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Es gibt 1 Update

Dieser Text erschien zuerst im Oktober 2016. Lies weiter unten, was seitdem passiert ist.

Irgendwann kurz vorm Schlafengehen hat meine Frau mich mit der Frage konfrontiert, ob ich mir lieber ein Mädchen oder doch lieber einen Jungen gewünscht hätte. Bäm. Da war sie wieder. Eine dieser Fragen der Kategorie »Fragen, mit denen du nicht rechnest, in eins, zwei…« und auch noch zur besten Sendezeit, so kurz vorm Schlafengehen.

Geschlecht ist egal, oder?

Wobei überrascht nicht stimmt, denn ich rechne jederzeit mit solchen Fragen. Schließlich ist meine Frau, seitdem ich ihr offenbart habe, sieben Monate Elternzeit zu nehmen und mir auch den Job als Hausmann gut vorstellen könne, erpicht auf jede »Vater-Tochter-wie-fühlst-du-dich-erzähl-doch-mal«-Erfahrung. Als Experte im »auf ernste Fragen falsch reagieren« rutscht mir nur ein blöder Spruch raus: „Geschlecht ist egal, Hauptsache ein gesunder Junge!“ An dieser Stelle durfte ich mir dann kurz überlegen, ob ich auf der Couch schlafen wolle.

Die Frage hat mich dann allerdings tatsächlich sehr lange beschäftigt! Während der Schwangerschaft wussten wir schon sehr früh das Geschlecht, sodass ich mir nicht wirklich dazu Gedanken machen musste. Zumal steckte ich mit dem Kopf tief in der Arbeit und musste mir die freien Stunden für die Besuche beim Frauenarzt unter Protest meines Chefs hart erkämpfen. Die Zeit war gekommen, die Grübelei ging los: Jungs spielen den ganzen Tag im Dreck, prügeln sich und tragen immer Blau, bloß kein Rosa. Mädchen sind zickig, tragen rosa Röcke, lackieren sich die Nägel und pinkeln im Sitzen.

Konfrontation mit den Wünschen und Bedürfnissen der eigenen Kindheit

Was ist denn jetzt besser? Was wünscht man sich da lieber? Macht nicht jedes Kind erst mal eine Zeit lang in die Windeln? Von Freunden, die schon Kinder haben, habe ich mir sagen lassen, dass der Gestank bei Jungs und Mädchen gleich schlimm ist. Die Muttermilch-Stuhl sei noch harmlos, aber was anschließend ab Beikost rauskommt, gleicht einem Chemieunfall. Bringt mich also auch nicht weiter.

Mir schossen all die Wünsche durch den Kopf, die ich an meinen Vater hatte, als ich noch ein kleiner Fratz war. Gemeinsam den Spielplatz unsicher machen, basteln, herumtoben, Verstecken spielen, Zelten im Garten oder mal ein Wochenende nur Papa und ich, Geschichten erzählen und abends Gruselgeschichten lesen. Und dann natürlich Antworten auf so wichtige Fragen wie: »Warum sind alle Mädchen eigentlich so doof?« oder »Warum habe ich da was zwischen den Beinen, Mama aber nicht?«

All das konnte oder wollte er damals nicht. Jedenfalls habe ich mehr Frauen um mich herum gehabt als Männer. Was also habe ich gelernt, was ich meinem Sohn mitgeben könnte? Dann wünsche ich mir ein Mädchen. In solchen Momenten komme ich dann schon ins Grübeln. Kann doch auch nicht die Lösung sein.

Was für ein Papa möchte ich sein?

Da ist der liebevolle, fürsorgliche Papa, der bedürfnisorientiert handelt. Der beschützende Papa, der sich wie ein Löwe vor seine Kinder stellt und die Gefahren abwehrt. Der supportende Papa, der befähigt und empowert, sodass die Kleinen zu eigenverantwortlichen und selbständigen Menschen heranwachsen. Letztendlich muss ich mir treu bleiben.

Kinder nehmen sich das, was sie brauchen. Eltern machen Angebote und stehen zur Verfügung, im Idealfall jederzeit. Und wenn nicht, dann sollten sie das klar kommunizieren. Feinfühligkeit, Wertschätzung und Selbstbestimmtheit sind die Werte, die mir persönlich wichtig sind. Ob Mädchen oder Junge, das spielt keine Rolle!

Wie sagte Barney Stinson immer: „Challenge accepted!“

Update Dezember 2020

Mittlerweile bin ich Vater von zwei Kindern und um einige Erkenntnisse reicher. Nicht nur habe ich mich mit meinen Ängsten und Sorgen auseinander gesetzt, sondern auch meine toxische Männlichkeit auf einen Prüfstand gesetzt. Die beschriebenen Rollenklischees habe ich schon immer in Frage gestellt und trage selber hin und wieder Nagellack und irritiere mit einem rosafarbenen Handy. Ich habe meinen Job gekündigt, mir eine Teilzeitbeschäftigung gesucht und werde insgesamt 36 Monate in Elternzeit gewesen sein.

Ohne Corinna und die Erfahrungen mit den beiden Kindern hätte dieser Prozess wahrscheinlich viel länger gedauert. Rückblickend würde ich meinem Ich sagen, mach dir keine Sorgen, alles wird gut. Du wirst dich deinen Ängsten und Befürchtungen stellen und es gut machen. Du wirst deinen Weg finden und es anders machen, als es dein Vater tat. Du wirst es besser machen, weil du dich kritisch mit deiner Vaterschaft auseinandersetzt und dein Privileg als Mann hinterfragst.

 

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Hi, ich bin Heiner, verheiratet und Vater von zwei Kindern. Als Coach und Familienberater begleite ich Väter auf ihrem Weg zu einer Aktiven Vaterschaft, damit Vereinbarkeit von Familie & Beruf besser gelingen kann. Im Moment befinde ich mich in Elternzeit und kehre im September 2021 in meinen Teilzeitjob als Sozialarbeiter zurück. Wenn du mehr über meine Arbeit lesen möchtest, schau dich gerne um.

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Prima, das hat geklappt!

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