst im Februar 2017. Lies weiter unten, was seitdem passiert ist.

Meine Tochter nennt mich seit ein paar Wochen „Ma“. Zunächst war ich irritiert, denn schließlich bin ich „Papa“ und nicht „Ma“. „Ma“ hört sich wie die Kurzform von Mama an. Das hat mich, typisch HSP, zum Nachdenken gebracht.

Geschlechterstereotypen

Wir sagen Papa zum Vater und Mama zur Mutter und haben direkt ein Stereotyp im Kopf. Mama ist die stillende Mutter, die einfühlsam und mit viel Liebe ihr Kind beschützend in den Armen hält. Mamas tauschen eher ihre Karriere gegen Kindererziehung als Papas. Die wiederum sind aktiver und raufen sich mit ihren Kindern, schimpfen eher als Mamas und sind leistungsorientierter. Papas Karriere geht weiter, Kindererziehung findet nach Feierabend oder am Wochenende statt. Vielleicht sind da noch weitere Merkmale, die zu den Stereotypen passen. Ganz sicher sogar.

Ich gebe zu, die Geschlechterstereotypen von Mann und Frau sind auch in meinem Kopf verankert! Meine Tochter schwert das gar nicht, schließlich kennt sie die klassischen Rollenbilder (noch) nicht. Die wird sie noch früh genug kennenlernen. Dass die Kleine mich Ma nennt, finde ich großartig. Sie hinterfragt doch automatisch das statische Denken über Geschlechterrollen in unseren Köpfen. Viele würden reflexartig antworten: „Nein! Papa. Pa-pa.“ Stattdessen krame ich noch mal den tollen Blog von Jochen König heraus und suche Bestätigung für das, was meine Tochter da sagt. Seine Texte über Familie und Geschlechterrollen sind so aufklärend und wahr, dass ich mich wieder in die Gender-Seminare meines Studiums zurück versetzt fühle. Ja, das Denken über diese Klischees und Stereotypen entsteht zwischen den Ohren. Bitte mehr davon!

Ein Mann ist ein Vater ist ein(e) Ma

Wenn sich also zwei Personen, Mutter und Vater, liebevoll um den Nachwuchs kümmern, dann ist es doch egal, wer Mama und wer Papa ist, oder? Sind da nicht Feinfühligkeit, Achtsamkeit, Nähe und Liebe die wichtigsten Merkmale? Und: können nicht auch Väter die Mutterrolle ausfüllen. Wenn ja, dann ist doch nichts dabei, wenn das Kind den Vater „Mama“ oder „Ma“ nennt, oder? Ist es nicht Lob und Anerkennung des Kindes für die Nähe, Vertrauen und Bindung zum Vater?
Oje, das passt natürlich nicht in das Rollenbild der Gesellschaft. Nur gut, dass wir anders sind. Meine Frau witzelt eh schon immer rum, dass sie der Mann in unserer Beziehung ist und ich eher die Frau. Jedenfalls provozieren wir so nicht nur Stirnrunzeln, sondern irritieren auch. Wenn mich also unsere Kleine „Ma“ nennt, dann ist das vielmehr Zeichen dafür, dass sie ebenso viel Liebe, Zuneigung und Achtsamkeit erfährt, wie von ihrer Mama. Das macht mich vor allem stolz. Und, ganz ehrlich, „Ma“ passt doch viel besser zu meiner Attitüde. Jeder Pa sollte ein Ma sein!

Ich freue mich schon auf die irritierenden Blicke, wenn meine Kleine auf dem Spielplatz ruft „Ma, ich will Rutschen!“ und ich ihr Hilfestellung gebe. Großartig!

Update Januar 2021

Mittlerweile ist mir klar, dass Fürsorgearbeit keine Frauensache ist und Männer ebenso einfühlsam wie verantwortlich Carearbeit übernehmen. Es ist menschlich und erst das Lernen am Modell führt zu den oben beschriebenen Verhaltensweisen. Die ersten sieben Monate war ich kaum sichtbar, habe Vollzeit gearbeitet und erst nach einem halben Jahr sieben Monate Elternzeit genommen. Verständlich, dass Sorgearbeit bis dahin nur mit „Mama“ verknüpft war und Grund genug, dass ich meinen Job gekündigt hatte, um mehr Zeit mit meiner Familie zu verbringen. Kurz darauf ist übrigens ein Interview zum Equal Care Day 2017 erschienen, das Corinna und ich beantwortet haben.

Dass es anders geht, zeigt mir mein Sohn, der 2018 geboren wurde. Durch meine Teilzeittätigkeit und die lange Elternzeit verknüpft er Sorgearbeit mit uns Eltern und nicht mit Mama. Er macht die Erfüllung seiner Bedürfnisse nicht an einem Geschlecht fest und lässt sich sowohl von mir als auch von Corinna beruhigen, in den Schlaf bringen und was sonst noch alles passiert. Am besten wäre es daher, wenn Sorgearbeit nicht per se mit Mama verknüpft wird, sondern mit Elternschaft. Danke für die Anregung zur Ergänzung, Karsten!

Mein Angebot

w

Individuelle Beratung

Damit Väter auf dem Weg zu ihrer aktiven Vaterschaft nicht allein sind, brauchen sie hin und wieder Unterstützung und Begleitung. Für individuelle Fragen und persönliche Beratung stehe ich gerne zur Verfügung.

Heiner

Heiner

Hi, ich bin Heiner, verheiratet und Vater von zwei Kindern. Als Coach und Familienberater begleite ich Väter auf ihrem Weg zu einer Aktiven Vaterschaft, damit Vereinbarkeit von Familie & Beruf besser gelingen kann. Im Moment befinde ich mich in Elternzeit und kehre im September 2021 in meinen Teilzeitjob als Sozialarbeiter zurück. Wenn du mehr über meine Arbeit lesen möchtest, schau dich gerne um.

Papa Post

Du bekommst 1x im Monat eine Mail zu Familienarbeit, Vereinbarkeit sowie Veranstaltungen und Informationen über Väterarbeit 🦸🏼‍♂️

Trag dich gleich ein 🙏🏼

Prima, das hat geklappt!

Pin It on Pinterest

Shares